Bügeln ohne Eisen

Wird das Bügeln mit dem "Profi Steamer" zum Kinderspiel? Wir haben das Gerät getestet.

Es soll ja Menschen geben, denen Bügeln Spaß macht. Die sich einfach mit ihrem Brett vor den Fernseher stellen und einen riesigen Korb Wäsche ganz entspannt wegbügeln. Ich gehöre sicher nicht dazu. Für ein Hemd brauche ich eine halbe Ewigkeit und hinterher hat es meistens mehr Falten als zuvor. Meine Lösung dieses Problems sind Klamotten aus pflegeleichten, knitterfreien Stoffen - mein ganzer Schrank ist voll davon.

Doch ab und zu steht mir eben doch der Sinn nach der schicken Bluse oder dem eleganten Leinenrock - und dann bleibt mir nichts anderes übrig, als zum alten Eisen zu greifen. Oder?

In einem Katalog entdecke ich ein Gerät, das die Lösung meines Problems verspricht: den "Profi Steamer". "Knitterfrei in 60 Sekunden", "Viel schneller und professioneller als aufwändiges Bügeln" lese ich da. "98°C heißer Volldampf" sorge dafür, dass Falten im Nu verschwinden - in amerikanischen Nobel-Boutiquen gehöre das Gerät längst zur Standardausstattung. Mit einem Preis von 139 Euro ist es zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber ein ordentliches Bügeleisen kostet schließlich auch nicht viel weniger.

Ich finde, das Gerät ist einen Versuch wert.

In Einzelteilen - Schlauch, Heizkessel, Wassertank, Teleskopstange - liegt der Steamer schließlich vor mir, und sieht auf den ersten Blick aus wie ein antiquierter Staubsauger. Aufbauen ist einfach: In fünf Minuten steht der Dampfbügler einsatzbereit in meinem Wohnzimmer - und ist sehr viel größer, als ich dachte. Mit 164,5 Zentimetern ist die Halterungsstange für den Schlauch länger als ich selbst; für die Lagerung muss man das Gerät also besser auseinandernehmen. Doch trotz seiner Größe ist es sehr handlich und lässt sich, dank Rollen, leicht durch die Wohnung ziehen.

Nun nehme ich mir die Anleitung vor. Etwas beängstigend finde ich, dass die Liste der Warnungen länger ist als die Anweisungen selbst. Fünf dicke Warndreiecke leuchten mir entgegen und drohen mit Risiken wie "Gefahr! Verbrennungen und Verbrühungen durch heißen Dampf!" oder gar "Lebensgefahr durch Stromschlag!". Ich versuche mich damit zu beruhigen, dass ein Bügeleisen ja auch kein Kinderspielzeug ist, fülle den Kanister mit Wasser, atme tief durch und schalte das Gerät ein.

Es passiert - nichts. Ich kontrolliere noch mal, ob der Stecker und der Wasserkanister richtig sitzen, doch es scheint alles in Ordnung zu sein. Nach etwa zwei Minuten höre ich schließlich ein dumpfes Brodeln im Inneren der Maschine. Ich muss an die Warndreiecke denken und verstecke mich hinter dem Sofa. Das Brodeln wird lauter und da, plötzlich, entweichen kleine Dampfwölkchen aus den Löchern der Düse. Mit "Deluxe-Steam" haben diese Rauchzeichen allerdings noch wenig zu tun. Ich muss weitere zehn Minuten warten, bis das Gerät endlich mit Volldampf läuft.

Ich beginne mit einem einfachen Polohemd. Wie beschrieben hänge ich es an einem Kleiderbügel über die Stange des Steamers und fahre vorsichtig mit der Düse über den Stoff. Tatsächlich wird dieser sofort ein bisschen glatter. Schwierig wird es allerdings, als ich versuche, die Ärmel und den Kragen zu entknittern. Da das Hemd an der Stange keinen Halt hat, weicht es immer vor meinem Dampfstrahl zurück. Ich hänge es an einen Haken an der Wand, und nun geht es ein bisschen besser. Wie es allerdings meine Tapete findet, dass sie mit 98°C heißem Wasserdampf in Berührung kommt, mag ich mir lieber nicht vorstellen.

Das Polohemd ist inzwischen fertig und sieht ganz passabel aus. Für ein Vorstellungsgespräch reicht es nicht, aber ins Theater oder ins Büro könnte man damit wohl gehen.

Das zweite Kleidungsstück ist eine Bluse, die so zerknittert ist, dass sie nicht mal als Stück im modischen "Crinkle-Look" durchgehen würde. Mit dem leichten Stoff kommt das Gerät schon besser zurecht. In wenigen Minuten ist die Bluse fertig zum Überziehen.

Vorher...

... nachher.

Als ich mich gerade über die Leistung meines neuen Haushaltshelfers freuen will, geht diesem plötzlich die Puste aus. Weder Schütteln noch gutes Zureden bringen ihn wieder zum Laufen; offenbar braucht er eine Verschnaufpause - und ich muss wohl oder übel einige Minuten warten, bis endlich wieder Dampf entströmt.

Zum Schluss nehme ich mir ein Hemd vor, das ich schon seit Monaten nicht getragen habe, weil es irgendwo in den Tiefen meines Schranks verschwunden war. Entsprechend zerknautscht hängt es nun vor mir. Ich bewaffne mich zuversichtlich mit dem Schlauch - doch bei diesem Hemd kommt der Steamer an seine Leistungsgrenze. Immer wieder muss ich mit der Düse über die Falten fahren, ehe sie einigermaßen geglättet sind. Da wäre sogar ich mit dem Bügeleisen schneller. Völlig unmöglich ist es, die Knopfleisten und den Saum zu bearbeiten. Die Düse ist für solche Feinarbeit viel zu grob. Meine Geduld ist bald am Ende, außerdem hat sich mein Wohnzimmer durch die Feuchtigkeit mittlerweile in eine Dampfsauna verwandelt. Ich gebe auf. Immerhin ist das Hemd glatt genug, um es unter einen Pullunder zu ziehen.

Vorher...

... nachher.

Fazit: Für Besitzer von Kleidungsgeschäften ist der "Profi Steamer" sicherlich sinnvoll. Schließlich kann man im Laden nicht jedes Mal das Bügelbrett aufbauen, um ein paar Fältchen aus der neuen Kollektion verschwinden zu lassen. Für den Hausgebrauch ist das Gerät jedoch nur bedingt zu empfehlen: Zu ineffektiv, zu unhandlich und zu gefährlich, vor allem für Familien mit kleinen Kindern. Da bleibt am Ende also doch nur das Bügeleisen.

Produktinfos

Der "Profi Steamer" besteht aus einem Heizkessel aus Kupfer, einem Kunststofftank, einem ummantelten Schlauch und einer verchromten Teleskopstange. Maße: 18,4 x 33,5 x 164,5 cm (B/T/H). Preis: 139 Euro. Erhältlich über www.proidee.de

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Text & Fotos: Michèle Rothenberg

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