Wohnung unter dem Dach

Eine Wohnung hoch oben hat seinen besonderen Charme. Welche Möbel passen in die Schrägen, und wie kommt Licht in die Wohnung? Hier sind die besten Ideen.

Alles unter Dach und Fach

Wohnen, Arbeiten und Schlafen, alles in einem großzügigen Giebelzimmer: Die einzelnen Lebensbereiche sind hier nicht durch Wände, sondern zum Beispiel durch ein variables Regal voneinander getrennt (Infos siehe Seite 167). Auch der Fußboden teilt die gemütliche Kuschelecke ab: Unter dem Sofa liegt weicher Teppich, im Durchgangs- und Essbereich ist der Boden aus Holz. Die dunkle Farbe der Stirnwand verkürzt den sonst weiß gestrichenen, langgestreckten Raum optisch. Richtig hell wird's, wenn mehrere Dachfenster vom Boden bis hinauf in den First reichen (Velux, wie abgebildet ca. 5072 Euro).

Sessel "Cité" und Couchtisch "Guéridon Bas": Vitra, 2529 Euro und 1052 Euro; Stehlampe "Kulla" und Fell "Grössby": Ikea, 80 Euro und 139 Euro; Stühle "Palocco": Habitat, 119 Euro; Kaminofen "Boxer": Harrie Leenders; Hängeleuchten, Geschirr: Blohmgumm; rosa Gläser: Mercato Piazza; gestreifte Kissen: Die Wohngeschwister; Parkett: Parador; Teppich "Poodle": Object Carpet

Schlafen unter Schrägen - Schon mal so schön geträumt?

Raumteile

Die rechteckigen Holzkästen können einzeln aufeinandergesetzt werden und ergeben ein Regal, das sich individuell dem Neigungswinkel des Daches anpasst. 40 cm hoch, 40 cm tief, 50 cm breit, mit Rückwand. Unbehandelt je 69 Euro, lackiert je 79 Euro (Car Selbstbaumöbel). Bettgestell "Malm", Leuchtenschirm "Skimra" und Leuchtenfuß: Ikea, 139 Euro, 4 Euro und 6 Euro; Tagesdecke, graue Kisten: Ikea; Bettwäsche: Kenzo; Wecker: Bethge Hamburg; Holzbank: privat

Erleuchtung Der Platz am Fenster ist ideal zum Arbeiten (Schreibtisch "Travel Studio": Ligne Roset, 2016 Euro), an hellen Tagen ist aber ein Blendschutz ratsam. Die Hersteller von Dachfenstern (z. B. Velux) bieten passende Jalousien an. Praktisch für die Schräge: magnetische Wandfarbe statt Pinnwand (z. B. von MagPaint) roter Stuhl "Tallow": Habitat, 140 Euro; Schreibtischleuchte "Ratio": Fontana Arte, ab 264 Euro; Dachfenster und Jalousie: Velux; Tasche: Freitag; Laptop: Apple; Tesafilm-Abroller: Bethge Hamburg; Kartenhalter, Magnete: Butlers; magnetische Wandfarbe: MagPaint.

Rollenspiel

Das mobile Sideboard aus Eiche - hier stehen zwei nebeneinander - ist niedrig genug, dass es unter die Schräge passt und man trotzdem Nützliches und Schönes auf die Abdeckplatte stellen kann. Dank der Rollen ist es verschiebbar und kann Platz machen, wenn Gäste kommen und der Tisch umgestellt wird. Es gibt aber auch passende Kufen. 120 cm breit, 40 cm tief, Höhe inkl. Rollen 65 cm (Octopus, je 598 Euro).Tisch: Octopus, 928 Euro; CD-Radio: Sonoro, 259 Euro; Keramikvasen: Habitat; Glasvasen: Mercato Piazza; Schale, Matrioschka: Souk.

Faulenzen unterm First - Der neue Lieblingsplatz im Haus

Stauraum Nirgends eine senkrechte Wand für den Kleiderschrank? Eine praktische Lösung sind vom Tischler angefertigte Kästen aus lackiertem MDF auf Industrierollen, die die exakte Höhe des Kniestocks berücksichtigen. Im Idealfall ist noch Platz für Borde und eine Kleiderstange. Es gibt auch Firmen, die speziell für Dachschrägen geeignete Möbel anbieten, zum Beispiel Hülsta und Raumplus.Sessel, Couchtisch: Vitra; Papier-, Glasvase: Bo Concept; Bettwäsche: Kenzo; Fell, Tagesdecke: Ikea.

Weitblick Wo sind die Plejaden? Hier oben ist es ja nicht mehr weit zu den Sternen . . . und mit Teleskop ist der Blick noch viel spektakulärer (Meade, 499 Euro).

Kuschelecke Das Sofa wird - gedreht, mit hochgeklappter Seiten- und heruntergelassener Rückenlehne - zum bequemen Bett, wenn mal Besuch über Nacht bleibt (Die Wäscherei, 1894 Euro). Beistelltische: Octopus, ab 119 Euro; Tischleuchte "Visio": Ligne Roset, 147 Euro; gemusterte Kissen: Bo Concept; Bild: Ikea; Wolldecke: Zoeppritz; blaue Wandfarbe Q05030: Sikkens

Interview: "Licht ist ein Lebenselixier"

Peter Andres

.... und wer unterm Dach wohnt, kann sich das Beste davon in die eigenen vier Wände holen. Der Hamburger Lichtplaner Peter Andres erklärt, wie das geht und warum Tageslicht uns glücklich macht.

BRIGITTE: Bekommen wir durch Fenster in Dachschrägen mehr Helligkeit in den Raum als durch herkömmliche?

Peter Andres: Ja, sie versorgen uns mit bis zu dreimal mehr Licht als Seitenfenster, bei gleicher Größe. Das liegt am schrägen, dem Himmel zugewandten Einfallswinkel. Die Helligkeit nimmt vom Horizont aus gemessen zum Zenit stetig zu. Direkt über uns ist sie also am größten.

Warum ist Tageslicht so wichtig für uns? Ohne Licht verkümmern wir und werden depressiv. Licht ist ein Grundnahrungsmittel, genau wie Wasser und Brot. Es beeinflusst die Leistungsfähigkeit, ermöglicht überhaupt erst die Synthese von Vitamin D und wirkt sich positiv auf die Zusammensetzung des Blutes aus.

Wie genau wirkt es sich auf unser Wohlbefinden aus? Unser Tag-Nacht-Rhythmus wird von zwei Hormonen bestimmt: Cortisol, einem positiven Stresshormon, und dem Schlafhormon Melantonin, das der Körper in der Dunkelheit produziert und das uns müde macht. Morgens regt das Licht die Produktion von Cortisol an und macht uns Lust auf einen aktiven Tag. Damit wir uns gut fühlen, brauchen wir ein gewisses Quantum an Licht. Dabei wird zwischen der Lichtmenge unterschieden, die wir zum Arbeiten oder Lesen brauchen, nämlich 500 Lux, das entspricht dem Licht einer guten Leselampe, und der Lichtmenge, die stimmungsaufhellend wirkt, also bei der Cortisol im Körper freigesetzt wird. Das passiert bei Beleuchtungsstärken von mindestens tausend Lux. Was wir als angenehm oder störend empfinden, hängt aber auch sehr vom Alter ab. Mit 60 Jahren braucht ein Mensch etwa dreimal soviel Licht wie mit 20.

Wie kann eine Dachwohnung geplant werden, damit dort die optimale Lichtausbeute erreicht wird? Wichtig ist die richtige Ausrichtung der Räume. Wohnzimmer und Küche sollten Richtung Süden liegen. Das sind die Räume, in denen man sich tagsüber am meisten aufhält. Im Schlafzimmer ist die Sonneneinstrahlung eher unwichtig, das kann gut auf der Ost- oder Nordseite liegen.

Worauf sollte man beim Einbau der Fenster achten? Fenster bringen nicht nur Helligkeit in den Raum. Sie helfen uns auch, einen Blickkontakt zu unserer Umwelt herzustellen. Das heißt: Auch wenn wir drinnen sitzen, wollen wir ein wenig am Leben draußen teilnehmen. Deshalb sollte bei einem Schrägfenster die untere sichtbare Fensterkante nicht höher als 90 cm und die obere Fensterkante oberhalb der Augenhöhe liegen. Und nicht den Sonnenschutz vergessen! Wer morgens die Wohnung verlässt, sollte die Rollos runterziehen, damit die Räume sich nicht so aufheizen können.

Wieso nehmen wir Gegenstände in einem Raum bei Tageslicht anders wahr? Weil sich unser Organismus seit hunderttausenden von Jahren auf Tageslicht eingestellt hat. Und das variiert von 5000 Lux an einem trüben Wintertag bis zu 100 000 Lux in praller Sonne an einem heißen Sommertag. Die gut hundert Jahre seit Erfindung der Glühbirne sind nichts im Vergleich dazu. Bei der Lichtplanung für Museen zum Beispiel arbeiten wir sehr viel mit Tageslicht, weil auch die meisten Künstler ihre Werke bei diesem Licht geschaffen haben. So haben wir die Möglichkeit, die Farben genauso zu sehen wie sie.

Spielt das Interieur auch eine Rolle? Klar. Bei einer dunklen Einrichtung brauche ich einen größeren Lichteinfall, um optimale Helligkeit zu erreichen, nämlich bis zu acht Prozent vom Tageslicht. In unseren Breiten herrscht an 80 Prozent der Tageszeit eine Außenhelligkeit von ungefähr 10 000 Lux. Bei einer Einrichtung mit hellen Materialien reichen schon zwischen drei und fünf Prozent der Außenhelligkeit.

Wie wichtig ist der Kontrast von Licht und Schatten? Sehr, weil uns dieses Wechselspiel an schönes Wetter erinnert. In jedem Raum sollten daher variable Lichtquellen installiert sein, die unterschiedlich regelbar sind und eine gute Mischung aus direkter und indirekter Beleuchtung möglich machen. Eine Blume, die von einem akzentuierten Licht beleuchtet wird, wirkt, als würde sie von der Sonne angestrahlt, eben wie an einem Sommertag - und das gibt uns ein gutes Gefühl.

Peter Andres hat als beratender Ingenieur für Lichtplanung den Flughafen in Hamburg und das Kunstmuseum in Stuttgart geplant. Er unterrichtet an der Peter Behrens School of Architecture in Düsseldorf. www.andres-lichtplanung.de

BRIGITTE Heft 02/08 Fotos: Gaby Zimmermann Produktion: Peter Fehrentz Interview: Tatjana Blobel
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