Energiesparlampen in der Kritik: Alles eine große Lüge?

Aufregung um Energiesparlampen: Die Doku "Bulb Fiction" geht mit den neuen Lampen, der Industrie und der Politik hart ins Gericht. Was ist dran an den Vorwürfen? Wir haben genauer hingeschaut.

"Bulb Fiction" heißt die eineinhalbstündige Dokumentation des österreichischen Filmemachers Christoph Mayr, die im Sommer in deutschen Kinos lief. Darin werden die Energiesparlampen, die seit 2011 nach und nach die alten Glühbirnen ersetzen, kritisch beleuchtet. Die Vorwürfe, die die Filmemacher erheben: Energiesparlampen schaden unserer Gesundheit, das enthaltene Quecksilber vergiftet unsere Familien. Der Umwelt nützen die Lampen überhaupt nicht und ausgeheckt wurde die Einführung von EU-Politikern gemeinsam mit der Lampenindustrie, die neue (teure) Produkte verkaufen will statt der guten, alten Glühbirne. Sogar Umweltorganisationen wie Greenpeace stecken laut "Bulb Fiction" angeblich mit der Industrie unter einer Decke. Und der Ausweg? Zurück zur bewährten Glühbirne als Massenware, legt der Film nahe.

Was nun? Sollte man panisch alle Energiesparlampen wieder herausschrauben und im Dunkeln sitzen? Wir haben uns den Film angesehen und seine Argumente kritisch hinterfragt.

Thema Quecksilber Tatsächlich enthalten alle Energiesparlampen eine geringe Menge giftiges Quecksilber (übrigens weit weniger als die früher gebräuchlichen Fieberthermometer). Doch die Angaben im Film sind nicht auf dem aktuellen Stand. Das müssen Sie wissen:

•Seit 1.1.2012 dürfen die Lampen maximal 3,5 mg Quecksilber enthalten, der Gehalt muss auf der Verpackung angegeben sein. Tipp: Es gibt auch Lampen mit noch weniger Quecksilber, bevorzugen Sie diese. •Wenn Energiesparlampen zerbrechen, kann das flüssige Quecksilber frei werden. Die Dämpfe sind gesundheitsschädlich, man sollte sie nicht einatmen (Mehr Infos zum Umgang mit kaputten Lampen finden Sie hier ) Doch bereits 20 Prozent aller Energiesparlampen enthalten Amalgam, also gebundenes statt flüssiges Quecksilber. Achten Sie auf die Kennzeichnung! •Leicht zerbrechlich sind nur Lampen mit sichtbaren Stäben. Kaufen Sie stattdessen Energiesparlampen mit einer Ummantelung in Birnen- oder Tropfenform und Silikonbeschichtung. Sie gehen nicht kaputt, wenn sie herunterfallen. Wenn Sie unsicher sind: Silikon fühlt sich rauer an als Glas.

Thema Entsorgung Hier gibt es tatsächlich einige Probleme. Noch immer werfen Verbraucher etwa 70 bis 80 Prozent aller ausgedienten Energiesparlampen einfach in den Hausmüll, obwohl es verboten ist. Frei werdendes Quecksilber gefährdet die Arbeiter, auf Deponien kann es zudem ins Erdreich gelangen. Selbst wenn der Müll in die Verbrennungsanlage wandert, kann der Schadstoff nicht restlos vernichtet werden. •Bringen Sie deshalb alte Energiesparlampen immer zu einer Schadstoffsammelstelle (Adressen: www.lightcycle.de). In Recyclingfirmen kann das Quecksilber fast vollständig wiedergewonnen werden. Das Verfahren ist auch nicht neu: Die schon seit Jahrzehnten in Firmen verwendeten "Neonröhren" werden so recycelt. Viel besser wäre es natürlich, man könnte man die Lampen, dort zurückgeben, wo man sie gekauft hat - bei Batterien funktioniert das schließlich seit Jahren. In der EU wird seit einiger Zeit über so eine Regelung diskutiert. Einige Unternehmen (z.B. Kaufland) bieten die Rücknahme auf freiwilliger Basis an. Tipp: Bevorzugen Sie diese Geschäfte! Üben Sie als Verbraucher Druck aus, indem Sie in Geschäften die Rücknahme einfordern!

Thema Alternativen Alle Experten sind sich einig, dass Energiesparlampen eine "Übergangstechnologie" sind. Die Beleuchtung der Zukunft funktioniert mit LEDs (mehr zu LEDS lesen Sie hier) Dabei hat es in den vergangenen zwei Jahren enorme Fortschritte gegeben. Bald wird es LED-Lampen in guter Qualität für unter 20 Euro geben, die noch weniger Strom als Energiesparlampen verbrauchen und 25 bis 30 Jahre halten sollen. Also: Lassen Sie sich von dem Film nicht allzu sehr verunsichern. Die Doku lässt viele Fakten einfach weg, die nicht ins Konzept passen. Anstatt notwendige Verbesserungen einzufordern wie zum Beispiel beim Recycling der Energiesparlampen, schürt sie unnötig Ängste, verbreitet Verschwörungstheorien und falsche Hoffnungen. Denn ein "Zurück zur Glühbirne" wird es nicht geben.

Sind Glühbirnen wirklich so große Stromfresser?

Die Masse macht's: Weltweit wird ein Fünftel des Stroms für Beleuchtung verbraucht. Die Glühbirne, von Thomas Edison vor 130 Jahren erfunden, wandelt nur fünf Prozent der eingesetzten Energie in Licht um, der Rest verpufft als Wärme - Spötter nennen sie "Wärmelampe". Halogenlampen dagegen erzielen etwa zehn Prozent Lichtausbeute, Energiesparlampen 25 Prozent, Leuchtdioden (LED) 50 Prozent.

Wie viel Geld und Energie lassen sich durch den Austausch sparen?

Energiesparlampen verbrauchen 80 Prozent weniger Energie als Glühbirnen. Werden in einem Haushalt zehn Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt, so eine Schätzung vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, spart man pro Jahr etwa 100 Euro Stromkosten; die Unterschiede bei Anschaffungskosten (Energiesparlampen sind sehr viel teurer) und der Lebensdauer (sie halten viel länger) sind berücksichtigt. Eine andere Hochrechnung besagt: Würden in Deutschland in Privathaushalten mit einem Schlag alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt, würden sechs Milliarden Kilowattstunden Strom gespart - das entspricht der jährlichen Leistung eines Kohlekraftwerks.

Ich habe gehört, Energiesparlampen seien giftig - stimmt das?

Ein Fernsehmagazin hatte im Frühjahr 2011 im Labor Energiesparlampen testen lassen. Dabei waren erhöhte Werte u.a. des Giftstoffes Phenol gemessen worden. Das Umweltbundesamt, sonst sehr kritisch, wenn es um die Einschätzung von Gesundheitsbelastungen geht, kommentierte jedoch: Der Test fand in einer sehr kleinen Prüfkammer statt. In einem normalen Wohnraum sei die nachgewiesene Konzentration vernachlässigbar gering. Bei Stiftung Warentest, wo Energiesparlampen im Dauertest sind, sieht man das genauso - doch natürlich müsse das Ziel sein, generell bei allen Produkten den Schadstoffausstoß so weit wie möglich zu reduzieren. Die Qualität der Energiesparlampen habe sich in letzter Zeit insgesamt verbessert, so die Stiftung.

Und was ist mit Quecksilber und Elektrosmog?

Richtig ist: Alle Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber. Doch man kann das Risiko reduzieren: Kaufen Sie Lampen, die statt flüssigem Quecksilber eine feste Amalgamverbindung enthalten (steht in der Regel auf dem Etikett), bei einem Bruch werden daraus sehr viel weniger giftige Dämpfe frei. Bevorzugen Sie Lampen mit bruchsicherer Umhüllung (z.B. in Tropfenform), bei denen die Leuchtstäbe nicht zu sehen sind. Sollte eine ungeschützte Energiesparlampe doch mal kaputt gehen: Das Zimmer sofort gut lüften (15 Minuten sind genug), die Splitter erst später beseitigen. Nicht anfassen, nicht aufsaugen, sondern zusammenkehren und in einem verschlossenen Beutel zum Recyclinghof bringen. Viele weitere Tipps dazu gibt das Bundesumweltamt. Auch in puncto Elektrosmog gibt es keinen Grund zur Panik, so die Warentester: In 30 Zentimeter Entfernung erreichten die Messwerte höchstens ein Zehntel der zulässigen Werte. Und in 50 Zentimeter Abstand war fast nichts mehr messbar. Schnurlose Telefone und Handys sind da weit bedenklicher.

Wie lange halten die Lampen?

Bei Glühbirnen ist der Wolframdraht spätestens nach 1.000 Stunden durchgebrannt, normale Halogenlampen schaffen 2.000, Niedervoltlämpchen 5.000 Stunden, Energiesparlampen geht erst nach 6.000 bis 15.000 Stunden das Licht aus. Allerdings sind dies Durchschnittswerte. Sowohl Stiftung Warentest als auch "Ökotest" stellten mehrfach Qualitätsmängel fest. Vor allem sehr preiswerte No-Name-Produkte schneiden immer wieder schlecht ab, verbrauchen mehr Strom als angegeben und halten nicht so lange wie versprochen. Die neuesten Testergebnisse aus 9/2011 auf: www.test.de.

Wie steht es um Halogenlampen?

Halogenlampen sind beliebt, weil sie eine sehr gute, echt wirkende Farbwiedergabe haben. Außerdem sind sie unschlagbar, wenn man einzelne Bilder oder Gegenstände ins "rechte Licht" rücken will. Von der EU-Verordnung sowieso ausgenommen sind die relativ sparsamen Niedervolt-Reflektorlämpchen, die mit einem Trafo betrieben werden - zum Beispiel in langen Fluren. Besonders effizient sind Niedervoltlampen mit Infrarotbeschichtung (z. B. mit "IRC" gekennzeichnet). Ein Seilsystem mit acht Lämpchen verursacht etwa nur 30 statt 55 Euro Energiekosten im Jahr. Auch bei den normalen Halogenlampen ist es den Herstellern gelungen, energieeffiziente Modelle zu entwickeln, die nicht unter das Verbot fallen oder fallen werden. Allerdings sind Halogenlampen längst nicht so effizient wie Energiesparlampen: Laut Stiftung Warentest lassen sich im Vergleich zur Glühbirne je nach Modell 17 bis 44 Prozent Strom sparen.

Warum sind Energiesparlampen noch immer so unbeliebt?

Zwar sind sie seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt, doch richtig beliebt sind sie nicht. Dabei wurde schon viel verbessert: Strahlten sie anfangs in relativ "kaltem" Licht (wie Neonröhren am Arbeitsplatz), so gibt es sie mittlerweile auch in "warmweißen" Farbtönen, die dem Licht der Glühbirne nahe kommen. An das brillante Licht der Halogenlampen werden Energiesparlampen jedoch nie heranreichen. Auch andere Nachteile lassen sich aus technischen Gründen schwer beseitigen: Sie werden erst mit Verzögerung richtig hell, in ungünstigen Fällen kann es eine Minute oder länger dauern. Außerdem eignen sich nur wenige für sehr häufiges An- und Ausschalten, also zum Beispiel für Treppenhäuser. Halogen- und LED-Lampen sind in dieser Hinsicht klar überlegen. Und beim Aussehen gilt: Ob Birnen-, Kerzen- oder Stabform, Energiesparlampen werden immer etwas klobig wirken; die Elektronik muss im Sockel untergebracht werden, und das braucht Platz.

Wie finde ich die passende Lampe?

Das Angebot ist sehr viel unübersichtlicher geworden. Als Allererstes müssen Sie sich nun fragen: Wofür brauche ich die Lampe? Wird sie nur selten und kurz angeknipst, können Sie eine sparsame Halogenlampe nehmen. Für die Stehleuchte im Wohnzimmer, die lange und häufig in Betrieb ist, eignet sich eine Energiesparlampe mit der Bezeichnung 827 oder 927 (steht für gute Farbwiedergabe und für warmweißes Licht). Brauchen Sie Lampen fürs Treppenhaus, wo hundertmal am Tag das Licht an- und ausgeschaltet wird, sollten Sie auf die Angabe "hohe Schaltfestigkeit" achten. Wollen Sie etwas ganz Besonders, können Sie zu einer LED-Lampe greifen: Der happige Preis von bis zu 60 Euro lohnt sich allerdings nur, wenn die Lampe wirklich häufig und lange angeschaltet wird. Manche Anbieter "garantieren" zwar eine Lebensdauer von 25 Jahren. Ob das stimmt, wird allerdings erst die Praxis erweisen. Im Zeitraffer simulieren lässt sich das laut Warentest nicht.

Wie vergleiche ich die Helligkeit?

Seit 2010 muss auf den Verpackungen auch die Lichtausbeute in "Lumen" angegeben sein. Damit lässt sich wesentlich leichter als mit der Wattzahl abschätzen, wie hell eine Lampe im Vergleich zur herkömmlichen Glühbirne ist: Eine 100-Watt-Glühbirne entspricht beispielsweise 1340 Lumen, eine 60-Watt-Birne 700 Lumen. Entsprechend können Sie dann die Energiesparlampe, die Sie brauchen, auswählen. Anfangs hatten es die Energiesparlampen-Hersteller bei den Wattangaben nicht so genau genommen. Enttäuschungen bei den Verbrauchern über die "trübe Funzel" waren programmiert.

Wohin mit den ausgedienten Energiesparlampen?

Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber und gehören deshalb in den Sondermüll. Doch nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werden von Privathaushalten nur 37 Prozent der ausgedienten Lampen tatsächlich ordnungsgemäß entsorgt, der große Rest landet im Hausmüll. Was wohl daran liegt, dass vielerorts nur wenige Annahmestellen existieren - meist liegen sie nicht zentral und haben auch noch ungünstige Öffnungszeiten, wie die DUH in einer Umfrage unter 42 Städten herausfand. Ganz anders in der Schweiz: Dort müssen Geschäfte, die Energiesparlampen verkaufen, die alten auch zurücknehmen.

Tipp: Über das Portal www.lichtzeichen.de kann man bundesweit Sammelstellen für Energiesparlampen mit Adresse und aktuellen Öffnungszeiten abfragen.

Wann kommen LED-Lampen?

Viele Experten halten Energiesparlampen nur für eine Zwischenlösung. Der Megatrend der Zukunft heißt LED, Licht emittierende Dioden, eine Entwicklung aus der Computerindustrie. Sie sind winzig, können in verschiedenen Farben leuchten und sind so robust, dass sie wahrscheinlich die Lebenszeit von Leuchten überdauern. In Ampeln, Taschenlampen und Lichterketten werden sie schon lange eingesetzt. Nun kommen immer mehr Modelle für den Wohnbereich auf den Markt. Die Nachteile: Sie sind teurer als Energiesparlampen und auch die Helligkeit lässt vorläufig noch zu wünschen übrig. Fachleute glauben, dass sie erst in etwa fünf Jahren eine echte Alternative sein werden. Der nächste Schritt sind dann OLEDs, organische Leuchtdioden. Sie lassen sich beliebig formen und sogar als flüssige Lösung auftragen - etwa auf eine Fensterfront, die dann leuchtet.

Wie lange gibt es Glühbirnen denn überhaupt noch zu kaufen?

Glühlampen mit 100 Watt und nahezu alle mit mattiertem Glas (außer Effizienzklasse A) sind schon seit Ende 2009 nicht mehr im Handel. Seit September 2012 sind alle Glühlampen über 10 Watt aus den Läden verschwunden. Aber natürlich dürfen Geschäfte ihre Restbestände noch verkaufen und auch die Lampen, die man schon zu Hause hat, darf man noch weiter benutzen.

Text: Beate KomaStand der Informationen: September 2012

Wer hier schreibt:

Beate Koma
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.