Urlaub in Wales: Rundreise mit Teenager

Unsere Reiseredakteurin Anja Haegele kommt viel rum, doch in Wales war sie noch nie. Wie gut, dass ihre Patentochter Annika dort aufs Internat geht: die perfekte Gelegenheit für ein Wiedersehen im Süden von Wales!

Von Schafen und Drachen

Es sind gut drei Millionen Mensch in Wales und neuneinhalb Millionen Schafe. Wir sind noch keine 20 Stunden hier - aber diese Zahl wurde bereits drei Mal referiert. Bisher haben wir allerdings noch kein einziges gesehen, in Cardiff, der Hauptstadt, haben rote, geflügelte Drachen die Schafe offensichtlich vertrieben. Das Fabeltier, das auch die Landesflagge schmückt, symbolisiert die keltische Kultur - auf die man in Wales überaus stolz ist. Jedenfalls hängt die Flagge gefühlt überall, und an zentralen Punkten der Stadt sitzen riesige Skulpturen des roten Drachen, die für Selfies herhalten müssen. Auch Annika, meine fast 16 Jahre alte Patentochter, Fotograf Hardy und ich machen da keine Ausnahme - die Drachen sind einfach zu fotogen.

Annika: Das mit den Schafen kann ich bestätigen. Seit ein paar Wochen wohne ich Llandovery in Südwales, in einem 170 Jahre alten Internat. Die Aula, in der wir essen, sieht ein bisschen aus wie die große Halle von Hogwarts in "Harry Potter." Llandovery selbst ist winzig, es gibt einen Bäcker, ein paar Läden und Cafés und einen Supermarkt. Rundherum nur Landschaft, vom vielen Regen sattgrüne Hügel, Wälder, Weiden und: Schaf, Schafe, Schafe!

Weil hier wenig los ist, verbringen wir Schüler sehr viel Zeit zusammen. Super cool, aber auch anstrengend, weil ich fast keine Privatsphäre habe. Deshalb freue ich mich auf ein paar Tage mit meiner Patentante, die ich viel zu selten sehe, seit sie selbst Kinder hat. Wir wollen die Brecon-Beacons-Berge entdecken, ein Stück der Küste und natürlich Cardiff, die Hauptstadt. Als Anja mir das Reiseprogramm geschickt hat, war ich allerdings erst mal geschockt. Da war gar keine Freizeit, jede Minute voll geplant ...

Der rote Drache symbolisiert die keltische Kultur

Cardiff: Wie Phönix aus der Asche

Siân, die uns durch ihre Heimatstadt führt, sagt, Cardiff sei ein "15-Minuten-Stadt" - man habe alles Wichtige in einer Viertelstunde abgehakt. Da spielt wohl eine gehörige Portion Understatement mit, denn uns gefällt es hier sehr: In der Fußgängerzone sind gut gelaunte Menschen aus aller Welt unterwegs, es gibt wunderhübsche viktorianische Einkaufspassagen voll kleiner, individueller Läden, das pittoreske Castle und in dessen Nachbarschaft eine riesige Rugby-Arena, die wie ein Ufo in der Innenstadt gelandet zu sein scheint.

Es ist jedoch noch nicht lange her, da muss Cardiff monströs hässlich gewesen sein, stinkend und dreckig. Eine gigantische Eisenhütte verpestete die Luft mit Rauch und Asche, und die Häuser waren grau vom Ruß und Kohlestaub aus den nahen Bergbau-Tälern oben im Norden. Bis 1913 hatte Cardiff den größten Kohlehafen der Welt, an die 1000 Schiffe wurden hier jede Woche abgefertigt. Cardiff war ein Ort, so heißt es, an dem der Himmel auch nach Sonnenaufgang dunkel blieb.

Nach dem Niedergang der Kohle-Industrie war der Umbau der Cardiff Bay in den 1990er-Jahren dann auch eines der damals größten Bauvorhaben Europas: Umgerechnet fast 700 Millionen Euro hat es gekostet, mit einem gut 1000 Meter langen Staudamm den stinkenden Schlick der alten Hafenbecken in einen See zu verwandeln, der heute glitzert, sobald die Sonne kurz durch die Wolken bricht.

Wir bummeln an den Piers der neuen Waterfront entlang und bewundern das "Wales Millenium Centre", ein beeindruckendes Konzerthaus, das vor 15 Jahren eröffnet wurde. Es soll das Symbol des neuen Cardiff sein, entsprechend wurden auch die Baumaterialien gewählt: nordwalisischer Schiefer, das Dach eine riesige mit Kupfer aus Swansea überzogene Welle, auf der in riesigen Lettern "In diesen Steinen singen Horizonte" steht, auf Englisch und Walisisch. Davor liegen ein weiter und dennoch belebter Platz, ein Stadtstrand, und trotz des immer wieder mal einsetzenden Nieselregens sehen wir überall freundlich lächelnde Menschen.

Ich würde gern noch länger bleiben, mir gefällt das durchweg Positive, das die Stadt austrahlt, aber wir haben nur vier Tage Zeit für unsere Reise, und Annika hat sich gewünscht, spektakuläre Strände zu sehen. Also verlassen wir die Stadt Richtung Gower, der Halbinsel an der Südküste mit einem Tidenhub von bis zu zwölf Metern. Und die Three Cliffs Bay soll eine der schönsten Buchten der Welt sein.

Alte Pracht: In der Bankett-Halle von Cardiff Castle geht der Blick die Wände hoch

In der blauen Stunde fotografiere ich mir die Finger wund

Wir laufen auf einem Pfad durch dichten Buchenwald. Als wir herauskommen, endet der Weg, und wir gehen weiter über feuchte Wiesen. Der Boden ist voller Löcher, zwei Mal müssen wir über einen Bach springen. Anja flucht, sie ist mit Kleid und Lederstiefeln sehr unpassend angezogen, und Hardy treibt uns an, denn gleich ist die "blaue Stunde", die beste Zeit für Landschaftsfotos, wie er sagt. Dann müssen wir am Strand sein. Doch die Hetzerei lohnt sich: Der nasse Sand schimmert rötlich im Abendlicht, ein riesiger Priel durchschneidet ihn in zwei Teile, und am östlichen Ende der Bucht stehen drei riesige Felsen, die Cliffs, die wie Zipfelmützen aussehen. Einer hat eine Öffnung - wie ein Torbogen. Im Westen versinkt die Sonne im Meer, über uns leuchten zarte, rosafarbene Wolken, und ich weiß gar nicht, in welche Richtung ich zuerst fotografieren soll.

Hardy ist auf eine Klippe geklettert und möchte, dass auch wir über ein paar Felsen hinweg Richtung Priel steigen. Als wir endlich an der richtigen Stelle sind, ruft er uns von oben Kommandos zu - wie wir stehen, wohin wir schauen sollen. Annika findet das witzig, auch weil wir dabei immer tiefer im nassen Sand einsinken. Ich bin genervt. Durch meine Stiefel sickert Wasser, ich fürchte mich jetzt schon vor der Tour zurück über die Felsen, ich habe nämlich Höhenangst, und außerdem bin ich mir sicher, dass man uns auf den Fotos kaum erkennen wird.

Wir bleiben trotzdem am Strand, bis es fast dunkel ist und es zu nieseln beginnt, dann rennen wir zurück. Im Wald ist es stockduster, wir leuchten mit unseren Handys den Weg aus, damit wir nicht über Wurzeln fallen, und als wir gerade wieder im Auto sitzen, kommt der Sturzregen. Puh!

Worm's Head hat etwas Magisches

Am nächsten Morgen, nach einer durchquatschten Nacht im Hotelzimmer, scheint die Sonne, und wir brechen nach Worm's Head auf. Hier, auf der dünn besiedelten Halbinsel Gower, gibt es sicher viel mehr als nur drei Schafe pro Einwohner. Schon früh am Morgen werden wir von ihrem Blöken wach, sie stehen in Herden auf den Weiden und manchmal auch mitten auf der Straße. Am Rhossili Beach parken wir und staunen über eine Gruppe junger Männer, die sich trotz des eiskalten Windes in Neopren-Anzüge zwängen, um surfen zu gehen.

Wir wandern lieber in Richtung Landzunge, die sich wie der Kopf eines Drachens ins Meer schiebt. Daher der Name: Worm's Head. Dunkelgrüne, stachelige Wacholderbüsche säumen den Weg, der ewige Sturm hat sie ganz flach an den Boden gedrückt. Das Farbenspiel aus hellgrünem Gras, rostrot verblühtem Farn, hellgrauen Felsen, graublauem Meer und stahlblauem Himmel, an dem bizarre Wolkenformationen vorbeitreiben, hat etwas Magisches. Hardy bleibt zum Fotografieren weit hinter uns, und ich bin froh, mal mit meiner Patentochter allein zu sein.

Ehrwürdiges Internat: Anja Haegele trägt casual, Annika die Llandovery-College-Schuluniform

Walisisch klingt wie Deutsch auf Rückwärts

Da Hardy und ich recht redselig sind, Annika dagegen eher schweigsam, habe ich das Gefühl, dass sie in unserer Dreier-Konstellation irgendwie zu kurz kommt. Nur selten sagt sie ihre Meinung zu dem, was wir vorhaben, und tagsüber schaffen wir es auch kaum über Small Talk hinaus. Doch jetzt erzählt sie mir von ihren Freundinnen und vom Kunstunterricht, den sie so liebt. Dass sie nach den wenigen Wochen im Internat schon beinahe fließend Englisch spricht, beeindruckt mich sehr, das Walisische versteht sie so wenig wie ich. 

Walisisch klingt für mich wie Deutsch auf Rückwärts. Ich kann auch nur drei Wörter: Croeso heißt willkommen - das steht außen auf dem Coop-Supermark; Cymru wird "Kemri" ausgesprochen und heißt Wales, und Ci Hund. In Llandovery sprechen die Leute einen ständig auf Walisisch an, und mir kommt es immer so vor, als wären sie enttäuscht, wenn ich mich auf Englisch dafür entschuldige, dass ich sie nicht verstehe. Die Waliser sind wirklich sehr stolz auf ihre Sprache.

Noch etwa 20 Prozent der Waliserinnen und Waliser beherrschen Kymrisch, wie die Landessprache auch heißt - übrigens einer der ältesten noch gesprochenen Europas. Und so stolz wie auf dieses kulturelle Erbe sind sie auf ihre Schlösser und Burgen beziehungsweise deren Ruinen. Über 600 solcher Gemäuer gibt es hier im kleinsten Landesteil des Vereinigten Königreiches. "Mehr als in Frankreich", wird uns mehrfach berichtet. Und das ist nur ein bisschen geschummelt: Frankreich hat mehrere Zehntausend Schlösser und Burgen - aber pro Quadratkilometer, also im Flächenvergleich, stimmt es.

Ein Ausflug ins Bilderbuch

Ansonsten ist dieses an Schafen und herrschaftlichen Bauten reiche Fleckchen auch reich an winzigen, von dichten hecken oder schiefen Steinmauern umgebenen Feldern, schmalen Straßen - und Brücken, wie man sie vermutlich schon im Mittelalter hatte.

Einmal müssen wir eine sehr steile, sehr schmale One-Way-Brücke queren, und Anja hat wirklich Angst, dass sie mit dem Wagen darauf stecken bleiben könnte ... Das ist typisch für sie. Ständig malt sie Worst-Case-Szenarien aus, ohne dass diese je eintreffen würden.

Weil wir viel sehen wollen, fahren wir viel herum. Und weil ich mich wegen des Linksverkehrs dabei stark konzentrieren muss, genieße ich es umso mehr, dass wir an einem Tag das Auto stehen lassen können. Wir radeln am Monmouthshire-and-Brecon-Kanal entlang. Es ist kalt, aber sonnig, die Bäume haben noch all ihr Laub, das grün, gelb und rötlich leuchtet. Auf dem Wasser sind Schwäne, Enten und Boote unterwegs. Ende Oktober hängen noch Äpfel an den Bäumen und Tomaten in den Gärten - es fühlt sich an wieder Ausflug ins Bilderbuch.

Beim "Sunday Roast" scheiden sich die Geister

Mittags kehren wir in einem Dorf-Pub ein und genießen zwischen lauten, fröhlichen Familien unseren "Sunday Roast", den Sonntagsbraten: ein schönes Stück vom Rind und als Beilage Yorkshire Pudding, ein warmes, herrlich weiches Soufflé.

Ständig diese riesigen Mahlzeiten, die, bevor man sie essen darf, aus allen Perspektiven fotografiert werden, bis sie kalt sind. Und bei jedem Essent tratschen Anja und Hardy über Kollegen der beiden, von denen ich noch nie gehört habe. Mir ist übel. Ich kann unmöglich heute Nachmittag noch wandern gehen. Ich brauche meine Ruhe und ein Bett.

Teenager! Annika ist tatsächlich mit einem Taxi ins Hotel zurückgefahren ... Die erste Viertelstunde bin ich traurig, dass sie nicht mit uns wandert. Dann aber gelingt es mir, mich voll auf die Landschaft einzulassen. Die Brecon Beacons sind Sandsteingebirge, sanft geschwungen, von den Gletschern der letzten Eiszeit in bizarre Formen geschliffen, und weil die Baumgrenze hier bei knapp über 600 Metern liegt, weitgehend kahl, bedeckt nur von grünem Gras und rostrotem Farn. Die Wolken, die ohne Unterlass über den Himmel ziehen, werfen schnell wechselnde Schatten auf die Landschaft - natürliches Actionpainting in Hellgrau. Alle paar Minuten ist ein anderer Hügel oder ein anderes Tal im Spotlight der Sonne, fast ein wenig unheimlich und gleichzeitig sehr stimmungsvoll. Hardy läuft mit unserem Guide voraus und fotografiert. Und ich bemerke, wie gut es tut, einmal allein, ganz für mich zu sein. Keine Worte, nur Staunen.

Lange Geschichte: Malerische Ruinen wie hier in Tretower Court gehören zu Wales wie die Schafe

Der Abschied kommt viel zu früh

Als wir Annika am Abreisetag schließlich wieder in ihrem Internat abgegeben, vermisse ich sie schon, während sie uns noch über das weitläufige Gelände führt. Die vier Tage waren viel zu knapp kalkuliert: für das, was Wale alles zu bieten hat - und für uns beide. Aber wir hatten Spaß. Zum Beispiel als der Junge an der Supermarktkasse, kaum älter als 18, beinahe die Flasche Rosé-Prosecco nicht herausgerückt hätte, die ich Annika für eine kleine Party mit ihren Freundinnen zum bevorstehenden 16. Geburtstag kaufen wollte. Wohl weil er ahnte, wer das Zeug trinken wird ...

Dass sie zu fünft mit EINER Flasche Prosecco feiern will: Das ist typisch für Annika, das Über-die-Stränge-Schlagen liegt ihr so gar nicht. Deshalb rufe ich ihr, als Hardy zum Abschied "Alles Gute, Annika, bleib brav" sagt, laut durchs Autofenster hinterher: "Nein, Annika, mach Blödsinn! Wann, wenn nicht jetzt und hier!"

Hotel

Anjas Reisetipps für Wales

Hotels in Wales

Hilton Cardiff
Großes, geschmackvolles Hotel mit gutem Frühstück und sehr zentral - zur High Street sind es nicht einmal fünf Minuten zu Fuß. Viele der Zimmer haben Blick über die Mauern von Cardiff Castle. DZ/F ab ca. 133 Euro (Cardiff, Kingsway/Greyfriars Road, Tel. 029 20 64 63 00, www.hilton.com).

King Arthur Hotel
Ein "Country Inn" wie aus dem Bilderbuch, mit Pub im Erdgeschoss (Hauptgerichte ab ca. 12 Euro) und kleinen, aber gemütlichen Zimmern. Morgens wird man vom Blöken der Schafe geweckt, das Frühstück im Pub ist "Full Welsh", also mit gebackenen Bohnen, Wurst, Speck, Eiern, Toast und der Algenpaste "Laverbread". DZ/F ca. 93 Euro (Reynoldston, Higher Green, Te. 017 92 39 07 75, www.kingarthurhotel.co.uk).

The Cawdor
Boutique-Hotel mit liebevoll hergerichteten Zimmern. Im Erdgeschoss gibt es ein schickes Restaurant (Hauptgerichte ab ca. 18 Euro) und eine nette Bar mit kleinen Speisen und Burgen ab ca. 10 Euro. DZ/F ab 104 Euro (Llandeilo, Rhosmaen Street, Tel. 015 58 82 35 00, www.thecawdor.com).

Ty Helyg Guest House
Christine und John sind ein charmantes Paar, das kleine, verwinkelte Häuschen, das sie als Bed & Breakfast hergerichtet haben, bezaubernd. Stilvoll und individuell eingerichtete Zimmer, liebevoll serviertes Frühstück. DZ/F ab ca. 94 Euro (Brecon, 39 Watton, Tel. 018 74 62 33 21, www.tyhelygbrecon.co.uk).

Restaurants in Wales

The Potted Pig
Angesagtes Restaurant im Tresorraum einer ehemaligen Bank in Cardiff. Sehr gutes walisisches Essen mit regionalen Zutaten, z.B. geräucherter Schellfisch mit Speck, Spinat, pochierten Eiern und Vichyssoise (ca. 18,50 Euro). Das "Potted Pig" ist übrigens eine Vorspeise: Schweinepastete mit hausgemachten Pickles (ca. 9 Euro): Gin-Fans können aus über 30 Sorten wählen (Cardiff, 27 High St, Tel. 029 20 22 48 17, www.thepottedpig.com).

Pettigrew Tea Rooms
Entzückendes Lokal in der Burgmauer von Cardiff Castle. Es gibt sensationelle Torten (ca. 3 Euro) und einen "Cream Tea" (ca. 8 Euro), serviert auf silbernen Etageren mit "Bara Brith", walisischem Teekuchen, der nach Weihnachtsgewürz schmeckt, und Algen-Scones mit Chili-Marmelade. Mittags auch Sandwiches (ab ca. 8 Euro; Cardiff, West Lodge, Castle St, Tel. 02920 23 54 86, www.pettigrew-tearooms.com).

Elevens
Obwohl er selbst nicht trinkt, hat der vielleicht berühmteste lebende Waliser, der Fußballer Gareth Bale, eine Bar in seiner Heimatstadt: Das "Elevens" ist nach seiner Rückennumer benannt, es gibt Burger aus lokalem Bio-Fleisch (ab ca. 13 Euro), Pizza und sogar vegane Alternativen (Cardiff, 15 Castle St, Tel. 02920 23 92 53).

The Coach and Horses Inn
Der perfekte Ort für einen "Sunday Roast". Super freundlicher Service, klassische Küche, z.B. Rinderbraten mit Yorkshire Pudding für ca. 15 Euro (Llangynidr, Crawnon Road, Tel. 018 74 73 02 45, www.thecoachandhorsesinn.com).

Brecon Tap
Hier werden lokale Craft-Biere und kleine Speisen (ca. 10 Euro) serviert. Einkehren sollte man auch wegen der großen Magnetwand mit kleinen Holzschafen - Letztere kann man an der Theke kaufen, der Erlös kommt der Bergrettung zugute. Mit viel Liebe und Fantasie haben Stammgäste ihre Tiere gestaltet: Es gibt regenbogenbunte, es gibt Wölfe im Schafspelz, Schafe, die Radfahren oder angeln, eines, das gerade von einer Riesenschlange gefressen wird ... (Brecon, 6 Bulwark).

Felin Fach Griffin
Gourmet-Restaurant in einem Landgasthof. Stilvolle Einrichtung im Shabby Chic mit toller Blumendeko. Drei-Gänge-Menü ab ca. 25 Euro. Das Essen, z. B. die Schweinepastete mit Apfelsalat oder der Heilbutt auf getrüffelten Bohnen und Nüssen war wirklich sehr gut, der Service hätte allerdings freundlicher sein können (Felinfach, Tel. 018 74 62 01 11, www.felinfachgriffin.co.uk).

Sightseeing in Wales

Cardiff Castle
Wahrscheinlich könnte man hier einen ganzen Tag verbringen und hätte sich immer noch nicht sattgesehen an der irren Errichtung des Schlosses, das der spleenige Marquess of Bute, zu seiner Zeit der reichste Mann Großbritanniens, als eine Art viktorianisches Neuschwanstein mit orientalischen Suiten, Rittersälen, Renaissance-Kabinetten einrichten ließ. Ticket ca. 15 Euro (Castle, www.cardiffcastle.com).

Foodtour
Siân Evans Brotberuf ist Nachrichtensprecherin -  ihre Leidenschaft steckt sie in die Foodtouren durch ihre Heimatstadt Cardiff. Mit Siân entdeckt man, wo es den besten "Welsh Tea" gibt, das beste Bier, das beste Seafood, den besten walisischen Käse der Stadt ... Die nicht-kulinarischen Sehenswürdigkeiten zeigt sie nebenbei. Ca. 44 Euro für eine vierstündige Tour, inkl. sechs reichhaltiger Tastings (www.lovingwelshfood.uk).

Three Cliffs Bay
Etwa eine Meile muss man vom Parkplatz durch dichten Buchenwald laufen, später über Wiesen, bis man an den atemberaubend schönen Strand kommt. Bei Ebbe wird unter einer der drei Klippen am östlichen Rand der Bucht ein Felsbogen sichtbar, und hoch über der Bucht liegt malerisch eine Burgruine - mehr Instragrammability geht eigentlich nicht - und entsprechend voll ist es hier oft (an der A4118 in Parkmill an "Sheperds Shop" parken).

Worm's Head
Herrlicher Spaziergang vom Parkplatz an der Rhossili Bay bis zur Spitze der Landzunge. Von dort aus geht es nur bei Ebbe (und zwar nur etwa eineinhalb Stunden vor und nach dem Tiefstand - der Gezeitenplan hängt an der Coastguard Station aus!) weiter auf die Kalkklippen, die fast einen Kilometer weit ins Meer ragen und bereits von den Wikingern ihren Namen bekamen, weil sie wie der Kopf eines Drachen aussehen. Übrigens: In Dylan Thomas' Kurzgeschichten "Who Do You Wish Was With Us?" kann man nachlesen, wie gruselig kalt und nass eine unfreiwillige Übernachtung auf Worm's Head sein kann!

Dinefwr Park and Castle
Eine mittelalterliche Ruine war im englischen Landschaftsgarten des 18. Jahrhunderts ein wichtiges Deko-Element, und diese hier liegt so perfekt in der Hügellandschaft am Ufer des Tywi, dass sie sogar ein Porzellanservice von Wegwood ziert, das einst Katharina der Große gehörte. In Newton House, dem Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert soll es übrigens heftig spuken. Vielleicht die Geister der Dienstboten - im Keller jedenfalls zeigt eine interessante Ausstellung, dass deren Leben eine einzige Schufterei war. Ticket ca. 9 Euro (Llandeilo, Dinefwr, www.nationaltrust.org.uk).

Monmounthshire and Brecon Canal
Der 56 Kilometer lange Kanal wurde Ende des 18. Jahrhunderts für den Transport von Kalk in die Industriegebiete im Süden gebaut. Heute kann man hier paddeln, mit schmalen Hausbooten herumschippern - und auf dem Uferweg hervorragend radeln. Drover Cycles bringt die Räder (ab ca. 30 Euro/Tag) kostenlos zur Unterkunft und holt sie am Zielpunkt wieder ab (Hay-on-Wye, Forest Rd, Tel. 014 97 82 24 19, www.drovercycles.co.uk).

Big Pit National Coal Museum
Ich besichtige gern Bergwerke. Zum einen, weil ich es interessant finde, wie die Grundlagen unseres Reichtums buchstäblich aus der Erde gekratzt wurden, zum anderen, weil ich jedes Mal so verdammt dankbar bin, in einer anderen Zeit zu leben! In Blaenavon haben im 19. Jahrhundert bereits Vierjährige für einen Penny am Tag zwölf Stunden unter Tage gearbeitet. In völliger Dunkelheit mussten sie den Kohlenkarren die Schachttüren öffnen - immer in Gefahr, überfahren zu werden. Erst 1842 wurde ein Gesetz erlassen, dass Kinder unter zehn nicht in die Bergwerke einfahren dürfen - an das sich selbstverständlich keiner hielt. Mir kamen die Tränen, als ich an meinen Fünfjährigen dachte, der in der Kita spielte, während ich 90 Meter unter der Erde stand und ein Ex-Bergmann (die Miene war bis 1980 in Betrieb) uns von seinen damaligen Schichten erzählte. Der Eintritt ist frei, weil die Schlangen oft lang sind, empfiehlt es sich aber, einen Slot zu reservieren. Das kostet 3 Euro (Torfae, Blaenavon, www.museum.wales/bigpit).

Hay-on-Wye
Für einen Bummel durch die Bücherstadt unbedingt mindestens einen halben Tag einplanen! 20 Buchhändler und 7 Buchbinder gibt es in Hay, dazu hübsche Krimskrams- und Interior-Läden - ein Paradies zum Stöbern und Schmökern!

Urlaub in Wales mit Bulli

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Einkaufen in Wales

Wally's Delikatessen
Herrlich altmodisches Feinkostgeschäft u.a. für Käse, Aufschnitt, lokale Biere. Gegründet von Walter Salamon, der 1939 als Dreijähriger auf der Flucht vor den Nazis nach Cardiff kam (Cardiff, 38-46 Royal Arcade, www.wallysdeli.co.uk).

Cardiff Market
Lichte, viktorianische Markthalle, in der nicht nur Lebensmittel, sondern auch Hüte, Taschen, Kleider und Dinge des alltäglichen Bedarfs angeboten werden (Cardiff, St Mary St).

Ty Cariad
Sehr hochwertige Souvenirs, Kunsthandwerk und der zauberhafteste Christbaumschmuck, den ich je gesehen habe (Brecon, 6a Bulwark).

Telefon
Die Vorwahl von Großbritannien is 00 44.

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BRIGITTE 22/2019

Wer hier schreibt:

Anja Haegele Annika Benzing / Fotos: Hardy Müller
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