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Farbenkunde


Grün ist die Farbe der Hoffnung, Schwarz die Farbe der Trauer. Warum das so ist (bei uns) und wo es kulturelle Unterschiede gibt, lesen Sie in unserer kleinen Farbenkunde.

Grün ist nicht gleich grün. Jedenfalls nicht, wenn es um die Bedeutung der Farbe geht: Hier gibt es zum Teil deutliche Unterschiede von Kultur zu Kultur.

Farbsymbolik spielt seit jeher eine große Rolle, wann immer Menschen sich die Welt erklären. Denn Farben wirken unmittelbar und sind so vielseitig einsetzbar wie kaum ein anderer Bedeutungsträger. Die symbolische Bedeutung der Farben hat ihren Ursprung oft in der Natur. Grün wird meist mit Leben und Wachstum assoziiert, Blau, die Farbe des Wassers, mit Kälte und Unergründlichkeit. Braun, die Farbe des Erdreichs, wird in vielen Kulturen mit Bodenständigkeit in Verbindung gebracht. Braun ist zugleich ein Beispiel dafür, wie Bedeutungen von Farben gesellschaftlich überlagert und verändert werden können: Seitdem sich das Hitler-Regime dieser Farbe bediente, wird Braun hier zu Lande im politischen Kontext nicht mehr verwendet, es sei denn mit Bezug auf den Nationalsozialismus.

Wichtig für die Bedeutung von Farben ist übrigens auch ihr natürliches Vorkommen: War ein Farbstoff einst rar und somit kostbar, wie das aus Purpurschnecken gewonnene Violett, blieb es den Reichen und Mächtigen vorbehalten und symbolisierte Macht und Reichtum ihrer Träger.

Hier kommen die Bedeutungen der wichtigsten Farben im Einzelnen:

Rot

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Rot, die Farbe des Bluts, hat in westlichen Kulturen überwiegend negative Konnotationen und steht für Ärger, Wut oder Gefahr. Zugleich ist es die Farbe der Liebe. In Pakistan symbolisiert Rot ein gegebenes Heiratsversprechen, in Frankreich kann es für Vergnügen, aber auch für Schüchternheit stehen. In Russland symbolisiert die Farbe einen hohen materiellen Wert. Wer in Korea einen Namen in rot schreibt, signalisiert damit, dass diese Person tot ist.

Grün

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Auch Grün hat positive und negative Bedeutungen. In fast allen westlichen Ländern symbolisiert die Farbe Hoffnung und Neid. Es lassen sich eine Reihe weiterer Bedeutungen für Grün finden: Langeweile (Dänemark), Furcht und Jugendlichkeit (Frankreich), Geldknappheit (Italien), Güte und Unerfahrenheit (Schweden). In Pakistan steht die Farbe für Glück und ewiges Leben, Chinesen verbinden damit Ruhe und Frische. In arabischen Ländern symbolisiert Grün Fruchtbarkeit und Stärke.

Blau

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Blau verfügt gleichfalls über eine große Palette von Bedeutungen. Zu nennen sind hier vor allem Treue, Kälte, Autorität, aber auch Furcht (Frankreich/ Italien), Eifersucht (Portugal), Ärger (Schweiz/ Frankreich) sowie Tugend, Vertrauen und Wahrheit (arabische Länder).

Weiß

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In der westlichen Welt wird Weiß vor allem mit Unschuld, Reinheit und Tugend in Verbindung gebracht. In Portugal steht die Farbe für Frieden, in Schweden für Güte. Ganz anders hingegen die Symbolik in Japan, China und Indien: Dort steht Weiß für Tod und Trauer. Im Feng Shui wird Weiß als Farbe für die Wohnraumgestaltung daher auch gemieden.

Schwarz

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In den meisten westlichen Kulturen steht Schwarz für Tod und Trauer. Weitere Bedeutungen: Hunger (Portugal), Eifersucht (Finnland), Macht/ Geld (China), Hilflosigkeit (Pakistan).

Farbverständnis in China

Viel stärker noch als in der abendländischen Kultur haben Farben für die Chinesen emotionale und körperliche Eigenschaften. Die wörtliche Übersetzung eines Begräbnisses lautet zum Beispiel "weißer Anlass", die eines ehrbaren Beamten "blauer Himmel": Ereignisse oder Sachen werden direkt über eine Farbe mit konkreter symbolischer Bedeutung aufgeladen.

Entsprechend verfügen Farben in China über große und sehr starke Bedeutungsfelder. Rot ist die Farbe des Lebens, die auch als Glück bringend angesehen wird. Sie soll böse Kräfte abhalten. Im Feng Shui repräsentiert sie das Element Feuer. Rot wird zu allen freudigen Anlässen getragen. Chinesische Bräute heiraten in Rot und werden in einer roten Sänfte zum Ort der Feierlichkeiten getragen. Wenn ein Kind geboren wird, überreichen die Nachbarn dem Elternpaar rote Eier als Zeichen für Glück und Wohlergehen.

Gelb war einst die kaiserliche Farbe und durfte von Normalbürgern weder für Kleidung noch Einrichtung verwendet werden. Es steht für Toleranz, Geduld und Weisheit.

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Purpur steht für Ideale, Wahrheit und Spiritualität. Es symbolisiert in China das Wasser und hat einen weitaus höheren Stellenwert als die Farbe Blau, die ebenfalls Spiritualität symbolisiert und zugleich als sekundäre Trauerfarbe gilt.

Schwarz ist in China keine Trauerfarbe, sondern symbolisiert Macht und Geld. Außerdem steht die Farbe für tiefes Nachdenken und düstere Stimmung. Hier kommen sich die östliche und westliche Welt wieder nahe: Schwarz gilt in der abendländischen Kultur als Farbe der Melancholie, einem der vier auf die Antike zurückgehenden Grundtemperamente des Menschen.

Religiöse Bedeutungen

Eine besonders wichtige Rolle spielen Farben in den Religionen. Viele religiöse Riten werden von bestimmten Farben unterstützt, in kirchlichen Gemälden ist jeder verwendeten Farbe eine ganz bestimmte Bedeutung zugewiesen.

Beispiele: Violett ist die Farbe des Hinduismus. Außerdem symbolisiert es den Rang der Bischöfe sowie Buß- und Fastenzeit. Gelb ist die Farbe des Lamaismus. Es steht für die Sonne und hat zentrale Bedeutung für Religionen, die die Sonne als Leben spendende Gottheit verehren. Rot symbolisiert in der katholischen Kirche Blut und Feuer. Es steht für Pfingsten und die Leiden Christi.

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Orange ist im Buddhismus die Farbe der höchsten Stufe der menschlichen Erleuchtung. Außerdem steht die Farbe in Irland für den Protestantismus. Schwarz und Weiß verkörpern die Prinzipien von Licht und Finsternis, von Leben und Tod, von Gut und Böse, und zwar in fast allen Religionen.

Wiebke Peters

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