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This is Phenix Deshalb kämpft die LGBTQIA+ Aktivistin für mehr Akzeptanz auf Instagram

 Phenix Kühnert
 Phenix Kühnert
© thisisphenix
Phenix hat in ihren 20ern gemerkt, dass ihr ehemals männlicher Geburtsname nicht mehr zu ihr passt. Mit ihrer Geschichte macht sie nicht nur anderen trans*Menschen auf Instagram Mut, sie setzt sich auch für mehr Toleranz und Gleichberechtigung ein. 

Fast wie bei einem Computer lieben wir es, Sachen in ein binäres System aufzuteilen. Wir beschreiben unser Umfeld ständig in Dichotomien: Gut-Böse, Groß-Klein, Frau-Mann. Dass diese Art der Beschreibung zu einfach gefasst ist, fällt spätestens dann auf, wenn wir unsere klischeebehafteten Genderrollen genauer betrachten. Social-Media-Aktivistin Phenix kann davon ein Lied singen und macht sich deshalb auf ihrem Instagram-Account für einen sensibleren Umgang mit Sprache stark. Im Brigitte-Interview verrät sie uns, warum sie politisch aktiv wurde, wer ihre Stilvorbilder sind und wie sie ihren Liebsten gesagt hat, dass sie eine trans*Frau ist. 

This is Phenix im Brigitte-Interview

Du machst dich auf deinem Instagram-Kanal für die trans*Community stark. Wie kam es zu deinem Aktivismus?

Ich hatte in meinem Kopf gar keine andere Option. Schon lange teile ich viele Aspekte meines Lebens auf Social Media und als ich immer mehr verstand, wie queere Menschen in unserer Gesellschaft benachteiligt werden, musste ich den Mund aufmachen. Mit freundlichem und verständnisvollem Ton, weil mein Kredo ist: 

Durch Empathie für mehr Akzeptanz und Toleranz zu sorgen. Daher erzähle ich meine Geschichte offen und berichte von Erfahrungen und Hürden, die ich überwunden habe oder noch vor mir liegen.
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Wie alt warst du, als du gemerkt hast, dass dein Geburtsname nicht mehr zu dir gepasst hat? Und wie kamst du auf den Name Phenix?

Ich war schon über 20, als mein Weg bei dem Problem meines ursprünglichen, gesellschaftlich typisch männlichen Namen ankam und verstand, dass dieser ein großes Problem für mich darstellt. Der Name „Phenix" kam mehr zu mir, was ich sehr schön finde. Ich habe mir nie aktiv einen neuen Namen ausgesucht und halte das persönlich auch für ziemlich schwer. Ein Dönerverkäufer am Kotti gab ihn mir. Meine Arbeitskolleginnen und ich machten eine große Bestellung und für die Übersichtlichkeit ritzte er mit einem Kugelschreiber Namen in die Alufolie. Auf meinem stand „Phenix“. 

Wie hast du deinem Umfeld gesagt, dass du eine Frau bist?

Meine engsten Vertrauten habe ich immer auf meinem Weg mitgenommen. Zum Beispiel habe ich meinen Eltern schon früh erklärt, dass das, was an mir von der Norm abweicht, nicht meine Sexualität ist, sondern meine Geschlechtsidentität. Bereits als Kind habe ich gesagt, dass es einfacher gewesen wäre, wäre ich als Mädchen geboren. Damals verstand ich nicht, dass ich doch als Mädchen geboren wurde. Nur in einem anderen Körper als meine Freundinnen. Daher gab es kein wirkliches Outing. Outings finde ich eh blöd. 

Eine Studie der Universität von Arizona hat 2018 ergeben, dass über die Hälfte junger trans*Frauen und trans*Männern sich bereits versucht haben, das Leben zu nehmen. Woran glaubst du, liegt das?

Das sind sehr traurige Fakten. Ich lebe ein sehr privilegiertes Leben. Viele queere Menschen tun dies nicht. Es fehlt Repräsentation an vielen Ecken, Akzeptanz und Toleranz und in Deutschland, Nachbarländern und weltweit sind zahlreiche queerfeindliche Gesetze nach wie vor in Kraft. All dies sind Bausteine, die meinem Empfinden nach zu diesen grausamen Zahlen führen. Leider ist dies noch viel größer und vielschichtiger als dieser kurze Einblick. 

Wie kann man der trans*Community ein guter Ally sein?

Da gibt es viele Punkte. Anfangen muss es beim Verständnis: Verständnis für andere Lebensrealitäten, für Diskriminierung, für Privilegien – wir alle leben in diesem System, in diesen seit Jahrhunderten geprägten Konstrukten. Warum können wir die nicht mal hinterfragen? 

Ganz praktisch wäre für mich am wichtigsten, sich eigenständig zu informieren (z.B. auf meinem Instagram Account @thisisphenix), inklusive Sprache und Verbündete*r sein, gerade dann, wenn niemand aus der marginalisierten Gruppe anwesend ist. 

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Phenix verrät das Geheimnis ihres guten Stils und Selbstbewusstsein

Dein Stil auf Instagram ist sehr elegant, vielleicht etwas französisch. Wer sind deine Style-Vorbilder? Wer hat deinen Stil geprägt?

Zuletzt ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich mich von meiner Mutter und anderen Frauen aus meiner Familie inspirieren lasse. Ein Besuch endet oft mit einem vollen Koffer. Vor Kurzem habe ich einen wundervollen Prada Rock und ein Seidentuch mitgehen lassen. Dinge, die ich mir selbst nur selten leiste. Meinen Sinn dafür, immer top gestylt zu sein, habe ich definitiv von meiner Oma. Ohne Heels und roten Lippenstift hat sie das Haus nie verlassen.

Was sind deine Tricks, um dich selbstbewusst zu fühlen?

Mir selbst bewusst zu sein. Ich sehe so aus, wie ich aussehe und das ist wunderbar so. Ich rede wie ich rede, ich stehe wie ich stehe – alles wunderbar wie es ist. Und an harten Tagen greife ich meist zu etwas mehr Make-up und meiner Lieblingshose. 

Welchen Tipp, welche Lebensweisheit hast du bekommen, die dein Leben verändert haben?

Wenn ich vor einem Problem stehe, kann ich es entweder selbst ändern oder nicht. In beiden Fällen muss ich mir keine Gedanken darüber machen. Ich bin ein oft verkopfter Mensch und das hilft mir sehr. 

Verwendete Quellen: selbstgeführtes Interview, instagram.com

Brigitte

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