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Sylt: Megamarsch auf der Insel

Sylt: Wandergruppe in den Dünen
Dünenkarawane. Nach dem Start in Westerland ist das Teilnehmerfeld noch dicht beisammen.
© Sabine Braun
Sehnsucht nach Weite, Bewegung, frischer Luft? Dann lesen Sie diese Geschichte über einen neuen Wandertrend: 100 Kilometer in 24 Stunden – der Megamarsch. Mega oder meschugge? BRIGITTE-Autor Harald Braun hat es auf der Nordseeinsel ausprobiert. Und für alle Sylt-Fans auch gleich tolle Adressen mitgebracht. 

Knapp 20 Kilometer vor dem Ziel hat mein innerer Schweinehund Frühstückshunger. Zu diesem Zeitpunkt bin ich bereits 16 Stunden am Stück gewandert, 12 davon in tiefer Dunkelheit. 80 Kilometer lang habe ich einen Fuß vor den anderen gesetzt, erst viel zu schnell, dann zunehmend sehr, sehr, sehr viel langsamer. Nun taumele ich im Morgengrauen wie eine der Figuren aus "The Walking Dead" durch die Heide- und Dünenlandschaft Hörnums.

Sylt: Meerblick auf Sylt
Sylt-Himmel. Schon der Maler Emil Nolde drehte bei den Wolkenbildern durch...
© Sabine Braun

Auf Sylt dämmert es farblich deutlich großartiger als an den meisten Orten, die ich kenne, endlich ist nach so viel schwarzer Nacht wieder etwas zu sehen von der pastelligen, rauen Schönheit der Insel, und die Nordsee produziert einen angemessenen Soundtrack für dieses grandiose Erweckungserlebnis. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Ziel. Nur noch 20 Kilometer. Die sollten doch jetzt auch noch zu schaffen sein!

Auf Sylt dämmert es farblich deutlich großartiger als an den meisten Orten, die ich kenne.

Doch zufällig führt der Weg zur vierten und letzten Verpflegungsstation des Sylter Megamarsches genau an meinem Hotel vorbei. Meine Frau empfängt mich dort – ausgeschlafen – mit ihrer Kamera. Die ersten 20 Kilometer war sie an meiner Seite, danach gab’s ohnehin nur tiefes Schwarz zu fotografieren, schwach illuminiert vom gelben Flimmern unserer Stirnlampen. Nun mustert sie mich wie ein Arzt einen Patienten am Tag nach einer schweren OP. Offenbar gehe ich nicht nur wie ein Zombie. Reden ist grad schwierig.

Gar nicht so leicht, dem Kaffeeduft zu widerstehen ...

Wir passieren die lange, fast bodentiefe Fensterfront unseres Hotels. Dort wird gerade das Frühstück aufgetragen. Ich blicke einen Moment zu lange hin und stolpere beinahe über meine eigenen Beine. Ein taktisches Manöver, initiiert von meinem Unterbewusstsein? Meine Frau jedenfalls fängt den Blick auf, und als sie mich ein paar Meter weiter wortlos Richtung Lobby schiebt, treibe ich den Kaffeedünsten so hilflos entgegen wie eine aufblasbare Ente dem offenen Meer. Okay. 80 Kilometer in einer Nacht. Ist doch nicht schlecht.

Megamarsch-Gründer Marco Kamischke wird später sagen, darauf könne ich stolz sein, das sei eine prima Leistung. Und überhaupt, dabei zu sein und seine Komfortzone zu verlassen, darauf käme es doch an. Meine Beine fühlen sich an, als wären sie mit Teer ausgegossen. Die Hüfte schmerzt dumpf, meine Füße? Keine Ahnung, was mit denen ist, ich spüre sie schon seit Stunden nicht mehr. Auch nach Eiern mit Speck und ein paar Stunden Schlaf im weichen Hotelbett tröten die inneren Fanfaren nur verhalten. Tja. Ist die Geschichte eines Mannes, der in 16 Stunden 80 Kilometer durch die Nacht gewandert ist, vielleicht in Wahrheit die Geschichte eines Warmduschers?

Sylt: Sportoutfits der Teilnehmer
Affenstark. Funktionsbekleidung der anderen Art.
© Sabine Braun

Beginnen wir von vorn: Es ist ein schöner, klarer Tag auf Sylt. Die Energie und Freude beim Start in Westerland sind ansteckend. Menschen in bunter Sportgarderobe, einige wenige mit Hund, einer im Äffchenkostüm, viele Grüppchen, die sich zur Begrüßung in die Arme fallen. Man kennt sich. Der Startschuss, die ersten 20 Kilometer sind so fröhlich wie ein Schulausflug von Sechstklässlern.

Sylt: Wandergruppe in den Dünen
Dünenkarawane. Nach dem Start in Westerland ist das Teilnehmerfeld noch dicht beisammen.
© Sabine Braun

Ich erledige, was Journalist*innen tun müssen, wenn sie der Wahrheit auf der Spur sind: Ich fragte meine Mitmarschierer*innen, was sie um- und antreibt: eigene Grenzen austesten, sportlich bleiben, endlich mal Sylt sehen. Auf Platz eins allerdings, um im Sportjargon zu bleiben, landete folgende Antwort, mit großem Abstand: "Es geht mir um das Gemeinschaftserlebnis."

Sie sprechen davon, sich gegenseitig zu motivieren und zu ziehen, wenn das nötig sein würde. Erzählen, wie spontan Wandergemeinschaften entstanden sind, auf früheren Megamärschen, und auch Freundschaften fürs Leben, in Nächten, die geprägt sind von Kälte, Schmerz, stiller Verzweiflung, aber auch Nähe, tiefer Freude und der Erkenntnis: Nichts ist unmöglich!

Die Herausforderung unterschätzt?

Ich wandere die ersten Kilometer mit meiner Frau, wir albern herum, suchen nach guten Fotomotiven. Weil wir bis zum letzten Starter gewartet haben, rollen wir das Feld jetzt von gaaaanz hinten auf. Wir sind viel zu schnell, aber das weiß ich da noch nicht. Nach zehn Kilometern etwa denke ich noch, okay, 100 Kilometer sind lang, aber es ist ja nicht mal LAUFEN. Das werde ich ja wohl hinbekommen. Training vorher? Hielt ich nicht für nötig. Wir gehen Richtung Norden, nach knapp vier Stunden erreichen wir das Erlebniszentrum Naturgewalten in List, Kilometer 22. Es ist dunkel geworden, meine Frau verabschiedet sich. Für mich gilt: 15 Minuten Pause, etwas Hirschtalg auf die schon leicht ramponierten Füße, ein bisschen Suppe, weiter, alleine jetzt.

Ich orientiere mich an einem Paar vor mir, es hat lustige Leuchtstäbe in Orange an ihren Rucksäcken pappen. Die Streckenführung um die Insel ist per App abrufbar, doch ich bin unvorbereitet und schaffe es auf die Schnelle nicht, die Strecke hochzuladen. Egal, es geht einmal rund um die Insel, wie soll man sich da verlaufen? Außerdem gibt’s ja wohl immer wen auf der Strecke, an dem man sich orientieren kann. Das Leuchtstab-Paar – ich achte darauf, dass es immer etwa zehn Meter vor mir ist – macht amtlich Tempo, wir überholen ständig einzelne Leute und viele kleine Gruppen.

Der Weg ist das Ziel

Ich habe Spotify im Ohr, die Playlist "Feelgood Indie", das funktioniert gut, bis ich nach rund siebeneinhalb Stunden die zweite Verpflegungsstation erreiche, eine alte Turnhalle in Keitum. Ich setze mich und spüre sofort, wie die Müdigkeit mich mit Macht auf die blaue Matte drückt. Die ersten Aussteiger machen sich auf die Suche nach dem Shuttle, der sie zurück nach Westerland bringt. Am Ende werden 73 von 320 – fast ein Viertel – das Ziel nicht erreichen.

In der Turnhalle ist es leise, selten noch fröhliche Stimmen. Jeder weiß: Die nächste Etappe, Kilometer 40 bis 60, das wird, nun ja: Hölle, Hölle, Hölle. Nicht weil die Strecke so gemein wäre, die bleibt flach und dunkel auf Sylt. Es ist das Wissen darum, schon ziemlich mürbe gelatscht zu sein, aber nicht mal die Hälfte, gerade mal die Hälfte, kaum mehr als die Hälfte geschafft zu haben. Ein Abgrund aus Schmerz und Zweifel, gegen den wir uns mit einer Menge Bananen und Tinkturen aus der Apotheke wappnen. Die lautesten Seufzer ertönen in der Keitumer Turnhalle immer dann, wenn Schuhe ausgezogen werden. Nach viel zu kurzen 15 Minuten will ich weiter. Wohl aus Angst davor, den Mut zu verlieren, wenn ich zu viel Zeit habe, über die kommenden Stunden nachzudenken.

Die "Feelgood Indie"-Playlist gibt alles, aber gegen die Kälte, die zunehmende Erschöpfung, dieses ätzende Gefühl der Sinnlosigkeit hat sie keine Chance mehr. Ich ändere das Programm, höre nun einen Don-Winslow-Roman und stapfe kriminalistisch aufgepeitscht durchs dunkle Morsum, am Deich entlang vorbei an Archsum Richtung Rantumbecken. Über mir ein grandioser Sternenhimmel, begleitet nur leider von feuchter Kälte, die fiesmöppelig unter alle Kleiderschichten kriecht.

Wenn die Motivation langsam der Erschöpfung weicht ...

Das Dunkel wird beinahe undurchdringbar, innen und außen, die mentale Erschöpfung schmerzt auch körperlich, die Füße brennen jetzt selbst beim Gang über Schafsköttel-Klümpchen. Können Beine abbrechen wie Stöckchen? Meine Leuchtstab-Lotsen sind längst außer Sicht, ich folge mal diesem, mal jenem, werde in kurzen Abständen von einer Menge Menschen überholt, die sich ihre Kräfte besser eingeteilt haben. In meinem Kopf übertönt ein Grönemeyer-Klassiker den lahm vor sich hin erzählenden Winslow: WAS SOLL DAS?

Ja, was soll das? Ich denke an meinen Sportarzt. Nein, hatte der gesagt, gesund ist es sicher nicht, 100 Kilometer am Stück zu marschieren. Es wird wehtun. Aber du wirst dich trotzdem großartig fühlen, wenn du es geschafft hast. Ich glaube ihm, denn er läuft Marathon. Ich warte also auf Dopamin-Ausschüttungen, denke an kuschelige Betten, warme Bäder, schwedische Massagen. Und beschließe, bei der nächsten Verpflegungsstation eine Stunde zu schlafen, mindestens.

Die Station entpuppt sich als zugige, winzige Vogelwarte. Kein Dopamin weit und breit. Ich würde jetzt gern weinen. Menschen kauern auf schmalen Holz­treppen, es gibt keine heißen Getränke, dafür vereiste Bananen. Leere Blicke irrlichtern durch den Raum, einige liegen auf dem kalten Boden und scheinen tatsächlich zu schlafen, auch der Mann im Äffchenkostüm ist darunter, bizarr. Ich friere. "Weiter, immer weiter", denke ich, wie der Titan, in dunklen Nächten kann man sich seine Helden nicht mehr aussuchen.

Sylt: Wandern auch bei Nacht
Durch die Nacht. Endspurt kurz vor Sonnen­aufgang und vor Hörnum.
© Sabine Braun

Immer weniger Leute sind auf der Strecke, manchmal muss ich mich anstrengen, um in der Ferne ein Licht auszumachen, an dem ich mich orientieren kann. Aus Angst, mich zu verlaufen, folge ich den seltenen Grüppchen, die mich jetzt noch überholen, solange ich deren Tempo mithalten kann.

Kurz vor HörnumKilometer 75 oder so, ist auch Don Winslow mit seinen Kapiteln am Ende. Ich schlafe im Gehen, zwei- oder dreimal purzele ich fast in eine Hecke, einen Zaun. Sprechen wäre jetzt gut, Menschen, die einem sagen: Wir schaffen das zusammen. Neue Freunde, die Leiden teilen und gefrostete Bananen.

Zu spät. Solidarität und Unterstützung muss man sich am Anfang sichern, wenn alle im Erzähl-Modus sind und nicht wie Zombies nur noch einen taumelnden Schritt vor den anderen setzen. Ich bleibe der Einzelheinz, der sich durch den dichten nächtlichen Nebel schleppt. Und bei jedem Kilometer mehr über sich selber spottet und lacht: Klar, 100 Kilometer, Spaziergang. Ha. Was für ein Trottel.

Eine Ewigkeit und drei Leben später taucht im Sylter Morgengrauen Hörnum auf. Meine Frau erwartet mich. Wir gehen ein paar Schritte zusammen, ich fühle mich merkwürdig entkoppelt von mir und meinem Körper, sehe uns aus der Möwenperspektive zusammen, kann kaum sprechen. Wir passieren die lange, fast bodentiefe Fensterfront unseres Hotels. Dort wird gerade das Frühstücksbuffet aufgetragen...

Haralds Tipps für Sylt

Über die aktuellen Bedingungen informiert Sylt Marketing auf www.sylt.de/corona. Und wenn Reisen auf die Insel wieder möglich sind.

HINKOMMEN

Der Personenzug der Deutschen Bahn, der Autozug Sylt Shuttle und der RDC Autozug Sylt bringen Besucher mit Pkws über den Hindenburgdamm, der Sylt seit 1927 mit dem Festland verbindet. Tickets für Hin- und Rückfahrt im Autozug ab Niebüll ab 87 Euro. Ohne Auto gibt es Aktionspreise z. B. ab Hamburg nach Westerland (Fahrtdauer: gut drei Stunden) schon ab ca. 13 Euro (www.syltshuttle.de, www.bahn.de).

WANDERN

Natürlich kann man das landschaftlich wunderschöne Sylt nicht nur beim Megamarsch erwandern. Auf www.sylt.de werden die schönsten Wanderungen aufgeführt, inklusive Streckenverlauf, Länge und voraussichtliche Dauer. Ich mag die "Hörnum-Odde" an der Südspitze am liebsten. Besonders interessant ist eine Wanderung auf historischen Spuren: Start an der Strand­treppe „Himmelsleiter“ in Westerland. Danach weiter zur Tinnum-Burg und der Alten Landvogtei bis zur Westerländer Dorfkirche St. Niels. Und der Lister Ellenbogen, der nördlichste Zipfel Sylts steht unter Naturschutz, deswegen gibt es hier weder Hotels noch Strandkörbe. Termine für die nächsten Megamärsche deutschlandweit: www.megamarsch.de.

Easy Living.

 Modernes Haus in List, weit weg vom üblichen Sylter Reetdachcharme, und lässiges Restaurant, dessen Name "Easy" offenbar auch das kulinarische Programm der Küche ist; auf der Karte stehen Veggie Bowl und Galloway Rib Eye Steak in friedlicher Eintracht. DZ/F ab 120 Euro (List, Hafenstraße 2a, Tel. 046 51/936 50 50, www.hotel-easy-living.de).

Long Island House. Die Gastgeber Martina Blum und Lars Poppe sind große Hamptons-Fans, und so sieht ihr charmantes Guesthouse in Westerland auch aus: Landhaus meets Kapitänskajüte. Liebevoll individuelle Ausstattung in jedem Zimmer, ein Highlight das aufwendig angerichtete Frühstück. Kein Wunder: Das Sylter Traditions- Fischhaus Blum gehört quasi zur Familie. DZ/F ab etwa 136 Euro (Westerland, Eidumweg 13, Tel. 046 51/995 95 50, www.sylthotel.de).

Hotel Sylter Zollhaus. Die Lösung für kurze Wege: Im Herzen Westerlands findet sich nicht nur ein sympathisch geführtes, modernes Apartmenthaus mit sieben Wohnungen, sondern auch ein dazugehöriges, gemütliches Fine- Dining-Restaurant. Empfehlenswert ist das Kalbstatar mit Papaya (16 Euro) oder das kross gebratene Zanderfilet (26 Euro). DZ ab 70 Euro (Westerland, Boysenstraße 16–18, Tel. 046 51/66 95, www.hoepershof-sylt.de).

Wyn. Am Ortsausgang Richtung Wenningstedt und direkt hinterm Deich steht das ehemalige Erholungsheim der BASF, aus dem im vergangenen Sommer ein lässiges Hotel im Shabby- Marine-Chic wurde. Helle Zimmer, großformatige Sylt-Fotos an den Wänden, unterm Dach ein Pool und eine sensationelle Sauna unterm Dach mit Blick aufs Meer. Inklusive sind ein reichhaltiges Frühstücks- und Abendbuffet. DZ/HP ab 158 Euro (Westerland, Brandenburger Str. 13, Tel. 046 51/ 83 10, www.wyn-sylt.de).

Strænd.

 Zwei entspannte Sylter Jungs haben mit viel Herzblut und in prima Lage eine schrammelige Butze in einen jungen Feelgood-Raum verwandelt, dort präsentieren sie eine kreativ-unprätentiöse Karte, vieles bio und regional, eine kompetente Wein­karte gibt’s außerdem. Besonders lecker: Ravioli Surf‘n‘Turf mit Rucola-Wal­nuss-Pesto, Garnelen und Rind (15 Euro) – davon hat man vielleicht noch nie gehört, vergisst es aber nicht wieder (Hörnum, Am Campingplatz 3, Tel. 046 51/936 43 33, www.straend-sylt.de).

Twisters. Eine relativ unscheinbare Holzbude neben Gosch in Wenning­stedt direkt an den Dünen. Hier gibt es diverse Burger (ab 5 Euro), Currywurst, gute Drinks und wenig Plätze (!). Stimmung: Surfer-relaxed (Dünenstraße 13–15, Tel. 046 51/957 84 32).

Alte Schule. Gemütliches Familienrestaurant. Hier steht der ehemalige Koch der "Fränkischen Weinstube" am Herd und kocht beliebte Klassiker wie Birnen, Bohnen und Speck (saisonal) oder Nordseescholle, ab 15 Euro (Archsum, Dorfstraße 6, Tel. 04651/891 50 8, www.alteschule-sylt.de).

Nielsens Kaffeegarten. Kein Zweifel: Hier gibt es die besten Kuchen, Torten und Stückchen der Insel – aus hauseigener Konditorei nämlich! Die werden neben kleineren Tagesgerichten auf der Terrasse serviert, bei unschlagbarem Blick aufs Watt. Wer schlau ist und in der Ferienwohnung wohnt, bringt Taschen mit: Das Brot ist nämlich ebenfalls sehr gut! (Keitum, Am Kliff 5, www.nielsens-kaffeegarten-sylt.de).

Brot und Bier. Wurde auch Zeit, dass auf dem als "Austern-und-Schampus- Kapitale" berüchtigten Eiland nun auch eher lässige Genussmenschen auf ihre Kosten kommen: Im loftartigen "Brot und Bier" wird die Renaissance der Stulle (ab 13 Euro) gefeiert – mit Hausmannskost wie Strammer Max und auf Sylt gebrautem Bier. Konzerte und Poetry-Slams runden das legere Erlebnis ab (Keitum, Gurtstig 1, www.brot-und-bier.de).

Strandrestaurant Kap Horn. Wenn es um die Lage geht, könnte dies die Alternative zur „Sansibar“ sein: Das "Kap Horn" liegt versteckt in den Dünen von Hörnum und ist die perfekte Einkehrmöglichkeit nach einem Spaziergang um die Odde. Das Ambiente ist hüttenmäßig rustikal, das Essen (Scholle, Muscheln, Matjes und Co.) bodenständig, das Bier frisch gezapft, die Preise für Sylter Verhältnisse moderat – und der Sonnenuntergang besonders romantisch (Hörnum, Süderende 24, Tel. 04651/88 15 48, www.kap-horn-sylt.de).

Nordlicht.

 Der Living & Style-Store in Keitum gehört zu den Orten, die man wunschlos fröhlich betritt und viel zu vollbepackt wieder verlässt: Vom stylishen Handtäschchen bis zur dekorativen Limonaden-Holzkiste stellt Inhaberin Kathrin Gribbohm hier liebevoll zusammen, was nicht unbedingt zusammengehört, aber trotzdem ungeheuer schön aussieht. Und eine eigene Sylt-Seife gibt’s obendrauf (Keitum, Gurtstig 48, nordlicht- keitum.de).

Dünenstrauss. Bo ist ein Strandpirat, der seinen Lebensunterhalt mit Spaziergängen am Meer bestreitet. Seine Beute- stücke aus Holz arbeitet er in seiner Lister Werkstatt, die auch als Galerie dient, zu ausgefallenen Möbeln und Accessoires um. Unikate garantiert! Auch der Zusatz-Service ist charmant: Boris erfüllt Auftragsarbeiten oder, wie er es umschreibt – "Wunschverwirklichung" (List, Dünenstraße 1b, www.duenenstrauss.de).

Genuss-Shop Keitum. In seinem Shop präsentiert Johannes King ausgewählte Lieblingsprodukte aus der Ladenküche oder von lokalen Produzenten, zum Beispiel Himbeer-Thymian-Aufstrich, Sylter Rosensalz oder Holunderlimonade. Wer will, bekommt direkt vor Ort Kreationen des Sternekochs kredenzt (Keitum, Gurtstig 2, www.johannesking.de).

Meerkabarett. 

Seit 1994 sorgt das Meerkabarett in den Sommermonaten für ein Kunst- und Kultur-Programm von Annett Louisan bis Matthias Brandt. Einst auf einer Wiese in Wenningstedt im Zelt gestartet, ist inzwischen die Abfüllhalle der "Sylt Quelle" zur Heimat geworden. Karten ab 24 Euro (Rantum, Hafen­­straße 1, www.meerkabarett.de).

Erlebniszentrum Naturgewalten. Wer mehr über die Vielfalt und die Geschichte Sylts erfahren möchte, der sollte unbedingt das Erlebniszentrum besichtigen. Hier gibt es sogar einen Sturmraum, in dem man testen kann, wie sich Windstärke acht anfühlt. Das moderne, inter­aktiv angelegte Haus vermittelt alles Wissenswerte über Sylt, Infotainment ohne Klamauk. Eintritt ab 13,50 Euro (List, Hafenstraße 37, www.naturgewalten-sylt.de).

Willi. Die vermutlich einzige Kegelrobbe der Welt mit einem eigenen Wikipedia- Eintrag. Die gefräßige Robbe wiegt ein Viertel mehr als ihre Artgenossen und besucht zur Freude der Touristen und des Fischladens nebenan seit 1991 regelmäßig das Hafenbecken von Hörnum. Sie lässt sich fröhlich füttern, mit kleinen Heringen, die "Fisch Matthiesen" extra für sie ins Sortiment genommen hat. Willi ist übrigens die Abkürzung von Wilhelmine, denn inzwischen ist raus: Willi ist eine Dame (Hörnum, Hafenstraße).

Whisky Tasting. Eigentlich war John- Meinert Petersen der "Eiermann" von Sylt. Dann aber begann er, Whisky zu brennen, und hat in Rantum eine Lagerhalle zum Whisky-Kontor "Sylter Trading" aufgerüstet – rustikal und edel. Unbedingt das Ölbild über der Theke erklären lassen! Drei- bis vierstündige Verkostung mit sechs Whiskys 59 Euro (Rantum, Hafenstraße 14, www.sylter-trading.de).

Surfschule Westerland. Wind und Wellen gibt es hier schließlich mehr als genug: Sportler lassen sich über das Wasser tragen oder an den Strand spülen – und für Anfänger gibt es diese Schule. Schnupperkurs Wellenreiten: 50 Euro (Westerland, Brandenburger Str. 15, www.sunsetbeach.de).

Mehr Infos finden Sie hier: www.sylt.de.

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