Möbel mit Patina

Ein Haus, drei Generationen, ein Lebensstil. Bei Familie Mottlau ist guter Geschmack vererbbar.

Sie leben unter einem Dach: Vater Peter, Mutter Wiebke, Tochter Eva und Enkelin Cecillie

Nur 25 Stufen trennen Cecillie von ihren Großeltern. Die flitzt die Fünfjährige mehrmals am Tag rauf und runter. "Cecillie liebt den Wechsel zwischen zwei Generationen und zwei Wohnungen", erzählt ihre Mutter Eva. Die 35-Jährige wohnt gemeinsam mit ihren Eltern Peter und Wiebke Mottlau unter einem Dach. Oben in der ersten Etage des alten Hauses hat sie es sich mit ihrer Tochter gemütlich gemacht. Im Erdgeschoss leben die Großeltern von Cecillie. Ungewöhnlich? Vielleicht. Bloß weg wollen die meisten jungen Menschen und verlassen so schnell wie möglich das elterliche Haus. Die große Freiheit winkt mit der ersten eigenen Wohnung. Die Nestflucht hat Eva nie gepackt. Ganz im Gegenteil. Sie wohnt nicht nur mit den Eltern, die zwei Generationen arbeiten sogar zusammen. Vater Peter hat vor gut 20 Jahren ein Regalsystem entwickelt, das er unter dem Namen "at-bo" produziert und erfolgreich verkauft. "Mit Regalen bin ich aufgewachsen, deshalb gibt es bei mir in der Wohnung keine." Rebellion. Na endlich. "Eine Kommode ist mein größtes Stauraummöbel", berichtet Eva.

Die Eltern: "Fast alle Möbel kommen von Antiquitätenmärkten."

Die Eltern bewohnen das Erdgeschoss. Die hohen Räume haben sie mit edlen Antiquitä-ten, einem selbst ent-worfenen Regalsystem und vielen Bildern ein-gerichtet.

Tisch, Stühle, ein Vitri-nenschrank – das Ess-zimmer ist sparsam eingerichtet, trotzdem wirkt es nicht leer. Grund: die Bildergale-rie, die die gesamten Wandflächen einnimmt.

Blick ins gemütliche Wohnzimmer: Alle Möbel stammen von Antiquitätenmärkten und -auktionen, auch der siebenarmige Kerzenleuchter mit Porzellanblüten.

Die Tochter: "Mit jedem Gegenstand verbinde ich eine Geschichte."

Für Eva ist ihr Schlaf-zimmer der ideale Ort zum Entspannen.

Alte Sofas mit Überwürfen statt neuen Bezügen.

Gipskapitelle machen einem Brett Beine.

Anders bei den Eltern. Die wissen die praktische Erfindung von Peter zu schätzen und benutzen das Regalsystem gleich in mehreren Räumen. Sie haben sich für eine Ausführung in edlem Mahagoni entschieden. Die tief braune Farbe des Holzes passt gut zu den vielen Antiquitäten, die das Paar sammelt und die die hohen Räume im Erdgeschoss in einen warmen Ton tauchen. Die meisten Möbel stammen von Antiquitätenmärkten aus Frankreich und England. Manchmal wird das Paar aber auch in Dänemark fündig. Die neueste Errungenschaft, ein weißer Vitrinenschrank, stammt von Schloss Ålholm. Die Leidenschaft für Altes scheint Eva in die Wiege gelegt zu sein. Auch sie liebt es, auf Flohmärkten zu stöbern. Die Fundstücke finden sich in ihrer Dachgeschosswohnung wieder, wie die Esszimmerstühle, denen man ihr langes Leben ansieht.

Möbel mit Patina gibt es also oben wie unten, und auf den ersten Blick vermitteln beide Wohnungen das gleiche Lebensgefühl. Auf den zweiten Blick hingegen werden die kleinen Unterschiede sichtbar: Teure Antiquitäten in dunklen Holztönen sucht man bei Eva vergeblich. Oben unterm Dach dominiert die Farbe Weiß. Dadurch wirken die Räume heller, leichter, unkomplizierter und improvisierter. So machen zwei Gipskapitelle aus einem einfachen Brett eine romantische Ablage, ein Windlicht wird mit einer Amaryllis bestückt zur Vase, und die zwei unterschiedlichen Sofas, die Eva von ihrer Großmutter geerbt hat, bekommen durch simple Überwürfe einen einheitlichen Look.

Die Enkelin: "In meinem Kinderzimmer bin ich die Prinzessin"

Wohnen in Weiß: Die viel benutzten Stühle stammen aus einem Café, dessen Inventar verkauft wurde.

Cecillies Reich mit einem alten Puppenwagen und einem alten Küchentisch.

Kitschig, aber schön: die Windlichter mit Engelsmotiven.

Im Wohnzimmer von Wiebke und Peter hingegen wurden die in die Jahre gekommenen Sessel und Sofa aus dem Antiquitätenhandel nach dem Kauf professionell aufgepolstert und neu eingekleidet. Jetzt ziehen sie in leuchtendem Rot die Blicke auf sich. Seitdem läuft die kleine Cecillie noch öfter die Treppe hinunter, um für ein paar Minuten auf dem roten Sofa der Großeltern Platz zu nehmen.

Die Möbel zum Look

Handgefertigt: Bug-holzstuhl von Thonet, ca. 516 Euro.

Gedrechselt: geweißter Kiefernholztisch "Tavolo" von Octopus, 289 Euro.

Kuschelig: Sessel "Bejar" von KA ab 846 Euro.

Zinklaterne von Eden Living für 42,50 Euro.

Komposit-Kapitell aus Gips für ca. 228 Euro.

Kerzenhalter mit Porzelanblüten, Eden Living, 98 Euro.

Vitrinenschrank mit 6 Schiebetüren , Möbel Deele, 750 Euro.

Bett im Gustavien-Stil von Möbel-Deele, 1250 Euro.

Tagesdecke "Alvine Blomming" von Ikea für 35 Euro.

Adressen

Eden, Living: Klosterallee 67, 20144 Hamburg Ikea: Am Wandersmann 2-4, 65719 Hofheim Wallau, Servicenummer 0180/5353435 Informationsbüro Gips: über Bundesverband der Gipsindustrie e.V., Birkenweg 13, 64295 Darmstadt, Hotline 0208/4696335, www.gips.de KA International: über Offtake, Meisengasse 30, 60313 Frankfurt/Main Lambert: Konstantinstr. 303, 41238 Mönchengladbach Möbel Deele: Haßlinger Str. 23, 49448 Lemförde/Marl Octopus: Lehmweg 10b, 20251 Hamburg Thonet: Michael-Thonet-Str. 1, 35066 Frankenberg

Fotos: Lisbett Wedendahl/House of Pictures Text: Kirstin OllechBRIGITTE 05/05
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