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Tag der Nacktheit Über diese deutsche Angewohnheit lacht das Ausland

Tag der Nacktheit: Über diese deutsche Angewohnheit lacht das Ausland
© Viaceslav K / Shutterstock
Über uns Deutsche kursiert bekanntlich das eine oder andere unschmeichelhafte Klischee. US-Journalisten haben nun aber eine Eigenart entdeckt, die wir eigentlich ganz charmant finden. 

"In der nationalen Psyche verankert": Die Liebe zur Nacktheit 

Wir trinken Bier zum Frühstück, essen Sauerkraut zur Wurst, sind pünktlich und pingelig, Dichter und Denker, Nazis und Nerds. Klischees über Deutsche gibt es reichlich, und nicht alle sind schmeichelhaft. 

Nun hat die US-amerikanische Reise-Seite "eTurbo-News" eine weitere deutsche Eigenheit entdeckt, die sie als Kuriosität feiert: Die Deutschen lieben es, nackt zu sein. Im einzigen Land der Welt, das eine Nudisten-Massenbewegung hervorgebracht habe, habe sich die Liebe zur Freikörperkultur förmlich in die nationale Psyche eingegraben. 

Flip-Flops und Sonnenhut, maximal ein T-Shirt

"Deutsche Touristen lieben es, nackt zu sein, zu Hause und wenn sie die Welt bereisen", heißt es. Zwar hätten sowohl Nazionalsozialist:innen als auch Kommunist:innen versucht, unseren Hang zum Nudismus "auszurotten" – allerdings ohne Erfolg.

So wollen uns Reporter dabei beobachtet haben, wie wir in Nudisten-Camps nackig an der Poolbar sitzen und beim Eismann in nicht vorhandenen Hosentaschen nach Kleingeld kramen, maximal mit Flip-Flops und Sonnenhut bekleidet (in einem Fall mit T-Shirt, aber ohne Hose). Und auch in der Sauna wurden wir unbekleidet beim Schwitzen gesichtet (was in vielen Ländern bestenfalls unüblich ist).   

Nackt fühlen wir uns "rebellisch" (ein bisschen)

Der Bericht liefert auch eine psychologische Erklärung für unsere paradiesische Unbekümmertheit in Sachen Textilfreiheit: Uns in der Öffentlichkeit unbekleidet zu zeigen, gäbe uns das Gefühl, "ein bisschen rebellisch" zu sein. Zugegeben, für die deutsche Seele, die häufig von German Angst (noch so ein Klischee) zerquält wird, ein geradezu wildes Gefühl.  

Und wehe, jemand hält sich nicht an die herrschende Nackt-Doktrin, dann lassen wir Strenge walten. "eTurbo-News" berichtet von Vorfällen wie diesen: 

  • Deutsche Gäste hätten in der Sauna des Kölner "Hyatt Regency Hotels" von einem Reporter verlangt, sich nackt auszuziehen.
  • Ein nackter Deutscher habe einen ehemaligen US-Botschafter angeschrien, weil er im Whirlpool eine Badehose trug.

Lieber nackt als uniformiert

Getreu des berüchtigten Schlagworts "am deutschen Wesen mag die Welt genesen" reicht es uns zudem offenbar nicht, unserer Leidenschaft im eigenen Land zu frönen, wir sind auch als Nacktmullmissionare unterwegs: Der erste Nudisten-Kongress in New York wurde laut "eTurbo-News" von einem deutschen Einwanderer organisiert, außerdem hätten deutsche Nudisten versucht, verschiedene Ecken Südamerikas zu kolonialisieren.

Aber ist es als Nation, die beide Weltkriege auf dem Gewissen hat, nicht wunderbar, auch als diejenige gesehen zu werden, die verletzlich und schutzlos die Freikörperkultur in die Welt trägt? Nackt wie Neugeborene können wir der Menschheit ein gutes Vorbild sein, denn unbekleidet lässt es sich nicht so gut kämpfen wie in Uniform. Aber viel besser umarmen. 

Brigitte

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