"Ich bin vom Job genervt - soll ich gehen oder bleiben?"

Je länger wir diese Antwort hinauszögern, desto mehr Kraft kostet es. Doch eine intelligente Plus-Minus-Liste hilft bei der Entscheidung.

Oft ist es so: Wir spielen innerlich ständig mit dem Gedanken an spannende Alternativen, träumen uns in neue Jobs oder eine Selbstständigkeit - und halten im realen Leben täglich aufs Neue die ungemütliche Situation aus.
"Das verbraucht viel Energie und führt zu nichts", sagt Selbstcoaching-Expertin Stefanie Demann und rät: "Wenn man immer wieder denkt, dass der Job eigentlich nicht oder nicht mehr zu einem passt, oder wenn man gereizt ist, wenn man an den nächsten Arbeitstag denkt, sollte man etwas tun."
Aber was? Man kann ja nicht sofort alles hinschmeißen, wenn der Job langweilt oder die Kollegen nerven. Das Geld muss ja schließlich auch irgendwoher kommen. Und überhaupt: Wer weiß, ob wir wirklich glücklicher werden, wenn wir gehen? Um diese Argumente zu sortieren und zu einer Lösung zu kommen, brauchst du nur ein paar intelligente Fragen, Papier, Stift und etwas Zeit. Und du solltest ein paar typische Stolpersteine kennen, die beim Lösen von Job-Problemen auftreten können. Nämlich folgende:

• "Mann, bin ich blöd!" Beim Selbstcoaching kommt es darauf an, sich selbst zuzuhören und zu würdigen, was man entdeckt. Auch das Schwierige und das, was man eigentlich gern anders hätte.

• "Ich will nur diese eine Sache verändern." Wichtig ist die Bereitschaft, auch sich selbst ein Stück weit zu verändern, wenn etwas anders laufen soll als bisher.

• "Das geht so langsam voran!" Coaches wissen, dass eine Coaching-Stunde oft viele Monate lang in der Person wirkt, bevor sich wirklich etwas verändert. Sei also geduldig mit dir selbst und deiner gesamten Entwicklung.

• "Selbstcoaching macht mich immer besser." Selbstcoaching ist keine Selbstoptimierung. Man wird nicht automatisch besser im Job, eher authentischer.

• "Nur eine perfekte Lösung ist eine gute Lösung!" Viel wichtiger ist, dass du überhaupt losgehst. Außerdem: Meist gibt es gar keine perfekte Lösung, sondern viele geschickte Wege.

ÜBUNG: Force-Field-Methode           

Einfache Plus-Minus-Listen helfen oft nicht, um eine gute Entscheidung zu finden. Denn manches Plus wiegt einfach schwerer als manches Minus. Effektiver ist die "Force-Field-Methode", bei der jede Option einzeln bewertet und das namensgebende Spannungsfeld der einzelnen Aspekte deutlich wird. Demann erzählt von einer Architektin, die so herausfand, dass nicht der neue Chef der Grund für ihre Unzufriedenheit war, sondern die veränderten Zuständigkeiten im Büro. Sie suchte das Gespräch, verhandelte ein interessanteres Aufgabenprofil und ist heute wieder glücklich. Demann: "Weil mit der Methode alle Ansichten, Gefühle und inneren Stimmen gehört werden, verlässt man das Schwarz-Weiß-Denken und neue Möglichkeiten werden sichtbar."

Lege folgende Liste an und fülle sie aus:

Wenn du alle wichtigen Gedanken aufgeschrieben hast, kannst du zusätzlich schauen, ob es Punkte gibt, die für dich wichtiger wiegen als andere. Markiere diese. Ebenfalls sinnvoll: Fasse zum Abschluss der Übung dein Gefühl für jede der Optionen noch einmal in konkrete Worte: "Wenn ich bleibe, fühle ich mich ..."/"Wenn ich gehe, fühle ich mich ..."            

Stefanie Demann ist Coach, Expertin für Selbstcoaching, und gibt Workshops zu diesem Thema. Sie hat mehrere Bücher geschrieben, u. a. den Bestseller "30 Minuten Selbstcoaching" (96 S., 8,90 Euro, Gabal).

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BRIGITTE Psychologie Spezial 2017

Wer hier schreibt:

Stefanie Demann
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