Möbelrücken: Neuer Schwung für Ihre Wohnung

Jetzt ist Möbelrücken angesagt. Denn manchmal reicht es schon aus, einem Möbelstück einen anderen Platz zu geben, um Schwung in die Wohnung zu bringen.

Wie finde ich den besten Platz für meine Möbel?

BRIGITTE: Gibt es allgemeine Regeln und Tipps, die man beim großen Möbelrücken beachten muss?

Jutta Werner, Designerin: Man sollte vorher überlegen, welches Möbelstück oder welche Situation in der Wohnung der Hauptdarsteller ist - und wer der Nebendarsteller. Wohnungen leben von "Wohnbildern" und sinnigen Funktionsabläufen. Wenn ich ein tolles großes Sofa habe und dort viel Zeit verbringe, sollte ich es in Szene setzen und die Wirkung mit einem schönen Teppich und gutem Licht unterstützen. Koche ich gern für Gäste, ist der Essplatz mein Hauptdarsteller. Dann gönne ich mir einen großzügigen Tisch und bequeme Stuhlsessel und kombiniere das etwa mit einem riesigen Bild an der Wand. Der Wohnbereich wird dann zum Nebendarsteller, vielleicht reichen mir dort drei kleine Loungesessel mit Beistelltischchen.

Welche Lampe setzt den Esstisch optimal in Szene?

BRIGITTE: Unser Essplatz wird nur von einer Steh- und einer Wandlampe beleuchtet. Wie kann ich ihn in ein besseres Licht rücken? Muss es unbedingt eine Deckenleuchte sein?

Jutta Werner: Natürlich benötigt nicht jeder Esstisch eine Deckenleuchte - im Gegenteil! Deckenleuchten sind ja fest montiert und fixieren so auch die Position des Esstisches. Um doch in den Genuss einer zentralen Lichtquelle über dem Esstisch zu kommen, würde ich eine Stehleuchte mit langem Schwenkarm empfehlen, z.B. "Arco" von Flos oder "Dimensions" von Ligne Roset.

Wie richte ich kleine Räume gemütlich ein?

BRIGITTE: Ich habe mehrere kleine Zimmer, in die ich entsprechend kleine Möbelstücke gestellt habe, meist direkt an die Wände. Allerdings wirken die Zimmer nicht gemütlich. Was kann ich ändern?

Hans-Jürgen Marx, Innenarchitekt: Kleine Zimmer mit vielen kleinen Möbeln wirken übermöbliert und unruhig. Besser ist es, wenige große Möbel zu stellen. Zum Beispiel kann ein schönes Sofa einen Raum dominieren, die restlichen Flächen werden mit einigen individuellen Möbeln, Teppichen und Accessoires ergänzt. Dazu kann man mit verschiedenen Lichtebenen an Decke, Wand und Boden arbeiten. So wirkt der Raum aufgeräumt und gemütlich.

Wie bleiben Bilder spannend?

BRIGITTE: Ich habe Reproduktionen moderner Bilder in meiner Wohnung hängen (z. B. von Marc Rothko). Nach wie vor mag ich sie, merke aber, dass ich gar nicht mehr richtig hinschaue. Was kann ich gegen den Gewöhnungseffekt tun?

Sabine Bischof: Es ist gut, Bilder immer wieder umzuhängen, innerhalb eines Raumes und von Raum zu Raum zu tauschen und so neue Zusammenhänge mit den Möbeln zu schaffen. Damit verändert sich auch die Raumwirkung. Spannend kann es außerdem sein, die Farbe einer Wand zu ändern, dadurch erzielt ein Bild unter Umständen eine ganz andere Wirkung.

Wie kombiniert man verspielt und streng?

BRIGITTE: Ich mag bunte Vasen, ausladende Kerzenleuchter, gemusterte Kissen. Meine Möbel haben aber ein eher strenges Design. Im Moment sind meine verspielten Accessoires auf die Zimmerecken verteilt. Wie kann ich beide Stile besser zusammenbringen?

Sabine Bischof, Designerin und Innenarchitektin: Mit der Einrichtung ist es wie mit Kleidung: Gute, zeitlose Basics kombiniert mit trendigen Accessoires können einen spannenden Gegensatz bilden. Man sollte keine Angst haben, beide Stile auch räumlich eng zusammenzubringen. Der opulente Kronleuchter kommt über dem schlichten Holztisch ebenso gut zur Geltung wie das bunt gemusterte Kissen auf dem schlichten Sofa.

Was tun, wenn's zu voll wird - aber man sich nicht von Möbeln trennen will?

BRIGITTE: Ich mag es, meine Möbel um mich zu haben, sie sind für mich wie gute Freunde. Manche, z.B. eine alte Kommode, sind Familien-Erbstücke. Bisweilen fühle ich mich von allem aber etwas erdrückt. Gibt's da eine gute Lösung?

Oona Strathern, Trendforscherin: Das "autobiografische" Wohnen ist für viele von uns sehr wichtig, Möbel spiegeln oft einen Teil unserer Vergangenheit. Wenn ein Möbelstück eine Geschichte erzählt, fällt es in der Tat schwer, sich von ihm zu trennen. Dann kann es sinnvoll sein, alle paar Monate einige Stücke innerhalb der Wohnung umzustellen. Oder man lagert ein Möbel für einige Zeit auf dem Dachboden - und wenn man es wieder in seine Wohnung holt, kann man es neu entdecken und sich daran freuen.

Stilmix oder lieber pur?

BRIGITTE: In meiner Wohnung stehen Antiquitäten und moderne Möbel bunt gemischt. Geht das überhaupt zusammen, oder wäre es sinnvoll, sie doch zu trennen, also ein "altes" und ein "modernes" Zimmer einzurichten?

Thomas Dietrich, Architekt: Bloß nicht! Natürlich können die verschiedenen Möbel zusammen stehen. Um sie in ihrer Wirkung nicht zu schwächen, hilft es, Gruppen zu bilden. Verbindende Elemente sind hierbei nicht nur Alter und Stil der Möbel, sondern auch Zweck, Farbe und Material. Wenn zum Beispiel moderne Stühle mit einem antiken Tisch kombiniert werden, entsteht ein schöner Spannungsbogen. Gute Möbel mit starkem Charakter stören sich nicht, ganz gleich, aus welcher Dekade sie stammen.

Wohin mit dem Schreibtisch?

BRIGITTE: Mein Schreibtisch ist aus Glas und steht mitten im Arbeitszimmer. Das sieht super aus, aber eigentlich habe ich zu wenig Licht. Muss er unbedingt ans Fenster?

Thomas Dietrich: Steht ein Glastisch am Fenster, kann es Probleme mit der Reflexion des Lichts auf der Glasplatte geben, und man wird geblendet. Deshalb kann er gut mitten im Raum stehen. Soll der gesamte Schreibtisch ausgeleuchtet werden, hilft weiches, indirektes Licht, z.B. von einem Deckenfluter. Ansonsten empfehle ich eine Schreibtischlampe mit breitem Lichtkegel.

Atmosphäre erzeugen: Wie geht das?

BRIGITTE: Es heißt immer, dass Farbe und Licht das Raum-"Klima" beeinflussen. Worauf muss ich achten?

Birgit Knutzen, Innenarchitektin: Bei Farben sollte wie in der Musik alles auf eine Grundtonart abgestimmt sein. Hauptfarbträger kann eine Wand, der Teppich oder das Sofa sein. Eine gemütliche und zugleich dynamische Atmosphäre entsteht, wenn sich zur Grundfarbe ein bis zwei Begleitfarben gesellen. Erdtöne, z.B. Sand, stehen für Geborgenheit, Rottöne für Wärme und Nähe, Blau ist die Farbe der Ferne, schafft ein Gefühl von Platz und wirkt beruhigend. Beim Licht ist es wichtig, mehrere Lichtquellen im Raum zu verteilen. Eine Kombination aus Decken-, Wand- und Stehleuchte bzw. Tischleuchte sorgt für wohnliche Atmosphäre. Und verteilt man mehrere kleine Lichtquellen an der Peripherie eines Raumes, wirkt er größer.

Kann man mit Teppichen spielen?

BRIGITTE: Ich würde sie gern mal ganz anders platzieren. Oder müssen sie immer gerade liegen, parallel zur Wand oder zum Sofa?

Birgit Knutzen: Teppiche schaffen Inseln, fügen Möbel, z.B. Sessel, Sofa und Couchtisch, zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Da diese Elemente oft schon verschiedene Formen, Farben und Materialien haben, ist es besser, mit dem Teppich nicht noch mehr Unruhe zu schaffen. In Ausnahmefällen - wenn der Teppich der Hauptakteur ist - , kann man ihn bewusst locker etwas schräg legen.

Illustrationen: Rinah Lang Fotos: Christina Körte(1), Anna Grath(1) Bob Leinders (1), Maren Stöver (1) Ein Artikel aus BRIGITTE
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Guten Morgen, Welt!

Guten Morgen, Welt!

Wir servieren euch täglich Trends, Top-Stories und kuriose Netzfundstücke zum Frühstück!

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.