Smalltalk auf Chinesisch

Stellt euch vor, ihr könntet auf einer Party einfach so ein paar Sätze Chinesisch parlieren. Geht nicht? Geht doch! Mit dem BYM.de-Olympia-Sprachführer Chinesisch. Plus: Alles, was ihr über die Sprache wissen müsst

Mein Kumpel Fabian ist in eine Chinesin verliebt. Deshalb wollte er sie mit ein paar Sätzen in ihrer Muttersprache überraschen. Nach ein paar Monaten Sprachkurs war es dann so weit: am Telefon begann er einen Smalltalk auf Mandarin-Chinesisch. Dumm gelaufen, denn seine Angebetete spricht nur Kantonesisch. Damit euch das nicht passiert, hier ein paar Infos zu der geheimnisvollen Sprache.

Wie, wo, was?

Die offizielle Sprache in China nennt sich Mandarin. Es wird auf dem Festland, in Taiwan und Singapur verwendet. Damit ist Mandarinchinesisch die meistgesprochene Muttersprache der Welt.

Auf dem Festland wird die Amtssprache "Putonghua" genannt - was so viel heißt wie "normale Sprache", auf Taiwan nennt man sie "Landessprache", "Guoyu". Die Standardaussprache ist der Dialekt, der in Peking gesprochen wird: Beijinghua ("Pekingsprache").

Untertitel für den Alltag

China ist ein riesiges Land. Und genauso wie bei uns gibt es einen Haufen Dialekte. Diese unterscheiden sich in Aussprache und Grammatik so weit voneinander, dass alle auf die Standardaussprache Putonghua zurückgreifen müssen, um sich zu verständigen. Nur die einzelnen Schriftzeichen für die verschiedenen Wörter sind fast überall gleich. Wenn sich ein Schuster aus Südchina und ein Manager aus Peking überhaupt nicht verstehen, können sie also wenigstens schriftlich kommunizieren. Deshalb werden auch im Fernsehen alle Sendungen mit Untertitel ausgestrahlt.

Kantonesisch

Eine weitere chinesische Sprache ist das Kantonesische, die Guangdonghua. Es wird in Hongkong, im Umland der Stadt, also der Provinz Guangdong, sowie in den Provinzen Wuzhou, Guangxi und auf der Insel Macao gesprochen.

Schöner schreiben

Die ersten Zeugnisse chinesischer Sprache stammen aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Vereinfacht steht ein Zeichen für ein Wort, oder für eine sprachliche Partikel, die zum Beispiel verdeutlicht, dass es sich bei einem Satz um eine Frage handelt. Die Aussprache zu jedem einzelnen Zeichen muss man ebenfalls mit Hilfe einer Lautschrift (Pinyin) auswendig lernen.

Seit der Schriftreform in den 1950ern werden in der Volksrepublik China und Singapur vereinfachte Zeichen, die Kurzzeichen (jiantizi), benutzt.

In Hongkong, Macao und auf Taiwan schreibt man weiterhin in klassischen Langzeichen (fantizi). In Hongkong, weil es bis 1997 eine englische Kolonie war, auf Macao, weil es bis 1999 zu Portugal gehörte.

Chinesisch lernen

"Du lernst Chinesisch? Das ist doch bestimmt tootaal schwierig!" Konfuzius sagt dazu: "Ohne Fleiß kein Preis". Oder war das Heinz Erhardt? Auf jeden Fall ist die chinesische Sprache in den Grundzügen nicht schwer zu erlernen. Die Grammatik ist einfach, weil es keine komplizierten Wortendungen wie Deklinationen oder Konjugationen gibt. Das Problem sind eher die Schriftzeichen. Denn davon gibt es um die 30.000! Zum Glück muss man die nicht alle kennen. Um eine Zeitung ohne Wörterbuch lesen zu können, genügen etwa 5000, um gut durch den Alltag zu kommen 2000.

Verdrehte Welt

So ein Zeichen wirkt erst mal kompliziert und komplex. Aber wenn man die Radikale, so nennen sich die einzelnen Bestandteile, zu unterscheiden lernt, geht es schon einfacher. Die Striche der Zeichen malt man von links oben nach rechts unten und von außen nach innen. Chinesische Bücher, oder auch die beliebten Manga-Comics, liest man von hinten nach vorne, startet also auf der letzten Seite; und die einzelnen Zeilen von rechts oben nach links unten.

Mundraub: Chinesische Zeichen sind beliebt

Chinesische Schriftzeichen sehen sehr schick aus. Und weil andere Asiaten das auch so sehen, haben sie einfach zugegriffen.

Korea

Südkorea benutzte bis ins 15. Jahrhundert ausschließlich chinesische Schriftzeichen. Danach wurde ein Alphabet mit 24 Buchstaben eingeführt. Koreanische Namen, Restaurantschilder und Firmen, werden aber auch heute noch mit den chinesischen Leihgaben geschrieben, und viele koreanische Wörter haben einen chinesischen Ursprung. Auch die Aussprache ist dem Chinesischen oft ähnlich.

Japan

In der japanischen Schrift sind chinesische Zeichen, Kanji genannt, auch heute noch ein fester Bestandteil. Aber die Japaner setzen noch zwei weitere Alphabete oben drauf: das Hiragana aus 46 Buchstaben für die japanischen Worte, und die Katakana für die Wörter aus den westlichen Fremdsprachen.

Vietnam

Auch die alte vietnamesische Schrift basiert auf chinesischen Schriftzeichen. So entstanden Ende des 13. Jahrhunderts Silbenzeichen (chu Nom), die bis Ende des 20. Jahrhunderts in Gebrauch waren. Seit 1945 gibt es auch in Vietnam ein Alphabet mit 26 Buchstaben, eine Lateinschrift, die Missionare im 17. Jahrhundert entwickelten.

Singsang

Chinesisch ist eine Tonalsprache. Je nachdem, in welcher Tonlage ein Wort ausgesprochen wird, erhält es eine andere Bedeutung. Das ist sehr interessant und reizvoll, aber auch schwierig, weil man sich zu jeder Silbe einen Ton merken muss. Im Mandarinchinesischen gibt es vier davon, im Kantonesischen sogar neun. Je nach Betonung kann das Wort "ma" auf Mandarin entweder Mama, schimpfen oder Pferd bedeuten oder eine Fragepartikel bilden.

Chinesisch für Fortgeschrittene

Wer sich durch alle Töne, ein paar hundert Zeichen, Lautsprache und Aussprache gekämpft hat, kann sich auf das nächste Level begeben: die Sprichwörter, "Chengyu" genannt.

Gebildete Chinesen lieben es, die Chengyu als Metaphern in ihre Sätze einzubauen. Die Sprichwörter bestehen meist aus vier Wörtern, und jedes hat seine eigene Geschichte, ohne deren Bedeutung man den Sinn dahinter nicht versteht.

Der kleine Olympia-Sprachführer

Am 8. August 2008, um acht Uhr acht Uhr wurden die Olympischen Spiele in Peking eröffnet. Damit ihr für den Smalltalk auf der Couch gewappnet seid, hier die wichtigsten Sätze.

Spricht die BYM-Redaktion etwa Chinesisch?

Schön wär's! Stimmt aber leider nicht. Astrid Bohlmann-Eckel hat uns bei der Übersetzung geholfen. Die Soziologin und Diplomübersetzerin hat längere Zeit in Nanjing gearbeitet. Jetzt leitet sie ihr eigenes Übersetzungsbüro in Deutschland und gibt Sprachkurse für Chinainteressierte, Geschäftsleute - und sogar Kinder. Infos auf www.vertere.de

Text Simone Lück
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