Diese Hightech-Gabel überwacht dein Essverhalten

Eine Gabel überwacht, wie schnell wir essen - Hightech sei Dank. Aber wollen wir uns von einer Gabel ein schlechtes Gewissen machen lassen?

Liebe Erfinder der "HAPIfork",

mittlerweile gibt es tausend Tools, Apps und Geräte, mit denen wir unseren Körper und unser ganzes Leben tracken, vermessen und beobachten können - von der Herzfrequenz über die Tiefe unseres Schlafs bis hin zur Strecke, die wir beim Joggen zurücklegen. Und wir gestehen: In vielen Fällen machen wir da bereitwillig mit, weil wir neugierig sind (Schlafzyklus), weil es uns anspornt (Laufstrecke) oder weil es der Arzt verordnet hat (Herzfrequenz). Aber warum genau Ihr eine elektronische Gabel entwickelt habt, die uns sagt, wie oft wir sie während des Essens aufnehmen, verstehen wir nicht.

Eure "HAPIfork" soll uns dabei helfen, unser Essverhalten zu beobachten. Sie misst die Portionen, die wir mit der Gabel zum Mund führen, die Intervalle zwischen den einzelnen Happen und die Zeit, die wir insgesamt zum Essen brauchen. Wer zu schnell isst, den warnt Eure vibrierende, blinkende Hightech-Gabel: "Schling nicht so!" Und wir schämen uns, weil wir wieder zu gierig waren.

Nach dem Essen und dem Schämen können wir unsere Daten via USB oder Bluetooth dann auf unseren Computer laden und so unseren Fortschritt beobachten. Für alle, die etwas mehr Unterstützung brauchen, hält Eure "HAPIfork" - etwa so groß wie eine normale Gabel, aber dicker - noch ein Coaching-Programm bereit, das uns dann endgültig "happy" machen und unser Essverhalten verbessern soll. Aha.

Natürlich habt Ihr vermutlich nur gute Absichten, die Ihr mit dieser futuristisch anmutenden Gabel verfolgt. Menschen anregen, langsamer zu essen, damit das Essen besser verdaut wird. Das ist gesünder, schließlich soll man sich Zeit für die Mahlzeit nehmen. Das ist gut! Aber mit Eurem Slogan "Eat slowly. Lose weight. Feel great!" geht Ihr nicht nur in die Richtung "gesünder, weil langsamer essen", sondern "langsamer essen und abnehmen" - ein Hinweis, auf den vor allem wir Frauen nur allzu oft und allzu gern anspringen (auch wenn wir das nur ungern zugeben).

Eine amerikanische Journalistin des Magazins "The Cut" hat Eure Abnehmgabel schon getestet (sogar brav und mutig im Restaurant) und blieb hungrig zurück. Ihre Erfolgsquote war zwar hoch, aber leider auch das Hungergefühl. Und ihr kamen Zweifel, ob die Gabel überhaupt richtig funktioniere - weil sie auch blinkte, wenn sie die Gabel gar nicht zum Mund führte. Ihr Fazit: "Ich glaube wirklich, dass ich lerne, langsamer zu essen. [...] Aber vielleicht lerne ich auch, dass ich gar keine so schnelle Esserin war, wie ich geglaubt habe. Oder die Tatsache, dass ich mit dieser schweren elektrischen Gabel in der Öffentlichkeit esse, hat automatisch die Aufmerksamkeit für meine Gewohnheiten verstärkt."

Für sie geht die Hightech-Gabel einen Schritt zu weit in unserem Bestreben nach Selbstvermessung. Aber Eure Gabel sei wenigstens nicht so schlimm wie die App, die misst, wie laut wir beim Sex sind. Immerhin. Wir sparen lieber die 100 Dollar, die euer Hightech-Tool kosten soll, und investieren unser Geld in schönes Besteck, mit dem wir uns vor Besuch nicht schämen und das uns kein schlechtes Gewissen macht.

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