Packesel auf Rädern

Ziehen statt Schleppen: Der "Wagen im Taschenformat" soll Strandbesuche ungemein erleichtern. Brigitte.de hat ihn auf Tauglichkeit getestet.

Auf dem Weg zum Strand fühlt man sich nicht selten wie ein Packesel, der durch die gleißende Sonne trottet. Besonders, wenn man mit Kindern unterwegs ist: Handtücher, Picknick, Bücher, Sonnenschutz, Eimer und Schaufel, Gummiboot, Wechselkleider müssen mit ... womöglich auch noch Strandmuschel oder Sonnenschirm. Letzteren braucht man vor allem in unseren Breitengraden, wo schattige Palmenstrände eher die ganz große Ausnahme sind.

Da kommt mir der "Strandwagen im Taschenformat" gerade recht: Unser Dänemarkurlaub mit vier Erwachsenen und zwei kleinen Kindern steht bevor. Jede Menge zu schleppen also.

Ein "kleines Transportwunder" soll dieser Strandwagen sein, den der Werkzeugmacher Joachim Skrotzki entwickelt hat, ein "Volkswagen ohne Motor". Dies verspricht zumindest die Pressemitteilung. Handlich in eine Nylontasche verpackt, soll man ihn überall hin mitnehmen und vor Ort problemlos ohne Werkzeug aufbauen können. Er soll sich nicht nur für den Strand, sondern auch für Zoobesuche, Einkäufe sowie als Fahrradanhänger eignen. Der Clou: Auf dem Wagen lässt sich ein Sonnenschirm montieren!

In Dänemark angekommen mache ich mich ans Werk. Das Erste, was auffällt: Die Tasche ist höllisch schwer, ich kann sie nur mit Mühe und Not auf den Rasen schleppen, wo ich den Wagen zusammenbauen will. 12,5 Kilo wiegt er, so viel wie ein Kleinkind. Stabilität hat eben ihren Preis: Beim Auspacken zeigt sich, dass die Materialien wirklich massiv und robust sind. Alles ist aus Edelstahl und Holz, ohne billiges Plastik.

Ich breite alle Teile vor mir aus und bin etwas ratlos. Zu meinen Füßen liegen gelbe Platten, blaue Verstrebungen, zwei luftbereifte Räder, und jede Menge Stangen und Muttern. Nur keine Anleitung. Die einzigen Worte, auf die ich stoße, lauten: "Bitte halten Sie die Plastiktüte fern von Kindern, um einer Erstickungsgefahr vorzubeugen". Sie stehen auf der Tüte, in der die Schnellspanner und Flügelmuttern zum Montieren verstaut sind. (Erst nach dem Urlaub finde ich die Aufbauanleitung auf meinem Schreibtisch, die mir Herr Skrotzki offensichtlich mit dem Wagen mitgeschickt hatte, die aber leider nur dem Anschreiben beilag .... Diese sollte man tunlichst zur Hand haben, denn sonst kommt man mit den "weniger als fünf Minuten" Aufbauzeit nicht aus, die auch für Menschen "mit zwei linken Händen" prognostiziert wird.)

Ich mache mich ohne Anleitung ans Werk und wurschtle eine halbe Stunde herum, bis es partout nicht mehr weitergeht. Mir ist nicht klar, welche Stange als Zuggabel dienen soll und welche Vorrichtung als Sonnenschirmhalterung. Ich rufe meine Freundin zu Hilfe - sie ist Techniklehrerin - und nach einer weiteren halben Stunde steht der Wagen vor uns: prächtig, stabil und sehr, sehr gelb.

Gepackt ist er schnell und wir können endlich an den Strand. Der Wagen lässt sich prima ziehen, auf dem Asphalt rollt er wie eine Eins. Auf dem Sand sieht es freilich anders aus. Es ist ziemlich schweißtreibend, ihn an unseren Lieblingsliegeplatz zu zerren. Ich probiere es mit Schieben, aber auch das ist mühsam.

Wir stecken den mitgebrachten Sonnenschirm in die Halterung und machen es uns am Strand gemütlich. Doch nach weniger als fünf Minuten ist der Spaß vorbei. Eine Windböe ergreift den Schirm und wirft den ganzen Wagen um. Unsere Sachen liegen im Sand verstreut, der Anblick sorgt für allgemeine Erheiterung. "Hat der Wagen eigentlich auch was Gutes?", fragt mein Freund. "Er sieht gut aus ...?". "Ja. Wie ein Schweizer Käse," stellt er fest. Wo er Recht hat, hat er Recht.

Fazit: Der Wagen ist stabil und man erspart sich das Schleppen. Dafür muss man ihn erstmal transportieren und zusammenbauen. Die gute alte Methode, ein paar Taschen zu packen und auf mehrere Schultern zu verteilen, ist ebenso gut. Für 159 Euro ohne Schirm ist der Wagen nicht gerade ein Schnäppchen.

Produktinfo

Der Strandwagen kostet ohne Sonnenschirm 159 Euro und lässt sich auch am Fahrrad befestigen. Zu bestellen unter www.beach-trio.de

Susanne Arndt

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