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Tiere quälen Wenn Tiere misshandelt werden, sind oft auch Menschen in Gefahr

Tiere quälen : Wenn Tiere misshandelt werden, sind oft auch Menschen in Gefahr
© kerkezz / Adobe Stock
Tierquälerei ist grausam, oft unerklärlich und löst  bei vielen ein bedrückendes und trauriges Gefühl aus. Misshandelt eine Person ein Tier, ist nicht unwahrscheinlich, dass er:sie das auch einem Menschen antun würde. +++ TW: In diesem Artikel geht es um Misshandlung von Menschen und Tieren. 

Ein Hund, eine Katze oder auch ein Pferd: Haustiere erfüllen uns mit Freude und geben uns ihre ganze Liebe. Doch die wird nicht immer erwidert und so sehen vor allem Tierärzt:innen Fälle von Tierquälerei an Vierbeinern,  wenn diese mit außergewöhnlichen Verletzungen und Wunden in die Praxen kommen. Wie das mit häuslicher Gewalt an Menschen in Verbindung steht, zeigen Studien, denn wer Tiere quält, misshandelt oft auch Menschen. Der Blick auf die Haustiere könnte dabei helfen, schneller auf solche Gewalttaten zu reagieren. 

Tiere quälen: Häusliche Gewalt trifft nicht nur Menschen 

Meistens sind Frauen und Kinder von häuslicher Gewalt betroffen, doch auch Tiere leiden unter den Gewaltausbrüchen der problematischen Person. Besonders gefährdet sind in der Regel Tiere, die eine enge Beziehung zu Menschen aufbauen. Das Problem: Die Tiere können nicht gehen, wenn sie misshandelt werden. Meist müssen sie bei den Besitzer:innen bleiben. Die Analyse des britischen Sozialarbeiters James Stuart Hutton zeigte bereits 1983, dass in 88 Prozent der Familien, in welchen es zu häuslicher Gewalt an Kindern kam, auch die Haustiere vernachlässigt und gequält wurden. Dadurch lässt sich darauf schließen, dass die Tierquälerei ein Hinweis auf grundsätzliche Gewalt im Haushalt ist. Oftmals bleiben Frauen, die gewalttätige Partner:innen haben, bei diesen, wenn Tiere mit im Haushalt leben, damit sie die Vierbeiner nicht im Stich lassen. 

Die Rolle der Tierärzt:innen

Wenn in einer Tierarztpraxis ein Tier behandelt wird, welches außergewöhnliche Verletzungen vorweist, kann das ein erster Hinweis auf schwerwiegende Probleme sein. Im Studium für Tiermedizin werden die angehenden Ärzt:innen in Deutschland mittlerweile darauf geschult zu erkennen, ob Wunden und Brüche durch Unfälle entstanden sind oder durch mutwillige Angriffe. Doch sie werden nicht darauf vorbereitet zu reagieren. Viele möchten sich auch nicht einmischen, wenn ihnen klar wird, dass eine weitaus größere Gefahr besteht. Durch mangelnde Schulungen können Veterinär:innen häufig nicht genügend Beweise liefern, wissen zu wenig über häusliche Gewalt oder sind sich unsicher im Umgang der Schweigepflicht bei Thematiken wie diesen. Doch klar ist, dass sie sich mit der Meldung nicht strafbar machen, wenn erhebliche und andauernde Verletzungen am Tier deutlich werden.

So sieht es im englischsprachigen Raum aus

In Großbritannien und den USA ist den Forscher:innen der Zusammenhang zwischen Gewalttaten an Tieren und Menschen schon sehr lange klar. Die Forschungen dazu haben dazu geführt, dass auch in den Tierarztpraxen das Bewusstsein dafür geschärft wird und engere Verknüpfungen (sogenannte "Links") zu Sozial- und Gesundheitsämtern umgesetzt werden.

Deutschland: Tiere als Frühindikatoren

In Deutschland ist die Zahl der Misshandlungen von Tieren seit Jahren annähernd konstant. Rund 6000 Fälle werden jährlich gemeldet. Bei Kindern wurden im Jahr 2017 3542 Fälle gemeldet. Würden sich auch in Deutschland verschiedene Institutionen vernetzen, könnten Tiere als Frühindikatoren genutzt werden, indem geschaut wird, ob sie misshandelt werden, um so den Blick auf die Familien zu richten. Derzeit besteht keine Verbindung zwischen Ämtern und Tierärzt:innen, sodass die Gewalttaten an Tieren lediglich als diese betrachtet und nicht weiter verfolgt werden. Es ist nicht die Pflicht der Veterinär:innen, darauf zu reagieren und es fehlt der Kontakt zu beispielsweise Jugendämtern. Die wenigsten Fälle über Gewalt an Tieren sind überhaupt bei Ämtern bekannt, doch diese Informationen sind wichtig. Wohnen Kinder mit im Haushalt und Haustiere kommen misshandelt bei den Tierärzt:innen an, ist es nicht unwahrscheinlich, dass den Kindern zu Hause Ähnliches widerfährt.

Wie können Verletzungen eingeordnet werden?

Thomas Steidl, Präsident der baden-württembergischen Tierärztekammer, sagt, dass auch andere Formen der Gewalt auf die Tiere übertragen werden können. Zum Beispiel gibt es Fälle des Münchhausen-Stellvertretersyndroms, bei welchem die Tiere vorsätzlich verletzt werden, damit sich die Besitzer:innen in der Tierarztpraxis als Retter:innen in letzter Sekunde darstellen können. Auch kann auf Verletzungsmuster geachtet werden, die für bestimmte Tierarten untypisch erscheinen und dadurch Hinweise darstellen. Zudem zeigt sich ebenfalls an den Besitzer:innen, ob es Probleme gibt. Dazu gibt es verschiedene Anhaltspunkte: Wurde der Tierarzt häufig gewechselt? Ist das Tier ängstlich, wenn das Frauchen und Herrchen dabei ist? Haben die Besitzer:innen häufig neue Jungtiere dabei? All das sind Hinweise auf schwerwiegende Probleme. 

Hilfe in Anspruch nehmen 

Solltest du selbst von häuslicher Gewalt betroffen sein, eine Person in deinem Umfeld oder dein Haustier, wende dich an ansprechende Anlaufstellen. Weisser Ring oder das Hilfetelefon können dir weiterhelfen. Du bist damit nicht alleine. 

Verwendete Quelle: Gewalt gegen Tiere. Tierqualerei als Indiz für Gewalt gegen Menschen (bundestieraerztekammer.de)

Brigitte

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