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Kleines großes Land


Von Antigua bis Tikal - Andrea hat Guatemala auf ihre ganz eigene Art bereist. Mit seltsamen fahrbaren Untersätzen, aber viel Spaß am Erleben und Kennenlernen neuer Dinge und Orte hat sie sich ein wunderschönes Land angeschaut und erzählt euch davon

Antigua

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Und dann kam Estella... Neunzehn Stunden Reise, endlose deutsche, englische, amerikanische und guatemaltekische Sicherheitskontrollen später: endlich da! Es regnet. Alle sind hilfsbereit. Und alle so klein!!! Zur ersten Orientierung sehr vorteilhaft. Wenn man sich sprachlich nicht verständigen kann, ist es beruhigend, wenigstens etwas zu sehen. Und so euphorisch und positiv ich auch in Guatemala lande: ich weiß doch, dass es ein paar Tage dauern wird, bis mein Sprachkurs hier treibende Wurzeln für das schöne Pflänzchen "sprachliche Kommunikation" schlägt. Also habe ich meinen Blick erst mal überall. Allerdings half auch der Überblick in den ersten Stunden nicht wirklich. Kein Mensch von der Sprachschule um mich abzuholen. Nach einer halben Stunde hatte ich keine Lust mehr zu warten und nahm ein Taxi. Hatte zwar nicht die Adresse der Gastfamilie, aber immerhin die der Sprachschule. Man braucht etwa eine Stunde von Guatemala City nach Antigua. Leider kannte sich der Fahrer in Antigua nicht gut aus und fragte bei der Touristengarde nach Hilfe. Netterweise fuhr einer der Polizisten einfach mit uns zu der Adresse. Half aber auch nicht viel, denn: Türen verschlossen, kein Mensch, kein Schild, Adresse wahrscheinlich falsch. Da standen wir nun. Ein ungeduldiger, irritierter Taxifahrer, ein Polizist und ich. Ratlos. Ich versuchte gerade mit wenig Erfolg, die beiden Señores davon zu überzeugen, dass ein Hotel vollkommen in Ordnung wäre, als mich jemand von 30 cm tiefer anspricht. Und da war sie. Die kleine Estella mit dem großen Lächeln. Ob ich ein Zimmer suche, ob ich bei ihr wohnen wolle, ob ich mir ihr Haus anschauen wolle. Sie vermiete mehrere Zimmer an junge Leute. Und ob ich wollte. Sie war mir sofort sympathisch. Und, na ja, ich war schon ein paar Stündchen auf den Beinen und meine armen Knochen sehnten sich nach einem Bett. Da das Haus um die Ecke lag, sind wir ihr gleich gefolgt. "Wir" heißt ich und der Polizist, der mich nicht alleine gehen lassen wollte. Sehr pflichtbewusst... "Estellas Casa". Ein kleiner Innenhof mit vielen Pflanzen, ein Balkon mit Hängematte, eine Dachterrasse mit Blick über die Stadt, das Zimmer klein aber sauber. Eine Woche mit drei (unglaublich guten) Mahlzeiten für insgesamt 40 Euro. Was soll ich sagen? Ich bin geblieben!!!!

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Langsame Schritte und schnelle Tuk-Tuks So nach und nach hat sich mein Zeitgefühl eingependelt. Eine Woche und viele Eindrücke später. Antigua ist wunderschön. Bunt, offen, wie erwartet nicht reich, aber gepflegt und einladend. Die Menschen von zurückhaltender Freundlichkeit. Man wird nicht endlos angesprochen oder belästigt. Wenn man aber auf die Menschen zugeht, sind sie interessiert, hilfsbereit und reden gerne. Das typische Straßenbild beinhaltet eine Reihe von ein- bis zweistöckigen Häusern in Pastellfarben, ein paar Autos, ein oder zwei "Tuk Tuks" (dreiräderige Taxis, die einen für einen Euro überall hinfahren), ein paar Indiofrauen, die in großen Körben bunte Waren auf ihren Köpfen tragen, ein paar Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder zum nächsten Café und immer auch ein paar Touristen.

Habla Espagnol? Si!! Nachdem ich die Sprachschule gefunden und wir gemeinsam alle Missverständnisse ausgeräumt hatten, ging es los. Ich denke dauernd, auf Holz klopfen zu müssen. Ist schon ein bisschen beängstigend, dass ich mit allem in den letzten Wochen so viel Glück hatte. Jetzt auch noch mit meiner Lehrerin. Seria. Wir kommen prima aus, sie hat viel Erfahrung, ich lerne. Wenn die Leute langsam sprechen, verstehe ich schon eine ganze Menge. Das Sprechen ist nicht ganz so einfach. Aber nach einer Woche kann ich immerhin schon Kommunikation über die wichtigen Dinge des Lebens führen: "Das Essen schmeckt super. Einen Liter Wasser bitte. Wo ist die beste Salsadisco?"

Pläne? Mmh. Fühle mich wohl hier. Eine gute Spanischlehrerin sollte man zu schätzen wissen. Keine Eile im Moment. Ich bleibe einfach so lange, wie es mir gefällt. Bis mir der Antiguahimmel auf den Kopf fällt. An neuen Zielen mangelt es nicht. Nur rufen sie noch nicht laut genug...

Panajachel (Lago Atitlan)

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Erste neue Bilder Zwei Wochen lang hatte ich keinerlei Bedürfnis, Antigua zu verlassen. Alles war so neuandersanstrengendschön, dass kein Platz mehr im Kopf zu finden war. In einem positiven Sinne. Allein alle neuen Bilder, Menschen, Temperaturen, Zeiten, Möglichkeiten aufzunehmen, bedeutet, dass alle Sinne intensiver arbeiten. Dazu eine neue Sprache. Ich war zwei Wochen lang ziemlich satt von Neuem. Nun ist es nicht so, dass mir langweilig geworden wäre! Aber ich habe wieder etwas Platz für neue Bilder. Antigua bietet sich wunderbar als Ausgangspunkt für Wochenendausflüge an. Zum Beispiel zu einem der schönsten Seen der Welt: Lago Atitlan. Drei Stunden Chickenbus für umgerechnet 1,50 Euro, und man erreicht diesen wunderbaren Flecken Guatemala. Der See liegt recht hoch in den Bergen, umgeben von riesigen, ehrfurchterweckenden Vulkanen und kleinen, verschlafenen Dörfern. Man kann baden, wandern, Märkte leer kaufen, Nachtleben leben oder einfach nur sehr sehr faul sein. Ich habe einfach alles gemischt, wobei die Faulheit im Vordergrund stand...

Chichicastenango

Farben Von Panajachel Sonntag morgen um acht (ja, Urlaub kann ganz schön hart sein!) mit dem Chickenbus nach Chichi. Ich glaube, das ist der bekannteste Markt hier in Guatemala. Zu recht! Farben, Gerüche, drängende Menschen, tausend Töne wirken berauschend. Eine Mischung aus Touristen, guatemaltekischen Sonntagseinkäufern, Bettlern, Kindern mit großen Augen und Mayafrauen, die ihre bunten Waren anpreisen. Wenn man Menschenmengen und starke Gerüche nicht gut verträgt, ist das kein guter Ort. Ich für meinen Teil muss sagen: Ich liebe das!

San Pedro

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Ein See, so viele Seiten... Nach über einem Monat in Antigua... genug. Nicht, dass ich mich nicht mehr wohl gefühlt hätte. Aber es ist nicht besonders groß. Ich glaube, ich kenne mittlerweile jedes Haus, jede Bar, jedes Stückchen Grün. Und das Kribbeln in den Füßen wurde immer stärker. Also Sachen packen und weiter! Nun bin ich wieder am See gelandet. Am wunderschönen Lago Atitlan. Er scheint eigentlich mehr wie ein Lebewesen, als einfach Millionen Liter von Wasser. Diese wunderschöne, atemberaubende Landschaft. Riesige Vulkane und sanfte, grüne Berge rund um den See. Felder und Dörfer, die sich an die steilen Hänge schmiegen. Gesichter, die man in den Bergkämmen erkennen kann. Er scheint zu leben. Er wechselt die Farbe seines Wassers wie ein Mensch den Ausdruck in seinem Gesicht. Schwarz, blau, braun, grün und dann alles gemischt.

Und die Dörfer: Da ist Panajachel. Laut, fröhlich, kurzlebig. Da ist Santiago, das sich nicht entscheiden kann zwischen buntem Touristenleben und traditioneller Majakultur. Da ist San Marcos, ruhig, ausgeglichen, fast spirituell. Und da ist San Pedro, das alles bis in die letzte Faser ausleben will. Und da bin ich nun. Auch hier viele Touristen. Viele auch, die als Touristen kamen und nun seit Wochen, Monaten, Jahren hier leben. Einige Althippies, die wohl nie wieder einen Fuß an’s andere Ufer setzen werden. Und trotzdem sind die Einheimischen hier viel offener und freundlicher als an anderen Orten. Sie scheinen sich mit den Fremden arrangiert zu haben. Natürlich leben sie auch von ihnen. Aber wenn die alte Mayamami mit ihrem Enkel auf dem Arm einen guten Morgen wünscht, hat man nicht das Gefühl, dass Sie etwas verkaufen will. Wenn einer der vielen Pedros ein lächeldes "Buenas!!" wünscht, denkt man nicht, dass er eine Kajaktour oder Vulkanwanderung gegen ein paar Dollar im Sinn hat. San Pedro ist intensiv in seinen Festen, im Tanzen und seiner lauten Musik. Es ist intensiv in Alkohol- und Drogenkonsum. Es ist intensiv in seiner Freundlichkeit und Offenheit. Es ist intensiv in seiner Ruhe und Entspanntheit. Eine verrückte, wunderbare Mischung.

Lanquin

Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass ich mittlerweile genug Unterricht hatte. Ob mich meine Spanischkenntnisse für eine Rundreise wappnen. Naja, genug gibt es nicht, da immer noch mehr geht. Egal was man tut. Aber ich kann mich unterhalten... wenn es nicht gerade um Genmanipulation oder Kernfusion geht. Ich kann Tequila und Tacos kaufen, jemanden zum Tanzen auffordern, ein Zimmer mieten und sogar kleine Witze machen. Also? Los geht’s !!! Bisher hatte ich nur Bekanntschaft mit den holprigen aber spaßigen Chickenbuses gemacht. Eine einzige Tour mit einem sogenannten Shuttel - Kleinbusse, die schneller, aber auch teurer sind - hat mir bewiesen, dass diese nicht unbedingt komfortabler sein müssen. Vielleicht sind die Sitze ein bisschen weicher. Aber oft werden einfach fünfzehn Leute in ein Auto für zehn gepackt. Je nach Temperatur und nicht vorhandener Klimaanlage kann das ziemlich dampfbadähnlich enden. Nur dass man in einem Dampfbad nicht den schweißigen Arm des Nebenmannes auf dem eigenen liegen hat... Man weiß also nie was man kriegt. Egal was man zahlt und egal wann man bucht und fährt. Der Bus von Antigua nach Coban gestern brauchte 5 Stunden. Keine Klimaanlage, aber so weit im Süden sind die Temperaturen wirklich noch o.k. und wenn man ein Fenster hat (das sich öffnen lässt) ist alles in Butter. Kein Luxusbus, aber weiche Sitze, die sich sogar verstellen ließen. Ich reise für eine Woche mit Sonia, meiner Freundin aus London. Wirklich eine schöne Abwechslung, jemand da zu haben, der mich kennt. Nun waren wir nach diesen fünf Stunden Bus in Coban noch so fit, dass wir gleich in das nächste Shuttle weiter nach Lanquin stiegen. Lanquin, Ausgangspunkt für Semuc Champey und verschiedene Höhlen. Eine wunderschöne dreistündige Fahrt bis dorthin. Schnell kamen wir nicht vorwärts, da die Straße nicht gepflastert ist. Aber die Landschaft ist so eindrucksvoll, dass wir uns nicht daran störten. Grüne Berge in weichen Formen. Immer wieder ein unverhoffter Blick auf eine riesige Ebene. Dann Maisfelder, die sich an Hänge schmiegen und kleine Holzhütten, vor denen Kinder spielen. Ein riesiger Regenbogen, der zwischen zwei Bergen entspringt. Manchmal macht Sehen ganz schön satt... Lanquin ist direkt an einem hellblauen, schnell fließenden Fluss gelegen. Es ist klein, vielleicht 300 Einwohner, aber es gibt wegen der schönen Orte in der Nähe doch eine Hand voll Hotels. Unsere erste Wahl ist ausgebucht. Aber nebenan gibt es ein Dreierzimmer mit Tür nach draußen und zum Fluss, mit Outdoordusche und Plumpsklo. Für 1,50 Euro die Nacht. Können wir uns leisten...

Semuc Champey

Heute nun Semuc Champey. Endlich! Alle Reisenden reden davon. Es ist wohl der einzige Ort in Guatemala, den ausnahmslos alle als Paradies beschreiben. Und das ist es. Hollywood könnte es nicht besser fälschen. Wie soll man so etwas beschreiben? Beim Lesen sollte man sich einfach ein eigenes Bild machen und dessen Schönheit am Ende verdoppeln. So. Oder so ähnlich... Semuc Champey. Das ist ein geschützter Park mit viel, viel Wasser. Es ist ein Tal, durch das ein Fluss fließt. Es ist ein Fluss, der schnell und reißend den Berg herunter kommt und im Untergrund verschwindet. An der Stelle, wo er verschwindet, entsteht oberirdisch ein kleiner, flacher See. So klar, dass man die Felsen auf dem Grund sieht. Die Bäume spiegeln sich in ihm. Dann eine Stufe auf ganzer Länge, eine weitere Terrasse und ein weiterer kleiner See. Die Berge, die alles umschließen. Baumwurzeln, die ins Wasser reichen. Noch eine Terrasse... und noch eine...und noch eine... Es ist schwierig, einen solchen Ort zu verlassen.

Rio Dulce

Der Dschungelexpress Wer hatte eigentlich diese glorreiche Idee? Bei zwei Leuten ist ja nicht viel Auswahl. Aber um ehrlich zu sein, haben wir gemeinsam diese Spinnerei ausgetüftelt. Nun ja. Wir wollten von Lanquin weiter nach Rio Dulce. Normalerweise nimmt man dafür ein Shuttel. Dies fährt aber einen riesigen Umweg über eine langweilige Strecke, von der wir die Hälfte schon gesehen haben. Die Alternative ist dieser eine, dieser einzige Chickenbus in direkter Richtung nach Coban. Und es roch nach Abenteuer. Eine einspurige Straße ohne jeden Asphalt, die sich durch die Berge windet. Wilde, unberührte Landschaft ohne Touristen. Ein einziger Bus morgens um drei. Nein. Ich habe mich nicht vertippt. Wir sind um halb drei aufgestanden und haben einem aus der Dunkelheit anrasenden Bus mit meiner Taschenlampe Einhalt geboten. Ha! Und Abenteuer war es wirklich. Bis etwa halb sechs sieht man nur Schwarz, außer des kleinen Teils Straße und Urwald, das von den Scheinwerfern erhellt wird. An Schlafen ist nicht zu denken. In einem Chickenbus sowieso nicht, da die Rückenlehnen nur bis knapp unter die Schulter reichen. Aber hier verursachte die Kombination einer holprigen Straße voller Schlammlöcher, hoher Geschwindigkeit, schlechter Sitzfederung und noch schlechterer Achsenfederung, dass wir nicht saßen, sondern ununterbrochen hüpften. Die erste halbe Stunde ist das lustig. Wir verstanden außerdem, warum dieser Bus nur mitten in der Nacht fährt. Weil es da fast keinen Gegenverkehr gibt. Jedes mal, wenn uns ein Auto entgegenkam, mussten wir auf der schmalen, von Hügeln und Bäumen gesäumten Straße anhalten, zurücksetzen, probieren, nochmal zurücksetzen und dann auf Millimeter hoffen. Klappt jedes mal. Ist nur zeitaufwendig.

Rio Dulce Auch eine abenteuerliche Fahrt nimmt irgendwann ein Ende. Wir kommen erschöft und glücklich in Rio Dulce an. Mein Rücken schreit Hurra. Stehen und gehen. Welch Luxus. Heiß ist es hier. Es wird immer heißer, je näher man dem Norden kommt. Aber es gibt offenesWasser und damit ein bisschen Wind. Rio Dulce liegt direkt am gleichnamigen Fluss, der hier eine Art See bildet. Wir haben einen Hoteltipp von einem anderen Reisenden. Zum Glück. Keine Lust auf Suche. Und was für ein Hotel das ist! Eine "Dschungellodge". Sie holen uns mit einem kleinen Boot ab und bringen uns über den See in eine Abzweigung durch den Urwald bis zum Anlegesteg der "Casa Perico". Wenn man die Hitze außer Acht lässt, werde ich an diese Unterkunft wohl als die schönste meiner Reise zurück denken. Alles aus Holz. Stege, die die einzelnen Hütten durch das Wasser und den Wald miteinander verbinden. Gleich an der Anlegestelle ein großer, offener Raum mit Bananenblätterdach, der gleichzeitig Empfang, Restaurant, Bar, Hängemattenbereich, Leseecke und alles andere ist. Von hier aus führen die Holzstege zum Duschhaus, zu unterschiedlichen Hütten und zur Küche. Wir teilen unseren kleinen Bungalow mit zwei Kanadierinnen. Es gibt Moskitonetze über den Betten und eine kleine Terrasse mit Hängematte. Die Bäume scheinen ins Haus kommen zu wollen und alles drum herum scheint zu leben. Wir fühlen uns wohl. Liegen in der Hängematte. Trinken Rum mit frischem Orangensaft. Wir bleiben drei Tage, gehen viel schwimmen und erkunden mit kleinen Einbäumen die Wasserpfade durch den Urwald. Grün ist eine wunderbare Farbe...

Tikal

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Unsere letzte Station in Guatemala. Die alte große Stadt der Ureinwohner. Wir wissen nicht sio recht, was uns erwartet. Menschenmengen und Blitzlicht? Tikal ist in aller Munde und in allen Reiseführern. Aber wir wollen es uns trotzdem nicht entgehen lassen. Es ist noch ziemlich früh. 5 Uhr. Scheint zur Gewohnheit zu werden. Und so was nennt sich Urlaub... Aber ich weiß, dass ich böse Kommentare ernte, wenn ich jetzt anfange mich zu beschweren :o). Wir wollen früh da sein. Vor den Massen. Mit den Tieren und der Stille. Tikal. Maya. Geschichte Guatemalas und Südmexikos. Uralte Kultur. Und ein steinerner Teil davon hat bis heute überlebt. Pyramiden, Tempel, Paläste. Wir hatten uns ein, zwei oder drei eindrückliche Anlagen vorgestellt. Gepflegter Rasen und viele Menschen. Alles anders. Dschungel, Tiergeräusche, riesige Bäume, Stille. Und dann plötzlich, wie aus dem Nichts, der erste Tempel. Ein großes, graues Tier. Es schläft. Man weiß nicht so genau, ob die Besucher hier so wenig sprechen, weil die Jahrhunderte ihnen Ehrfurcht einflößen oder weil sie von der Schönheit gefesselt sind, oder weil sie das schlafende Tier nicht wecken wollen. Wir laufen Stunden durch den riesigen Park. Mehr Dschungel als Menschen. Oft sind wir ganz alleine, setzen uns vor eine Pyramide und lesen über ihre Geheimnisse. Man kann sich in so einem Moment gut vorstellen, wie zwischen den Gebäuden viele kleine Mayas geschäftig hin und herlaufen. Die Tiere sind die selben wie damals. Schlangen, Affen, Vögel, Füchse, Insekten... Als wären nicht Jahrhunderte vergangen. Ihnen ist es egal, ob die Menschlinge hier braun oder weiß sind, ob sie Wasser tragen oder die neueste Canon Digitalkamera. Einige Pyramiden hat man unberührt gelassen. Das heißt, sie sind bedeckt von Erdreich und Pflanzen. Einfach ein großer, künstlicher Hügel inmitten des Waldes. Andere hat man befreit, aber in dem Zustand belassen, in dem sie gefunden wurden. Und einige sehen aus, als wäre gestern heute. Perfekte Formen. Hunderte Stufen hoch zur Spitze. Graue Kolosse. Riesig groß und trotzdem nicht die Natur störend. Das Bild ist harmonisch. Ruhig. Perfekt. Es fällt uns schwer zu gehen. Am Ende haben wir 10 Stunden hier verbracht. Aber wir gehen zurück. Durch das Tor. In die Gegenwart.


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