Green IT: Umweltschutz im Büro

Green IT ist der Trend in der Computer-Branche. Wir sagen Ihnen, welche Geräte Sinn machen und was Sie sonst noch tun können, um im Büro Energie, Schadstoffe und Ressourcen zu sparen.

Die Nutzung von Computern, Druckern, MP3-Playern und Fernsehern verursacht mittlerweile zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland oder umgerechnet 33 Millionen Tonnen CO2 - das ist mehr als der gesamte deutsche Flugverkehr. Und auch der Aufwand zur Herstellung der Geräte ist enorm: Für die Produktion eines einzigen PC samt Monitor sind 1.500 Liter Wasser, 23 Kilo Chemikalien und drei Tonnen CO2 nötig, hat das Umweltbundesamt ausgerechnet.

Wenn Sie also beim Kauf genau überlegen, was Sie eigentlich brauchen, sich für reparaturfreundliche Geräte entscheiden und diese möglichst lange nutzen, tun Sie schon viel für die Umwelt. Der BUND schätzt, dass dadurch 50 Prozent an Umweltbelastungen eingespart werden können.

Überlegen Sie also: Nutzen Sie Ihren Computer hauptsächlich dafür, Texte zu schreiben, im Internet zu surfen, E-Mails zu versenden und einfache Computerspiele zu spielen? Dann brauchen Sie keinen leistungsstarken "Gamer-PC" für 3-D-Darstellungen. Es macht auch keinen Sinn, "auf Vorrat" zu kaufen, weil Ihr Sohn in einigen Jahren vielleicht Videos bearbeiten will. Bis es weit ist, ist Ihr PC schon wieder veraltet. Achten Sie stattdessen darauf, dass das Gerät gut nachrüstbar ist, etwa durch austauschbare Komponenten.

Hündchen Dexter: "Der Schal fürs Leben ist flauschiger als ich!"

Clever kaufen

  • Ein einfacher, neuer PC verursacht pro Jahr Stromkosten von etwa 20 Euro, ein Turbo-PC dagegen kostet Sie über 100 Euro.
  • Wenn Sie es gerne aufgeräumt und übersichtlich haben, ist ein Mini-Computer eine Alternative. Die kompakten Geräte sind nicht nur energieeffizient, sondern auch besonders leise und leicht. Auf der diesjährigen Computermesse Cebit wurde beispielsweise der Mini-PC "WindBox" vorgestellt, der nur 500 Gramm wiegt und hinter den Monitor montiert werden kann.
  • Oder Sie entscheiden sich gleich für ein Laptop oder ein noch kleineres Netbook. Die tragbaren Geräte sind zwar teurer in der Anschaffung, doch ein Laptop verursacht nur acht Euro Stromkosten pro Jahr. Und statt acht Kilo wie ein normaler Schreibtisch-PC bringt es nur zwei Kilo auf die Waage - deshalb sind zur Produktion wesentlich weniger Edelmetalle und Kunststoffe nötig. Und am Ende fällt weniger Müll an.
  • Flachbildschirme sind nicht nur Platz sparend und elegant, sie verbrauchen auch bis zu 70 Prozent weniger Energie und erzeugen weniger elektromagnetische Strahlung. Natürlich sind kleine Bildschirme sparsamer als Riesen-Monitore, die übrigens die Augen mehr anstrengen und schon deshalb nicht zu empfehlen sind. Ganz neu auf der Cebit 2009: Bildschirme, die LED-Lämpchen zur Hintergrundbeleuchtung nutzen statt schwermetallhaltiger Leuchtstoffröhren.
  • Bei der Anschaffung eines Druckers müssen Sie sich zwischen zwei unterschiedlichen Systemen entscheiden. Ein Schwarz-Weiß-Laser-Gerät ist dann sinnvoll, wenn Sie hauptsächlich Texte drucken wollen und das zügig und zu günstigen Seitenpreisen. Ein Tintenstrahldrucker ist geeignet, wenn Sie häufig Fotos oder etwas in Farbe ausdrucken wollen und bei Texten keinen großen Wert auf ein gestochen scharfes Schriftbild legen.
  • Wenn möglich, ersetzen Sie Fax, Drucker, Kopierer und Scanner durch ein modernes Multifunktionsgerät. Sie sparen nicht nur Energie, Material und Platz. Diese Geräte sind auch wesentlich leiser, weil sie nur ein Gebläse haben. Nicht so gut geeignet sind diese Kombigeräte für Leute, die die Faxfunktion rund um die Uhr brauchen - das gesamte Gerät muss dann ständig im Stand-by-Betrieb bleiben (Alternative: das virtuelle Fax, siehe nächste Seite)
  • Wenn Ihnen daran gelegen ist, dass sich die Bedingungen für Arbeiterinnen in Asien verbessern, die Handys zu Billiglöhnen zusammenbauen: Schicken Sie an die Herstellerfirmen eine elektronische Postkarte, mit der Sie faire Arbeitsbedingungen einfordern (www.makeitfair.de)

Umweltsiegel und Beratung

Es ist gar nicht so einfach, im Laden die umweltfreundlichsten Geräte aufzuspüren. Leider gibt es mehrere Siegel, die zu allem Überfluss unterschiedliche Kriterien zur Bewertung heranziehen:

Am weitesten verbreitet ist der Energy Star der amerikanischen Umweltbehörde EPA. Er wird für energieeffiziente Bürogeräte vergeben - vom Computer bis zum Scanner und Drucker. Infos unter www.eu-energystar.org

Das TCO-Kennzeichen ist ein schwedisches Gütesiegel mit weltweiter Bedeutung. Es steht nicht nur für Energieeffizienz, sondern auch für umweltfreundliche Materialien sowie Ergonomie und geringe elektromagnetische Strahlung. Infos unter www.tcodevelopment.com

Sehr strenge Kriterien gelten für den altbewährten "Blauen Engel" des Umweltbundesamtes. Er garantiert beispielsweise auch einen niedrigen Schadstoffgehalt und Recyclingfähigkeit. Leider sind nur sehr wenige Produkte damit ausgezeichnet, da viele Hersteller den Aufwand der Prüfung scheuen ( www.blauer-engel.de)

Einen guten, aktuellen Überblick und eine sehr ausführliche Kaufberatung für Verbraucher bietet das Freiburger Ökoinstitut auf ( www.ecotopten.de)

Über die Neuheiten, die auf der Computermesse Cebit 2009 mit dem Schwerpunkt "Green IT" präsentiert wurden, kann man sich auf www.cebit.de informieren.

Clever nutzen

  • Oft gibt es nur einen Grund, einen Computer auszumustern, obwohl er noch prima funktioniert: Neue Software und der Speicherplatz dafür reicht nicht aus. Eine gute Alternative ist "Open Source"-Software, z.B. "Linux". Sie kann problemlos aus dem Internet herunter geladen werden. Und das Beste: Dies kostet für Privatanwender nichts.
  • Computer, Monitore und Drucker haben einen Energiesparmodus. Meist ist er jedoch nicht vorinstalliert, bei Windows ist er unter dem Menüpunkt "Energieoptionen" zu finden. Wenn Ihnen das zu mühsam ist, bitten Sie den Händler bzw. Servicekräfte um die Einstellung.
  • Neu auf der Cebit 2009: Fujitsu-Siemens stellte einen "O-Watt-PC" vor, der im Ruhezustand keinen Strom verbraucht.
  • Das schafft jede/r: In Arbeitspausen den Bildschirm ausschalten. Da der Rechner nicht heruntergefahren wird, können Sie auf Knopfdruck dort weitermachen, wo Sie aufgehört haben.
  • Das lohnt sich immer: Laser-Drucker ausschalten, wenn sie nicht genutzt werden. Bei Tintenstrahldruckern hängt es vom Modell ab - manche starten bei jedem Einschalten automatisch einen Reinigungslauf. Dadurch wird viel Tinte verschwendet.
  • Bildschirmschoner abschalten: Bildschirmschoner wurden für Röhrenmonitore erfunden, um das "Einbrennen" zu verhindern. Für Flachbildschirme sind Sie komplett überflüssig und verschwenden Energie. Besonders viel verbrauchen 3-D-Versionen, wie z.B. eine rasante Zoom-Fahrt über den Strand.
  • Viele Geräte verbrauchen auch noch Strom, wenn Sie scheinbar ausgeschaltet sind. Das können Sie beispielsweise daran merken, dass ein Summton zu hören ist. Oder das Netzteil fühlt sich warm an. Ziehen Sie die Netzstecker. Noch besser ist eine abschaltbare Steckerleiste. Es gibt auch Modelle, die automatisch alle anderen Geräte wie Drucker und Monitor vom Netz trennen, sobald der Rechner ausgeschaltet wird. Ganz neu: Ladegeräte, die sich nach getaner Arbeit selbst ausschalten.
  • Räumen Sie Ihren Computer regelmäßig auf: Jede
  • gespeicherte E-Mail, jedes digitale Foto erzeugt Daten, die wiederum irgendwo gespeichert werden müssen - das verbraucht Energie.
  • Ein W-Lan-Router kann pro Jahr so viel Strom wie ein Kühlschrank verbrauchen. Schalten Sie ihn ganz ab, wenn Sie nicht im Internet surfen - am besten über eine abschaltbare Steckerleiste oder eine Zeitschaltuhr.
  • 99 Prozent an Material und Energie können Sie sparen, wenn Sie einen "Anrufbeantworter im Netz" nutzen, statt eines Einzelgerätes. Das hat das Freiburger Öko-Institut ausgerechnet.
  • Wann immer möglich, nutzen Sie ein Laptop über das Netzteil. Nehmen Sie dabei die Akkus heraus, das verlängert ihre Lebensdauer.
  • Wenn Sie nicht allzu viele Faxe senden und empfangen, können Sie einen Fax-Empfang auf dem PC einrichten. Der Computer empfängt das Fax und wandelt es in eine PDF-Datei um. Bei vielen neuen Telefonverträgen ist das "virtuelle Fax" inklusive.
  • Laser-Drucker können eine Vielzahl von Schadstoffen freisetzen wie Feinstaub und Ozon. Bis heute ist nicht geklärt, wie diese die Gesundheit beeinträchtigen. Arbeitsmediziner empfehlen deshalb, Laser-Drucker in einem getrennten Raum aufzustellen, für gute Belüftung zu sorgen und das Gerät regelmäßig zu warten. Zu Hause ist das natürlich schwierig umzusetzen. Doch zumindest sollten Sie häufig lüften, wenn Sie viel ausdrucken.

Clever entsorgen

Etwa ein bis zwei Millionen Tonen Elektro- und Elektronikschrott fallen in Deutschland jährlich an. Verkaufen oder verschenken Sie Geräte, die Sie nicht mehr brauchen. Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Stadt gemeinnützige Initiativen gibt, die gebrauchte elektronische Geräte aufarbeiten und dann günstig wieder verkaufen, wie z.B. "Nutzmüll" in Hamburg. Horten Sie die Geräte nicht im Keller, sie enthalten wertvolle Metalle, die wieder verwendet werden können.

Schätzungsweise 60 Millionen Handys liegen unbenutzt in Schubladen, weil man mit jedem neuen Vertrag ein Gerät "fast umsonst" dazu bekommt. Das sind umgerechnet 3 Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber und 1.900 Tonnen Kupfer. Bringen Sie Ihr ausrangiertes Handy zum Wertstoffhof oder in den Laden/zum Telekommunikationsanbieter zurück. Alternative: Viele Anbieter stellen eine Gutschrift aus, wenn Sie auf ein neues Handy verzichten.

Werfen Sie leere Tonerkartuschen oder Tintenpatronen niemals in den Hausmüll. Entweder Sie lassen sie wiederbefüllen, bringen sie zum Recyclinghof oder schicken sie an den Hersteller zurück: Meist gibt es vorfrankierte Umschläge dafür und manchmal sogar etwas Geld zurück. Infos z.B. bei www.geldfuermuell.de.

Weitere Informationen:

Das Bundesumweltamt hat eine neue Broschüre zum Thema "Computer, Internet und Co. - Geld sparen und Klima schützen" herausgegeben. Sie steht zum kostenlosen Download bereit unter www.umweltbundesamt.de.

Eine gedruckte Fassung gibt es ab Mitte 2009 ebenfalls kostenlos beim Umweltbundesamt c/o GVP, Postfach 30 0361, 53183 Bonn oder telefonisch zum Ortstarif unter (01888) 305 3355 sowie per E-Mail bei uba@broschuerenversand.de.

Lesen Sie hierzu auch:

Öko-Basics: Wie gefährlich ist Elektrosmog? Elektromagnetische Strahlung durch Handys, Internet und Fernseher soll angeblich die schlimmsten Folgen haben. Beweise gibt es bisher nicht - vermeiden sollten Sie Elektrosmog trotzdem.

Text: Beate Koma Foto: istockphoto.com

Wer hier schreibt:

Beate Koma
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