Besuch bei Anke: So sieht ein perfekter, nachhaltiger Tag aus

Wir haben Anke, unsere Heldin für Nachhaltigkeit im Bereich "Haushalt", in ihren eigenen vier Wänden besucht. Wie unser Treffen verlief und welche Tipps unsere Expertin gab, lest ihr hier.

In der vergangenen Woche war es soweit: Gemeinsam mit unserer Nachhaltigkeitsexpertin, der Ökotrophologin Annette Leitz, ging es nach Hamburg-Rissen, um Anke einen Besuch abzustatten. Das Vorhaben: Wir wollten unserer Heldin für Nachhaltigkeit möglichst viele Tipps geben, um ihren Haushalt und Alltag nachhaltiger zu gestalten. Nicht zuletzt auch deshalb, um die Kinder für das Oberthema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Fehler beim Putzen

Gesagt, getan: Zusammen mit ihren Kindern Lynn und Hans setzten wir uns an den Tisch – und brachten das allumfassende Thema Nachhaltigkeit zur Sprache. Um das Ganze greifbarer zu machen, kreierte Annette das Szenario eines typischen Alltags, in dem wir uns im Grunde permanent für oder gegen ein nachhaltiges Leben entscheiden.

Unsere Expertin Annette Leitz erklärt Anke, Lynn und Hans, welche kleinen Schritte sie in Richtung Nachhaltigkeit gehen können.

Alltags-Szenario: Entscheide ich mich für oder gegen Nachhaltigkeit?

Den ganzen Tag über fällen wir Entscheidungen für oder gegen Nachhaltigkeit. Duschen oder baden? Bahn oder Auto? Fleisch oder Gemüse? Manche Fragen lassen sich nicht immer eindeutig beantworten, denn im Hintergrund schwingt immer die Zahl des virtuellen Wasserbrauchs mit – also die Literanzahl Wasser, die bei der Herstellung des Artikels verbraucht wurde!

Frühstück:

Schon beim Frühstück müssen wir uns entscheiden: Möchte ich Tee, Milch oder Kaffee? Eine Tasse Kaffee schlägt mit 140 Litern, ein Glas Milch mit 200 Litern und ein Glas Tee mit 30 Litern zu Buche. Die Antwort liegt also klar auf der Hand. Im Wasserkocher wird nur die Menge Wasser erhitzt, die auch benötigt wird. In großen Mengen sollte es immer im Kochtopf aufgekocht werden, rein rechnerisch spart das Energie. Wer (Fairtrade-)Kaffee trinken möchte, sollte diesen am besten ganz altmodisch überbrühen – statt zu Kaffeekapseln oder Pads zu greifen. Zur Süßung der Heißgetränke eignet sich Kokoszucker, da diese Pflanze bis zu 70 Jahre Zucker liefert. Zum Vergleich: Rüben oder Rohrzucker werden zur einmaligen Nutzung angebaut und sind damit abgeschlagen im Nachhaltigkeitsvergleich.

Anke nimmt sich den ersten Tipp von Annette zu Herzen - und übergießt den Kaffee ganz oldschool mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher.

Anziehen:

Die nächste Entscheidung für oder gegen Nachhaltigkeit wird beim Anziehen gefällt: Greife ich zu Bio-Textilien oder zu günstigen Klamotten, bei denen ich mir nicht sicher sein kann, ob diese nicht mit Chemie oder durch Kinderarbeit gefertigt wurden. Und sollte ich überhaupt Baumwolle anziehen? Laut unserer Expertin ist Hanf oder Leinen deutlich umweltfreundlicher in der Produktion. Denn: Der Baumwolle-Anbau verbraucht sechs Prozent des Süßwasservorrates unserer Erde; etwa drei Viertel der Pflanzen sind zudem gentechnisch verändert oder mit Pestiziden gespritzt. Wer nicht auf Baumwolle verzichten und trotzdem etwas für die Umwelt tun möchte, sollte zu Bio-Baumwolle greifen.

Lunch-to-Go:

Wir haben das Frühstück und das Ankleiden hinter uns gebracht und möchten Ankes Kindern ein Lunch-to-Go für die Schule mitgeben. Wie verpacke ich das – in eine Brotbox, Alufolie oder Papierbeutel? Im Idealfall lautet die Antwort: in einen Papierbeutel. Warum das so ist? Eine Brotbox müssen wir am Ende des Tages spülen – und das verbraucht auf lange Sicht mehr Energie, als die Herstellung von Papiertüten. Getränke sollten übrigens möglichst in Mehrweg-PET- oder Glas-Flaschen transportiert werden.

Anke möchte ihre Kinder für Nachhaltigkeit sensibilisieren.

Weg zur Schule/Arbeit:

Auch hier stellt sich die Frage: Nehme ich den Bus, die Bahn, das Auto oder das Fahrrad? Tatsächlich ist das Fahrrad oder der Spaziergang (sollte es denn möglich sein) die umweltfreundlichste Lösung. Bus, Bahn oder Carsharing sind jedoch auch eine gute, nachhaltige Lösung, um von A nach B zu kommen. Nebenbei bemerkt: Bei der Herstellung eines Autos werden bis zu 400.000 Liter virtuelles Wasser verbraucht. Eine ganze Menge, oder?

Kantine:

In der Schule oder Kantine warten schließlich die nächsten Entscheidungen auf uns: Welche Lebensmittel kann ich bedenkenlos essen? Woher kommen die Lebensmittel? Ist das Essen regional oder saisonal? Oder wird sogenannte Flugware angeboten? Lasst euch vom Küchenpersonal darüber informieren, woher die Lebensmittel kommen, sodass ihr eine nachhaltige Entscheidung treffen könnt. In der Kaffeeküche gilt laut unserer Expertin übrigens: Wer seine Tasse ständig ausspült, kann auch zum Einwegbecher greifen, da sich das ständige Spülen besonders negativ auf unseren CO2-Fußabdruck auswirkt.

Einkaufen:

Wir möchten auf dem Nachhause-Weg noch schnell einkaufen – doch geht das eigentlich nachhaltig? Und was ist besser: Plastiktüte, Papiertüte oder Jutebeutel? Die Antwort ist nicht ganz eindeutig. Eine Plastiktüte ist im Durchschnitt nur 25 Minuten im Gebrauch und benötigt 100 bis 500 Jahre zum Zersetzen. Für die Herstellung einer Plastiktüte wird rund 120 Gramm CO2 benötigt, bei Papier sind es rund 60 Gramm CO2 und bei einem Jutebeutel rund 1700 Gramm CO2. Was können wir daraus schlussfolgern? Ein Baumwollbeutel lohnt sich erst in der Anschaffung, wenn er mindestens 30 Mal in Gebrauch war. Eine Papiertüte hat wiederum den Nachteil, dass sie nicht wiederverwertbar ist. Trotz allem gilt: Papier und Jutebeutel sind der Plastiktüte vorzuziehen!

Wer nachhaltig haushalten möchte, sollte wissen, wie ein Kühlschrank richtig befüllt wird. Und welche Lebensmittel hineingehören.

Wäsche waschen:

Am Ende des Tages wartet gerade auf Familien oft ein Berg Wäsche, der in die Waschmaschine gehört. Doch wie können wir eigentlich nachhaltig Wäsche waschen? Unsere Expertin gab Anke folgende Tipps dazu:

  • Auf die Maschine schauen! Eine Waschmaschine läuft energiesparsam, wenn sie weniger als 40 Liter Wasser auf eine Ladung von sechs Kilo Wäsche verbraucht.
  • Das richtige Waschmittel nutzen! Kompaktwaschmittel ist deutlich ergiebiger als Pulver-Waschmittel. Wer wissen will, ob er sein Waschmittel überdosiert, sollte die Trommel ohne Waschmittel leer durchlaufen lassen. Wenn es schäumt, nutzt man vermutlich zu viel Waschmittel. Übrigens: Waschnüsse sind auch nicht des Rätsels Lösung. Seit die Nachfrage in Europa so stark angestiegen ist, ist der Preis in den Erzeugerländern explodiert. Kaum ein Einwohner kann sich die traditionellen Waschnüsse dort noch leisten.
  • Wenn Trockner, dann Wärmepumpentrockner! Der Grund: Wärmepumpentrockner verbrauchen deutlich weniger Energie als Kondenstrockner. Trocknen in der Wohnung ist je nach Jahreszeit mal mehr und mal weniger sinnvoll, da man "Gegenheizen" muss, um die Wohnung trockenzuhalten.
  • Singles sollten bei "Mini-Programmen" Vorsicht walten lassen. Die sind zwar auf wenig Wäsche ausgelegt, waschen aber nicht richtig gut, da sie zu schnell säubern. Am besten also Wäsche sammeln und möglichst viel in die Maschine packen.

Plastik-Challenge: Wie schaffe ich es, meinen Plastikmüll zu reduzieren?

Das Thema Plastik begleitet unseren Alltag auf vielfältige Weise – der Kunststoff findet sich als Mikroplastik in Kosmetika wie Peelings, Duschgel oder Shampoos. Wesentlich präsenter ist Plastik natürlichen beim Einkauf im Supermarkt. Es gibt etliche Möglichkeiten, seinen Konsum im Alltag zu reduzieren, indem wir z.B. auf Einwegprodukte oder Plastiktüten verzichten und dadurch Müll vermeiden.

Anke wird in den kommenden Wochen versuchen, mehr auf ihren Plastikverbrauch zu achten, und die Tipps unserer Expertin umsetzen. Wie ihr der Verzicht gelingt, lest ihr in den nächsten Wochen unter: www.brigitte.de/bessermachen.

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