Warum nachhaltige Möbel immer wichtiger werden

Warum der Faktor Nachhaltigkeit bei Möbeln und Wohn-Accessoires immer wichtiger wird - und was Firmen für eine bessere Ökobilanz tun.

Wir trennen Müll, schleppen Altglas zum Container und achten verstärkt darauf, unter welchen Bedingungen Kleidung produziert wird. Bei Möbeln interessierten sich dagegen lange Zeit nur Öko-Pioniere für deren Herkunft und Schadstoffbelastung. Doch so langsam dreht sich der Wind. "Auf Nachhaltigkeit legen Kunden immer mehr Wert, das Thema wird zum wichtigen Verkaufsargument", weiß Johannes Wagner, Geschäftsführer des Möbelherstellers Conmoto aus Münster. Kein Wunder also, dass die Hersteller reagieren, zunehmend "grün" produzieren, Möbel und Teppiche freiwillig prüfen und mit Öko- und Fair-Trade-Siegeln kennzeichnen lassen.

"Massivholzmöbel sind meist recht unproblematisch"

Polstermöbel-Spezialist Brühl etwa verwendet für Bezüge ausschließlich Leder, das durch ein salzfreies und damit umweltfreundlicheres Verfahren konserviert wurde. Rolf Benz konnte seine Polstermöbel-Kollektion mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" auszeichnen lassen, Hersteller Hülsta die Kastenmöbel-Kollektion. Zudem entwickelte die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel unter Mithilfe von Hülsta ein Emissionslabel für Möbel, das Kunden auf einen Blick über Schadstoffausdünstungen informiert.

"Massivholzmöbel sind meist recht unproblematisch, was die Emissionen angeht. Bei allen anderen muss man darauf achten, dass alle Bestandteile, wie etwa der Leim, schadstoffarm sind", sagt Manfred Bräuer, Umweltexperte bei Hülsta. Sehr wichtig sei auch die Oberflächenbehandlung. "Die soll den Ansprüchen des täglichen Gebrauchs genügen und nicht oft nachbehandelt werden müssen, andererseits ein möglichst niedriges Schadstoffpotenzial haben."

"Formaldehyd kann zu Kopfschmerzen und schlechtem Schlaf führen"

Beim Naturholzmöbel-Pionier Team 7, dem für seine ökologisch einwandfreie, nachhaltige und faire Produktion das Österreichische Umweltzeichen verliehen wurde, zieht sich Nachhaltigkeit durch den gesamten Produktionsprozess. "Wir behandeln Oberflächen nur mit Naturöl und verwenden formaldehydfreien Leim auf Wasserbasis", so Dr. Georg Emprechtinger, geschäftsführender Eigentümer von Team 7. "Dünstet die Einrichtung eines Zimmers zu viel Formaldehyd aus, kann das zu Kopfschmerzen und schlechtem Schlaf führen." Nachhaltig produzierte Möbel kommen also nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Raumklima und damit der Gesundheit zugute.

Natürlich setzt der Öko-Gedanke aber viel früher als bei der Fertigung und Oberflächenbehandlung an. Holz aus zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft in Deutschland und Europa schützt den Regenwald, vermeidet Kahlschläge und verkürzt Emissionen produzierende Transportwege. Recycling wieder um verlängert die Nutzungsdauer von Materialien, indem etwa alte Stoffe in neue Fasern verwandelt werden, und ermöglicht sogar den "Branchen"-Wechsel, wenn aus simplen PET-Flaschen tolle Stühle oder farbenfrohe Sitzkissen werden. Und auch das Design spielt eine wichtige Rolle: Wer sich für ein zeitlos schönes Möbel entscheidet, wird es länger behalten als ein Trendteil, das man irgendwann nicht mehr sehen kann. Vorausgesetzt, die Verarbeitung stimmt. "Wir machen unsere Stücke so solide, dass sie überdurchschnittlich lange halten und gut aussehen", sagt Möbelbauer Arno Weiß, der bei COR in Rheda-Wiedenbrück arbeitet. Abgeliebte, manchmal schon jahrzehntelang genutzte COR-Möbel arbeitet er in der Servicewerkstatt wieder auf.

Betrachtet man all diese Aspekte, wird schnell klar, dass nachhaltig produzierte Möbel nicht so günstig sein können wie Spanplatten-Modelle aus Fernost. Und wohin mit all dem, das man nicht mehr braucht oder überhat? Statt noch gut erhaltene Dinge wegzuwerfen, könnte man sie zum Beispiel an Läden verschenken, die Mobiliar für wenig Geld an Bedürftige abgeben und durch den Verkauf auch Jobs für schwer vermittelbare Arbeitskräfte schaffen. Dazu gehören etwa Cash & Raus in Düsseldorf, Stilbruch in Hamburg, das Gebrauchtwarenhaus in München oder auch Fairkauf in Stuttgart

Kleine Label-Kunde

Was eine nachhaltige Produktion ausmacht, regelt (noch) kein Gesetz. Orientierung aber bieten anerkannte Öko-Label: Um diese zu bekommen, müssen Hersteller ihre Produkte prüfen und zertifizieren lassen. Je nach Label sind die Kriterien jedoch unterschiedlich streng, und für kleine Firmen ist die Zertifizierung oft zu teuer. Bei Produkten ohne Siegel lohnt es sich also, nach Holzherkunft, Recycling-Fähigkeit und umweltfreundlichen Farben zu fragen. Infos und Bewertungen zu 600 Produktlabels finden Sie auf www.label-online.de der Verbraucher Initiative e. V., die wichtigsten erklären wir hier:

FSC (Forest stewardship council)

Produkte mit dem "100%"-Label bestehen ausschließlich aus Holz aus FSC-zertifizierten, vorbildlich bewirtschafteten Wäldern. Vom Baum bis zum letzten verarbeitenden Betrieb wird jede Station der Herstellungskette jährlich von einem unabhängigen FSC-Mitarbeiter geprüft und zertifiziert. Weitere FSC-Label sind FSC-Mix und FSC-Recycling für Produkte wie Papier, die komplett aus Recyclingmaterial bestehen www.fsc-deutschland.de

Ökocontrol

Das Siegel des "Europäischen Verbands ökologischer Einrichtungshäuser" zeichnet Möbel, Matratzen und Bettwaren aus, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und deren Herstellung, Ausdünstung und Entsorgung weder Gesundheit noch Umwelt belasten. Die Tests erfolgten in unabhängigen Laboren. Die schädlichen Ausdünstungen müssen erheblich niedriger sein als gesetzlich erlaubt www.oekocontrol.com

Emissionslabel

Das neue Emissionslabel wurde von der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM) entwickelt. Die Möbel werden auf schädliche Ausdünstungen getestet und in die Klassen A, B, C oder D eingestuft. Emissionsklasse A entspricht den Grenzwert-Anforderungen des "Blauen Engels", Klasse D den gesetzlichen Grenzwerten www.emissionslabel.de

Blauer Engel

Das Umweltsiegel steht für Möbel, deren Holz überwiegend aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt: Sie werden umweltfreundlich produziert (insbesondere die Beschichtungen) und enthalten keine Schadstoffe, die beim Recycling erheblich stören. Die beschränkt erlaubte Ausgasung flüchtiger organischer Verbindungen wird in Emissionsprüfkammern getestet www.blauer-engel.de

Goodweave

Das Programm für Teppich-Knüpfer, -Spinnereien und -Wäschereien bekämpft Kinderarbeit, überprüft die Einhaltung sozialer Normen und Umweltnormen und setzt sich für Bildungs-, Gesundheits- und Umweltprojekte in den Herstellungsländern ein. Finanziert werden diese mit Lizenzgebühren, die die zertifizierten Importeure und Exporteure zahlen www.goodweave.de

Holz

Ob Buche, Birke oder Eiche: Zertifiziert und aus nachhaltig bewirtschafteten, möglichst heimischen Wäldern spart Holz lange Transportwege und ist eine der wichtigsten Grund­ lagen für umweltfreundlichen Möbelbau. Oberflächen werden mit Ölen, Wachsen und Lasuren auf natürlicher Basis oder schadstoffarmen Lacken ver­ edelt. So ist die Einrichtung hübsch - und die Luft rein.

Textilien

Atmungsaktiv, weich und besonders angenehm an der Haut sind Naturfasern wie Bio-Baumwolle, Wolle und Wollfilz. Sie werden umweltfreundlich produziert, bestenfalls mit Naturfarben gefärbt und können gut recycelt werden. Überhaupt kommen mehr und mehr aus wiederverwerteten Fasern hergestellte Stoffe zum Einsatz. Und wer einen handgefertigten Teppich möchte, der nicht unter ausbeuterischen Bedingungen produziert wurde, sollte auf das "GoodWeave"-Siegel achten. Dann wird das Schmuckstück von bestem Gewissen begleitet.

Kunststoff

Inmitten von Plastikflaschen wohnen Sie nicht gern? Das könnte sich ändern, denn immer öfter werden PET-Flaschen recycelt und zu schönen Stücken fürs Zuhause verarbeitet. Auf der diesjährigen Möbelmesse "Maison & Objet" in Paris wurde nun sogar der erste Stuhl aus pflanzlich hergestelltem Bio-Plastik präsentiert, den Sie hier rechts sehen. Der Umwelt-Buhmann unter den Materialien kann also durchaus positiv überraschen.

Text: Julia Flöter BRIGITTE Heft 14/2015

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