Mein Weihnachtswunsch: Schluss mit dem Wunschzettel-Wahnsinn

Ein Weihnachtswunsch ist keine Bestellung! Redaktionsleiterin Inga Leister will sich bei den Weihnachtsgeschenken wieder mehr am Modell Christkind orientieren.

"Ich hätte gerne ein ärmelloses Trainingsshirt. Irgendeine Farbe, die mir steht: Blau, Rot oder Pink. Hauptsache nicht Weiß. Es muss absolut kein Markenprodukt sein. Größe S." Diese SMS mit ihrem Weihnachtswunsch schickte mir am Sonntagabend eine meiner Schwestern. Ich war gerade dabei, ein Google-Doc zur Geschenke-Orga zusammenzulisten. Ehrlich gesagt waren es sogar zwei ("Was schenke ich wem?", Einstellung privat und "Was wünsche ich mir?", Einstellung öffentlich). Das war der Moment, in dem meine Gedanken zuckten: Das ist bescheuert. Das sind Kommandos, keine Wünsche. Ich liebe alle in meiner Familie, weil sie so sind, wie sie sind - unter anderem maximal pragmatisch. Ich ja auch. Aber so geht das nicht mit den Weihnachtsgeschenken.

Das optimale Geschenk erfüllt doch folgende Kriterien - maximal pragmatisch in Listenform: a) Es sollte von Herzen kommen und ein kleines bisschen Liebe enthalten. Zum Beispiel indem b) ersichtlich ist, dass sich der Schenker Gedanken gemacht hat, was den Beschenkten freuen würde. c) Es sollte dem gefallen, der es verschenkt – aber noch viel wichtiger: d) Es sollte dem gefallen, der es bekommt. e) Es sollte eine Überraschung sein.

Natürlich macht es das ohnehin überladene Leben in der ohnehin überladenen Vorweihnachtszeit leichter, sich beim Schenken auf d) zu konzentrieren. Das allein ist schon, gebe ich zu, eine Liebestat, weil es allen den Weihnachtsterror so weit wie möglich erspart. Aber wer sich ein kleines bisschen mehr an a), b), c) und vor allem e) hält, wird sich am Ende des Weihnachtstages mehr wie das Christkind fühlen. Das war nämlich genau der Witz an den Wunschzetteln, die mit Plätzchenklebefingern in jüngsten Jahren gemalt und gekrakelt wurden: Keiner wusste, für welches Highlight sich dieses Christkind entscheidet, nicht mal Mama und Papa.

Weihnachtszauberei macht glücklich, das merke ich an mir selbst. Ich sammele das ganze Jahr über mögliche Wünsche in einem bezahlbaren Preissegment, damit ich am Geburtstag und zu Weihnachten gut aufgestellt für Geschenk-Anfragen bin. Ich hab sie nicht alle. Denn ich könnte mir die meisten Sachen einfach sofort selber kaufen, statt Kommandos an Freunde und Familie zu verteilen. Ich mach das zwar, um ihnen – siehe oben – das Leben so leicht wie möglich zu machen. Aber stattdessen sollte ich ihnen vielleicht einfach mal sagen: ICH FREUE MICH ÜBER JEDES GESCHENK. Wirklich. Jedes. Ich finde Verschenken und Beschenktwerden so wunderbar, dass mich selbst Geschenke fröhlich machen, die mir nicht gefallen. Richtig bezaubert bin ich beim Auspacken, wenn ich nicht schon vorher weiß: Im silbernen Sternchengeschenkpapier ist die Pfanne eingewickelt, die ich für Bolognese-Experimente gerne hätte. Und im goldenen Sternchengeschenkpapier die neuen Kissenbezüge für mein Gästebett.

Fester Weihnachtsvorsatz für dieses Jahr: Ich werde mich zumindest selbst wieder mehr am Christkind orientieren. Meine Schwester hat es mir ein bisschen leichter gemacht, sie zu überraschen. Gestern kam eine weitere SMS. "Falls Trainings-Top schwierig wird, nehme ich auch eine rote Baskenmütze."

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