Wohnen mit Duft

Das Gute im Winter? Man kann es sich zu Hause so richtig gemütlich machen und sich dabei die feinsten Aromen von Zimt bis Lavendel um die Nase wehen lassen. Hier sind die schönsten Raumklima-Verbesserer.

Lange dunkle Abende, frostige Außentemperaturen . . . und drinnen zieht der Sommer durchs Haus, zartes Lavendelaroma liegt in der Luft. Oder doch lieber ein Hauch Bratapfel auf Knopfdruck - per Raumduft? Sie haben die Wahl. Sich in den eigenen vier Wänden auch duftmäßig einzurichten, sich selbst und anderen über den Geruchssinn ein wohliges Wohngefühl zu vermitteln und vielleicht auch ein ganz kleines bisschen am eigenen Image zu schrauben, das ist mittlerweile ein Kinderspiel. Hotels oder große Modehäuser zum Beispiel haben es vorgemacht: Mit ausgeklügelten Aroma-Kompositionen geben sie sich und ihren Räumlichkeiten weltweit eine unverkennbare, besondere Note (siehe Interview Seite 42). Auch das Angebot für den Privatbereich, so genannte "Home Fragrances", die im Handumdrehen ein gutes Klima zaubern wollen, ist riesengroß: Zerstäubersprays, Diffusoren mit Holzstäbchen, Duftsteine und -kerzen gibt es. Sogar Bügelwasser in der Note des Parfüm-Favoriten steht zur Auswahl. Für welche Art der Beduftung man sich entscheidet, ist Geschmackssache.

Duftkerzen

Duftkerzen zum Beispiel. Sie sind echt was für Romantikerinnen. Allerdings nichts für Empfindliche. Die Kerzen speichern nämlich Aromen in ihrem Wachs, und wird das beim Abbrennen warm und weich, verteilen sich die Duftmoleküle recht intensiv im Raum. Damit es keine Kopfschmerzen gibt, sollten die Kerzen nicht länger als ein bis zwei Stunden am Stück brennen. Dochte kurz halten, das verhindert, dass mit dem Ruß unter Umständen gesundheitsgefährdende Stoffe an die Umgebung abgegeben werden. Besonders aromatisch: Kerzen mit reichlich ätherischen Ölen (und häufig auch mit Pflanzenwachs statt Paraffin). Allerdings haben diese Kerzen ihren Preis, meist aufgrund teurer Rohstoffe. Zudem stecken sie nicht selten in edlen, luxuriös gestalteten Glasgefäßen. Was übrigens der Haltbarkeit zuträglich ist: Der Geruch hält sich mindestens zwei Jahre, mit einem Deckelverschluss sogar noch etwas länger. Duftkerzen z. B. von: Acqua di Parma, Clarins, Molton Brown, Guerlain, L'Occitane, Miller Harris, Sisley, M. Micallef, Chloé, Casa di Profumo by Douglas, Esprit Home, Jil Sander, Armani Privé. Duftkerzen mit natürlichen Ölen und Wachsen z. B. von: Aveda, Neom, Origins.

Diffusoren

Diffusoren mit Holzstäbchen setzen ebenfalls besonders nachhaltig Aromen frei - allerdings nach und nach. Das Gemisch aus Wasser, Alkohol, Farbstoffen und ätherischen Ölen muss erst einmal an die Luft befördert sein. Dazu werden zarte Stäbchen aus Holz, Rattan- oder Bambus in meist filigranen Gefäßen mit dem Mix versenkt. Dann klettert die Flüssigkeit empor und wird an die Umgebung abgegeben, den ganzen Tag lang. Dabei gilt: Je mehr Stäbchen hineingesteckt werden, desto präsenter ist die Mischung. Wesentlich zurückhaltender und nur an die unmittelbare Umgebung lassen Diffusoren aus Ton die Aromen frei. Ein Duftöl wird auf die poröse Oberfläche getropft und verdunstet nach und nach. Sie sind super für alle, die sich einen Raum mit anderen teilen (zum Beispiel im Büro Diffusorsteine einfach neben den Computer legen). Diffusor mit Stäbchen z. B. von: Carthusia, Clarins, Casa di Profumo by Douglas, Farfalla, Florascent, Wellments (in Naturkosmetik- und Bioläden). Keramiksteine z. B. in Naturkosmetik-Shops. Duftöle z. B. von: Crabtree & Evelyn, The Body Shop, Yves Rocher.

Raumsprays

Raumsprays sind eine schnelle Lösung. Buchstäblich auf Knopfdruck und ganz wunderbar leichte Weise vernebeln sie per Pumpzerstäuber feine Essenzen. Der Wohlgeruch ist sofort da und verfliegt auch relativ bald mit dem Alkohol. Der steckt (neben Wasser) als Hauptträgersubstanz und natürliches Konservierungsmittel in den Sprays. Unter den Zerstäubersprays gibt es übrigens auch solche, die den Raum energetisch reinigen sollen, zum Beispiel mit ätherischem Weißtannen- oder Lavendelöl. Das ist übrigens ein Klassiker auf dem Gebiet. Lavendel, der Name der blau blühenden Heilpflanze, wird vom lateinischen Wort "lavare" abgeleitet, zu Deutsch: waschen. Raumsprays z. B.: Crabtree & Evelyn, Esprit Home, Culti, Weisswange, Neom. Reinigendes Raumspray z. B: "Space Clearing" von Primavera.

Aromalampen

Aromalampen eignen sich, um sehr gezielt zu dosieren. In einer flachen Schale wird Wasser (mit ätherischen Ölen) über einem Teelicht erwärmt. Wird das Wasser warm und verdampft, nimmt es die Moleküle der Öle mit. Die Duftintensität lässt sich durch die Anzahl der Öltropfen fein abstimmen, die man in das Wasser träufelt (in der Regel drei bis fünf Tropfen). Bei diesem Klassiker der Raumbeduftung (und bei Sprays) hat man auch die Güte der Öle in der Hand: Statt eines "Duft-" oder "Parfümöls" sollten Sie am besten ein naturreines ätherisches Öl kaufen, das auf dem Etikett nicht nur den botanischen Namen, sondern auch Herkunftsland und Gewinnungsart nennt. Übrigens sollte sich in den Aromalampen immer ausreichend Wasser befinden: Die Öle verbrennen sonst bei zu hohen Temperaturen. Ätherische Öle für Aromalampen gibt es zum Beispiel von: Farfalla, Primavera, Sanoflore und Taoasis.

Bügelwasser

Sehr subtil ist der zarte Duft, der sich allein beim Öffnen des Schrankes präsentiert. Etwa, weil der mit Lavendel-Schrankpapier ausgeschlagen ist oder weil die Wäsche mit parfümiertem Wasser (speziell fürs Dampfbügeleisen) gebügelt wurde. Und für alle, die besonders gut einschlafen und dabei in eine eigene Welt abtauchen wollen, gibt es jetzt eine ganz eigene Reihe von Betthupferln: "Pillow Sprays", die einfach aufs Kopfkissen gesprüht werden - das sorgt für schöne Träume und bringt auch Vielreisenden sofort ein kleines Stück Zuhause ins Hotelzimmer. Bügelwasser und/oder Schrankpapier z. B. von: Prada, Crabtree & Evelyn. Kopfkissensprays z. B. von: L'Occitane, Molton Brown, Origins, The Body Shop, Jo Malone, Guerlain.

Interview: Weshalb alles so gut riecht

Ob Boutique oder Zahnarzt - immer öfter wird bewusst beduftet. Ein Profi sagt, warum. Zahnarztpraxen riechen nach Orangen gegen Angst, selbst Schuhläden duften erst dank eines Aromenmixes nach Leder. Robert Müller- Grünow weiß, was hinter der professionellen Beduftung steckt. Denn er sorgt in mehr oder weniger öffentlichen Räumen für den richtigen Duft. Mit seiner Firma "Scentcommunication" hat er den Prada-Store in Mailand beduftet - und ganz aktuell auch Miele.

BRIGITTE: Wieso brauchen Boutiquen oder Firmen eigene Düfte?

Müller-Grünow: Weil es nirgendwo nicht duftet. Es riecht immer nach irgendwas, meist aber zufällig. Gerüche nehmen wir sofort und ungefiltert wahr. Erst riechen, dann denken wir. Wenn es für Sie in einem Laden schlecht riecht, werden Sie weniger lange bleiben - und wahrscheinlich nichts kaufen. Oder Sie werden am Arbeitsplatz nicht konzentriert arbeiten können, weil sie sich nicht wohl fühlen. Da hilft dann auch die beste Innenarchitektur nicht.

BRIGITTE: Welche Aromen setzen Sie ein, damit sich Menschen wohl fühlen?

Müller-Grünow: Ich muss Gerüche finden, die zum Beispiel die Werte einer Marke transportieren. Im Miele-Duft, den wir gerade für die neue Zentrale in den Niederlanden entwickelt haben, verbinden sich Mandarinenöl, Rose, Orchidee mit Vanille, Kakao, Moos, Moschus und Sandelholz. Mandarine und die Orchidee, das erinnert an frisch gewaschene Wäsche. Vanille und Kakao sind wichtige Backzutaten und vermitteln Gemütlichkeit. Miele soll nach Zuhause riechen.

BRIGITTE: Und wie riecht es bei Ihnen in der Wohnung?

Müller-Grünow: Im Moment nach Limette, als Erinnerung an den Sommer. Jede Wohnung hat einen Eigengeruch aus Köpergeruch, Putzmitteln, Kochdünsten und Bausubstanz - das wird von Besuchern oft als fremd empfunden. Mit kleinen Duft-Akzenten lenken Sie die Nase aber schon ab.

Fotos: Oliver Schwarzwald Produktion: Birgit Potzkai Text: Angela Schöneck Interview: Markus Brügge Ein Artikel aus der BRIGITTE 02/09

Wer hier schreibt:

Markus Brügge
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