Warum wir Lieblingsplätze brauchen

Warum Lieblingsplätze für uns so wichtig sind und worauf man beim Gestalten achten sollte, erklärt der Wohnpsychologe Uwe Linke.

BRIGITTE: Schon Babys krabbeln gern in Kartons, Kinder bauen sich besondere Plätze, etwa Buden im Wald oder Höhlen aus Decken. Ist das eine Art Ur-Instinkt?

Uwe Linke: Ja, ganz unbewusst versuchen Babys und Kinder die "Urhöhle", den Bauch der Mutter, nachzustellen: weich, warm und komplett umsorgt - je enger, desto gemütlicher. Die Idee "repräsentativ" kommt erst deutlich später.

Warum sind unsere Lieblingsplätze so wichtig für uns?

Unser Lebensraum wird immer öffentlicher, und dadurch fehlen intime Rückzugsorte, an denen wir ungestört und selbstbestimmt sein können. Darum sperren sich z. B. viele Männer zu Hause erst einmal im Klo ein und verbringen dort mehr Zeit als nötig. Frauen machen tendenziell die ganze Wohnung zu einem Ort der kuscheligen Inseln. Ihnen ist das bewusster und ein Wohlfühlraum durch den häufigeren Austausch mit anderen Menschen auch meist wichtiger, während Männer beim Thema Entspannen oft an Ablenkung denken - ein großes TV-Gerät oder eine dezibelstarke Musikanlage ist dann bedeutsamer als ein gemütliches Sofa voller Kissen.

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berät als Wohnpsychologe Privatpersonen und Unternehmen (Infos: www.uwelinke.de). Seine Erfahrung: "Es gibt kein richtiges oder falsches Wohnen, nur ein individuelles." Buchtipp: "Die Psychologie des Wohnens" Adressen der Hersteller auf Seite 147 (136 S., 17,99 Euro, Nymphenburger)

Ist der Rückzugsraum also ein modernes Phänomen?

Meine Erfahrung mit meinen Kunden ist, dass viele Menschen erst auf diese Idee kommen, wenn die Kinder aus dem Haus sind und damit Raum frei wird. Gegeben hat es diese Rückzugsräume aber immer schon, man denke nur an Alkoven oder Boudoirs, beides Bereiche, in die man sich zurückzog.

Was passiert an unseren Lieblingsplätzen mit uns?

Das kommt darauf an, wie bewusst ich bei der Gestaltung vorgegangen bin: Die Bedeutung des Lieblingsplatzes nimmt mit dem Grad der Aneignung zu. Hat man den Raum selbst gestaltet und dafür Ressourcen verwendet, verstärkt das die Bindung, schafft Zufriedenheit. Das unterscheidet eine "Wohlfühlinsel" auch von dem bevorzugten Platz auf der Couch.

Wie geht man beim Gestalten idealerweise vor?

Es macht Sinn, sich erst einmal zu fragen, welches innere Bedürfnis entscheidend ist. Sucht man Ruhe und Entspannung oder eine Kommando-Zentrale mit perfektem Zugriff auf Anregung? Die innere Stimme zeigt den Weg, und der Körper antwortet mit Empfindungen. Und man sollte daran denken, dass sich die Bedürfnisse mit jedem äußeren und inneren Lebensabschnitt auch wieder ändern.

BRIGITTE 20/2014
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