Leben im Mini-Haus: Acht Quadratmeter Glück

Die amerikanische Designerin und Autorin Dee Williams hat sich von allem Überflüssigem getrennt und lebt in einem Mini-Haus. Das geht inzwischen auch in Deutschland.

Dee Williams' Buch "The Big Tiny" über das Leben auf rund acht Quadratmetern ist bei Blue Rider Press erschienen (304 Seiten, 18 Euro, in englischer Sprache).

"Was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?" Das hat sich jeder schon gefragt. Aber was kommt mit, wenn ich in ein Haus ziehe, das nicht viel größer ist als ein Schlafwagen-Abteil? Schon schwieriger. Die amerikanische Designerin Dee Williams hat die Frage für sich beantwortet: Seit 2004 wohnt sie in einem Mini-Holz-Haus auf Rädern, das sie selbst gebaut hat. Die Liste der Dinge, die sie besitzt, hat jetzt 305 Posten inklusive Bettlaken. Weniger, als manche Menschen in ihren Küchenschränken aufbewahren. Mitgenommen hat sie ihren roten Pashmina-Schal, ihre Kletterausrüstung, eine paar Bücher, vier Schmuckstücke und ihren Laptop.

"Und wo parkt das Tiny House?", ist oft das Erste, was sie gefragt wird. Muss doch traumhaft sein, wenn jemand filmreif mit einer Art Schneckenhaus auf dem Rücken durch die Staaten zieht. Camper-Idylle, Barbecue, Sonnenuntergang, Abspann. Freiheit im Nano-Format. Für Dee Williams ist dagegen etwas anderes viel entscheidender als der Standort im Garten eines Freundes: Die Gemeinschaft, die sie sich ausgesucht hat.

Williams, heute 51 Jahre alt, zog aus ihrem großen Haus in Portland/Oregon aus, um unabhängiger zu leben. Für das rollende Mini-Haus hatte sie sich von dem amerikanischen Experten für nachhaltige Architektur und Tiny-House-Pionier Jay Shafer inspirieren lassen. Das Haus hat keine Dusche, wird mit Solarstrom versorgt. Williams wollte nicht mit dem Kabel in der Hand bei den Nachbarn klopfen müssen. Die monatlichen Betriebskosten belaufen sich auf acht Dollar. Geduscht wird bei der Nachbarin und dort geht auch ab und zu ein Pie in den Backofen, denn das Haus hat zum Kochen nur eine Gasflamme. Der komplette Hausputz ist in zehn Minuten erledigt. Das bedeutet: mehr Zeit für Familie und Freunde.

Ist sie jetzt glücklich, wenn sie auf der winzigen Veranda ihres Vehikels sitzt? Und wie fühlt sich das an, so unabhängig zu sein, inmitten von Tieren und unkonventionellen Nachbarn auf einem eher unaufgeräumten Areal in Olympia/Washington? "Ich bin noch immer überrascht, wie sehr ich es liebe", sagt die 51-Jährige. Eine Sache habe sie aber erst lernen müssen: Mit den Jahren - besonders nach einer Erkrankung - stellte die Baumeisterin fest, wie verbunden sie mit den neuen und alten Freunden ist, wie sehr ihr Leben mit dem der Nachbarn verflochten ist. Und dass es gar nicht so schlimm ist, auf Hilfe angewiesen zu sein. Die erste Frage könne daher nicht sein, wo das Haus gerade parke, sondern in welcher Gemeinschaft sie jetzt lebe. "Emotional zu wachsen war nicht Teil meiner Pläne", schreibt sie auf ihrer Website. Aber die Autonomie, die sie ursprünglich erreichen wollte - die sei jetzt nicht mehr so wichtig.

Tipps und Infos

Statistisch gesehen macht sich jeder Bundesbürger auf 45 Quadratmetern breit. Durchschnittlich kosten die als Eigentum 95 000 Euro. In Frankfurt und Hamburg rund 160 000 Euro, in München sogar 255 000 Euro. In Tokio kommen die Bewohner dagegen mit durchschnittlich 15 Quadratmetern aus.

Mini-Würfel zum Übernachten, wie sie zuletzt auf der Internationalen Tourismusmesse (ITB) und auf der Berlinale zu sehen waren, gibt es mit Bademöglichkeit unter www.scube-parks.de - sie stehen in Berlin und Brandenburg. Eine Reise von Cube zu Cube bis nach Dänemark ist für 2015 geplant.

Der Wohnwürfel aus Fichte des Berliner Designers Werner Aisslinger, war eines der ersten "Tiny Houses" in Europa: www.fincube.eu

Schrumpft Ihre Idee vom Traumhaus gerade zum Zimmer mit Dach zusammen? Wem die Idee von der Bonsai-Version der eigenen vier Wände gefällt, der stöbert bei www.tiny-houses.de. Hier gibt es Grundrisse, Fotos, Bilder von Baumhäusern, Anbieter von Mikro-Häusern in Deutschland und auch winzige Ferienhäuser.

Auf Dee Williams' Website www.padtinyhouses.com kann die DIY-Gemeinde Pläne erwerben, und dann zu Hause die ersten Balken zurechtsägen.

Wer sich fürs Bauen in besonderen Maßstäben interessiert, findet Beispiele auf der Website der Architekten Nanni Grau und Frank Schönert unter www.huettenundpalaeste.de. Die beiden haben bereits über 40 Kleinbauten zwischen zwölf und 45 Quadratmetern realisiert.

Text: Lisa Schönemann

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