Puschen für die Ohren

Earbags sollen die Ohren schützen, ohne die Frisur zu zerstören. Doch halten sie auch wirklich warm? Brigitte.de hat sie ausprobiert.

Deutschland, Ende Januar, -10° Grad. Die Zeitungen verkünden die Eiszeit, und ich mache mir Gedanken um meine Frisur. Jeden Morgen die gleiche Frage: Mütze oder keine Mütze? Siegt die Eitelkeit oder die Angst vor kalten Ohren? Denn auch ein scheinbar pflegeleichter Kurzhaarschnitt hat gegen die plättenden Kräfte einer Wintermütze keine Chance. Schon zehn Minuten Mützentragen reichen aus, um mein Haar für den Rest des Tages am Kopf kleben zu lassen. Da hilft weder Strubbelwachs noch Volumenspray.

Doch nun hat ein schwedischer Hersteller ein Produkt auf den Markt gebracht, das verspricht, die Lösung des winterlichen Frisur-Problems zu sein: Earbags. Earbags sind klein, oval und funktionieren ähnlich wie Puschen (norddt.: Hausschuhe). Man stülpt sie über die Ohren und schon sollen die exponierten Körperteile vor Wind und Kälte geschützt sein. Im Gegensatz zu den Ohrenschützern aus der Kindheit sind Earbags nicht durch einen Bügel miteinander verbunden. Stattdessen sorgt ein so genannter Schnappmechanismus dafür, dass die Überzieher nicht von den Lauschern fallen. Earbags gibt es in vielen Farben und drei verschiedenen Materialien: Fleece, Strick und Leder.

Als erstes probiere ich das Strick-Modell mit Fleecefutter im neckischen Norweger-Design. Die Handhabung ist leicht: Größe M ist perfekt für meine Durchschnittsohren, und den Kniff mit dem Schnappmechanismus habe ich auch schnell raus - einfach oben und unten mit Mittelfinger und Daumen drücken und schon kleben die Earbags fest an meinem Kopf.

Mein erster Eindruck ist - seltsam. Die Außengeräusche sind leicht gedämpft, und ich fühle mich ein bisschen wie der großohrige Marsmensch aus "Luis de Funès und seine außerirdischen Kohlköpfe". Der Kommentar einer Kollegin ("Wie ein Alien!") bestärkt dieses Gefühl. Böses ahnend werfe ich einen Blick in den Toilettenspiegel. Doch glücklicherweise sehen die Earbags längst nicht so ausladend aus, wie sie sich anfühlen. Eigentlich sind sie sogar sehr dezent, zumindest in der Frontalansicht. Nun wage ich auch den Außentest.

Nach einem längeren Spaziergang stelle ich fest: Keiner hat mich ausgelacht. Und meine Ohren sind tatsächlich warm. Im Gegensatz zu Mützen, bei denen der Wind meist trotzdem in den Gehörgang pfeift, sorgen die Earbags für einen molligen Rundumschutz. Zwar muss der Rest des Kopfes so in der Kälte frieren, doch dafür hält die Frisur.

Nun sind die Fleece-Earbags dran. Diese sind unifarben, etwas billiger und sehr viel störrischer als das Elch-Modell. Minutenlang muss ich fummeln, ehe der Earbag zuschnappt. Leider hat sich dabei mein Ohrstecker ins Ohrläppchen gebohrt, was äußerst schmerzhaft ist. Von Ohrschmuck ist Earbag-Trägern also dringend abzuraten.

Auch an der frischen Luft kann mich der Fleece-Schützer nicht überzeugen. Das Material ist zu dünn, um den Wind abzuhalten, sodass meine Ohren schon bald empfindlich kalt sind. Besonders schlimm wird es, als ich aufs Fahrrad steige. Während die Elch-Bags noch ziemlich lange warm hielten, fangen meine Ohren unter dem Fleece sofort an zu frieren. Als nach wenigen Tagen auch noch der Schnappmechanismus ausgeleiert ist, steht mein Urteil fest: für die Tonne.

Offenbar gilt also auch hier der Grundsatz: Mehr Qualität für mehr Geld. Denn die Leder-Variante, das teuerste Modell, ist eindeutig der Turbo unter den Earbags. Nicht nur, dass sie unauffälliger und stabiler sind als die anderen - die Leder-Schützer sind auch die einzigen, die selbst bei einer langen Fahrradfahrt noch ihren Job machen. Durch die Lederbeschichtung dringt nun wirklich kein Luftzug mehr. Allerdings auch nur noch wenig Geräusche; zum Telefonieren sollte man seine Earbags daher besser abschnallen.

Fazit: Für eitle Menschen mit empfindlichen Ohren sind die Strick- und die Leder-Earbags eine gute Alternative zur Mütze. Allerdings erfordert es im Alltag einiges an Disziplin, neben Schal und Handschuhen auch noch auf zwei Ohrenwärmer aufzupassen. Wem die Frisur egal ist, kann die Earbags übrigens auch als Ergänzung verwenden: Mein Freund schwört auf die Kombination Earbags und Mütze.

Produktinfo:

Die Fleece-Earbags sind aus 100% Polyester und kosten 9,95 Euro. Das Elch-Modell besteht aus 100% Strick mit Fleecefutter und ist für 13,50 Euro zu haben. Die Leder-Variante ist aus 100% Leder mit Futter aus Polyester und kostet 14,95 Euro. Größen: S, M, L. Zu beziehen über www.hutshopping.de

Text: Michèle Rothenberg Fotos: Henning Hönicke/Earbags.com
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