Eine gute Leuchte ist wie Poesie...

... und heller ist nicht unbedingt besser: Der Hamburger Designer Klaus Nolting von ON3D über matschiges Licht, Energiesparlampen und Stimmungsaufheller.

BRIGITTE: Falsches Licht kann einen Raum kaputt machen, seine Bewohner in Depressionen treiben. Aber was ist "gutes Licht"?

Klaus Nolting: Gutes Licht hat viele Facetten: Es schafft die richtige Atmosphäre, hebt die Stimmung, steigert die Leistungsfähigkeit und verhilft zu körperlichem Wohlbefinden. Dabei ist "gut" auf keinen Fall gleichzusetzen mit "hell". Dies wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Nachttischlampe etwa 50 Lux (Lux ist umgangssprachlich ein Maß für die Helligkeit) abgibt, an einem Büroarbeitsplatz 500 Lux Beleuchtungsstärke gefordert sind und mittags an einem Sommertag unter einem Baum im Schatten etwa 15 000 Lux gemessen werden können. An allen drei Orten kann man sich wohl fühlen. Das Licht ist also stark abhängig von der Tageszeit, dem persönlichen Lichtbedürfnis und der Art der Beschäftigung. Gutes Licht würde ich als der menschlichen Tätigkeit perfekt angepasstes Licht definieren.

BRIGITTE: In den letzten Jahren sind viele neue Leuchtmittel auf den Markt gekommen, zum Beispiel Halogen, Energiesparlampen und Leuchtstofflampen mit natürlicher Farbwiedergabe. Sind die alle gleich gut fürs Wohnen geeignet?

Klaus Nolting: Nein. Die ersten Energiesparlampen, die die "normale" Glühbirne ersetzen sollten, waren im Grunde genommen Leuchtstofflampenlicht in kompakter Bauform. Man bekam plötzlich statt hartem Licht mit starker Schattenbildung und einer warmen Lichtfarbe ein "matschiges" diffuses Licht ohne große Kontraste im Schattenwurf. Für die meisten Wohnbereiche völlig ungeeignet. Heute haben viele Hersteller auf diese Tatsache reagiert und durch eingefärbte Gläser wärmere Töne im Angebot. Die Brillanz einer Halogenlampe werden diese Leuchtmittel jedoch niemals erreichen.

Leuchtenfamilie "In & Out"

BRIGITTE: Wie würden Sie die unterschiedlichen Lampen im Wohnbereich einsetzen?

Klaus Nolting: Halogenlicht mit seinem warmen Farbspektrum und seinem klaren, harten Licht ist für mich im Wohnbereich der Favorit. Mit seiner höheren Lichtausbeute pro Watt gegenüber der herkömmlichen Glühbirne ist hier ebenfalls ein Energiespareffekt vorhanden. Leider nicht so effektiv, da die Lebensdauer zwar gegenüber einer Glühbirne deutlich höher ist, aber auch noch deutlich geringer als die von Kompaktleuchtstofflampen. Leuchtstofflampenlicht würde ich im Wohnbereich nur zur allgemeinen indirekten Raumaufhellung einsetzen oder zur diffusen Hinterleuchtung von matten Glasflächen. LEDs haben die absolut längste Lebensdauer, erzeugen aber auch nur vergleichsweise wenig Licht. Die technische Entwicklung ist hier in den letzten Jahren rasant fortgeschritten. Langsam können diese Leuchtmittel andere ersetzen, ein Nachteil ist aber der nach wie vor hohe Preis. Unschlagbar sind LEDs, wenn wenig Platz zur Verfügung steht: So hat der Türklinkenhersteller FSB mit der Firma Insta zusammen LED-beleuchtete Türrosetten entwickelt, die in einem Kinderzimmer durchaus sinnvoll zum Einsatz kommen könnten.

BRIGITTE: Worin liegt die besondere Herausforderung beim Leuchten-Design?

Klaus Nolting: Eine Leuchte ist tagsüber aus und sollte in diesem Zustand eine schöne Form haben. Wird sie eingeschaltet, kommt im besten Fall Poesie ins Spiel: Jetzt geht es darum, das Material des Leuchtenkopfes und das Leuchtmittel symbiotisch zu Höchstleistungen zu bringen und mit dem Licht zu zaubern. Dann ist da noch die Wärmeentwicklung: Jede Lampe ist physikalisch gesehen ein winziges Feuer, denn alle Leuchtmittel entwickeln Hitze. Dabei gilt: je kleiner der Lichtpunkt und je höher die Lichtausbeute, desto heißer wird's. Laut Brandschutzvorschrift darf der Leuchtenkörper aber maximal 70 Grad Celsius heiß werden. Also muss für eine entsprechende Belüftung der Lampe gesorgt werden. Und bei verstellbaren Leuchten ist darauf zu achten, dass der Benutzer die Bereiche erkennt, an denen er die Leuchte anfassen kann und wo er das besser lassen sollte. Dies ist jedes Mal wieder eine Herausforderung bei der Entwicklung einer neuen Leuchte.

Zur Person

Stehleuchte "Lakonia"

Klaus Nolting hat sich auf das Design von Leuchten spezialisiert. Die metallene Stehleuchte "Lakonia" (151 cm hoch, Anta) hat einen Porzellandiffusor. Die Leuchtenfamilie "In & Out" aus Glas (zwischen 32 und 130 cm hoch, Movelight) gestaltete er zusammen mit Andreas Ostwald

Design: Klaus Nolting und Andreas Ostwald.

Interview: Uta Abendroth BRIGITTE Heft 23/2006
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