Ildikó von Kürthy: "Meine Wohnung ist wie eine Feierabendhose"

Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy findet: Zu Hause ist es am schönsten. Aber nur, wenn man sich mit seiner wichtigsten Mitbewohnerin gut arrangiert: mit sich selbst.

Ich bin eine leidenschaftliche und ausdauernde Stubenhockerin

Meine Wohnung ist wie eine Feierabendhose: Sie passt, ich kann mich frei darin bewegen und über mehrere Stunden in ihr sitzen, ohne den obersten Knopf öffnen oder die Luft anhalten zu müssen.

Ich bin eine bekennende Freundin von Gemütlichkeit, Kuscheldecken und Blumentapeten, von Sofas, in denen man so tief versinkt, als wollten sie einen nie wieder hergeben, und von Küchenstühlen, auf denen man halbe Nächte verbringen kann, ohne sich wund zu sitzen. Ich mag Fußböden, auf denen man tanzen kann, und Tische, auf die man kleckern darf. Bei uns muss niemand die Schuhe ausziehen, und zum Rauchen muss keiner auf den Balkon. Wir hängen die Jacken über das Treppengeländer, und nicht selten steht das Altpapier im Flur – trotzdem wäre ich jederzeit und auch ohne Anmeldung bereit, ein Staatsoberhaupt zum Bankett zu empfangen. Vorausgesetzt, es ist nett und stört sich nicht daran, dass ich keine acht zusammenpassenden Teller und keine weiße Tischdecke habe.

Ich kann von mir sagen: Ich wohne glücklich

Während ich mit etlichen Lebensbereichen durchaus noch hadere, würde ich beim Thema Wohnen sagen, dass es erfolgreich abgeschlossen ist. Ich wohne glücklich. Und mithilfe einer Freundin, die mir bei der Einrichtung mit dem nötigen Geschmack beigestanden hat, sogar schön. Was die Wohnung von der Feierabendhose maßgeblich unterscheidet.

Wie wohnt man so, dass es einem guttut? Wohnpsychologin Dr. Barbara Perfahl geht bei ihren Beratungen immer vom Menschen aus und nicht von der Wohnung: "Darin unterscheide ich mich von der Inneneinrichterin. Der Gradmesser beim Wohnen ist das Glück der Person, die wohnt. Unsere Vorstellungen vom gelungenen Zuhause sind oft von äußeren Einflüssen, Moden und der Wohn-Industrie beeinflusst. Die ästhetische Ebene ist nur eine von mehreren, auf der aber die meisten stehen bleiben. Vor der Frage 'Was sieht gut aus?' muss man sich fragen: 'Was müssen meine Räume für mich tun, welche meiner Bedürfnisse müssen sie erfüllen?' Brauchst du Sicherheit, einen Rückzugsort? Ist dir Geselligkeit wichtig oder Repräsentation? Dein Zuhause sollte deiner Persönlichkeit entsprechen."

Das Schränkchen von Oma macht mich jeden Tag froh 

Und wie immer ist es nicht unbedingt leicht, sich einzugestehen, dass die eigenen Wünsche womöglich nicht konform gehen mit dem, was dem neuesten Schick entspricht oder problemlos in einer Wohnzeitschrift abgebildet werden könnte. Meinen Hang zur Lichterkette beispielsweise in der Familie durchzusetzen, war für mich ein bedeutender und anstrengender Akt der Emanzipation und Selbstbestimmung.

Bei latentem Wohn-Unwohlsein empfiehlt die Psychologin, sich gezielt auf die Suche nach Irrtümern zu machen: "Frage dich, warum du nie im Wohnzimmer, sondern immer in der Küche sitzt. Erkenne Vermeidungsrituale: Du schiebst den Lesesessel abends weg vom Fenster, weil du Vorhänge unlässig findest, aber nicht vor einem schwarzen Loch sitzen willst. Fotografiere deine Wohnung einmal aus verschiedenen Perspektiven durch und schaffe so Distanz zu den Räumen. Provisorien und Energieräuber, die unbewusst stören, werden dir dann wieder auffallen."

Dein Sternzeichen verrät dir, welche Inneneinrichtung zu dir passt

Und auch solche Möbel oder Dinge, die zu nichts gut, kaputt, hässlich wie die Nacht und auf jedem Foto ein absoluter Weggucker sind. Wie das windschiefe Schränkchen in meinem Arbeitszimmer. Es stört jeden. Mich nicht. Denn es hat meiner Oma gehört und macht mich jeden Tag glücklich.

BRIGITTE 13/2019

Wer hier schreibt:

Idikó Kürthy
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