Viertelsteckbriefe Berlin

Sie brauchen einen ersten Überblick über die Stadt? Nicole Balzereit hat die spannendsten Berliner Viertel für Sie beschrieben.

Die Seen

S-Bahn: S1 bis Wannsee, Nikolassee oder Schlachtensee, S7 bis Grunewald

Etwas außerhalb des Zentrums im Südwesten Berlins gelegen bilden der Große Wannsee, der Schlachtensee, die Krumme Lanke und der Grunewaldsee ein beliebtes Naherholungsgebiet für gestresste Großstädter. Im berühmten Strandbad Wannsee suchen die Berliner schon seit 1907 an heißen Tagen Abkühlung. Doch nicht nur das Wasser lockt - auch die Architektur lässt sich sehen: Die Häuser entlang der Strecke zählen zu den schönsten in Berlin. Neben den gut erhaltenen vornehmen Gründerzeitvillen vermitteln gepflegte Vorgärten und ruhige Straßen mit Kopfsteinpflaster eine ländliche Idylle aus vergangenen Tagen.

Schöne Plätze zum Ausruhen: Gastwirtschaften mit Gartenterrassen rund um die Seeufer

Charlottenburg

S-Bahn: S3/S5/S7/S9 bis Charlottenburg, Savignyplatz oder Zoologischer Garten U-Bahn: U2 bis Ernst-Reuter-Platz, Deutsche Oper, Bismarckstraße oder Sophie-Charlotte-Platz U7 bis Wilmersdorfer Straße, Bismarckstraße, Richard-Wagner-Platz oder Mierendorffplatz U9 bis Kurfürstendamm

Seit die ehemaligen Ost-Viertel zum Anziehungspunkt für hippe Berliner geworden sind, ist das ehemalige Westberliner Stadtzentrum ein wenig in den Hintergrund gerückt. Trotzdem gibt es hier noch immer eine Menge zu sehen. Das barocke Schloss Charlottenburg ist nach wie vor ein Publikumsmagnet, ebenso der Kurfürstendamm. Er beeindruckt durch seine prächtigen Gründerzeitvillen, und die vielen exklusiven Boutiquen zwischen Bleibtreustraße und Olivaerplatz laden zum Schaufensterbummel ein. Auch das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in der Tauentzienstraße, der östlichen Verlängerung des Ku’damms, lässt Shopping-Herzen höher schlagen.

Schöne Plätze zum Ausruhen: Das Café Lebensart (Unter den Linden 69a) und die zahlreichen Lokale und Straßencafés rund um den Savigny-Platz. Hier kann man mit etwas Glück auch auf den einen oder anderen Star aus Film und Fernsehen treffen.

Schöneberg

U-Bahn: U4 bis Bayerischer Platz, Viktoria-Luise-Platz oder Nollendorfplatz, U7 bis Berliner Straße, Bayerischer Platz, Eisenstraße oder Kleist Park

Trotz seines Namens besticht der zentrale Stadtteil Schöneberg weniger durch seine Optik als durch seine entspannten Bewohner und das lebendige Treiben auf den Straßen. Hier wohnen Menschen aus allen Teilen der Welt und jene, die es ein bisschen zu etwas gebracht haben. Beliebter Treffpunkt sind die vielen kleinen Cafés rund um die St.-Matthias-Kirche. Ein Highlight des Viertels ist der Winterfeldmarkt am Winterfeldplatz, der jeden Mittwoch von 8 bis 13 Uhr und samstags von 8 bis 15:30 Uhr stattfindet.

Schöne Plätze zum Ausruhen: Bänke um den Springbrunnen am Victoria-Luise-Platz

Tiergarten

S-Bahn: S1/S4 bis Potsdamer Platz oder Unter den Linden, S3/S5/S7/S9 bis Tiergarten, Bellevue oder Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof U-Bahn: U2 bis Potsdamer Platz, U9 bis Hansaplatz

Der große Park zwischen Zoologischem Garten und Brandenburger Tor ist das repräsentative grüne Herz Berlins. Dank der Nähe zu den angrenzenden Regierungsgebäuden im Osten, Schloss Bellevue im Norden und dem Diplomatenviertel im Süden wird er besonders ordentlich herausgeputzt. Häufig trifft man die ansässigen Politiker bei einem ausgedehnten Spaziergang. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Müll und die Verwüstung, welche die Techno-Gemeinde während der Love Parade entlang der Straße des 17. Juni fast alljährlich hinterlassen, eine Menge Unmut bei den Behörden hervorrufen. Auch die Scharen von Freiluftfans, die den Tiergarten im Sommer kurzerhand zum Garten für Jedermann umfunktionieren, sind den Behörden ein Dorn im Auge. Den Berlinern jedoch gefällt's; von überall duftet es wunderbar nach Bratwurst und Sonnencreme.

Schöne Plätze zum Ausruhen: Im Tiergarten selbst stehen viele Bänke, teilweise in verwunschenen Ecken (ein bisschen suchen!) und am Spreeufer auch. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf das Kanzleramt.

Kreuzberg

U-Bahn: U6 bis Kochstraße, Hallesches Tor oder Mehringdamm, U7 bis Gneisenausstraße, U8 bis Schönleinstraße oder Kottbusser Tor, U12/U15 bis Görlitzer Bahnhof, Kottbusser Tor, Prinzenstraße oder Hallesches Tor

Der traditionelle Arbeiterbezirk Kreuzberg hat sich bereits in den 60er und 70er Jahren einen Namen als alternative und multikulturelle Hochburg Berlins gemacht. Als viele der alten Häuser zunehmend verwahrlosten, sollten damals ganze Viertel für eine "autogerechte" Modernisierung der Abrissbirne zum Opfer fallen. Häuser wurden zwangsgeräumt und zum Teil an türkische Einwanderer "zwischenvermietet", andere blieben spekulativ leer stehen. Daraufhin begannen Alternative und Studenten die Häuser zu besetzen, und unter dem Druck der Öffentlichkeit ersetzten die Behörden das ursprüngliche Konzept der Kahlschlagsanierung durch eine sanfte Sanierungspolitik. Die alten Häuser wurden auf einem für die Bewohner bezahlbaren Niveau entkernt und Neubauten nur punktuell in das bestehende Stadtbild eingegliedert. Das Ergebnis ist ein bunt gemischter Stadtteil mit neu gewonnener Lebensqualität, der offen für Experimente ist. Kreuzberg ist Heimat alternativer Lebensformen, vieler Künstler und zunehmend auch wieder besser verdienender Mieter. Noch hat Kreuzberg allerdings mit großen sozialen Problemen zu kämpfen: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 30%. Und die junge Party-Szene von einst hat sich mittlerweile weit gehend in die Ost-Stadtteile Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg verlagert.

Schöne Plätze zum Ausruhen: Direkt am Plan- oder Paul-Linke-Ufer kann man sich schön ins Gras legen.

Friedrichshain

U-Bahn: U1/U15 bis Warschauer Straße, U5 bis Strausberger Platz, Weberwiese oder Frankfurter Tor

Im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstört, bietet das ehemalige Arbeiterviertel Friedrichshain heute ein interessantes Bild aus Altem und Neuem. Sehr sehenswert sind die denkmalgeschützte Karl-Marx-Allee, die im glamourösen stalinistischen Zuckerbäckerstil gebaut wurde, und die gut erhaltenen und sanierten Häuser aus der Kaiserzeit in der Mainzer und Rigaer Straße. Dazwischen versprühen teils ergraute, teils farbig aufgepeppte Plattenbauten aus den 60er Jahren ihren ganz eigentümlichen Charme. Da in den letzten Jahren viele Studenten nach und nach aus Kreuzberg in die zum Teil noch unsanierten und daher erschwinglichen Altbauten von Friedrichshain abgewandert sind, ist hier mittlerweile eine rege Kneipen- und Partyszene entstanden. Vor allem in "Friedl’hain", dem Gebiet südlich vom Frankfurter Tor rund um Boxhagener Platz und Simon-Dach-Straße, gibt es nette Straßencafés, Restaurants, Tante-Emma-Läden und Second-Hand-Shops.

Schöne Plätze zum Ausruhen: der Volkspark Friedrichshain.

Mitte

S-Bahn: S1/S2 bis Oranienburger Straße S3/S5/S7/S9 bis Friedrichstraße, Hackescher Markt oder Alexanderplatz U-Bahn: U2 bis Rosa-Luxemburg-Platz, Alexanderplatz, Klosterstraße, Hausvogteiplatz oder Stadtmitte U6 bis Oranienburger Tor, Friedrichstraße oder Französische Straße

Der Stadtteil Mitte zwischen Berliner Tor und Alexanderplatz ist Berlins historisches, geographisches und kulturelles Zentrum. Hier entstand im 13. Jahrhundert mit der Doppel-Ansiedlung Berlin-Cölln der Kern der heutigen Stadt, um den im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Ringe wuchsen. Hier drängen sich auf engstem Raum eine Fülle von bedeutenden Sehenswürdigkeiten: die Museen der Museumsinsel, die Prachtmeile Unter den Linden, die wieder errichtete Neue Synagoge oder auch die preußisch-klassizistischen Gebäude, die einst das im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Stadtschloss umringten. Rund um den Alexanderplatz zeigt sich dagegen das realsozialistische Berlin aus DDR-Zeiten. So ist Mitte ein spannender Mix aus Alt und Neu, in dem das Leben tobt. Es wird fleißig restauriert, neu gebaut und abgerissen. Es gibt Jahrmärkte und fliegende Händler, und sowohl die junge Party-Szene als auch die Künstlerszene fühlen sich hier zu Hause.

Schöne Plätze zum Ausruhen: die lila Sessel von Starbucks in den Hackeschen Höfen (Rosenthaler Straße 40-41)

Prenzlauer Berg

S-Bahn: S8/S41/S42 bis Schönhäuser Allee oder Prenzlauer Allee U-Bahn: U2 bis Schönhäuser Allee, Eberswalder Straße oder Senefelder Platz

Der Prenzlauer Berg hat Kreuzberg in den letzten Jahren ein wenig den Rang als junger Szenetreff Berlins mit regem Nachtleben abgelaufen. Wie die anderen Arbeiterviertel besitzt auch der Prenzlauer Berg eine Vielzahl an maroden Gründerzeithäusern, in denen seit den 60er Jahren bevorzugt Künstler und Alternative wohnten. Seit der Wende zieht es immer mehr junge Intellektuelle in diesen Stadtteil, und auch die Immobilienspekulanten haben ihn für sich entdeckt. Zu DDR-Zeiten lange vernachlässigt, ist der ehemals heruntergekommene Bezirk mittlerweile zum größten Flächensanierungsgebiet Berlins geworden. Mit der Sanierung weichen jedoch auch die schummrigen Eck-Kneipen und die Künstlerszene. Die Kneipen werden zunehmend durch stilvolle Restaurants mit internationaler Küche abgelöst, während die Künstler überwiegend in den Stadtteil Mitte abwandern. Eine ganze Reihe netter Lokale gibt es rund um den Kollwitzplatz und am alten Wasserturm.

Schöne Plätze zum Ausruhen: entweder im Mauerpark mit Weitblick auf alte Ostbauten oder am idyllischen Käthe-Kollwitz-Platz

Nicole Balzereit Foto: Knut Gärtner
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