Stauden: Ein Mini-Garten in Töpfen

Es ist ganz einfach: Ein paar Tongefäße und schöne Stauden darin genügen, um Gartenstimmung auf Balkon und Terrasse zu zaubern. Expertin Anja Maubauch zeigt, worauf es ankommt.

Neu Pflanzen für die Gartensaison: Wie wär's mal mit einer Aurikel (hinten links) oder einer rosettenförmigen Lewisie (im Vordergrund)? Aus ihren Blattrosetten sprießen immer wieder bezaubernde Blüten - einen Sonnenplatz vorausgesetzt.

Jedes Jahr das gleiche Einerlei in Balkonkästen oder Terrassentöpfen? Das mag praktisch und pflegeleicht sein, ist aber nichts für Anja Maubach. Mit ihren Ideen werden Balkon oder Terrasse zu wahren Gartenlandschaften - im Kleinformat. Wie das aussehen kann, zeigen die ungewöhnlich bepflanzten Gefäße in ihrer Staudengärtnerei in Wuppertal: ein Ensemble aus mehreren Töpfen, aus alten und neuen, großen und kleinen, hohen wie die englischen "Long Tom"-Tontöpfe, und schweren italienischen Terrakotta-Gefäßen. Statt der üblichen Geranien und Margeriten wachsen hier Stauden mit interessanten Blüten, wie Kugellauch, mit elegantem Wuchs, wie Francoa, und hübsch gezeichneten Blättern, wie Frühlingsalpenveilchen und Silberblattsalbei.

Lavendel schneiden: Große Schere schneidet Lavendelstiel ab

Die Tipps von Anja Maubach:

Blickfang: Die alte Amphore ist von alpinen Skabiosen umgeben und kann mit Hilfe eines Kunststoff-Einsatzes bepflanzt werden.

  • Welche Staude in welches Gefäß gepflanzt wird, ist eine reine Geschmacksfrage. Hohe Gefäße reserviert man besser für üppig wachsende Stauden, Minipflanzen wie die schöne, niedrig bleibende Lewisie gehören dagegen in kleine Töpfe. Die Proportionen der Gefäße sollen zusammen mit der Bepflanzung optisch zu einer Einheit und - wie es Anja Maubach nennt - zu einem kleinen lebenden Kunstwerk werden.
  • In jedem Fall sollten Sie für jedes Gefäß nur eine Pflanzenart oder -sorte nehmen. Von Kombinationen rät die Gartenexpertin ab, damit sich jede Pflanze voll entfalten und ihren charakteristischen Wuchs entwickeln kann. Das schwächere Gewächs wird sonst schnell verdeckt und überwuchert.

Neben alten Myrtenbüschen gedeihen Funkien und Francoa (vorn links), am Fenster stehen Becherprimeln

  • Natürlich brauchen Topfgärten deutlich mehr Aufmerksamkeit als die pflegeleicht bepflanzten Balkonkästen mit automatischer Bewässerung. Damit ein mobiler Garten in Gefäßen und Töpfen auf Dauer gelingt, muss man schon bei der Sache bleiben: umpflanzen, regelmäßig gießen, düngen (etwa alle vier Wochen mit einem Pflanzenstärkungsmittel) und abschneiden, was vertrocknet ist. Alle ein, zwei Tage sollten Sie nachschauen, ob die Pflanzen Wasser oder Nährstoffe brauchen und ob es
  • ihnen gut geht. Es gehört Neugier dazu, unbekannte Stauden, neue Farbzusammenstellungen oder ganz einfach den Umgang mit den verschiedensten Pflanzen auszuprobieren.

Hübsch und schmackhaft sind Monatserdbeeren, die das Plattenmuster unterbrechen.

  • Vielleicht stellen Sie Ihren Topfgarten unter ein Motto wie "Bauerngarten" oder "Mediterraner Garten". Oder konzentrieren sich bei der Bepflanzung auf eine spezielle Blütenfarbe, etwa Rot, Blau, Weiß. Oder wie wäre es mit Stauden mit silbrig leuchtendem Laub, wie Katzenminze und Katzenpfötchen, oder dunkelrotem Blattwerk, wie Purpurglöckchen 'Palace Purple'?

Anja Maubach pflanzt Prachtkerzen (Gaura 'Siskiyou Pink') ein.

  • Über die Auswahl der Pflanzen entscheiden nicht nur persönliche Vorlieben, sondern auch der Standort und die Lichtverhältnisse. Günstig ist ein Plätzchen mit Morgen- bzw. Abendsonne, dort gedeihen die meisten Stauden optimal (z. B. Akelei, Katzenminze, Prachtglocke). In lichtem Schatten fühlen sich Wolfsmilch (Euphorbia characchias) und vor allem
  • Funkien wohl, deren Blätter sich im Laufe des Frühsommers zu einem imposanten Blickfang entfalten. In der Mittagshitze der Südseite trocknet die Erde meist sehr schnell aus. Hier halten sich Dachwurz, Fetthenne, Lavendel und Lewisie am besten. Tiefen Schatten mögen nur sehr wenige Stauden. Eine der schönsten ist der Rotschleierfarn (Dryopteris erythrosora).

Einladende Wartebank - umgeben von Zierrhabarber (Rheum), Funkien und buntem Japanwaldgras. Darüber sind Lewisien aufgereiht.

  • Damit die Stauden zu einem attraktiven Minigarten heranwachsen, brauchen sie vor allem nahrhafte Erde. Anja Maubach verwendet in ihrer Gärtnerei eine besondere Mischung aus Komposterde und Substraten. Für Stauden in Gefäßen empfiehlt sie fertige Qualitätsblumenerde (auf keinen Fall die Billigware), der etwas Sand untergemischt wird. So kann sich keine Staunässe in den Töpfen bilden.
  • Frost vertragen Stauden im Allgemeinen ganz gut. Im Winter sollten die Töpfe jedoch dicht an die Hauswand gestellt werden oder, bei extremer Kälte, mit Noppenfolie abgedeckt werden. So schützt man auch die Tontöpfe, die bei niedrigen Temperaturen (vor allem nach viel Regen) schon mal platzen können.
  • Anja Maubach schätzt vor allem die Flexibilität eines Topfgartens: Die Gefäße können immer wieder, je nach Attraktivität und Blüte, neu arrangiert werden. Man kann variieren und sich stets andere Garten- und Farbthemen ausdenken. Auf kleinstem Raum kann man gärtnern und sieht jedes Detail der Stauden aus nächster Nähe. Außerdem geben die Stauden originelle Geschenkideen ab. Wenn sie nach drei, vier Jahren zu groß geworden sind, können sie geteilt werden. Vielleicht ersetzt dann beim nächsten Besuch der Ableger einer Funkie oder einer Lewisie vom eigenen Balkon die selbst gekochte Marmelade ...

Anja Maubach, 40, ist in der Gärtnerei aufgewachsen, die ihr Urgroßvater Georg Arends, ein bedeutender Staudenzüchter, 1888 in Wuppertal-Ronsdorf gegründet hat. Sie studierte Gartenarchitektur und übernahm vor neun Jahren die Leitung der Staudengärtnerei Arends Maubach. In ihrer "Gartenschule" stehen Workshops und Vorträge auf dem Programm; beim "Garden Coaching", dem persönlichen Gartentag mit Anja Maubach, entwirft sie Konzepte vor Ort.

Fotos: Stephan Thurmann/Brigitte/Picture Press Text: Petra Münster BRIGITTE Heft 09/2007
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