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Selbstbewusstsein 6 Gründe, warum es nicht immer die Lösung ist

Selbstbewusstsein: 6 Gründe, warum es nicht immer die Lösung ist
© Maskot / Getty Images
Um in der Gesellschaft zu bestehen, wird von Frauen oft etwas mehr verlangt. Wir sollten einfach genug Selbstbewusstsein haben, uns mehr anstrengen und dann klappt schon alles. Stimmt aber nicht. Wir zeigen dir Gründe, warum selbstbewusstes Auftreten nicht das Alleinstellungsmerkmal sein darf.

"Du musst selbstsicher sein, du musst stark wirken, du musst dich behaupten" – du musst erst mal gar nichts. An sich zu zweifeln, wütend zu sein und den eigenen Gefühlen freien Lauf zu lassen, ist nämlich völlig okay. Niemand hat uns zu verbieten, aus der "Rolle" zu brechen und uns zu geben, wie wir wirklich sind, denn das Problem liegt nicht bei der Frau, sondern in der Gesellschaft.

1. Selbstbewusstsein: Du brauchst dich nicht zu ändern

"Ändere dich doch einfach, dann ist alles leichter". Nein, das kann nicht der Ansatz und auch nicht die Lösung sein. An sich zu arbeiten, ist natürlich nicht verkehrt, aber gerade Frauen wird oft vermittelt, dass sie sich ändern sollten, um mithalten zu können und gegen andere zu bestehen. Optisch gilt es Idealen zu entsprechen und innerlich sei es hilfreich, wenn wir selbstbewusster auftreten und uns anpassen. Aber ganz so einfach ist das nicht, denn wir sind individuell und dürfen uns so verhalten, wie wir uns fühlen. Wenn du dich lieber zurückhältst und nicht viel Raum einnehmen kannst oder möchtest, ist das ganz normal und nichts, woran du arbeiten müsstest. Frauen wird oft vorgeworfen, dass es an ihnen liegt, wenn sie sich nicht durch besondere Erfolge hervortun, aber das eigene Wesen kann nicht einfach so geändert werden und trotzdem hat jede:r die gleichen Chancen verdient. 

2. Die Gesellschaft ist das Problem

Die Verantwortung, etwas zu ändern, liegt nicht nur bei Frauen – es ist ein grundsätzliches Problem. Gleichberechtigung bedeutet, dass Menschen gleich behandelt werden und da liegt es nicht an dem einen Geschlecht, sich darum zu kümmern und zu verinnerlichen, dass es etwas machen und ändern muss. In einer männerdominierten Welt scheinst du nur anzukommen, wenn du dich selbstbewusster und lauter zeigst, als du vielleicht bist. Das Problem ist aber nicht dein Verhalten oder deine Arbeit, sondern die Wahrnehmung der Gesellschaft. Als Frau musst du mehr tun, um überhaupt wahrgenommen zu werden, und es wird dir vorgelebt, dass du dadurch auch etwas änderst. Doch die Gesellschaft trägt das Problem in sich, nicht du. 

3. Es sind oft die Ungleichheiten 

Selbstbewusstsein und durchgehend an sich zu arbeiten sind nicht die Mittel für alles. In den meisten Fällen liegt es nicht daran, dass die Menschen sich zu wenig anstrengen oder "es einfach nicht genug wollen", sondern an Ungleichheiten. Soziale Schwierigkeiten, die Hautfarbe, das Geschlecht: All diese Aspekte beeinflussen die Zugänge und Möglichkeiten, die wir in unserem Leben bekommen. Du kannst der selbstsicherste und motivierteste Mensch dieser Welt sein und dennoch wird es Faktoren geben, die dich zurückhalten. Selbstverständlich kann sich harte Arbeit und eine positive Einstellung auf deinen Erfolg auswirken, aber das steht niemals alleine da. Es sind oft auch Privilegien, die Menschen ihre Stellung sichern.

4. Selbstoptimierung

Vergleiche und dadurch eine gewünschte Selbstoptimierung finden immer statt. Freund:innen, die Familie oder auch Arbeitskolleg:innen sowie Fremde im Internet sind da die häufigsten Beispiele für uns. Denn wenn es doch allen möglich ist, nur mit der richtigen Einstellung erfolgreich zu sein, dann muss ich das doch auch schaffen, oder? Bei der Selbstoptimierung geht es oftmals nicht mehr nur darum, sich selbst etwas Gutes zu tun und zu stabilem Selbstbewusstsein zu finden, sondern mitzuhalten. Besser als andere werden und bestehen. Dabei ist es nicht notwendig, eine selbstsicher auftretende Person zu sein, damit du in der Gesellschaft deinen Platz findest. Viel mehr geht es darum, dass du bei dir selbst ankommst und erkennst, dass der Vergleich mit einer anderen Person dein Leben nicht verändern wird. Du wirst nie so sein wie ein anderer Mensch und das kann sich zwar blöd anfühlen, ist am Ende aber eine schöne und wichtige Erkenntnis. 

5. Es kommt nur auf dich an

Selbstbewusst zu sein und damit sich seiner Selbst bewusst zu sein ist wichtig, aber nur in einem für dich dienlichen Maße. Du sollst zu dir finden und dich selbst kennenlernen, für dich. Nicht für die Gesellschaft oder einen Status, dem du damit gerecht werden möchtest. Als Frau solltest du nicht daran gebunden sein, dass du einfach etwas mehr hiervon und etwas weniger davon bist, damit es zum Beispiel mit deinem Traumjob klappt, sondern du bist genau richtig so, wie du dich entwickeln möchtest. Selbstverbesserung ist nur so weit gut, wie sie dir etwas bringt. Der Gesellschaft bist du keine Rechenschaft schuldig. 

6. Werde lieber laut 

Selbstbewusstsein beginnt zwar bei dir, aber es darf nicht dort stoppen. Alles hinzunehmen und einfach weiter an dir zu arbeiten, kann nicht die Lösung sein. Stehe für dich, deine Ansichten sowie deine Rechte ein und nutze deine Stimme. Du darfst wütend werden, weil es nicht sein kann, dass dir vorgegeben wird, wie du zu sein hast. Du brauchst nicht die Fehler nur immer bei dir zu suchen, denn wir wollen und können unseren Gefühlen freien Lauf lassen. Denn letztendlich werden wir uns nur so unserem Selbst wirklich bewusst. Oder etwa nicht?

Verwendete Quellen: refinery.com, zeit.de

Brigitte

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