Gift im Spielzeug

Verbraucherschützer schlagen immer wieder Alarm: Jedes fünfte Spielzeug gefährdet einer Studie zufolge die Gesundheit. Was Sie beim Kauf beachten sollten.

Der letzte Spielzeug-Skandal ist erst knapp zwei Jahre alt. Im Sommer 2007 musste der Spielzeug-Hersteller Mattel mehr als 1,5 Millionen Spielzeuge vom Markt nehmen, weil diese giftige Substanzen enthielten. In allen Fällen waren die Spielzeuge in China hergestellt und mit einer bleihaltigen Farbe lackiert worden. Nun haben die nordrheinwestfälischen Ministerien für Verbraucherschutz und Gesundheit erneut Spielzeuge unter die Lupe genommen - mit alarmierendem Ergebnis: Jedes fünfte Produkt gefährdet die Gesundheit der Kinder. So enthielten etwa Puzzleteile Spuren des Stoffes Formaldehyd, der Krebs erregen kann. Andere Spielzeuge besaßen Kleinteile, an denen sich Kleinkinder verschlucken können. Besonders bemerkenswert: Nicht nur Billig-Spielzeug fiel negativ auf, sondern auch teurere Produkte, darunter auch Spielzeug von deutschen Herstellern.

Verbraucherschützer warnen schon seit Jahren vor der Gefahr im Kinderzimmer. So schnitten etwa bei einer Studie des Verbrauchermagazins Öko-Test zehn von 19 geprüften Spielsachen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab. Viele der Produkte waren stark mit Phthalaten belastet, so genannte Weichmacher, die in Kunststoffen wie PVC enthalten sind und Leber, Nieren sowie das Hormonsystem beeinträchtigen können. Mittlerweile hat die EU auf die Giftfunde reagiert und überarbeitet derzeit die mehr als 20 Jahre alte Spielzeugrichtlinie, in der viele Schadstoffe bisher nicht enthalten waren. Da diese Richtlinie jedoch nur stichprobenartig kontrolliert wird, sollten Eltern auch in Zukunft kritisch sein.

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Tipps für den Spielzeug-Kauf

Um zu vermeiden, dass gefährliches Spielzeug in den Händen Ihrer Kinder landet, empfiehlt es sich, folgende Dinge beim Kauf zu beachten.

  • Achten Sie auf das Herstellerland. Nach wie vor gilt Spielzeug aus so genannten Billiglohnländern als besonders kritisch. Meistens findet sich auf den Produkten ein Hinweis darauf, in welchem Land es hergestellt wurde. Wenn nicht, fragen Sie im Laden nach oder lassen Sie es im Regal liegen. Bedenken Sie: Auch viele europäische oder amerikanische Firmen lassen ihre Spielsachen in Billiglohnländern fertigen. Die Fabriken dort sind nicht nur aufgrund mangelnder Qualität in die Kritik geraten - häufig herrschen dort auch menschenunwürdige Bedingungen für die Arbeiter. Der Weltverband der Spielzeugindustrie hat deshalb einen Verhaltenskodex aufgestellt, der Firmen dazu anhält, Mindestlöhne, Überstunden und Sozialleistungen zu zahlen sowie auf Kinderarbeit zu verzichten. Die Aktion Fair Spielt veröffentlicht Listen von Firmen, die sich an diesen Kodex halten.
  • Kaufen Sie lieber gebrauchte Spielzeuge, zum Beispiel auf Flohmärkten und Spielzeugbörsen. Denn bei älteren Spielsachen sind Gerüche und gasförmige Schadstoffe meistens schon verdampft. Tipp: Schauen Sie doch auch mal in unserer Community nach Second-Hand-Spielsachen.
  • Nehmen Sie das Spielzeug in die Hand: Sind Kinder unter drei Jahren im Haus, dürfen sich keine Teile lösen, die in eine Filmdose passen. Sie könnten zur Erstickung führen.
  • Trauen Sie Ihrer Nase: Was chemisch oder parfümiert riecht, sollte im Laden bleiben.
  • Vorsicht Krachmacher: Stiftung Warentest zufolge sind sprechende Kuscheltiere, Spieluhren oder Rasseln oft viel zu laut und können das Gehör der Kinder schädigen. Prüfen Sie am eigenen Ohr, wie laut ein Spielzeug ist und bedenken Sie, dass Kinder oft stundenlang damit spielen.
  • Nicht lackiertes Holzspielzeug ist in der Regel umweltverträglich und solide. Lackiertes Spielzeug sollte speichel- und schweißfest sein. Dies erkennen Sie am Hinweis "DIN 53160". Oder Sie fahren mit einem feuchten Finger über das Produkt. Bleibt die Farbe am Finger hängen, sollten Sie es lieber nicht kaufen.
  • Achten Sie bei Plastikspielzeug auf die Hinweise "PVC-frei" oder "Phthalat-frei". Kunststoffe wie Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) oder Acetyl-Butyl-Styrol (ABS) sind hingegen unbedenklich. Fehlt die Angabe des Kunststoffs auf Produkt oder Verpackung, lassen Sie lieber die Finger davon - denn dann handelt es sich meist um PVC.
  • Plüschtiere und Stoffspielsachen sollten Sie vor dem ersten Gebrauch waschen. Allerdings müssen sie nachher gut trocknen, sonst können sich Schimmelpilze bilden. Gegen Milben hilft ein Aufenthalt von 24 Stunden in der Tiefkühltruhe.
  • Fingerfarben sollten auf der Basis von Lebensmittel- oder Pflanzenfarben hergestellt und frei von Konservierungsstoffen sein, da diese Allergien auslösen können. Tipp: Am besten stellen Sie die Farben selbst her, zum Beispiel aus Speisestärke, Speisefarben und Wasser (Anleitungen gibt es in Bastelbüchern).
  • Kaufen Sie nur Spielsachen, auf denen die vollständige Herstelleradresse oder die Adresse des Importeurs genannt sind. So wissen Sie, an wen Sie sich im Schadensfall wenden können.
  • Informieren Sie sich vor dem Kauf: Die Tests der Stiftung Warentest und der Zeitschrift Ökotest können Sie auch in Ihrer Verbraucherzentrale einsehen.

Was sagen Prüfzeichen aus?

Ein Spielzeug soll stabil, pädagogisch wertvoll, frei von Schadstoffen und unter fairen Bedingungen produziert sein. Leider gibt es kein Siegel, das alle diese Kriterien abdeckt. Es existiert vielmehr eine ganze Reihe von Prüfzeichen, die verschiedene Aussagen zu Sicherheit und Qualität machen. Verbraucherschützerin Gitta Geue rät, auf folgende Zeichen zu achten:

Das CE-Zeichen: Dieses Zeichen müssen alle Spielzeuge auf dem deutschen Markt tragen. Dadurch verpflichtet sich der Hersteller, dass er die Mindestanforderungen der EU-Richtlinien erfüllt. Aber: Wegen der lückenhaften Gesetze sagt das Zeichen über Schadstoffbelastungen so gut wie nichts aus. Zudem wird es laut Verbraucherzentrale von Herstellern und Importeuren ohne jegliche Kontrolle in eigener Regie vergeben. Dennoch gilt: Fehlt das CE-Zeichen auf Spielzeug oder Verpackung, ist etwas faul: Besser, Sie lassen es im Laden liegen.

Das GS-Zeichen: Trägt ein Spielzeug das GS-Zeichen für "Geprüfte Sicherheit", hat der Hersteller freiwillig ein unabhängiges Institut beauftragt, die Sicherheit zu überprüfen. Es bestätigt, dass der Hersteller die Richtlinien zu Schadstoffen und zur Sicherheit (möglichst geringe Verletzungsgefahr durch Ecken, Kanten und Kleinteilen) eingehalten hat.

Das TÜVProof-Zeichen "Sicherheits- und schadstoffgeprüft": Um dieses Zeichen tragen zu können, muss das Produkt nicht nur den Normen der EU-Spielzeugrichtlinie entsprechen - der TÜV prüft auch Schadstoffe, für die noch keine Grenzwerte festgelegt wurden, etwa Holzschutzmittel, Nickel und Azo-Farbstoffe. Sie können in diesem Fall also von einem hochwertigen Spielzeug ausgehen.

Öko-Tex Standard 100: An diesem Siegel ist zu erkennen, ob Textilprodukte (also etwa Stoff-Spielzeuge) gesundheitlich unbedenklich sind. Die unabhängigen Institute der "Öko-Tex Gemeinschaft" prüfen, ob die Textilien frei von krebserzeugenden und allergisierenden Stoffen sind.

Das "Spiel gut"-Zeichen: Hier steht der Spielwert im Vordergrund, den ein unabhängiger Ausschuss nach pädagogischen Kriterien beurteilt. Auch Design, Sicherheit, Haltbarkeit sowie Material und Umweltverträglichkeit werden getestet, allerdings sind die gesundheitlichen und ökologischen Kriterien nicht sehr streng. Immerhin ist Spielzeug aus PVC-Plastik seit Oktober 2005 davon ausgeschlossen.

Text: Michèle Rothenberg Foto: kimako/photocase.com

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