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Igel gefunden Das kannst du für das Tier tun

Igel gefunden: Igel auf Moos
© Piotr Krzeslak / Shutterstock
Der Igel ist ein sehr widerstandsfähiges Tier, der im Normalfall im Winterschlaf gut allein über die kalten Monate zurechtkommt. Was aber tun, wenn man einen kranken, geschwächten Igel gefunden hat oder wenn es sich sogar um verwaiste Igelsäuglinge handelt? Hier erfahrt ihr, welche Schritte man einleiten muss.

Inhaltsverzeichnis

Igel: So funktioniert der Winterschlaf

Bei Igeln handelt es sich um nachtaktive Wildtiere, die sich tagsüber unter Laubhaufen oder Sträuchern verstecken. Normalerweise kommen Igel auch gut in der kalten Jahreszeit allein zurecht. Ihr Rhythmus sieht vor, dass sie sich im Herbst ein Polster anfressen und sich dann einen sicheren Ort für ihren Winterschlaf suchen. Sobald das Nahrungsangebot knapp wird und sich die Tageslichtlänge deutlich reduziert, fällt der Igel in den Winterschlaf. Dieser dauert von Oktober bis in den April hinein an, variiert in seinem Startpunkt aber abhängig vom Geschlecht des Igels und setzt dazu etwas später ein, wenn es sich um ein Jungtier handelt. In klimatisch günstigen Lagen Deutschlands kann die Winterschlafphase etwas kürzer ausfallen. Im Winterschlaf fällt der Stoffwechsel des Igels ab und sein Körper läuft auf "Sparflamme", da er in dieser Zeit eh keine Würmer und Käfer zum Fressen finden würde. In dieser Zeit zehrt der Igel von seinen Fettreserven. Zeigt das Thermometer tage- oder wochenlang Temperaturen im Minusbereich an, ist das für den Igel normalerweise kein Problem: Ein gesunder Igel, der normal genährt ist und im Herbst mit ausreichend Fettreserven in den Winterschlaf startet, kommt in diesem Zustand bis zum Frühling gut über die Runden. Es kann aber vorkommen, dass man während des Winters trotzdem einen aufgeschreckten Igel herumlaufen sieht. Das kann mehrere Gründe haben:

  • Der Igel wurde aus seinem Winterschlaf aufgeschreckt, z. B. indem ein Laubhaufen im Garten weggeräumt wurde oder ihn ein Hund aufgeschreckt hat. In dem Fall muss sich der Igel einen neuen Winterschlafplatz suchen.
  • Bei mildem Wetter befindet sich der Igel manchmal in einer kurzen Unterbrechung des Winterschlafes. In dieser Phase kann es vorkommen, dass der Igel einige Tage aktiv ist und sogar das Winterschlafnest wechselt.
  • Der Igel befindet sich kurzzeitig in einer Wachphase und verlässt das Nest, um Harn abzusetzen.

In diesen Situationen braucht der Igel keine Hilfe. Er wird anschließend seinen Winterschlaf fortsetzen. Es gibt allerdings Situationen, in denen ein Igel in Not gerät, wann genau dies der Fall ist, erfahrt ihr jetzt.

Wann ist ein Igel in Not?

Grundsätzlich ist Tagaktivität bei Igeln immer ein Alarmzeichen, da es sich eigentlich um ein Tier handelt, das bei Dämmerung und bei Nacht aktiv ist. Folgende Tiere sind hilfsbedürftig:

  • Verwaiste Igelbabys: Sind Augen und Ohren noch geschlossen und die Kleinen außerhalb des Nestes, könnte es sich um verwaiste Igelbabys handeln. Aber hier gilt besondere Vorsicht und die Igelkinder dürfen auf keinen Fall direkt angefasst werden: Ist die Mutter nämlich nur kurz nicht am Nest und werden die Kinder von Menschen berührt, könnten sie anschließend von der Mutter verstoßen werden. Wartet also einige Zeit, ob die Mutter vielleicht zurückkommt. Sollte dies nicht der Fall sein, sind die Igelbabys dringend auf Hilfe angewiesen.
  • Jungtiere ohne ausreichendes Fettpolster: Um den Winter zu überstehen, benötigen Jungigel ein Mindestgewicht von 500 bis 650 Gramm. Suchen Jungtiere noch bei niedrigen Temperaturen tagsüber nach Futter, reichen ihre Fettpölsterchen möglicherweise nicht aus. Schlecht ernährte Igel erkennt man daran, dass sie keine rundliche Form aufweisen und eine Hungerfalte hinter dem Kopf haben sowie eingefallene Flanken erkennbar sind.
  • Kranke und alte Igel, die in der kalten Jahreszeit tagsüber Futter suchen. Kranke Igel erkennt man auch daran, dass sie möglicherweise herumtorkeln oder – liegen. Die Igel sind dann apathisch und mager und sie rollen sich so gut wie nicht mehr ein. Die Augen sind dazu schlitzförmig und eingefallen statt halbkugelig.
  • Verletzte Tiere: Vor allem in der Nähe von Straßen oder Baustellen ist ein zweiter Blick zu einem gesichteten Igel sinnvoll, da es sich hierbei um ein Tier handeln könnte, das verletzt wurde.
  • Igel mit Fliegeneiern oder Maden: Auf kranken, schwachen oder verletzten Tieren legen Fliegen ihre Eier ab. Innerhalb weniger Stunden können daraus Maden schlüpfen, die in Körperöffnungen kriechen. Wird der Igel nicht behandelt, stirbt er nach kurzer Zeit daran.

Wichtig zu wissen: Igel stehen in Deutschland unter Artenschutz, das heißt, es ist grundsätzlich verboten, sie aus der Natur zu entfernen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Je nach Bundesland wird dies mit mindestens vierstelligen Bußgeldern geahndet. Ist ein Igel allerdings hilfsbedürftig, ist es erlaubt, ihn aufzunehmen und gesund zu pflegen. Allerdings gilt: "Die Tiere sind unverzüglich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbstständig erhalten können." (§ 45 Abs. 5 BNatSchG)

Hilfsbedürftigen Igel gefunden: Was ist zu tun?

  • Damit der Igel sich nicht gleich wieder verkriecht oder weg klettert, ist es wichtig, ihn erst einmal zu sichern, z. B. in einem hohen Eimer. Anschließend kann direkt eine Beratungsstelle kontaktiert und die weitere Hilfestellung abgesprochen werden. Als Behelfsunterkunft eignet sich auch für eine kurze Zeit eine mit Zeitungspapier ausgelegte Badewanne oder die Dusche. Allerdings sollte hier eine Versteckmöglichkeit aufgestellt werden (z.B. Schlafhaus oder zur Not den Igel mit Zeitungspapier abdecken) – nur so fühlt er sich geschützt.
  • Grundsätzlich sollte der Igel warmgehalten werden, um seine normale Körpertemperatur (35 - 36 Grad) wiederzuerlangen. Fühlt sich das Tier an der Bauchseite kälter als eine menschliche Hand an, hat der Igel eine Unterkühlung. In dem Fall sollte er in die warme Wohnung mitgenommen werden (Keller oder Garage eignen sich nicht, da es hier zu kalt ist). Zum Aufwärmen wird eine Wärmflasche mit handwarmem Wasser gefüllt und in ein Handtuch eingewickelt. Platziert den Igel darauf und deckt ihn zu. Erst wenn die Körpertemperatur gesichert ist, darf eine medizinische Behandlung erfolgen.
  • Anschließend sollte der Igel fachmännisch versorgt werden, d. h. dafür muss er umgehend entweder zu einem:r Tierarzt:ärztin oder einer Igelstation gebracht werden. Gerade bei verletzten Igeln oder Tieren im schlechten Allgemeinzustand sollte nach dem Aufwärmen schnellstmöglich der Tierarzt kontaktiert werden. Handelt es sich nicht um reguläre Sprechzeiten, finden sich auf vielen Homepages von Tierärzten oder Tierheimen Notdienstnummern für den Tierärztlichen Notdienst der Region.
  • Ist es nicht möglich, direkt den:die Tierarzt:ärztin oder eine Igelstation anzufahren, und muss der Igel bis zum nächsten Tag im eigenen Haus gepflegt werden, benötigt er eine ausbruchssichere Kiste und Nahrung/Trinken.
  • Kiste plus Schlafhäuschen: Richtet dem Igel eine ausbruchssichere Kiste ein, bei der die Seitenwände 45 bis 50 cm hoch sind. Der Boden sollte dabei nicht mit Sägespänen oder Streu ausgelegt werden (verfängt sich in den Stacheln, reizt die Augen des Igels), stattdessen ist Zeitungspapier geeignet. In der Kiste sollte sich ein Schlafhaus für den Igel befinden: Dafür bietet sich ein Karton an, der an der Seite ein Loch mit einer Größe von ungefähr 10 x 10 cm hat. In dem Häuschen sorgt zerknülltes Zeitungspapier für ein schützendes Versteck. 

Wichtig: Auf keinem Fall sollte der Igel frei in der Wohnung herumlaufen können: Hat er sich einmal ungünstig unter einem Schrank oder Ähnlichem ein Versteck gesucht, könnten seine Stacheln verhindern, dass er wieder rückwärts hervorkommen kann.

Futter für Igel:

Igel dürfen nicht einseitig ernährt werden! Sie benötigen eine abwechslungsreiche Ernährung aus fett- und eiweißreichen Zutaten. Als Igelnahrung empfiehlt das Informationsportal pro-igel.de:

  • Hochwertiges Katzennassfutter aus der Dose mit einem Fleischanteil von mindestens 60 % (frei von Zucker und Getreide, ohne Gemüse)
  • Hochwertiges Hundenassfutter aus der Dose mit einem Fleischanteil von mindestens 60 % (keinesfalls Hundetrockenfutter füttern!)
  • Hartgekochte Eier oder Rührei (ohne Gewürz und nur mit wenig Pflanzenöl, z. B. Sonnenblumenöl)
  • Kurz angebratenes (gares) Hackfleisch
  • Gekochtes Geflügelfleisch
  • gezüchtete Futterinsekten
  • Hammel- oder Wildfleisch, Innereien, Eintagsküken
  • Salz- und Süßwasserfisch

Zur Nahrungsaufnahme ist Mischfutter am besten geeignet: Vermischt 1 : 1 Katzenfeuchtfutter mit Ei, Fleisch oder Fisch.

Achtung: Für Igelbabys ist dieses Futter nicht zu empfehlen, sie benötigen Spezialnahrung. In dem Fall Igelbabys warmhalten, sofort eine Igelstation anrufen und anschließend hinbringen.

Trinken:

  • Klares Wasser. Achtung: Igel dürfen generell auf keinen Fall Milch trinken. Milch verursacht bei Igeln Durchfall, der sogar tödliche Folgen haben kann!

Das dürfen Igel nicht essen:

  • Pflanzliche Nahrung: Igel können pflanzliche Nahrung nicht verdauen, da sie Insektenfresser sind. Werden sie nur mit pflanzlicher Nahrung gefüttert, verhungern sie daran. Obst oder Gemüse sind also tabu! Ebenso eignen sich keine Nüsse oder getrocknetes Obst wie Rosinen.
  • Alle Milchprodukte sind für den Igel schädlich bis tödlich! Der enthaltene Milchzucker in Joghurt und Quark führt zu Durchfall, der tödlich enden kann.
  • Auch Baby- oder Kinderbrei ist für den Igel grundsätzlich nicht geeignet!
  • Keine Speisereste, nichts Gewürztes oder Süßes an den Igel verfüttern.
  • Man sollte die Igel nicht mit Insekten, Schnecken oder Regenwürmern aus der Natur füttern, da diese Parasiten übertragen können.
  • Nichts Heißes oder Kaltes aus dem Kühlschrank füttern.

HinweisIgel-Trockenfutter, welches im Handel erhältlich ist, ist aufgrund seiner schlechten Nährstoffzusammensetzung grundsätzlich nicht für Igel geeignet. Ebenfalls Katzentrockenfutter ist angesichts seines hohen Gehalts an vegetarischen Bestandteilen nicht als Igelnahrung anzuraten. Auch die Zugabe von Haferflocken und Weizenkleie, wie sie in den Anfängen der professionellen Igelpflege empfohlen wurde, schadet den Igeln eher: Der hohe Anteil an Kohlenhydraten wirkt sich negativ auf die Darmflora der Wildtiere aus.

Achtung: Unterernährte Igel könnten einen Kreislaufkollaps erleiden, wenn sie in den ersten Stunden, nachdem sie aufgenommen wurden, zu viel fressen! 

In Not geratenen Igel gefunden: Welche Schritte müssen noch eingeleitet werden?

Nachdem ihr dem Igel zu Hause eine Notunterkunft hergerichtet und ihn verpflegt habt, solltet ihr – sobald wie möglich – eine:n Tierarzt:ärztin oder eine Igelstation mit dem Tier anfahren, da Igelbabys und verletzte/geschwächte Igel eine sachgerechte medizinische Versorgung benötigen. Durch eine falsche Pflege könnte das Tier unnötig leiden. Grundsätzlich gilt aber: Der Aufenthalt in menschlicher Umgebung sollte nur für eine kurze Zeit sein. Das primäre Ziel ist es, den Igel schnellstmöglich wieder in die freie Natur zu entlassen. Für den Transport im Auto ist es wichtig sicherzustellen, dass der Igel aus dem Karton nicht ausbrechen kann. Der Karton muss also von innen gepolstert und von außen gesichert sein, sodass er nicht hin und her rutscht. 

Weitere Infos finden sich unter pro-igel.de: Hier ist eine "Checkliste Erste Hilfe" für hilfsbedürftige Igel einsehbar.

Was kann man tun, um Igeln beim Überwintern zu helfen?

  • Igelhaus bauen oder kaufen
  • Im Garten einige Laubhaufen in den kalten Monaten liegenlassen

Fachliche Beratung: Carsten Schiller, Pro Igel e. V.

Verwendete Quellen: pro-igel.de, igelverein.de, sternenhof.eu, igelzentrum.ch

Brigitte

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