Minimalismus als Lebensstil: Weniger ist mehr

Wieviel brauche ich wirklich, um glücklich zu sein? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen - und entdecken dabei den Minimalismus. Wir erklären, was dahinter steckt und wie man zum Minimalist wird.

Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck. (Silbermond)

Egal, ob wir es Minimalismus nennen, Konsumverzicht, Downshifting oder Einfaches Leben: Im Kern geht es Anhängern der Bewegung immer darum, sich mit weniger Krempel zu umgeben, Ballast abzuschmeißen und sich auf das wirklich Wichtige im Leben zu konzentrieren. Im Englischen nennt sich diese Art zu leben manchmal LOVOS (Abkürzung für: Lifestyle of Voluntary Simplicity).

Warum leben Menschen als Minimalisten?

Du kannst Minimalismus als Gegenbewegung zu der Konsumwelt verstehen, in der wir heutzutage zu einem großen Teil leben. Minimalisten geht es darum, mit wenig zu leben und nur das zu besitzen, was sie wirklich lieben und brauchen.

Sie versprechen sich durch diese Konzentration auf das Wesentliche mehr Einfachheit und mehr Freude am Leben. Dem zu Grunde liegt der Gedanke, dass Konsum und Dinge uns nicht glücklich machen, sondern dass wir Glück in den kleinen Dingen des Alltags finden können.

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. (Mahatma Ghandi)

Woher kommt Minimalismus?

Ursprünglich war Minimalismus eine Kunstrichtung, die als Gegenbewegung zum Expressionismus begonnen hat. Als Kontrapunkt zu den aufwändigen Gemälden einiger Künstler begannen Maler in den 1960er Jahren, Kunstwerke zu schaffen, die aus wenigen Farben und Formen bestehen.

Spuren eines minimalistischen Lebensstils waren aber schon in der Antike zu finden - die griechischen Stoiker etwa predigten die Einfachheit. Im Amerika kam im 19. Jahrhundert durch Werke von  Henry David Thoreau und Ralph Waldo Emerson Vereinfachung als Trend auf.

Heute ist Minimalismus in vielen Bereichen unseres Lebens vertreten, nicht nur als Lebensstil, sondern auch im Design oder auch tief in der Firmen-DNA von Unternehmen wie Apple: Auch das iPhone mit seinem schlichten und reduzierten Design ist minimalistisch.

Wie werde ich Minimalist?

Der erste Schritt ist einfach - aber nicht unbedingt leicht. Am Anfang steht nämlich die Erkenntnis, dass uns Dinge nicht glücklich machen und dass wir weniger Sachen brauchen, als wir haben. Doch wie sollen wir das merken, wenn wir unser bisheriges Leben lang unser Glück aus Shoppingtrips und der neuen Handtasche gezogen haben?

Der Trick ist: Die Erkenntnis kommt beim Handeln. Wer sich erstmal von unnötigem Krempel trennt, merkt, wie viel leichter es sich leben kann. Deswegen gilt es am Anfang, eine Hürde (und seinen eigenen Schatten) zu überspringen.

Der größte Schritt auf dem Weg zur Minimalistin ist, sich von Dingen zu trennen. Hier bietet sich zum Beispiel die KonMari-Methode ("Magic Cleaning") an, nach der wir jede Schublade und jeden Schrank einzeln komplett ausräumen. Anschließend schauen wir uns jedes Teil einzeln an - nur wenn es uns jetzt (in diesem Moment - nicht später irgendwann einmal) glücklich macht und erfüllt, kommt es zurück an seinen Platz.

Durch das Ausmisten verinnerlichen wir nach und nach den Grundgedanken des Minimalismus: Wir lassen los, fühlen uns dadurch freier und lassen noch mehr los. Wer erst die Nachttischschublade, den Schreibtisch und den Küchenschrank ausgeräumt hat, nimmt sich von ganz allein die Arbeitstasche und den Putzschrank vor.

Neben dem Entsorgen steht auch das Nicht-wieder-reinlassen im Mittelpunkt des Minimalismus: Alles, was wir gar nicht erst kaufen, müssen wir später nicht mehr entrümpeln. Das heißt: Wir machen uns dauerhaft bewusst, dass nur noch das Platz in unserem Leben hat, was uns wirklich glücklich macht.

Wie viele Dinge darf ich haben?

Ein durchschnittlicher Deutscher besitzt 10.000 Gegenstände, heißt es. Klar, dass wir so viel nicht brauchen. Aber wie viele Dinge dürfen wir als Minimalist haben?

Es gibt Minimalismus-Experimente, bei denen Menschen ihren Besitz auf 100 Dinge reduziert haben - ist das das Ziel? Nein. Wie viele Sachen dich selber glücklich machen, kann dir keine Zahl vorgeben, sondern nur dein inneres Gefühl. Du wirst loslassen und von allein merken, wie viele Dinge du noch brauchst.

Lass dir von niemandem sagen, dass du nicht mehr als zwei Kaffeetassen oder vier T-Shirts besitzen darfst, um eine "echte" Minimalistin zu sein - lass einfach los, was dich festhält und behalte, was dein Leben besser macht!

Wie Entrümpeln die Seele befreit

Der Grundgedanke des Minimalismus als Lebensform ist, dass das Aufräumen unserer Wohnung und unseres Lebens auch die Seele durchlüftet. Wer keinen Krempel braucht, um kleine Glücksmomente zu erleben, kann sich auf die einfachen Dinge konzentrieren, die uns Glück bescheren: Ein Schmetterling auf der Wiese, ein tolles Gespräch unter Freundinnen, ein Sonnenuntergang am Wasser …

Wie innen, so außen - wie außen, so innen. (Kosmisches Gesetz)

Wer sich mit Minimalismus beschäftigt, stellt sich automatisch die Frage: Besitze ich die Dinge - oder besitzen die Dinge mich? Schließlich fordern all unsere Besitztümer auch unsere Aufmerksamkeit. Die Deko-Vase will abgestaubt, der Bücherstapel durchgelesen, die neue Bluse getragen werden.

Minimalistische Menschen erlangen seelische Freiheit und inneren Frieden dadurch, dass sie alles, was ihnen Sorgen bereiten könnte, aus ihrem Leben entlassen. Wer sich keine Sorgen macht, kann dankbar sein und die schönen Dinge des Lebens genießen.

Minimalismus im Kleiderschrank

Eine besondere Herausforderung für (angehende) Minimalistinnen ist der eigene Schrank: Wie viele Klamotten brauche ich, wie viele Teile möchte ich im Schrank haben? Auf der einen Seite kann man natürlich rein praktisch gesehen auf den größten Teil seiner Klamotten verzichten - auf der anderen Seite sind es gerade Frauen gewohnt, sich häufig neue Teile zu kaufen und immer neue Looks zu kreieren.

Auch hier greifen viele Minimalistinnen zu radikalen und ungewöhnlichen Mitteln. Etwa das Projekt 333, das viele Einsteiger ausprobieren - hierbei geht es darum, seine Garderobe auf 33 Teile zu minimieren und diese mindestens 3 Monate lang zu kombinieren und zu tragen.

Ein weiteres extremes Experiment, kommt von Bloggerinnen, die sich eine persönliche Uniform zusammenstellen und monatelang jeden Tag das gleiche Outfit anziehen (viele kaufen sich dafür extra die gleichen Teile mehrfach), um sich nicht jeden Morgen die klassische Frage zu stellen: "Was soll ich anziehen?"

Auch beim Schrank gilt: Es gibt keine Anzahl an Kleidungsstücken, die du erfüllen musst, um einen minimalistischen Schrank zu haben. Miste großzügig aus und behalte nur diejenigen Teile, die du liebst - aber bleibe dir dabei selber treu. Du wirst automatisch merken, wie wenig "genug" ist!

Konsumkritik als Antrieb

Dinge machen uns nicht glücklich, deswegen brauchen wir weniger Gegenstände, um ein erfülltes Leben zu führen - diese Erkenntnis aus dem Minimalismus führt automatisch dazu, dass wir uns kritisch mit dem Konsumverhalten und der heutigen Wegwerfgesellschaft auseinandersetzen. Müssen wir wirklich jede Woche ein neues Oberteil kaufen, brauchen wir wirklich neue Deko und tut ein neuer Mascara wirklich Not, um glücklich zu sein?

Wer sich kritisch mit Fragen des Konsums auseinandersetzt, merkt, dass viele Käufe nur Ersatzbefriedigungen sind. Shopping verschafft uns einen schnellen Kick, das Kaufen wird zur Droge. Doch weil wir uns blitzschnell an die eben noch nagelneue Handtasche gewöhnen, ist unser Glück nicht von Dauer - schon bald muss ein neuer Kick her, also ein neuer Kauf.

Wir wurden jahrelang von Firmen und der Werbeindustrie dazu erzogen, unseren Kick aus dem Konsum zu ziehen. Minimalistische Menschen machen sich diesen Umstand immer wieder bewusst und widerstehen den Verführungen der Einkaufsstraßen und Onlineshops. Sie wissen, dass das Glück einer Online-Bestellung niemals lange anhält - und dass die viel einfacheren Dinge des Lebens uns reineres und echteres Glück bescheren.

Finanzieller Minimalismus

Wer wenig kauft, gibt wenig aus - aber Minimalismus kann auch noch ganz andere Auswirkungen auf unser Geld haben. Finanzieller Minimalismus geht dabei noch über klassische Sparsamkeit hinaus.

Wer finanziell minimalistisch lebt, fragt sich bei jeder Ausgabe: "Muss das jetzt wirklich sein?" - aber nicht aus Geiz, sondern weil er sich fragt, ob es wirklich das Geld wert ist. So wäre zum Beispiel das morgendliche Brötchen vom Bäcker für eine "klassische" Minimalistin kein Problem, aber die finanzielle Minimalistin würde sich die Ausgabe (im wahrsten Sinne des Wortes) sparen.

Wer finanziell minimalistisch leben will, sollte auch alle Konten und Ausgaben auf den Prüfstand stellen: Habe ich zu viele Konten, die ich nicht brauche? Unnötige Versicherungen? Ungenutzte Abos? Minimalisieren ist vereinfachen und verschlanken - in Finanzdingen hat das den positiven Nebeneffekt, dass es uns auch noch reich und unabhängig macht.

Minimalismus als generelle Lebensform

Verzicht auf Dinge, Verzicht auf unnötige Ausgaben - hat Minimalismus nur etwas mit Konsum zu tun? Nein. Viele Anhänger einer minimalistischen Lebensweise beschäftigen sich zwar hauptsächlich mit dem Verzicht auf unnötige Anschaffungen und Gegenstände, aber diese Angewohnheit strahlt bei vielen auch in andere Bereiche des Lebens aus. Minimalistischer und bewusster zu leben führt automatisch dazu, dass wir glücklicher werden.

So kann man ein minimalistisches Leben führen, indem man generell die Dinge aus seinem Alltag streicht, die einen nicht vollkommen mit Freude erfüllen. Eine Verabredung mit jemandem, den ich nur ganz nett finde? Abgesagt! Ein Anruf einer unbekannten Nummer? Ignoriert! Ein Konzert einer Band, die ich nur ganz gut finde? Sausen lassen!

Du kannst in vielen bis allen Bereichen des Lebens zur Minimalistin werden. Der einfache und wichtigste Grundsatz ist: Streiche alles, was dich nicht glücklich macht!

Bücher zum Thema

Wenn du dich noch etwas tiefer mit den Themen "Minimalismus" und "Einfaches Leben" beschäftigen möchtest, können wir dir folgende Bücher empfehlen:

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Minimalismus: Aufgeräumte Wohnung mit Sessel, Tisch und Lampe
Minimalismus als Lebensstil: Weniger ist mehr

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