Scheidungskosten: Wie teuer wird es für mich?

Eine Scheidung ist meist emotional aufwühlend. Und dazu kommen noch die Scheidungskosten. Was eine Scheidung kostet, erfährst du hier.

Scheidungskosten: Zusammenfassung

  • Der Verfahrenswert der Scheidung bestimmt die Anwaltskosten sowie die Gerichtskosten.
  • Der Verfahrenswert einer Scheidung liegt bei mindestens 4.000 Euro und verursacht in dem Fall Kosten von mindestens 917,50 Euro für die Scheidung.
  • Wenn der Antragssteller sich die Scheidungskosten nicht leisten kann, besteht die Möglichkeit, Verfahrenskostenhilfe zu beantragen.
  • Bei einer einvernehmlichen Trennung können die Kosten minimiert und ein zügiger Ablauf der Scheidung gewährleistet werden.

Wonach richten sich die Scheidungskosten

"Was kostet eine Scheidung?" Diese Frage stellen sich jedes Jahr tausende Ehegatten, die mit ihrem Ehepartner am Scheideweg stehen. Die Kosten einer Scheidung sollten natürlich nicht die Entscheidung für oder gegen den Fortbestand der Ehe bestimmen. Dennoch ist es hilfreich, sich vorab mit den zu erwartenden Ausgaben zu befassen.

Zunächst einmal kann nur ein Familiengericht eine Scheidung gerichtlich beschließen. Demzufolge fallen schon mal Gerichtskosten für eine Scheidung an. Zweitens kann eine Scheidung nur über einen Scheidungsanwalt beim Gericht beantragt werden, sodass Anwaltskosten dazukommen.

Damit gibt es schon klare Grundlagen, aus denen sich die Scheidungskosten mindestens zusammensetzen. Falls es sich um eine strittige Scheidung handelt, bei der viele Punkte, wie der Versorgungsausgleich, Scheidungsfolgenvereinbarung und Unterhaltsansprüche, diskutiert werden, können die Kosten deutlich steigen.

Scheidungskosten: Wie berechnet sich der Verfahrenswert?

Der Verfahrenswert setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Zunächst bildet der Wert des Hauptsacheverfahrens (der Scheidung) die Grundlage. Dazu kommt der Versorgungsausgleich und je nach Scheidung weitere zu verhandelnde Folgesachen.

Der Verfahrenswert bildet die Basis zur Berechnung der gesamten Scheidungskosten, also inklusive Gerichtskosten und Anwaltskosten. Der Wert, auch Gegenstandswert oder Streitwert genannt, berechnet sich aus den Nettoeinkommen beider Ehegatten in den letzten drei Monaten vor Einreichung des Scheidungsantrages. Sofern Kinder vorhanden sind, gilt es, für jedes unterhaltsberechtigte Kind einen Betrag von 250 Euro abzuziehen.

Dabei zählen zum Nettoeinkommen auch Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung oder auch Einmalzahlungen des Arbeitgebers. Der Verfahrenswert liegt bei mindestens 4.000 Euro (3.000 Euro Einkommenspauschale und 1.000 Euro Versorgungsausgleich).

Beispielrechnung:

  • Nettogehalt Ehepartner 1: 1.500 Euro x 3 = 4.500 Euro
  • Nettogehalt Ehepartner 2: 2.000 Euro x 3 = 6.000 Euro

Das Nettogehalt beider Ehepartner wird über die letzten 3 Monate miteinander addiert, sodass sich in unserem Fall ein Verfahrenswert von 10.500 Euro allein für die Scheidung ergibt. Der Wert ist nach oben auf 1 Million Euro beschränkt.

Wichtig: Der Verfahrenswert entspricht nicht den tatsächlichen Scheidungskosten. Anhand von offiziellen Tabellen für Anwaltskosten sowie Gerichtskosten können über den Wert die genauen Kosten abgelesen werden.

Scheidungskosten: Gerichtskosten

Grundsätzlich empfiehlt es sich, alle vor dem Gericht zu regelnden Punkte im Verbund vorzutragen. Denn dadurch sind die Verfahrenswerte dieser Angelegenheiten deutlich geringer als wenn jeder strittige Punkt nachher einzeln geltend gemacht wird.

Die Gerichtskosten sind speziell für Scheidungen im Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) geregelt. Sollte das Gericht einen Sachverständigen für die Ermittlung von Immobilien- oder Unternehmenswerten im Rahmen des Zugewinnausgleichs beauftragen, können die Kosten nochmal extrem ansteigen.

Das Gericht bezeichnet den Verfahrenswert als Kosten oder Streitwert, während die Anwälte von Gebühren bzw. dem Gegenstandswert sprechen. Das Gericht legt den Streitwert zum Ende des Verfahrens fest. Dieser bestimmt letztlich auch die gerichtlichen Anwaltskosten.

Beispiel: Das Gericht bestimmt einen Streitwert von 13.500 Euro, woraus sich die Gerichtskosten von 586 Euro ergeben.

Scheidungskosten: Rechtsanwaltskosten

Die Kosten für den Rechtsanwalt richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Demzufolge sind die Gebühren des Rechtsanwalts nicht frei nach Belieben anzusetzen. Trotzdem können Rechtsanwälte für alle durchgeführten Tätigkeiten Gebühren verlangen, dabei kann es sich um gerichtliche sowie außergerichtliche Tätigkeiten handeln.

Insbesondere die gerichtlichen Kosten sind dabei aufgrund des RVG klar vorgegeben. Vor allem dürfen Anwälte die Mindestgebühren nicht unterschreiten. Deswegen sind auch die bei der Online-Scheidung oft angeführten "Tiefpreise" irreführend. Bei den außergerichtlichen Aufgaben haben die Anwälte jedoch relativ freie Hand in der Abrechnung. Die Angabe von Pauschalpreisen ist dabei möglich.

Die Kosten für ein erstes Beratungsgespräch liegen bei ungefähr 250 Euro in der Spitze. Manche Rechtsschutzversicherungen decken diese Gespräche sogar komplett ab, sofern keine Beauftragung des Anwalts folgt. Weitere Beratungen fallen mit höchstens 350 Euro ins Gewicht. Wenn der Anwalt den Ehepartner in der Folge gerichtlich verritt, werden die Kosten mit den Gesamtkosten verrechnet.

Seriöse Anwälte bieten oftmals ein kostenloses Erstgespräch an. Kläre vorab, ob ein kostenloses Gespräch möglich ist. Dies hilft dir herauszufinden, ob du den für dich richtigen Anwalt gefunden hast. Ein Beispiel von verschiedenen Online-Anbietern ist der BRIGITTE- Kooperationspartner Legalbird.

Die Gebühren für die Vertretung durch den Anwalt richten sich nach dem Gegenstandswert. Dabei werden die unterschiedlich benötigten Gegenstandswerte addiert.

Folgende Gegenstandswerte können unter anderem eine Rolle spielen:

  • Unterhalt: Jahresbetrag des geforderten Unterhalts
  • Kindschaftssache: 3.000 Euro Pauschale
  • Ehewohnung – und Haushaltssache: 2.000 bis 4.000 Euro

Wie kann ich Geld sparen?

  • Einvernehmlich: Bei einer einvernehmlichen Scheidung kann über eine Online-Scheidung der Antrag auf Ehescheidung schnell und unkompliziert eingereicht werden. Auch die Kosten der Online-Scheidung orientieren sich an den unteren Bemessungsgrundlagen für Anwalt und Gericht. Zudem genügt es, wenn ein Ehepartner einen Anwalt einschaltet und nicht beide.
  • Mediator: Wenn bei einer strittigen Scheidung eine Schlammschlacht vor Gericht droht, dann ergibt es vielleicht Sinn, bereits im Voraus auf einen Mediator zu setzen. Dieser kann dann im Idealfall mit den Ehepartnern eine Trennungsvereinbarung aufsetzen. Zudem können alle weiteren Folgen der Scheidung im Ehevertrag festgehalten werden.
  • Steuer: Für den Fall, dass die Ehepartner ein gemeinsames Unternehmen führen, können die Anwaltskosten sowie die Gerichtskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Es sollte in jedem Fall Rücksprache mit dem Steuerberater gehalten werden, um die Scheidungskosten optimal abzusetzen.
  • Verfahrenskostenhilfe: Solltest du nur ein geringes Einkommen haben, ist es möglich, Verfahrenskostenhilfe zu beantragen. Wird diese genehmigt, übernimmt der Staat alle Kosten für dich oder du kannst die Kosten zinslos in Raten abbezahlen.

Scheidungskosten: Kann ich sie absetzen?

Während früher die Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastung nach § 33 Einkommenssteuergesetz (EStG) abgesetzt werden konnten, können sie seit 2013 grundsätzlich nicht mehr geltend gemacht werden.

Ausnahme: Der Rechtsstreit ist von so hoher Bedeutung, dass er die Existenz des Ehepartners bedrohen könnte. Außerdem besteht die Option, Unterhaltszahlungen als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen anzugeben. Insbesondere die Auflistung als Sonderausgabe bietet sich an, ist jedoch von der Zustimmung des ehemaligen Ehepartners abhängig.

Wer bekommt Verfahrenskostenhilfe für die Scheidung?

Die Verfahrenskostenhilfe ist ein Modell, dass einkommensschwachen oder gar verschuldeten Ehepartnern hilft, die Scheidung finanziell zu stemmen. Um die Verfahrenskostenhilfe (ehemals Prozesskostenhilfe) zu erhalten, muss ein entsprechender Antrag beim Gericht eingereicht werden. Die Gewährung der Hilfe hängt dabei von verschiedenen Kriterien ab, wie etwa der Bedürftigkeit und der Erfolgsaussicht der Scheidung.

Zudem gibt es zwei verschieden Formen der Verfahrenskostenhilfe: Entweder der Staat gewährt sie in Form eines nicht zurück zu zahlenden Zuschuss oder als zinsfreie Ratenzahlung. Wenn die Zahlung jedoch nicht innerhalb von vier Jahren nach der Scheidung zurückgefordert wird, bleibt die Scheidung für den betroffenen Ehepartner kostenfrei.

Ebenfalls denkbar: Ist ein Ehegatte im Unterschied zum anderen sehr wohlhabend, kann der vermögenslose Ehegatte vom vermögenden Partner einen Verfahrenskostenvorschuss fordern. In dem Fall zahlt der vermögende Ehegatte die Kosten zunächst alleine. Wenn die Bedürftigkeit gegeben ist, tritt der Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe zurück.

Die Beantragung ist ein sehr komplexer Prozess, bei dem ein mehrseitiges Formular ausgefüllt und viele Nachweise eingereicht werden müssen. Es gibt vereinzelt Anbieter, die dich kostenlos bei der Beantragung der Verfahrenskostenhilfe unterstützen, indem der Antrag unkompliziert und schnell online ausgefüllt werden kann.

Nur wenn der Antrag professionell und genau ausgefüllt wird und alle Nachweise vorliegen, wird er vom Staat genehmigt und die Scheidung ist dann eventuell sogar für Sie kostenlos. Fragen Sie daher bei der Auswahl Ihres Anwaltes unbedingt nach, wie bei Ihm der Antrag auf Verfahrenskostenhilfe genau funktioniert und ob dies auch online möglich ist. Ein Anbieter, bei dem du Verfahrenskostenhilfe einfach online beantragst, ist unser BRIGITTE- Kooperationspartner Legalbird.

Fachanwalt für Familienrecht Frank Riedel (Geschäftsführer der Legalbird Rechtsanwalts UG): "Das Formular für Verfahrenskostenhilfe ist sehr lang und wird oft nicht verstanden. Welche Nachweise nötig sind, ist auch nur schwer nachzuvollziehen. Das kann dazu führen, dass der Antrag abgelehnt wird und die Kosten nicht übernommen werden. Wir haben daher einen Assistenten entwickelt, der es möglich macht, das Formular ganz einfach online auszufüllen. Der Assistent erkennt aufgrund der Angaben, welche Nachweise nötig sind. Diese Nachweise können dann ganz einfach mit dem Handy abfotografiert und hochgeladen werden. So haben unsere Mandanten die bestmögliche Chance auf Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe."

Scheidungskosten: Ehepaar mit einem kleinen Kind (Beispiel)

Der Versorgungsausgleich wurde wegen der Ehedauer von weniger als drei Jahren nicht durchgeführt Das monatliche Gesamteinkommen beider Ehepartner beträgt 2.500 Euro netto. Es ergibt sich ein Verfahrenswert von 7.500 Euro.

Unterhalt: Das Gericht zieht 250 Euro wegen der Unterhaltspflichten der Eltern für das Kind ab. Es verbleiben 7.250 Euro.

Der Betreuungsunterhalt ist der Jahresbetrag des geforderten Unterhalts. In diesem Fall fordert die Ehefrau 900 Euro pro Monat. Es ergibt sich ein Wert von 10.800 Euro (900x12).

Für den Kindesumgang liegt als Kindschaftssache ein Gegenstandswert von 3.000 Euro zu Grunde.

Fazit: Es errechnet sich ein Gegenstandswert für Scheidung und Folgesachen in Höhe von 21.500 Euro (7.250 + 10.800 + 3.000). Der Anwalt kann 1.855 Euro plus 20 Euro Auslagenpauschale sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer verlangen.

Wenn du dich mit anderen über Erfahrungen und Tipps zur Scheidung, wie Unterhalt und Scheidungskosten, austauschen möchtest, schaue mal in unserer BRIGITTE-Community vorbei.

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