VG-Wort Pixel

Collagen von Jutta Werner


Fundstücke und Collagen spielen in Jutta Werners Leben eine große Rolle. Die Architektin und Stylistin inspirieren sie zu dekorativen Objekten.

image

Knallrote, pinkfarbene und leuchtend grüne Riesengarnrollen mit daumendicker Wolle stapeln sich auf dem Fußboden. Auf einem Tisch türmen sich farbenfrohe Stoffmuster, in den Regalen Schachteln mit Ideensammlungen. Und an den Wänden kleben Fotos, Zeitungsausrisse, Federn und Zeichnungen. Das in einem Dorf südlich von Hamburg gelegene Studio von Jutta Werner ist ein Mix aus originellen Anregungen hier und da, ein Vormittags-Büro für die vielseitig Kreative, vierfache Mutter und Frau des Designers Christian Werner. Aus den Fenstern des Dachgeschoss-Büros fällt der Blick auf die Schule, die alle ihre Söhne zwischen 6 und 15 Jahren besuchen. "Ich wollte die Autofahrten reduzieren und habe diese schönen Räume direkt gegenüber gefunden", sagt Jutta Werner. "Wer fertig ist, kommt rüber und spielt oder lernt hier im Nebenraum oder im Garten. So kann ich mindestens jeden Vormittag ungestört arbeiten - und bei Bedarf geht's am Nachmittag in unserem Haus weiter."

Die 38-Jährige ist ein Familienmensch - aber eben nicht nur. Ihr Alltag erfordert viel Organisation, "doch", so sagt sie, "für mich persönlich wäre es wesentlich anstrengender gewesen, die ganze Zeit nur "einbeinig" zu leben, als Hausfrau und Mutter, ohne berufliche Aktivitäten". Von denen hat sie eine ganze Menge auf dem Zettel: Seit sie 1992 ihr eigenes Büro gründete, stylt die studierte Architektin unter anderem Messestände für Firmen wie Rolf Benz und JAB Anstoetz. Für Textilunternehmen und Gartenmöbelhersteller spürt sie Farbtrends auf und entwirft neue Designs; für Dedon gestaltet sie gerade den Showroom in Wien um. Jutta Werner betreut Fotoproduktionen, arbeitet als Artdirektorin und entwickelt Dekorationsobjekte für ihre nach einem persischen Windhund benannte Kollektion "Saluki". Den Anstoß dazu gaben Glück und Zufall: Glück, weil Jutta Werner für ihre Dekorationen von Messeständen oft nicht die richtigen Objekte fand und nur deshalb eigene Entwürfe zu machen begann. Zufall, weil diese kunstvollen Gegenstände so gut ankamen, dass sie erst dadurch auf die Idee kam, ihre eigene kleine Edition auf den Markt zu bringen.

image

Die Reihe umfasst bisher drei Produkte: "Kamaka" nennt Jutta Werner die bis zu 2,30 Meter hohen Skulpturen aus gewundenem Kupferdraht, der an mehr als 200 Punkten gelötet und in einem Tauchbad versilbert wird. Halt finden die filigranen Gebilde in Holzfüßen, deren alte Bohlen aus der Hamburger Speicherstadt stammen. "Nubi" heißen die ganz individuellen Körbe, Vasen und Schalen aus dicker Wolle, die Jutta Werner mit den Fingern häkelt. Einige haben als stabilisierendes Innenleben eine feste Kunstharzschale; auf manchen findet sich eine Zeichnung oder ein Gedicht des Berliner Künstlers Pedda Borowski. "Ovid" schließlich fasziniert durch seine Leichtigkeit und Transparenz. Die Leuchten aus Architektenpapier, das durch den Anstrich mit einem Gel stabilisiert wird, gibt es in einer High- und einer Low-Tech-Variante: entweder mit Glühbirne, Edelstahlsockel und Dimmer oder mit Kerze, Holzbrett und Schnur zum Aufhängen. Im Moment entwickelt Jutta Werner zwei weitere Entwürfe, die ebenfalls mit ungewöhnlichen Materialien, alten handwerklichen Verfahren sowie überraschenden Dimensionen und Funktionen spielen. Ihre Kollektion soll sich weiter ganz zwanglos entwickeln - mit einer Vorgabe allerdings: Mehr als 50 Stück soll es von keinem ihrer Entwürfe geben.

"Ich möchte lieber nicht im großen Stil produzieren, sondern alles kleiner und persönlicher belassen", sagt sie. Damit trifft sie den Nerv der Zeit: Jedes Möbel, jede Vase und jedes Bild gibt es mittlerweile tausendfach, da wächst der Wunsch nach Individualität. Die Objekte von Jutta Werner, in denen sich die Grenzen zwischen Design, Kunst und Handwerk verwischen, erzählen Geschichten und wecken Emotionen. Dieser persönliche Charakter hebt Jutta Werners Entwürfe aus der Masse der industriell gefertigten Produkte heraus - sie wirken ein bisschen geheimnisvoll und vor allem sehr weiblich.

Produktion: Hanna Charlotte Müller Fotos: Mark Seelen Text: Uta Abendroth BRIGITTE Heft 14/07

Mehr zum Thema