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Skandal bei Ikea? Nichts Neues aus dem Norden

Skandal bei Ikea? Nichts Neues aus dem Norden
© Imago/ Hoch Zwei Stock/ Angerer
Die ARD hat Ikea einem "Markencheck" unterzogen. Skandal? Wohl eher ein Skandälchen. Denn der Film fördert vor allem Altbekanntes zutage.

Ikea gehört zu den beliebtesten Möbelhäusern - nicht nur in seinem Herkunftsland Schweden, sondern in vielen Ländern weltweit. Auch in Deutschland. Die ARD hat den Möbelriesen nun in seiner "Markencheck"-Reihe unter die Lupe genommen. Was dabei herausgekommen ist, überrascht allerdings wenig.

Als Bewertungsfaktoren hatten sich die Macherinnen des Ikea-Checks folgende Punkte ausgesucht: "Stressfaktor", "Ikeaprinzip", "Qualität" und "Fairness". Um das Stresspotenzial von Ikea zu bewerten, mussten Versuchspersonen "in einem normalen Möbelhaus" und bei Ikea einkaufen und wurden dafür mit einem Gerät ausgestattet, das die Herzfrequenz misst. Drei Dinge für genau 350 Euro sollten es sein, dafür hatten sie zwei Stunden Zeit. Im "normalen" Möbelhaus bekamen die "Markencheck"-Einkäufer eine Beratung, bei Ikea standen sie alleingelassen einer Masse von Möbeln und Krimskrams gegenüber. Quintessenz: Der Stressfaktor ist bei Ikea größer.

Dass man am Ende seine Möbel selbst zusammenbauen muss, ist auch keine Überraschung. Das gehört zum "Ikeaprinzip". Im Film mussten Testpersonen Nachtschränkchen aufbauen und anschließend deren Wert einschätzen. Bei den handwerkenden Testpersonen fiel dieser höher aus als bei einer Testgruppe, die ein Gebot auf fertige Schränkchen abgeben musste. Der Effekt des Selbstzusammenbauens: Der Kunde bewertet das fertige Produkt höher, obwohl er selbst Zeit investieren musste - und nicht der Möbelhersteller.

Auch die Qualität der Möbelstücke, die im Laufe der Jahre günstiger geworden sein sollen, nimmt der Check unter die Lupe. Ein Schreinermeister findet heraus, dass die Schrauben etwa früher länger und aus Metall waren. Verbindungsteile sind heute aus Plastik. Möbelstücke wie die beliebten "Billy"-Regale sind heute schmaler, die Bretter dünner. Ist das ein Zeichen für schlechtere Qualität? Das kann man so interpretieren. Ikea-Pressesprecherin Sabine Nold führt diese Veränderungen auf eine bessere Ökobilanz zurück. Der Check gibt Ikea bei der "Qualität" ein "ausreichend".

Wenig überraschend ist auch die Tatsache, dass Ikea seine Möbel nicht in Westeuropa produzieren lässt, sondern in autokratisch regierten Ländern wie Weißrussland. Neu ist diese Information nicht: Wer billig einkaufen möchte, bekommt billig produzierte Ware. Dass die Arbeitskräfte unter den Produktionsbedingungen leiden, hat sich längst herumgesprochen. Am Ende muss das Gewissen der Verbraucher entscheiden.

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Text: win

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