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Selbstliebe Kann man als Single glücklich sein – dauerhaft?

Frau sitzt im Schneidersitz auf dem Boden uns hebt glücklich ihre Arme
© Valerii / Adobe Stock
Kann man als Single glücklich sein – dauerhaft? Oder braucht der Mensch auf kurz oder lang eine Partnerschaft, um sich vollständig zu fühlen? 

Hättest du gewusst, dass in jedem zweiten Haushalt ein Single lebt? Wir auch nicht! Eine "SWR2 WISSEN"-Reportage im Rahmen der "ARD Themenwoche: WIR gesucht! Was hält uns zusammen?“ beleuchtet dieses Thema umfassend und hat uns selbst zur Frage bewegt: Hängt unser Lebensglück von einer:einem Partner:in ab oder schaffen wir es auch ganz gut ohne jemand anderen?

(Un)zufrieden: Wie viele Singles fühlen sich wirklich allein?

Viele Singles – überwiegend Frauen – haben aufgrund ihres Alleinseins mit Vorurteilen zu kämpfen. In Anbetracht dessen werden sie nämlich von anderen als weniger zufrieden und glücklich eingestuft. Das besagt zumindest eine zusammenfassende Studie des Sozialpsychologen Tobias Greitemeyer von der Universität Salzburg, aus der "SWR2 WISSEN"-Reportage. Wir wollten wissen: Woher kommen diese Vorurteile und können wir mit ihnen aufräumen? 

Das jemand glücklich ist, ganz allein und ohne Partner:in, ist für sehr viele Menschen ein unvorstellbares Lebensmodell. Der Grund dafür liegt in der Evolution, aus der wir entstammen, heißt es laut Psychologin Stefanie Stahl im Interview mit "Focus". Der Hauptgrund: Leben und überleben – sowohl körperlich als auch psychisch. "Das fängt ja schon bei unserer Geburt an. Wenn wir auf die Welt kämen und keiner würde sich um uns kümmern, dann würden wir in kürzester Zeit sterben", erklärt sie weiter.

Ebenso groß wie der Wunsch nach Zugehörigkeit ist allerdings auch das Bedürfnis nach Autonomie. "Kein Mensch auf der Welt möchte einfach nur ohnmächtig sein und sich ausgeliefert fühlen. Wir wollen mitbestimmen über unser Leben und auch über unsere Beziehungen", heißt es im "Focus"-Interview. Ganz schön kniffelig, denn hier prallen zwei essenzielle Grundbedürfnisse aufeinander, die entgegengesetzter nicht sein könnten.

Eine Feststellung, die sich auch in der enthaltenden "SWR2 WISSENS"-Studie von Lisa Fischbach, Psychologin und Forschungsleitern bei der Online-Partnerbörse EliteParnter, widerspiegelt. Aus dieser geht nämlich hervor, dass die eine Hälfte zwar eher unzufrieden mit Alleinsein ist, die andere Hälfte der Singles jedoch zufrieden. Bei Single-Frauen schwingt zudem häufig noch der biologische Druck, einen Partner zu finden, mit. Laut Fischbachs Studie sind es nämlich gerade die Frauen im Alter zwischen 30 und 39, die besonders unzufrieden sind.

Lebensglück durch Partner:in: ein Generationen-Ding

Sicherlich ist der ein oder andere schon mal mit der Situation konfrontiert worden, dass sich Familie oder Freunde nach dem aktuellen Beziehungsstatus erkundigt haben, gerne auch wiederkehrend, obwohl man die Antwort bereits kannte. Wieso aber machen wir einander so einen Druck und gefühlt das Lebensglück davon abhängig? "Ich denke, das ist in unserer Gesellschaft noch sehr traditionell so verankert", erklärt die Psychologin und Glücksexpertin Heide-Marie Smolka gegenüber der "Zeit" und damit mag sie vermutlich recht haben.

Als Single glücklich sein – aber wie?

Zugegeben, etwas abzulegen, was sich bereits durch viele Generationen schlängelt und sich in den meisten Köpfen eingeprägt hat, ist sicherlich nicht leicht. Doch ein Umdenken findet bereits statt und wo ein Wille, da ein Weg. Keine:n Partner:in zu haben, bedeutet nämlich längst nicht, dass man Mutterseelenallein auf der Welt ist – im Gegenteil. 

Bindung ist nicht gleich (Partner:innen)-Beziehung und zwischenmenschliche Kontakte lassen sich trotzdem aufbauen, und zwar in Form von tiefen Freundschaften oder guten Bekanntschaften. Das ist sogar wichtig, denn ein starkes soziales Netz kann einem die Angst davor nehmen, im pflegebedürftigen Alter allein zu sein. 

Resultierend kann man also sagen: Am Ende definiert jeder für sich, wie und mit wem er sich im Leben komplett fühlt. Eine:n Partner:in im Leben zu haben, egal in welcher Form, ist jedoch nie verkehrt. 

verwendete Quellen: "SWR2 WISSEN | ARD THEMENWOCHE: WIR GESUCHT! WAS HÄLT UNS ZUSAMMEN?", "Focus", "Zeit"

Brigitte

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