Unterwegs in der Arktis: Hannes Jaenicke kämpft für die Eisbären

Nach den Orang-Utans nimmt sich Hannes Jaenicke nun der Eisbären an. Die Doku "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Eisbären" läuft am 8. September im TV (20.15 Uhr, ZDF). Der Schauspieler über den Schutz bedrohter Tierarten, die "Klimakanzlerin" und sein Engagement.

BRIGITTE.de: Hannes Jaenicke, seit Knut haben die Deutschen ein inniges Verhältnis zu Eisbären. Ihres ist es auch - und doch ein wenig anders gelagert.

Hannes Jaenicke: Knut haben wir in seinem Gehege im Berliner Zoo als winkenden Hofnarr erlebt, der hat wenig mit dem majestätischen Raubtier aus der Arktis zu tun. Der Eisbär kämpft ums Überleben: Es gibt nur noch ca. 23.000 Exemplare auf unserem Planeten – Tendenz fallend.

BRIGITTE.de: Was macht dem Eisbären so zu schaffen?

Hannes Jaenicke: Die Hoffnung für die Eisbären sinkt mit steigenden Temperaturen. Unser Energiekonsum und der damit einhergehende Klimawandel heizt den Tieren die Lebensgrundlage unter den Pfoten weg. Jahr für Jahr verschwinden die Eismassen der Arktis schneller und endgültiger. Und damit die Jagdreviere und Kinderstuben der Eisbären.

BRIGITTE.de: Und wir Menschen...

Hannes Jaenicke: ...tun das Übrige. Noch immer werden Eisbären gejagt, ihr Lebensraum wird verschmutzt, von Menschen besetzt und ausgebeutet. Als letztes Glied in der arktischen Nahrungskette bedrohen zudem auch Umweltgifte die Existenz der Eisbären. Darüber berichten wir in dem Film – unter anderem.

BRIGITTE.de: Dieser Film ist nach Ihrem Einsatz für Orang-Utans der zweite, der sich den Schutz bedrohter Tierarten zum Ziel gesetzt hat. Woher kommt Ihr Engagement?

Hannes Jaenicke: So etwa ab 1974 - da war ich 14 - habe ich mitbekommen, dass es Greenpeace gibt - und vor allem: was Greenpeace macht. Wie die Jungs mit ihren Schlauchbooten gegen Walfänger angegangen sind, das fand ich cool. Das waren moderne Cowboys. Mit 16 bin ich bei denen eingetreten. Ich habe schnell begriffen, dass Non-Governmental Organisations wie Greenpeace mehr bewirken als die Politik.

BRIGITTE.de: Wie das?

Hannes Jaenicke: Die sind unabhängiger als die Politik und der dazugehörige Lobbyismus. Sie versuchen umzusetzen, was die Wissenschaft längst weiß und Industrie und Politik weitestgehend ignorieren. Der Club of Rome hat schon 1971 propagiert, dass wir aus den fossilen Brennstoffen aussteigen müssen.

Auf der Welt gibt es nur noch etwa 23.000 Eisbären - Tendenz fallend

BRIGITTE.de: Wir fahren heute noch mit Benzin.

Hannes Jaenicke: Richtig. Und eine Frau, die sich "Klimakanzlerin" nennt, lässt heute noch Kohlekraftwerke bauen. Mit der ewigen Keule der Arbeitsplätze und der billigen Energie. Anstatt Arbeitsplätze im regenerativen Bereich zu schaffen. Das finde ich unverantwortlich.

BRIGITTE.de: Wie kam es zu den Filmen über die bedrohten Tierarten?

Hannes Jaenicke: Ich habe vor ein paar Jahren Reisesendungen für den Sender Vox gemacht. Eine führte mich nach Kanada, und dort filmten wir Orcas. Mir hat damals ein kanadischer Marineangehöriger erzählt, dass verendete Orcas auf Giftmülldeponien entsorgt werden. Die sind hochgradig mit PCB und anderen Giften verseucht und erreichen nur noch die Hälfte ihrer eigentlichen Lebenserwartung von 70 Jahren, die Säuglingssterblichkeit ist in kurzer Zeit um das Vierfache angestiegen. Diese Aspekte hatte ich im Film drin, aber im Endschnitt waren dann nur schnuckelige Free Willys zu sehen. Das hat mich ziemlich genervt. Da habe ich angefangen, dieses Format zu entwickeln.

BRIGITTE.de: Was haben Sie selbst gelernt dabei?

Hannes Jaenicke: Ich wusste nicht, dass die Lebensräume der Orang Utans für Teak-Holz zerstört werden, damit wir billige Gartenmoebel kaufen koennen. Ich hatte noch nie von Coltan gehört. Damit laufen Laptops, Handys, Playstations - und darum streiten sich die Parteien im Bürgerkrieg im Kongo, um dieses so wertvolle Metall. Kinder werden unter übelsten Umständen in die Minen geschickt. Und die Gorillas, in deren eh schon kleinem Lebensraum das Coltan liegt, sterben dafür.

BRIGITTE.de: Wie stark ist das Bewusstsein für den Tierschutz bei uns? Der Orang-Utan-Film wurde im ZDF um halb zwölf am späten Abend versteckt...

Hannes Jaenicke: ...und hatte eine gigantische Quote. Das Bewusstsein ist beim Zuschauer ganz offensichtlich vorhanden. Der Film über die Eisbären kommt jetzt um 20.15 Uhr. Primetime. Das ist ebenso toll wie ungewöhnlich.

BRIGITTE.de: Meinen Sie denn, Sie bewirken etwas damit?

Hannes Jaenicke: Der holländische Forstwissenschaftler Willie Smits, bei dem wir den Orang-Utan-Film gedreht haben und der in Indonesien wieder Lebensraum für Orang-Utans schafft, hat in den drei Wochen nach der Sendung dreimal soviel Spendengelder bekommen wie in den drei Jahren davor. Und wenn ich es schaffe, dass 100 Deutsche kein Teakholz oder anderes Tropenholz mehr kaufen, dann habe ich schon gewonnen.

BRIGITTE.de: Welche Tierarten haben Sie sich als nächstes vorgenommen?

Hannes Jaenicke: Es wird zunächst Filme über Haie, Gorillas und Delfine bzw. Kleinwale geben. Gerade bei letzteren gehen wir große Institutionen an. Zum Beispiel Seaworld - da werden Delfine mit Antibiotika vollgestopft und systematisch ausgehungert. So ein Show-Delfin macht ja nicht freiwillig in viel zu kleinen Becken seine Kunststückchen...

BRIGITTE.de: Ist ein schwerer Kampf, den Sie da kämpfen.

Hannes Jaenicke: Aber ein spannender und befriedigender. Der ist gut für den Wutabbau. Wenn man mit seiner Wut richtig umgeht, kann sie ja was sehr Konstruktives sein.

BRIGITTE.de: Die meisten finden Wut fürchterlich.

Hannes Jaenicke: Man muss sie nur richtig kanalisieren. Man kann sich in Kneipen prügeln, Fensterscheiben einschmeißen, Flatratesaufen, Freeclimber werden oder Basejumper. Oder man kann eben solche Filme drehen.

BRIGITTE.de: Sie könnten auch in die Politik gehen.

Hannes Jaenicke: Politiker, die versuchen, etwas zu bewegen, kämpfen wie Don Quichote gegen die Windmühlen. Ich sehe das gerade an Sigmar Gabriel, dem Umweltminister. Der will etwas verändern. Und ist gescheitert an der Industrie, der EU, dem Koalitionspartner. Er hat kaum eine Chance, sei es bei vergleichsweise kleinen Dingen wie dem Verbot der Eisbärenjagd, der Verknüpfung der Abwrackprämie mit dem Kauf umweltfreundlicher Autos oder der Besteuerung von Flugbenzin.

BRIGITTE.de: Also...

Hannes Jaenicke: ...braucht es private Initiative. Bono, Warren Buffet und Bill Gates haben in nur sieben Jahren mehr afrikanische Kinder in die Schule geschickt als 50 Jahre Entwicklungshilfe. Der deutsche Entwicklungsdienst ist nur dafür da, neue Märkte zu erschließen. Wer wirklich etwas bewegen will, wird in der Politik schnell frustriert. Der muss sich bei Nichtregierungsorganisationen engagieren.

Im TV

Dokumentation: Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Eisbären 8. September, 20.15 Uhr im ZDF.

Interview: Stephan Bartels Fotos: ZDF
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