Scheidungsanwalt: Wie finde ich den richtigen?

Auch wenn es unangenehm ist: Einen Scheidungsanwalt auszuwählen gehört zu den wichtigsten Faktoren für eine anstehende Scheidung. Hier bekommst du Hilfe.

Scheidungsanwalt: Hintergrund

Auch wenn gut 50 Prozent aller Ehen geschieden werden, bleibt das Thema Scheidung doch oft ein gesellschaftliches Tabu. Wer heiratet, glaubt schließlich (hoffentlich) an die ewige Liebe und da gibt es sicherlich schönere Beschäftigungen, als sich über den Ablauf bei einer Scheidung zu informieren.

Doch spätestens, wenn die eigene Ehe wirklich vor dem Aus steht, gilt es, sich Gedanken über den Ablauf einer Scheidung zu machen. Ein zentrales Thema ist dabei der Scheidungsanwalt, ohne den eine Scheidung in Deutschland schon rein rechtlich gar nicht durchführbar ist.

Welche Aufgaben einem Scheidungsanwalt zukommen, welche Kosten auf dich zukommen und wie die Suche nach einem vertrauenswürdigen Anwalt gelingt, erfährst du jetzt.

Brauche ich einen Anwalt?

Grundsätzlich gilt bei allen Familiengerichten laut Familienrecht Anwaltszwang. Familiengerichte befassen sich unter anderem mit Scheidungen. Das bedeutet, ohne Anwalt kannst du deine Scheidung nicht mal beim Gericht einreichen.

Das liegt daran, dass emotionale und objektive Gründe für eine Scheidung klar voneinander getrennt werden sollen, sodass ein Richter auf einer guten Grundlage eine Scheidung aussprechen kann.

Reicht ein gemeinsamer Anwalt?

Gerade bei einer einvernehmlichen Trennung kann der Prozess einer Scheidung unglaublich vereinfacht werden. In diesem Fall reicht es aus, wenn lediglich eine Partei einen Anwalt für die Scheidung beauftragt.

Dieser kann die Scheidung vor Gericht einreichen und beide Parteien können sich die Kosten für den Anwalt teilen. Sollte es sich jedoch um eine strittige Scheidung handeln, bei der viele Themen unterschiedlich beurteilt werden, sollten beide Parteien einen Anwalt einschalten. Ansonsten ist die Person ohne Rechtsbeistand nicht in der Lage, eigene Anträge einzubringen.

Scheidungsanwalt: Aufgabenprofil

Wenn du schon einen Anwalt für eine Scheidung benötigst, fragst du dich vielleicht, für welche Bereiche er dir dabei eine Unterstützung sein kann. Zunächst einmal ist ein Rechtsanwalt dazu verpflichtet, seine Mandanten umfassend zu beraten. Tut er dies nicht, macht er sich schadensersatzpflichtig. Aus diesem Grund schließt jeder Anwalt eine Berufshaftpflichtversicherung ab, ohne die es nicht mal eine Zulassung gäbe.

Zudem ist der Scheidungsanwalt zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet. Schließlich besprichst du mit ihm äußerst private Themen.

Im Familienrecht kann sich der der Anwalt bei einer Scheidung unter anderem um folgende Themenbereiche kümmern:

  • Überprüfung der Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung
  • Einreichen des Antrages auf Ehescheidung
  • Beantragung des Rechtskraftvermerks auf dem Scheidungsbeschluss
  • Beratung über Unterhaltsansprüche oder Pflichten nach der Scheidung
  • Berechnung des Unterhaltsanspruches
  • Abwehr der Forderungen von der Gegenseite
  • Beratung und Geltendmachung von Ansprüchen zum Güterrecht, Vermögensausgleich bzw. Versorgungsausgleich
  • Geltendmachung und Überprüfung von Ansprüchen bezüglich der gemeinsamen Wohnung oder eines Hauses sowie des Hausrates
  • Fragen zum Sorgerecht nach der Scheidung

Scheidungsanwalt: Kosten

Kaum jemand weiß, welche Kosten bei einer Scheidung wirklich auf einen zukommen. Insbesondere die Berechnung der Kostensätze von Kanzleien sind oft äußerst intransparent. Ein Anwalt ist nicht verpflichtet, vorab eine klare Kostenaufstellung und Kostenvoranschläge zu erstellen. Demzufolge liegt es auch an dir, dich rechtzeitig über die Ausgaben zu erkundigen (siehe unten).

Vertrauenswürdige Anwälte oder professionelle Anbieter von Online-Scheidungen teilen immer von Beginn an die Kosten mit, sodass darüber keine Unklarheiten bestehen. Ein Beispiel für verschiedene Online-Anbieter ist unser BRIGITTE-Kooperationspartner Legalbird.

Dabei gibt es klare Grundsätze, nach denen sich die Kosten richten. Wie bereits erwähnt sinken die Kosten für eine einvernehmliche Scheidung drastisch. Eine Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent ist realistisch, da die einvernehmliche Scheidung ohne strittige Anträge auskommt.

Nachdem der Anwalt den Scheidungsantrag beim Gericht eingereicht hat, erstellt dieses eine Kostenvorschussrechnung. Gleichzeitig erwartet der Scheidungsanwalt einen Kostenvorschuss für seine Arbeit. Eine außergerichtliche Beratung vorab in Form eines Erstgespräches kann bis zu 250 Euro kosten. Diese übernehmen viele Rechtsschutzversicherer (je nach Tarif). Gebühren können auch für folgende Tätigkeiten der Kanzlei anfallen:

  • Schriftverkehr mit der Gegenseite
  • Erledigungs- und Einigungsgebühren für Einigungen bezüglich Ehegattenunterhalt, Zugewinnausgleich etc.

Die genauen Kosten berechnen die Anwälte auf Grundlage von Gegenstandswerten, während Gerichte mit Verfahrenswerten rechnen. Der Gesetzgeber macht klare Vorgaben hinsichtlich der Gebühren, welche die Anwälte verpflichten, strikt nach der Gebührenordnung abzurechnen.

Für eine Scheidung beträgt der Verfahrenswert mindestens 3.000 Euro, für den Versorgungsausgleich 1.000 Euro und für Kindschaftssachen 3.000 Euro. Ehewohnungssachen werden mit 3.000 Euro angesetzt und Haushaltssachen mit 2.000 Euro. Für Unterhaltssachen richtet sich der Wert am Jahresbetrag des geforderten monatlichen Unterhalts.

Wirklich entscheidend sind letztlich die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Ehegatten. Bei der Scheidung wird dabei das dreifache monatliche Nettoeinkommen beider Parteien als Grundlage angesetzt.

Wenn beide zusammen 4.000 Euro verdienen, ergibt sich ein Gegenstands- und Verfahrenswert von 12.000 Euro, aus dem sich eine Anwaltsgebühr von 1.817 Euro und Gerichtskosten von 534 Euro ergeben (bei einer einvernehmlichen Scheidung). Im Internet findest du spezielle Prozesskostenrechner, in denen du deine individuellen Beträge eingeben kannst. Mehr Informationen zu den Scheidungskosten bekommst du hier.

Mit einer Online-Scheidung Geld sparen

  • In einem Zeitalter, indem wir (fast) alles online erledigen, gibt es auch bei einer einvernehmlichen Scheidung die Möglichkeit, über eine Online-Scheidung Zeit und Geld zu sparen.
  • Wenn eine Scheidungsfolgenvereinbarung außergerichtlich geregelt wird, braucht es lediglich einen Anwalt. Dieser kann den bei einer Online-Scheidung gängigen Antrag auf 30-prozentige Verfahrensminderung bei einvernehmlicher Scheidung stellen.
  • Für Personen mit geringem Einkommen bietet sich die Inanspruchnahme von Verfahrenskostenhilfe an. Die Beantragung ist jedoch nicht unkompliziert. Viele Formulare müssen dafür eingereicht werden. Es gibt vereinzelt Anbieter, die dich kostenlos bei der Beantragung der Verfahrenskostenhilfe unterstützen, indem der Antrag unkompliziert und schnell online ausgefüllt werden kann. Ein Beispiel von verschiedenen Online-Anbietern ist der BRIGITTE Kooperationspartner Legalbird. Dieser ermöglicht dir, die Verfahrenskostenhilfe mit einem Assistenten ganz einfach online auszufüllen.

Scheidungsanwalt: Wie finde ich einen guten Anwalt?

  1. Erreichbarkeit: Der erste Schritt, um Kontakt mit einem Anwalt aufzunehmen, ist meist das Telefon oder per E-Mail. Dabei bekommst du schon einen ersten Eindruck von der Erreichbarkeit einer Kanzlei. Sind die Sprechzeiten für dich angenehm und wirst du auch schnell zum Scheidungsanwalt durchgestellt oder dauert es tagelang, bis dieser zurückruft oder schreibt? Dieser Kontakt gibt dir Rückschlüsse darauf, wie auch später mit Mandanten umgegangen wird.
  2. Kostenloses Erstgespräch: Ein Erstgespräch kann bis zu 226 Euro kosten. Für einen ersten Eindruck und eine kurze Einschätzung bieten seriöse Anwälte jedoch oftmals ein kostenloses Erstgespräch an. Klären Sie vorab, ob ein solches kostenloses Gespräch angeboten wird. Dies kann dir sehr dabei helfen, herauszufinden, ob du den für dich richtigen Anwalt gefunden hast.
  3. Referenzen: Wer den Suchbegriff Scheidungsanwalt im Internet eingibt, wird von der Vielzahl an Ergebnissen regelrecht erschlagen. Suche auch gezielt nach Kundenmeinungen zu einem Anwalt. Wenn die Beratung als negativ beschrieben wird, dann solltest du besser zu einem anderen Scheidungsanwalt gehen. Auch die Service-Qualität der Beratung von Mandanten lässt sich mit Siegeln, beispielsweise einem TÜV-Zertifikat, kontrollieren. Schau dich dafür also auch aufmerksam auf der Homepage der entsprechenden Kanzlei um. Du kannst dich auch in deinem Bekannten- und Freundeskreis umhören, vielleicht bekommt du schon passende Empfehlungen.
  4. Sympathie: Kompetenz ist zwar ein wichtiges Kriterium, doch bei einer so privaten Angelegenheit wie einer Scheidung ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit essentiell. Außerdem lässt sich Kompetenz oft viel schwieriger überprüfen als Sympathie. Beobachte genau, wie der Anwalt mit dir am Telefon oder beim ersten Beratungsgespräch redet. Nimmt er sich genug Zeit für alle Fragen und kann er dich anschaulich über den weiteren Ablauf informieren? Auch der offene Umgang mit den Kosten sollte eine wichtige Rolle spielen.

Alles zum Ablauf einer Scheidung, zum Thema Scheidung und Unterhalt sowie zur Scheidungsfolgenvereinbarung findest du ebenfalls bei uns.

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