Stifttablett statt Maus?

Ist ein Stifttablett für den PC wirklich die bessere Maus? Lässt sich ein "Mausarm" damit vermeiden? Brigitte.de hat es getestet und einen Experten befragt.

Was ein Tennisarm ist, weiß jeder. Weniger bekannt ist dagegen der schmerzhafte "Mausarm", der sich mit den Computern in deutschen Büros breit gemacht hat. Das Verwaltungsgericht Göttingen hat den Mausarm im September 2006 sogar als Berufskrankheit anerkannt. Das Arbeiten mit der Computermaus kann schmerzhafte Entzündungen auslösen, stellte das Gericht fest.

Die Firma Wacom aus Krefeld will mit ihren Stifttabletts vorbeugen: "Die kabel- und batterielosen Wacom-Stifte ermöglichen eine entspannte Handhaltung und eine natürliche Stellung des Unterarms. Der Unterarm muss nicht verdreht werden, Muskeln und Sehnen werden nicht überlastet", heißt es in der Pressemitteilung. Stimmt das?

Der Praxistest

Der Stift und die Halterung

Schick sieht es ja aus, das Intuos A6 Wide Tablett von Wacom. Jedenfalls viel schicker als meine Maus, die vermutlich schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Das Tablett erinnert mich an die Touchpads bei Laptops. Dazu gibt es noch einen Stift und eine Halterung, die ein bisschen wie ein kleiner Aschenbecher aussieht. Darin kann man den Stift abstellen.

Es geht los

Die Software zu installieren und das Tablett an eine USB-Buchse anzuschließen, ist schnell erledigt. Nun kann es losgehen. Ich nehme den Stift in die Hand und setze ihn auf dem Tablett auf. Der Mauszeiger bewegt sich schon, bevor ich mit dem Stift das Tablett berührt habe. Ich merke schnell, dass ich nicht zu fest aufdrücken darf, sonst markiere ich ungewollt ganze Textpassagen.

Der Knopf für den Links- und Rechtsklick

Statt linker und rechter Maustaste hat der Stift einen länglichen Knopf. Das Drücken auf das untere Ende ist wie der Rechtsklick bei der Maus, drückt man auf das obere Ende, ist das wie ein Linksklick. Die Anordnung verwirrt mich. Für mich wäre es logischer, wenn die untere Hälfte des Knopfes der Linksklick wäre und der obere der Rechtsklick.

Ich empfinde das Tablett nicht als Entlastung für meine Hand. Im Gegenteil: Es ist anstrengend, den Stift zu halten, da man nur sehr vorsichtig aufdrücken darf. Immer wieder passiert es mir, dass ich zu kräftig drücke und aus Versehen alles auf dem Bildschirm markiere.

Das sagt der Experte

"Die Stiftbedienung erfordert ein nach oben abgeknicktes Handgelenk. Das kann als Zwangshaltung Beschwerden nach sich ziehen", sagt Dr. Harald Postel zur Handhabung des Tabletts. Der Hamburger Orthopäde behandelt in seiner Praxis auch Patienten mit Mausarm. Da man mit dem Stift die Unterlage nur ganz vorsichtig berühren darf, werde die Hand zusätzlich belastet. "Um einen Mausarm zu vermeiden, sind Ausgleichsgymnastik, Haltungskorrekturen, die richtige Sitzhöhe und Mausgröße sowie eine gute Beleuchtung die bessere Alternative", so sein Urteil.

Fazit

Das Tablett bleibt gewöhnungsbedürftig und entlastet den Arm nicht. Für Grafiker, die am Bildschirm zeichnen wollen, macht es sicher Sinn. Ich steige nach dem Test jedoch gern wieder auf meine gute alte Maus um.

Produktinfos

Preis: 237,88 Euro

Erhältlich über www.wacom-shop.net

Brigitte.de Test it (18)

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Alle "Test it"-Folgen auf einen Blick.

Text: Sonja Feldmann Fotos: Henning Hönicke (3), Hanna Jo vom Hofe (1)

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