Katze verletzt sich schwer: Kann ein Halsband wirklich so gefährlich sein?

Auf Facebook kursiert ein Bild einer kleinen Katze mit blutig verschmiertem Fell. Sie soll sich durch ein Halsband schlimm verletzt haben. Wir haben beim Deutschen Tierschutzbund e.V. nachgefragt: Kann ein Halsband wirklich so gefährlich für Katzen sein?

Das geht an alle Leute, die immer noch der Meinung sind einer Katze ein Halsband anziehen zu müssen! Bitte lasst es...

Gepostet von Katrin Morgenthal am Montag, 26. August 2019

"Das geht an alle Leute, die immer noch der Meinung sind einer Katze ein Halsband anziehen zu müssen!" Mit dieser Ansage startet die Mitarbeiterin einer Tierarztpraxis ihren wütenden Post auf Facebook. Zu einem Bild einer Katze mit blutigem Fell schreibt sie: "Bitte lasst es doch einfach, eine Katze braucht kein Halsband! Dieser kleine Kerl hatte nochmal Glück im Unglück, sein Frauchen hatte heute einen freien Tag und war zuhause, ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn er acht Stunden hätte kämpfen müssen. Die Verletzung war zum Glück nicht hochdramatisch, aber schlimm genug, dass er so viel Blut verloren hat." 

Weiter schreibt die aufgebrachte Frau: "Wenn ihr eure Vierbeiner vor Parasiten schützen wollt, könnt ihr das auch einfacher und vor allem sicherer haben, dafür gibt es Spoton's die mittlerweile als Kombimittel gegen Flöhe, Zecken und alle Würmer sind. (...) Wir verkaufen keine Halsbänder in unserer Praxis und warnen die Leute immer wieder davor, denn das hier ist kein Einzelfall leider... Bitte zieht euren Katzen keine Halsbänder an, zur Kennzeichnung kann das Tier jederzeit gechipt werden!"

Deutscher Tierschutzbund warnt vor Halsbändern

Kann einen Katze oder ein Hund durch ein Halsband wirklich derart schlimm verletzt werden? Die Redaktion von BRIGITTE.de hat dazu den Deutschen Tierschutzbund e.V. befragt und folgende Antwort erhalten: "Wir warnen Katzenhalter davor, ihrem Stubentiger ein Halsband umzubinden. Beim Spielen oder Klettern können die Tiere in den Halsbändern hängen bleiben, Quetschungen erleiden, sich strangulieren – im schlimmsten Fall mit tödlichem Ausgang."

Zwar gebe es auch Halsbänder, die sich über einen Sicherheitsmechanismus leichter öffnen lassen. "Hier sollte der Tierhalter aber nicht auf die Packungsbeschreibung vertrauen, sondern vor dem Anlegen prüfen, ob das gewählte Band sich in der Tat im Falle des Hängenbleibens einfach öffnen lässt."

Zahlen dazu, wie oft Katzen sich aufgrund von Halsbändern verletzen, liegen dem Deutschen Tierschutzbund zwar nicht vor. Zu Schnittverletzungen der Haut könne es allerdings relativ leicht kommen, wenn das Halsband nicht richtig passt, also zu eng ist, oder wenn die Katze mit dem Halsband hängen bleibt. Wenn die Katze etwa mit einem Vorderbein durch das Halsband steige und mit dem Lauf dann nicht mehr zurückkomme, können dadurch Druckstellen und schlimmstenfalls auch Einschneidungen entstehen. "Je nachdem, wie lange das Tier so hängt, kann dies theoretisch auch zu Blutungen führen".

Wie du deine Katze ohne Halsband schützen kannst  

Viele Katzenbesitzer ziehen ihrem Liebling ein Halsband an, um das Tier vor einem Verlust oder Parasiten zu schützen. Für diese Fälle empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund folgende Alternativen:

  • Als Parasitenschutz gibt es viele Alternativen wie Spot-Ons oder Tabletten – ein Tierarzt berät hier gerne individuell.
  • Zur eindeutigen und unverwechselbaren Kennzeichnung von Katzen ist es am wichtigsten, sie mit einem Transponder mit Mikrochip individuell zu kennzeichnen. Der reiskorngroße Transponder kann vom Tierarzt ohne Narkose unter die Haut implantiert werden.
  • Anschließend sollte das Tier bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registriert werden. So kann eine Katze (genauso natürlich ein Hund), die sich verlaufen hat, schnell wieder ihrem Besitzer zugeordnet werden.
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Wie sieht es aus mit Halsbändern mit Glöckchen?

Auch Halsbänder mit Glöckchen, die viele Tierhalter ihren Katzen zum Schutz von Wildtieren wie etwa Vögeln umlegen, sind laut dem Deutschen Tierschutzbund "aus Tierschutzsicht wegen ihrer möglichen Verletzungsgefahr kritisch zu hinterfragen". Neben den möglichen Risiken sei der Nutzen der Halsbänder eher gering: "Hilflosen Jungvögeln hilft es beispielsweise gar nicht, das Glöckchen-Läuten zur Vorwarnung zu hören". Zudem, so eine Sprecherin des Tierschutzbundes, "haben Hauskatzen, die ein Zuhause haben, einen signifikant geringeren Einfluss auf Vogelbestände, als ihre freilebenden Artgenossen". 

Der Einfluss von Katzen auf die heimische Vogelpopulationen sei aufgrund fehlender Daten völlig unklar. "Bisher vorgenommene Schätzungen basieren v.a. auf Studien aus dem Ausland (z.B. den USA), welche jedoch weder auf hiesige Verhältnisse übertragbar noch in ihrer Methodik immer stichhaltig sind." Für den Großteil der Verluste unter Vögeln oder Kleintieren seien vor allem frei lebende und/oder ausgesetzte Katzen verantwortlich, die sich ohne Besitzer durchschlagen müssen und von Hunger getrieben sind. Schätzungen gehen von rund zwei Millionen frei lebenden Katzen aus. Die Zahl der Katzen in Privathaushalten liegt laut IVH, dem Industrieverband Heimtierbedarf, bei 14,8 Millionen.

Eine nachhaltige Lösung sei aus Tier- und Artenschutzsicht somit nur die Kastration frei laufender Hauskatzen und frei lebender ("verwilderter") Katzen, um deren Bestand mittelfristig tierschutzgerecht zu verringern. "Wenn dies gelingt", so der Deutsche Tierschutzbund, "dürften sich auch die Fronten zwischen Katzenliebhabern und Vogelfreunden nach und nach auflösen".

Wie gefährlich sind Halsbänder für Hunde?  

Bei Hunden sind, so die Tierschutzexperten, sind Halsbänder bei Weitem nicht so problematisch zu sehen, wie bei Katzen, da sie in der Regel nicht ohne Aufsicht draußen unterwegs sind. Voraussetzung sei aber immer, dass das Halsband nicht zu eng oder einschneidend ist. Auch zu breite Halsbänder sollten nicht verwendet werden. Das Halsband sollte der jeweiligen Größe des Hundes und seinen Halsumfang angepasst sein, eventuell ausgeübter Druck sollte gleichmäßig auf den empfindlichen Halsbereich verteilt werden. 

Dennoch bestehe bei der Verwendung von Halsbändern die Gefahr, "dass es im empfindlichen Halsbereich des Hundes durch ruckartiges Ziehen zu Verletzungen kommt, die oftmals zunächst unentdeckt bleiben und sich erst als Spätfolgen bemerkbar machen".

Grundsätzlich sei deshalb – insbesondere bei kleinen Hunden – "die Verwendung von gut angepassten Brustgeschirren der Verwendung von Hundehalsbändern vorzuziehen".

Aus Tierschutzsicht strikt abzulehnen sind Würge- und Stachelhalsbänder sowie sogenannte Erziehungshalsbänder. "Diese können dem Tier starke Schmerzen und/oder Schäden zufügen."

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