Seine-Kreuzfahrt in die Normandie: Die schönsten Stopps am Wasser

Wer mit Kindern viel sehen, dabei aber wenig Stress haben will, bucht ein schwimmendes Hotel - wie BRIGITTE-Redakteurin Anja Haegele und ihre Familie, die auf einer Seine-Kreuzfahrt in die Normandie schipperten.

Ich liebe meine Söhne. Sehr sogar und fast das ganze Jahr. Nur im Urlaub denke ich manchmal, dass es vielleicht nicht so schlau war, gleich drei davon zu kriegen. Denn Urlaub mit Kindern ist sehr viel anstrengender als Alltag. Obwohl wir, seit Sohn Nummer zwei auf die Welt kam, die Form von Reisen meiden, die mein Mann und ich am meisten lieben: losfahren, bleiben, wo es schön ist, besichtigen, was am Weg liegt, und nur da essen, wo es köstlich scheint. Stattdessen buchen wir Ferienwohnungen, kochen selbst, statt ins Restaurant zu gehen, und trotzdem erinnert jeder Urlaub an ein Bootcamp in Sachen Geduld und Streitschlichterkompetenz.

Jeder Urlaub mit den Kindern erinnert an ein Bootcamp in Sachen Geduld und Streitschlichterkompetenz.

Doch dann fiel uns eine Anzeige ins Auge: Auf den A-Rosa Flussschiffen reisen Kinder unter 15 kostenfrei - was die Touren für Familien erschwinglich macht. Flussreise statt Roadtrip also, auf einem schwimmenden Hotel, ohne ständiges Ein- und Auspacken. Wir buchten eine Seine-Tour in die Normandie, eine Woche von Paris über Rouen nach Caudebec-en-Caux und wieder zurück. Auch die Jungs waren von unserem Plan begeistert. Joris, 8, Simon, 7, und Linus, 4, wollten aber vor allem wissen, ob sie das Schiff auch mal selbst würden steuern dürfen ...

Maßarbeit Flussschiffe müssen flach sein, um unter den Brücken durch zupassen 

Was, wenn auf einer Seine-Kreuzfahrt nur Rentner an Bord sind?

Etwa drei Wochen vor Reiseantritt begann ich, mir Sorgen zu machen: Auf die "A-Rosa Viva" passen 202 Passagiere. Was, wenn das alles ruhebedürftige Rentner wären? Unsere Jungs sind wild und laut - ich meinte die empörten Blicke schon zu spüren. Statt der Gruppenausflüge buchte ich deshalb für zwei Tage einen Mietwagen, mit dem wir die Normandie entdecken könnten, ohne andere zu stören.

Aus Sicherheitsgründen bekommen wir Kabinen unter Deck zugewiesen - bei unseren kletterwütigen Söhnen sicher eine gute Idee, in einer Balkonkajüte hätte man sie keine Sekunde unbeaufsichtigt lassen können.

So aber leide ich, denn das Wasser, das bis etwa zur Hälfte unseres Bullauges steht, schwappt und gurgelt gegen den Schiffsrumpf, woran ich mich - vor allem nachts - erst mal gewöhnen muss. Mein Mann dagegen findet das Plätschern romantisch, und die Jungs beweisen erstaunliche Geduld, nach Fischen Ausschau zu halten.

Ich starre derweil auf die GPS-Übersichtskarte, die quasi non-stop im Bord-TV gesendet wird. Sie beweist, was man als Passagier nur ahnt: dass die Seine in riesigen Schleifen durchs Land mäandert. Und sie zeigt unbestechlich, wann es sich lohnt, die Blicke ans Ufer zu richten, weil zum Beispiel die berühmte Kathedrale von Mantes-la-Jolie vorüberzieht.

Für die Jungs ist das Schiff die größte Sehenswürdigkeit

Die Wendeltreppe im Zentrum eignet sich bestens zum Fangenspielen, im Whirlpool auf dem Achterdeck kann man tauchen, und auf dem Sonnendeck gibt es sogar einen Minigolf-Parcours. Wenn nur die "blöde Mama" nicht wäre, die ständig mahnt, leise zu sein, niemanden umzurennen und auf keinen Fall mit Golfbällen herumzuschießen.

Meine Sorge, unsere Mitpassagiere könnten genervt sein, erweist sich jedoch als grundlos. Wir ernten viele belustigte und einige liebevolle Blicke und ein paar Kommentare zum Thema "Drei Jungs, na, Sie müssen ja Nerven haben wie Drahtseile" (nein, leider nicht, vor allem dann nicht, wenn sie sich gerade direkt an der Reling prügeln ...) und sogar Komplimente, etwa dafür, wie höflich Joris sich am Buffet in die Schlange reiht.

Rouen: Alle Mann auf Landgang!

Wir nähern uns Rouen, und ich erzähle den Kindern von Johanna von Orléans. Entzückt hängen sie an meinen Lippen, was für eine Story! 13-jähriges Bauernmädchen, von einem Engel in die Schlacht gegen die Engländer geführt, gefeiert, verleumdet, gefoltert und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bis wir anlegen, sind die Jungs Johanna-Fans und heiß auf Sightseeing.

Gotische Pracht Die Kathedrale Notre-Dame de Rouen

Wir schlendern über Kopfsteinpflaster durch die verwinkelte Fachwerkstadt, und ich bin mal wieder schockverliebt in Frankreich. Diese zauberhaften Geschäfte überall und all die netten Restaurants, Bistros und Cafés!

Am liebsten würde ich jedes einzelne ausprobieren. Wie gut, dass wir über Nacht in Rouen vor Anker bleiben, so ist genug Zeit zum Stöbern, Shoppen und Schlendern, und die Kinder beweisen erstaunliches Durchhaltevermögen. Geschrei gibt es erst, als die "A-Rosa Viva" am nächsten Tag ohne uns ablegt - weil wir ja das Auto gemietet haben.

Mit dem Auto fahren wir ans Meer

Zunächst folgen wir auch auf der Straße dem Lauf der Seine, entlang spektakulärer Kreidefelsen bis nach Jumièges. Die weißen Ruinen der Benediktinerabtei aus dem 11. Jahrhundert sind von weither zu sehen, obwohl es wie aus Eimern schüttet. Gut, dass man auf dem Schiff darauf bestanden hatte, uns riesige Golfschirme einzupacken, unter denen wir nun die Reste des Bauwerks besichtigen. Kaum setzt der Regen aus, verwandeln sich die Schirme allerdings leider blitzschnell in Fechtdegen, und unsere Söhne jagen sich damit so ohrenbetäubend durch die Anlage, dass wir sie schnell in ihre Autositze schnallen und das Weite suchen.

Durch Buchenwälder und über weite Felder, vorbei an Fachwerkdörfern und uralten steinernen Kirchen fahren wir Richtung Meer. Die schmalen Straßen führen über Kuppen steil wie Schanzen und schlagen mitten im Nichts scharfe Kurven. Nebelbänke wabern über die Felder, plötzlich steht ein Fasan mitten auf der Straße, und in einem Wald kreuzen wir eine Treibjagd-Gesellschaft. Erst als es dämmert, erreichen wir das Seebad Étretat - wieder im Regen.

Am Ärmelkanal Bei Regen wirken die Felsen von Étretat beinahe magisch unwirklich

An den Strand wollen wir trotzdem, den berühmten weißen Felsen mit dem Loch sehen. 1000 Mal gemalt, sicher 1000 Millionen Mal fotografiert. Und trotz des miesen Wetters wunderschön. Das Meer leuchtet unter dem grauen Himmel türkisblau, und das, was ich von der Promenade aus für Meeresvögel hielt, sind Surfer, zwei Dutzend bestimmt, die sich über die hohen Wellen freuen.

Den Jungs sind Felsen und Surfer egal, sie interessieren sich nur für die wunderbar ebenmäßigen Kiesel, aus denen dieser Strand besteht. Sie schmeißen Steine ins Wasser, als gäbe es kein Morgen, immer noch einen, noch einen und noch einen. 

Klatschnass steigen wir wieder ins Auto. Das Schiff liegt in Caudebec-en-Caux, die Strecke über Land zieht sich, alle haben Hunger, und so erscheint uns das Restaurant in einem uralten Fachwerkhaus, das im Örtchen Sainte-Gertrude gegenüber der Kirche liegt, wie eine Offenbarung. "Au Rendez-Vous des Chasseurs" heißt es, "Jägertreffpunkt" - aber es ist so modern und elegant, wie es nur ein Landgasthof in Frankreich sein kann. Wir ergattern den letzten freien Tisch, genießen das Essen und sind danach froh, dass es nicht mehr weit ist bis zu unseren Kajüten.

In Deauville sind die Umkleidekabinen nach Hollywood-Stars benannt

Am nächsten Tag steht wieder ein Landgang an, bis 21 Uhr, und wir steigen erneut in unseren Leihwagen. Überqueren die Seine kurz vor den Containerterminals von Le Havre auf der Schrägseilbrücke Pont de Normandie, die mit 856 Meter den Spannweite-Europarekord hält, und erreichen nach einer Fahrt über sattgrüne Weiden voller schwarz-weißer Kühe das Städtchen Trouville am Ärmelkanal. Wir schlendern am Fischmarkt vorbei: Jakobsmuscheln, riesige Krebse, Schnecken, Hummer, Langusten und Seeigel zu pittoresken Pyramiden aufgetürmt, daneben Büdchen, in denen der frische Fang zu einem Glas Weißwein serviert wird. In Deauville, auf der anderen Seite des Hafenbeckens, geht es mondäner zu: Villen, Thalasso-Zentrum, Pferderennbahn, Casino und am Strand hölzerne Umkleidekabinen aus den 20er-Jahren, alle nach Hollywoodstars benannt.

Es ist Ebbe und sonnig, die Jungs spielen sehr friedlich Fußball und sammeln tütenweise Muscheln. Ich will hier einfach nur sitzen und den Blick aufs Meer genießen, herrliche Variationen in Grau:

Sand, Wasser und die Wolken, alles fließt ineinander, und ich fühle mich sehr angekommen.

Nur 200 Kilometer sind wir von Paris entfernt, zwei Stunden Fahrt, zu gern würde ich den Rest der Ferien einfach hierbleiben, aber nein, unsere Sachen sind ja auf dem Schiff, und wir werden die Hauptstadt überübermorgen erreichen.

In jeder Bar der Normandie wird ein Glas Calvados zum Kaffee serviert 

Am nächsten Morgen erwachen wir bei strahlendem Sonnenschein in Les Andelys, mit Blick auf das Château Gaillard, das der Normanne Richard Löwenherz, König von England, 1196 zur Sicherung seiner Ostgrenze hier auf einem Kalkfelsen errichten ließ. Tatsächlich war die immer noch beeindruckende Verteidigungsanlage einst sehr viel größer und schloss eine befestigte Insel in der Flussmitte ein, von der aus eiserne Ketten über die Seine gespannt wurden. Wieder so eine Geschichte, wie gemacht für unsere ritterverehrenden Söhne.

Joris, Simon und Linus sind so hibbelig, endlich auf die Festung zu kommen, dass wir lange bevor sie um zehn Uhr öffnet, hinaufsteigen - und das mit nur ganz wenig Gemecker, obwohl der Weg wirklich steil ist. Bis die Zugbrücke heruntergelassen wird, spielen die Jungs im Burggraben "Old Shatterhand und Winnetou, der Häuptling der Apachen". Falscher Film, aber wer würde kleinlich sein, bei solch einem Traumblick über die Seine und ihre Schleifen.

Aussicht Von Richard Löwenherz' Festung Chateu Gaillard in Les Andelys sieht man weit ins Land - und auf die "A-Rosa Viva" am Ufer

Ob Löwenherz wohl genau hier gestanden und auf die Franzosen gelauert hat?

Kaum vorstellbar, dass er sie mehr fürchtete, als ich einen jähen Absturz eines meiner Cowboys von diesem Felsen. Zwar wurde, wohl aus gutem Grund, nicht an Fangnetzen gespart, aber ich bin trotzdem froh, als wir endlich ins Innere der Burg dürfen, sie rasch besichtigen und wieder absteigen.

Ich brauche jetzt einen Schnaps und bekomme ihn neben der gotischen Kirche von Les Andelys. In jeder Bar der Normandie wird ein Glas Calvados zum Kaffee serviert - und niemand zieht die Augen hoch.

Zurück auf dem Schiff besetzen wir das Sonnendeck, unsere Mitpassagiere sind noch an Land. Wir spielen in aller Ruhe und mit viel Geschrei Minigolf, und dann dürfen die Jungs endlich den Kapitän auf der Brücke besuchen.

Giverny: Die Gärten von Monet verzaubern sogar die Kinder

Wie gemalt Ein Arbeiter fischt im "Etang des Nympheas", Monets berühmtem Seerosenteich, Blätter aus dem Wasser

Tags darauf steigen wir wie alle anderen Passagiere in einen Reisebus. Es geht nach Giverny, zu den Gärten von Claude Monet. "Laaaaaaangweilig", hatte Joris genölt, als ich den Ausflug ankündigte, und seine Brüder angesteckt. Wie viel lieber würden sie an Bord bleiben, im Whirlpool tauchen und wieder Minigolf spielen.

Ihre Eltern aber wollen zu Monet - und zum Glück sind wir "immer die fiesen Bestimmer". Und, siehe da, obwohl der Garten im dichten Nebel liegt und jetzt, Ende Oktober, nur noch wenig blüht, erfasst sein Zauber auch unsere Kinder. Ob es der würzig-warme Duft nach Erde ist, der aus den Beeten steigt, die Froschgroßfamilie in einem Graben oder der Arbeiter, der, stehend in einem Kahn, mit einem riesigen Kescher Laub aus dem Seerosenteich fischt?

Linus jedenfalls ergreift beim Laufen meine Hand und fragt nach den Namen einzelner Blüten. Simon sammelt buntes, sonderbar geformtes Laub von den Wegen, um es zu Hause zu pressen, und Joris, fasziniert vom Bambus, plant eine kleine Plantage im großelterlichen Garten.

Das Finale: Paris

Die ganze Woche habe ich es vermieden, mich auf Paris zu freuen, weil klar war, dass der Tag dort zwar Höhe-, aber auch Schlusspunkt unserer Reise sein würde. Stephan, mein Mann, und ich waren schon sehr oft in Paris, wir lieben die Stadt auch deshalb mehr als jede andere, weil wir uns dort vor über 20 Jahren kennengelernt haben. Jetzt sind wir das erste Mal mit den Kindern hier und stellen uns das erste Mal in eine der monströsen Schlangen vor den Kassenhäuschen des Eifelturms. Herrgott, es ist noch nicht mal neun Uhr - wo kommen all diese Leute her?

Egal, der Eiffelturm ist gesetzt. Seit Wochen schon zeigt Stephan den Jungs einen Ausschnitt aus "James Bond 007 - Im Angesicht des Todes", in dem Grace Jones und Roger Moore hier herunterspringen, kneifen gilt jetzt nicht.

Rauffahren Der Eiffelturm lockt die Massen

Also fahren wir mit einem knallvollen Lift nach oben, und ich rede meine Höhenangst klein. Ich bin überrascht, wie gut mir der 360-Grad-Blick über die Stadt gefällt, und ärgere mich nur ein bisschen, dass keiner meiner Söhne sich für all die Sehenswürdigkeiten interessiert, die man von hier so gut sehen könnte. Einziges Gesprächsthema der Jungs: von wo genau "Jamens Bonzen" denn nun gesprungen sein könnte.

Am Ende der Seine-Kreuzfahrt sind alle zufrieden

Wieder unten fahren wir zur Place des Vosges, dem ältesten und schönsten Platz von Paris, und bemühen uns, nicht enttäuscht zu sein, weil die Kinder hier außer den Trinkbrunnen "gar nichts Schönes" erkennen können. So gern würden wir noch weitere Lieblingsorte abklappern - aber die Zeit scheint immer schneller zu vergehen, es ist klar, dass das heute und mit Kindern nicht möglich ist. Also laufen wir zurück an die Seine, sie hat uns diesmal schließlich hergebracht.

Vom Spazierweg entlang der Quais blicken wir sehnsüchtig auf die Île de la Cité, die Flussinsel mit Notre-Dame und dem mittelalterlichen Conciergerie-Palast, die Herbstsonne gibt noch einmal alles, und die Jungs sind hochzufrieden mit den Spielplätzen hier: Boulderwände, Trimm-dich-Geräte und erstaunlich komplizierte Kletternetze. "Du hattest recht, Mami", sagt Joris, "Paris ist super! Und an der Seine gibt’s die besten Spielis der Welt."

Anjas Reise-Tipps für eine Kreuzfahrt auf der Seine

FLUSSKREUZFAHRT

Die siebentägige Flussreise "Seine Erlebnis Normandie" auf der "A-Rosa Viva" kostet pro Person und inkl. VP ab 1099 Euro. Kinder unter 15 Jahren reisen bei A-Rosa in der Kabine der Eltern oder Großeltern kostenfrei. Start und Ziel ist St. Denis bei Paris, weitere Stationen sind Rouen, Caudebec-en-Caux, Les Andelys und Vernon. An jedem Ziel der Reise werden Ausflüge angeboten, außerdem gibt es vorab ausführliche Informationen an Bord (Vortrag, Film, etc.) und Materialien wie Stadtpläne (www.a-rosa.de).

GENIESSEN

Brasserie Paul. Bilderbuch-Brasserie in Rouen mit roten Samtpolstern und Papiertischdecken. Hier sind selbst Pommes und Majo hausgemacht. Köstlich und sehr sättigend ist "Chausson Normand", eine Blätterteigtasche mit Äpfeln und Camembert (10,50 Euro). 3-Gang-Menü 15 Euro (Rouen, 1 Place de la Cathédrale, www.brasserie-paul.com).

Crêperie La bonne Famille. Neben Crêpes (ab 2 Euro) und 70 Sorten Tee werden in dem familienfreundlichen Lokal in Jumièges üppig belegte Galettes aus Buchweizenmehl (ab 9,50 Euro) und Salate serviert. Den Bio-Cidre gibt’s auch zum Mitnehmen, dazu Feinkost und himmlische Marmeladen (Jumièges, 107 Rue Guillaume le Conquérant).

Au Rendez-Vous des Chasseurs. In den Hügeln knapp vier Kilometer über Caudebec-en-Caux liegt das Gourmet-Restaurant in einem uralten Fachwerkhaus gegenüber der Kirche. Innen wurde aufs Feinste saniert (weiße Wände, freigelegte Holzbalken, moderne Ledersessel), und das Essen ist großartig. Serviert wird ausschließlich im Menü (22 oder 30 Euro) - die Mitarbeiter sind ausnehmend freundlich (Sainte-Gertrude, 1040 Route de Sainte-Gertrude, Tel. 02 35 96 20 30).

Dupont avec un thé. Der Patissier in Trouville trägt den Titel "Meilleur Ouvrier de France", bester Handwerker Frankreichs, stolz und zu Recht: Köstlichste Törtchen gibt es hier, saftige, preisgekrönte Madeleines, Salzkaramellbonbons, die süchtig machen, und in der kleinen Crêperie eine riesige Auswahl an Crêpes und Galettes ab 6 Euro (Trouville, 134 Boulevard Fernand Moureaux).

Café des Musées. In dieses Pariser Bistro habe ich mich verliebt: eng gestellte Holztische, Thonet-Stühle und rote Lederbänke. Immer voll, trotzdem sind die Kellner freundlich - und das Essen ist fabelhaft! Für 21 Euro gibt es ein 3-Gang-Tagesmenü; ich habe "Messergeschabtes Beef Tartare" gegessen (19,50 Euro), vielleicht das beste, das ich je hatte. Die Kinder teilten sich "Fünf Stunden geköcheltes Boeuf Bourguignon"(22,50 Euro) und waren glücklich (Paris, 49 Rue de Turenne, Tel. 01 42 72 96 17, www.lecafedesmusees.fr).

ERLEBEN

Altstadt von Rouen. Verkehrsberuhigt, mit uralten, teils top renovierten, teils gammelig-schiefen Fachwerkhäusern - hier kann man prima bummeln. Highlights: die riesige gotische Kathedrale, in der unsere Kinder begeistert nach den Gräbern von Richard Löwenherz, Rollo dem Wikinger und Wilhelm Langschwert suchten. Keinesfalls verpassen sollte man den Pesthof "Aître St-Maclou" mit dem geschnitzten Fries, das Schaufeln, Spitzhacken, Knochen, Särge und 107 Totenköpfe (so die Zählung unserer Söhne) schmücken. Beeindruckend ist außerdem die moderne Kirche Ste-Jeanne d’Arc, direkt am Platz Vieux Marché, wo die Heilige Johanna 1431 verbrannt wurde. Von außen ist der Betonbau einem Scheiterhaufen nachempfunden, innen ist er ein wunderbar schlichter, heller Ort.

Musée national de l’Édu­cation Rouen. Die engen Bänke, Tintenfässer, Zollstöcke und altmodischen Unterrichtstafeln bringen Kinder zum Staunen. "Was, die Schüler hatten damals keine Hefte?" - wo heute doch schon Hefte oldschool sind ... Besonders liebevoll gestaltetes Museum, das Schülern schon deshalb gefällt, weil es sich mit einem Teil ihres Lebens befasst. Eintritt gratis (Rouen, 185 Rue Eau-de-Robec, www.munae.fr).

Abbaye de Jumièges. Die weißen Türme der romanischen Abteikirche Notre-Dame sieht man von weither, noch beeindruckender sind sie, wenn man durch das 25 Meter hohe Kirchenschiff spaziert - auch wenn dieses schon lange kein Dach mehr hat. Neben der Kirche kann man das ehemalige Gästehaus und weitere Gebäude besichtigen. Faszinierend ist die (kostenlose!) 3-D-Virtual-Reality-App, mit der die ursprüngliche Schönheit der Gebäude auf dem Tablet buchstäblich aus Ruinen aufersteht. Eintritt 6,50 Euro (Jumièges, Rue Guillaume le Conquérant, www.abbayedejumieges.fr).

Château Gaillard. Völlig logisch, dass Richard Löwenherz seine Grenzfestung hoch über der Seine errichtet hat: Einen Feind, den man von hier nicht entdeckt, gibt es nicht. Über 800 Jahre alt ist die Ruine, aber immer noch Ehrfurcht gebietend. Und in den Kerkern meint man die Seufzer derer zu hören, die hier schmachten mussten. Eintritt 3,50 Euro (Les Andelys).

Monets Gärten. Das private Universum von Claude Monet in Giverny ist ein Künstlerhaus, wie man es sich vorstellt, voller Staffeleien und kräftig farbener Räume, dazu der berühmte Seerosenteich und Blumengärten, die der Impressionist nur angelegt hat, um sie zu malen. So üppig schön, und trotz Touristenansturm so friedlich, dass ich am liebsten losgezeichnet hätte. Eintritt 9,50 Euro (Giverny, 84 Rue Claude Monet, www.fondation-monet.com).

Eiffelturm. Auch 129 Jahre nach seiner Errichtung lockt der Turm jeden Tag Besuchermassen. Und ja, der Blick von oben ist sensationell. Trotzdem wären mir, hätten nicht die Kids auf dem Besuch bestanden, 19 Euro für die Fahrt an die Spitze zu teuer gewesen (Paris, 5 Avenue Anatole France, www.toureiffel.paris).

WENN ICH DAS GEWUSST HÄTTE

In vielen Reiseführern wird empfohlen, zu Fuß auf die Brücke Pont de Normandie zu gehen, um den Blick auf die Seinemündung zu genießen. Weil hier aber, nahe des Containerterminals von Le Havre, viel Schwerverkehr unterwegs ist und der Fußgängerstreifen nur durch eine winzige Abgrenzung von der Fahrbahn getrennt ist, fühlt sich das wie ein Autobahnspaziergang an. Also: lieber nur das Museum im ersten Pfeiler der Nordseite besichtigen - es zeigt in spektakulären Bildern den Bau der Brücke.

LEKTÜRE

Flusskreuzfahrten Frankreich. Der Seine-Teil ist der mit Abstand umfassendste Führer, den man für diese Route findet (456 S., 18,95 Euro, Trescher Verlag).

Lesereise Normandie. In 16 Kapiteln führt BRIGITTE-Autorin Stefanie Bisping kurzweilig durch das Land von Calvados, Cidre und Camembert (132 S., 15 Euro, Picus Verlag).

TELEFON

Frankreich hat die Vorwahl 00 33. Bei Anrufen aus dem Ausland entfällt die erste 0 der Telefonnummer.

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Rezepte: Crème brûlée
Brigitte 24/2018

Wer hier schreibt:

Anja Haegele
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