Graziela Preiser: Die bunten Siebziger sind wieder da!

Graziela Preiser gilt als die Grafikerin der siebziger Jahre. Die Illustratorin, Grafikdesignerin und Kreativdirektorin hat unter anderem die BRIGITTE-Bettwäsche entworfen. Knapp 40 Jahre später feiert sie mit dem Label "byGraziela" ein farbenfrohes Comeback.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Im Fall von Graziela Preiser fiel er gemeinsam mit lächelnden Sonnen, Ziffern, kleinen Enten, Vögelchen und Katzen auf Teetassen, Bettwäsche, Schlafanzüge und Gardinen. Und er fiel auch in den Schoß ihrer Tochter: Im April 2008 gründete Graziela Preiser mit ihrer Tochter Nina Nägel das Label "byGraziela".

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Mit dem Comeback ihrer Retro-Motive weckt die Grafik-Ikone der siebziger Jahre alte Kindheitserinnerungen: Ob Geschirr im Küchenschrank, Gardinen im Wohnzimmer oder Bettgarnitur im Schlafzimmer - die fröhlichen Graziela-Motive gehörten in den siebziger Jahren ebenso zum Einrichtungs-Repertoire wie der Flokati-Teppich. Inzwischen hat die Generation, die mit den fröhlichen Motiven groß geworden ist, selbst Kinder bekommen. Und weil wir auch für unseren eigenen Nachwuchs (oder für den Nachwuchs unseres Nachwuchses) nur das Beste wollen, freuen wir uns, dass die schönsten Graziela-Motive seit vergangenem Jahr als Neu-Auflage wieder zu haben sind.

Die neue Kollektion umfasst Nachthemden und Schlafanzüge für Kinder sowie Bettwäsche in Kinder- und Erwachsenengröße - bedruckt mit dem legendären "1-2-3-Muster". Weitere Motive sind in Planung. Wir haben Graziela Preiser in ihrer Hamburger Altbauwohnung besucht, wo ein gemütlich-kreativer Mix aus Avantgarde, Kunst und Urlaubsmitbringseln herrscht. Neben Mode-Fotografien von Helmut Newton und F.C. Gundlach stehen (und hängen) selbst gemalte Porträts von Freunden. Ein lilafarbener Ohrensessel kontrastiert mit einer weißen Sofalandschaft. Ein angenehmer Stil, der zwischen überladen und reduziert, farbenfroh und schlicht changiert.

BRIGITTE.de: Die Generation, die in den Siebzigern groß geworden ist, hat Ihnen nicht nur tolle Drucke, sondern auch eine farbenfrohe Kindheit zu verdanken. Woher rührt Ihre Liebe zu den kindlichen Designs?

Graziela Preiser : Vor allem von meiner Begeisterung zu klaren plakativen Formen und Farben. Außerdem bin ich schon in meiner Kindheit täglich mit Design in Berührung gekommen, weil mein Vater Maler und Grafiker war. Wir haben zusammen Bilderbücher gestaltet, als ich vier war. Auf einer Seite durfte ich einen Elefanten malen, auf der anderen Seite hat er ein Tier gemalt. So haben wir gemeinsam Zoobilderbücher gestaltet. Das hat mit Sicherheit abgefärbt.

BRIGITTE.de: Wer heute nach Ihren alten Prints googelt, stößt auf eine Fangemeinde, die sich Ihren plakativen Retro-Drucken verschrieben hat. Wie erklären Sie sich diese Liebe zu Ihren Motiven?

Graziela Preiser : Im Wohnbereich gibt es ja ohnehin eine große Retro-Gemeinde. Designklassiker werden andauernd neu aufgelegt. Plakative Designs wie von Marimekko zum Beispiel waren eine ganze Zeit lang out und erleben nun ein Riesen-Comeback. Außerdem steckte in meinen Kinder-Designs immer eine sinnvolle Idee: ein ABC oder 1,2,3, ein Kinderlied, das eine Geschichte erzählte, oder eine Eisenbahn, die durch die Landschaft dampfte. Die Kinder konnten immer irgendetwas entdecken, und die Mütter konnten etwas dazu erzählen. Deshalb gefielen meine Designs Müttern und Kindern gleichermaßen. Damals und auch noch lange nachdem die Muster out waren, habe ich wahnsinnig viel Fanpost bekommen: Fotos von Leuten in der Bettwäsche und von Kindern in den Schlafanzügen. Erst kürzlich rief mich ein Vater an, der die Osterschale seiner Tochter zerbrochen hatte. Er war untröstlich und bat mich zu gucken, ob ich nicht noch eine Schale hätte. Ich habe ihm dann eine geschickt.

BRIGITTE.de: Würden Sie Ihr Design als modern bezeichnen?

Graziela Preiser : Es scheint ein sehr einprägsames Design zu sein - und aus einer guten Zeit. Eine herrliche Zeit, in der wir alle Miniröcke trugen, die jeden Tag kürzer wurden, bis wir uns kaum noch hinsetzen konnten. In den Siebzigern herrschten beinahe ausschließlich unifarbene Designs vor. Da fielen meine Herzen- und Äpfel-Motive für Erwachsene schon sehr auf. Alleine von diesem Muster verkauften sich damals unglaubliche 20.000 Kilometer Stoffbahnen. Und weil die Qualität absolute Spitze war, sehen diese Sachen auch heute noch wie neu aus, sind kaum verwaschen oder verschlissen. Deshalb haben wir auch bei der jetzigen Neuauflage sehr großen Wert auf das Material und die hohe Qualität der Textilien gelegt.

Fotoshow: Graziela Preiser

BRIGITTE.de: Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg im Nachhinein?

Graziela Preiser : Meine Motive sind farbenfroh und plakativ. Und außerdem steckt überall Herz drin. Ich hab immer versucht, all meine Designs mit Liebe zu entwerfen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass alles, was man mit dem Herzen macht, auch als Erfolg zurückkommt.

BRIGITTE.de: Im vergangen Jahr haben Sie gemeinsam mit Ihrer Tochter das Label "byGraziela" gegründet. Wie kam es zu der Idee, die alten Motive wieder neu aufleben zu lassen?

Graziela Preiser : Meine Tochter Nina lebt und arbeitet als Artdirektorin in London und hat dort ein kleines Grafikstudio. Sie ist sehr ‚in’ und hat immer wieder zu mir gesagt, "Mama, du musst das wieder machen und die alten Muster neu auflegen." Tja, und irgendwann habe ich auf sie gehört, und wir haben das tatsächlich in Angriff genommen.

BRIGITTE.de: Was bereitet Ihnen an der kreativen Arbeit am meisten Freude?

Graziela Preiser : Ich habe über 40 Jahre bei Gruner & Jahr gearbeitet und arbeite auch heute noch für den Verlag. Angefangen habe ich im Layout. Weil mir das auf Dauer zu langweilig wurde, bin ich in die Redaktion gewechselt. Ich habe Modestrecken, Fotoproduktionen und Titelbilder in New York, in der Karibik oder Mexiko produziert, habe Sonderteile konzipiert, das BRIGITTE-Extra-Model entworfen und als Kreativdirektorin gearbeitet. Die Kinderarbeiten sind in meiner Freizeit erstanden, zum Ausgleich für meine Arbeit am Blatt. Man muss seinen Beruf wirklich lieben, immer wieder neue Ideen haben und man darf nicht abends um sechs aufhören. Ich habe jedenfalls immer ungemein gerne gearbeitet.

BRIGITTE.de: Inwiefern unterscheidet sich das kreative Arbeiten damals und heute?

Graziela Preiser : Das grafische Arbeiten hat sich natürlich durch den Computer radikal verändert. Wir haben früher alles selbst gezeichnet und eins zu eins geklebt, mit so genannten Klebemäusen, und mussten immer riesige Papier- und Stoffbahnen um uns herum ausbreiten. Wenn ich meine Tochter heute sehe - die kann Dinge innerhalb von zwei Stunden erledigen, die mich früher ein ganze Wochenenden gekostet haben. Das war eine Wahnsinnsarbeit damals, kein Vergleich zu heute!

BRIGITTE.de: Könnten Sie sich vorstellen, für Unternehmen wie Ikea oder H&M zu entwerfen?

Graziela Preiser : In der Kreativabteilung bei Hennes oder Ikea hätte ich sicherlich auch gerne gearbeitet. Aber das Schönste wäre für mich gewesen, ein Kaufhaus zu haben, was ich hätte bestücken und dekorieren können. Aber eigentlich ist es egal, für wen man arbeitet. Hauptsache man hat den richtigen Riecher für Dinge, die die Leute wollen.

BRIGITTE.de: In welchen Ländern finden Sie das Design besonders ansprechend?

Graziela Preiser : Früher fand ich die Designs aus Frankreich und Italien toll, heute gefallen mir die Sachen aus England und Skandinavien weitaus besser. Ob Lampen oder Möbel, die machen ganz tolle Dinge. Ich teile diese Liebe zu einfachen und dennoch warmen Formen, weg von den schwülstigen Sachen.

BRIGITTE.de: Was muss ein Zuhause erfüllen, damit Sie sich wohl darin fühlen?

Graziela Preiser : Gemütliches Licht ist sehr wichtig, dunkle Farben sollten nicht dominieren. Außerdem mag ich das Zusammenspiel von Alt und Neu, und ich muss viele Bilder und Kerzen um mich haben.

BRIGITTE.de: Welchen Designer oder Künstler bewundern Sie am meisten?

Graziela Preiser : Mein absoluter Lieblingsmaler ist David Hockney. Ich male selbst sehr gerne, und mein Traum war immer, einmal für acht Tage Unterricht beim Meister persönlich zu bekommen...

Text: Lesley Sevriens

Wer hier schreibt:

Lesley Sevriens
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