Schön wie Porzellan: Magnolien

Im alten China galten sie als so kostbar, dass sie dem Kaiser vorbehalten waren. Zum Glück ist das lange her! Die knorrigen Zweige mit den zauberhaften Blüten signalisieren seit zwei Jahrhunderten auch in Europa: Jetzt kommt der Frühling!

Die Magnolie - Star des FrühlingsDer Zweig einer Magnolie ähnelt mit seinen Verästelungen einer bizarren Skulptur. Viele elegant geformte, von feinem Pelz überzogene Verdickungen verstärken diesen Eindruck. Das knorrige Geäst bringt kleine Wunder hervor: Die Knospen schwellen mehr und mehr an, zwischen zwei pelzigen Schuppen blitzt plötzlich makelloses Weiß oder puderiges Rosé hervor. Allmählich schält sich dann die Blüte aus der Ummantelung, die voll entfaltet aussieht, als wäre sie aus Porzellan. Die Eleganz der Blüten gilt in China als Sinnbild weiblicher Reinheit, Schönheit und Süße. Von dort kamen die Magnolien vor etwas mehr als 200 Jahren nach Europa; die Gattung wurde nach dem französischen Botaniker Pierre Magnol benannt. Zu den bekanntesten Arten zählen die Tulpenmagnolie mit kelchförmiger Blütenkrone und die Sternmagnolie mit einem Kranz duftender Blütenblätter. Die Knospen beider Arten öffnen sich im Frühjahr, bevor das Laub aus dem Holz hervorbricht. Im Garten benötigen die Sträucher eher feuchten Boden und einen geschützten Platz, damit die Blüten nicht den Spätfrösten zum Opfer fallen. Sollen Zweige in der Vase lange halten, dürfen sie nicht kürzer als einen Meter sein, da sie die Nährstoffe aus dem Holz beziehen.

Ein Stillleben wie aus alten Zeiten: Magnolien passen zu jedem Stil

Magnolien blühen, bevor sie Blätter bilden. Der Kontrast zwischen Zweigen und hellen Blüten wirkt wie von einem chinesischen Meister gemalt und verleiht dem Raum einen Hauch von Fernost. Requisiten: privat.

Unten ein dichter, farbintensiver Strauß mit blauen und weißen Hyazinthen, darüber ein zaghaft knospender, alleinstehender Zweig: Der Witz des Arrangements liegt im Spiel mit Proportionen. Requisiten: privat.

Die über 200 Magnolienarten faszinieren nicht nur mit ihren vielen Blütenvarianten, sondern auch mit der Struktur ihrer Zweige - sogar in ganz einfachen Vasen.

Hier kriegen sie nun endlich ihren Auftritt, all die verschiedenen Vasen aus Ihrem Schrank: mit Blumenarrangements aus Magnolien, Alpenveilchen, Perlhyazinthen und Stiefmütterchen.

Kleine Chinoiserie am Küchentisch: In einer asiatisch anmutenden Vase vom Flohmarkt oder von Oma wirkt so ein puristisches Ensemble - Tulpe, Zweige und eine einzelne Magnolienblüte - besonders edel.

Im Konzept der Frühlingsblüten spielt die Magnolie die erste Geige

Eine gute Solistin lässt sich gern einreihen, wenn die Choreografie stimmt: Mit zartroten Tulpen und Alpenveilchen, locker im Kasten gruppiert, harmonieren die weißen Magnolienblüten perfekt. Alle Requisiten: privat.

Je schlichter die Umgebung, desto besser kommen die filigranen Magnolienblüten zur Geltung. Schon ein einzelner Zweig wird mit jeder weiteren erblühten Knospe zum dekorativen Hingucker.

1. Magnolia 'Susan': Diese Kreuzung aus einer Purpurmagnolie und einer Sternmagnolie blüht von April bis Juni.

2. Kobushi-Magnolie: Die bis zu 10 Meter hohe Magnolia kobus stammt aus Japan, sie blüht im April und Mai.

3. Sternmagnolie: Die zierlichste Art, sie wird nur bis zu 3 Meter hoch. Sie blüht im Garten schon Ende März.

4. - 9. Tulpenmagnolie: Die Tulpenmagnolie sieht in ihren Entwicklungsstadien ganz unterschiedlich aus (hier fünf Beispiele): Die Knospen sind anfangs schlank, kegeloder eiförmig. Ihre Blütenblätter sind innen reinweiß, außen haben sie einen rosigen Schimmer. Sie blüht im April und Mai.

Buchtipp

Das Buch "Magnolien" von Oliver Kipp ist das, was man einen fantastischen Bildband nennen kann. 141 Fotos zeigen die ganze Pracht der Magnolien. Aber in dem Buch kann man nicht nur blättern, sondern auch schmökern: Der Leser erfährt viel über Herkunft, Verbreitung, Sorten und Pflege des Tulpenbaumes. In der Kategorie Bildband hat "Magnolien" 2008 sogar den Deutschen Gartenbuchpreis erhalten (Callwey, 56 Euro).

Fotos: Janne Peters Produktion: Maria Grossmann Text: Michael Breckwoldt, Katja Jührend Ein Artikel aus der BRIGITTE 04/09
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