"Feg dich fit!"

Fitnesstraining bei der Hausarbeit - für Autorin Iris Hammelmann die ideale Möglichkeit, um trotz Zeitmangels und mit Spaß fit zu werden. Wir haben es ausprobiert.

Zugegeben, Hausarbeit gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten, habe ich inzwischen einige Strategien entwickelt: Staub sauge ich zum Beispiel prinzipiell ohne Brille - das geht schneller, ich sehe kaum Staubflusen. Zugegeben, die Methode ist nicht ganz Schwiegermutter-tauglich, aber alltagsbewährt.

Offensichtlich gibt es auch Menschen, die beim Putzen gute Laune haben - oder zumindest so tun, als ob. Von einem Buchcover auf meinem Schreibtisch aus strahlt mich so ein Mensch an: Eine sorgfältig geschminkte Frau mit Stöckelschuhen, die - demonstrativ lächelnd - den Parkettboden wischt. Das Foto sieht aus, als sollte damit ein neues Putzmittel angepriesen werden. Mitnichten. Die Idee: Fitnesstraining beim Hausputz, straffe Beine vom Bügeln und durchtrainierte Arme vom Staub wischen. Das Motto: "Feg dich fit!"

Wollmäuse unter dem Sofa, ungespültes Geschirr in der Küche und ungebügelte Wäsche im Wohnzimmer sind schuld, dass uns die Zeit für den Sport fehlt. Die Lösung liegt also nahe: Putzen und gleichzeitig trainieren. Denn, so schreibt Autorin Iris Hammelmann: "Wie oft fällt Ihnen beim Turnen auf dem Fußboden ein, dass dieser mal wieder gewischt werden müsste?".

Ist mir noch nie eingefallen. Ich will das Hausputz-Workout schon zur Seite legen, da erzählt unsere Praktikantin von einer Frau, die richtig abgenommen hat, weil sie anfing, während der Hausarbeit zu trainieren. Bei meinem Mini-Putzprogramm mache ich mir zwar nicht viel Hoffnung, aber einen Versuch ist es wert.

Ich stehe also mit meinem Besen in der Küche und lese die Anleitung. Wie war das? "Beginnen Sie mit rechts und machen Sie vier Schritte: rechts, links, rechts, links." Okay, das schaffe ich noch. "Heben Sie dabei den Besen zunächst hoch, setzen Sie ihn dann auf und lassen Sie ihn über den Boden gleiten. Schieben Sie den Feger dynamisch vor sich her." Dann brauche ich dem Schmutz laut Anleitung nur noch einen kleinen Schubs zu geben und kann wieder von vorne anfangen - so lange, bis der Boden sauber ist.

Ne, das macht keinen Spaß. Ich muss mich zu sehr aufs Zählen konzentrieren (warum soll ich überhaupt nach vier Schritten aufhören und wieder von vorne anfangen?), der Staub fliegt im ganzen Raum herum und fitter fühle ich mich nach dem "Schmutz schubsen" auch nicht gerade. Außerdem habe ich Angst, es könnte mich dabei jemand durchs Fenster beobachten.

Eine Powerübung muss her. Meine Wahl fällt auf das Staubsauger-Programm: "Gehen Sie so tief in die Knie, dass Sie gerade noch in der Lage sind, in dieser Haltung Schritte vor-, rückwärts und zur Seite zu machen." Der Haken: "Sie sollten es schaffen, einen ganzen Raum mit gebeugten Knien zu saugen." Meine Oberschenkel fangen schon nach wenigen Sekunden an zu brennen. Ich beschließe, dass mein kleiner Flur in jedem Fall als eigenständiger Raum gewertet werden kann.

Für das Wohnzimmer brauche ich eine weitere Staubsauger-Übung: Vierfüßlerstand auf dem Boden, linkes Bein strecken, rechter Arm saugt. Dann umgekehrt. Zwei Stellen in der Mitte des Raumes sind jetzt sauber. Ich rutsche auf meinen Knien ein Stück weiter.

Einarmliegestütz plus Staubsaugen. Ich schaffe maximal die Oma-Variante im Vierfüßlerstand. Beim Gedanken, diese Übung im klassischen Liegestütz mit gestreckten Beinen auszuführen, muss ich grinsen. Damit könnte man in jedem Fall einen lautstark kommentierenden, alles besser wissenden Fußballfan auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Die lustigsten Übungen sind die für die Bauchmuskeln. Bislang bin ich noch nicht auf die Idee gekommen, meinen Wohnzimmertisch von unten (!) zu wischen - aber was tut man nicht alles in der Hoffnung auf einen Waschbrettbauch. Ich fürchte, dass meine Fitnesstrainerin von der Idee wenig begeistert sein wird, sich für die Crunches auf den harten Fußboden zu legen wie empfohlen. Ich hole meine Trainingsmatte. So funktioniert die Übung ganz gut - nur das Putzen stört. Egal, dafür bin ich gewappnet, falls demnächst jemand mit weißen Baumwoll-Handschuhen über die Unterseite meines Wohnzimmertisches wischen sollte.

Endspurt für die Taille: seitliches Rumpfbeugen. Dabei soll ich mein Balkonfenster putzen. Mit gebeugten Beinen verlagere ich das Gewicht abwechselnd nach links und rechts, während ich mit dem Lappen über die Scheibe wische. Ich drehe mich seitlich zum Fenster und führe die rechte Hand über den Kopf zur Scheibe - nicht weil ich bescheuert bin, sondern weil es so im Buch steht. Mit dieser Verrenkung soll ich nun putzen. Als ich den Arm über den Kopf strecke, tropft mir das dreckige Wasser ins Gesicht. Mir reicht's.

Fazit: In der Zeit, in der ich sonst meine ganze Wohnung putze, habe ich gerade mal die Küche gefegt, den Flur und vereinzelte, nicht mehr auffindbare Stellen im Wohnzimmer gesaugt, die Unterseite (!) meines Wohnzimmertisches und Teile des Fensters abgewischt. Zeit spart man mit der Turn-Putz-Kombi mit Sicherheit nicht. Und Spaß haben in erster Linie die Nachbarn, die dabei zugucken. Mein Fazit: Putzeimer und -lappen fallen als Trainingspartner durch.

Produktinfo:

"Feg dich fit!" von Iris Hammelmann. Urania-Verlag, 2006. 10,95 Euro

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Text: Monika Herbst Fotos: Urania-Verlag

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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