Wie gehe ich mit einer schwierigen Person um?

Natürlich wäre es am einfachsten, wenn der andere sich endlich mal ändern würde. Tut er aber nicht. Doch wer sich selbst besser kennt, kann viele Konflikte entschärfen.  

Narzissten oder Perfektionisten - das sind tatsächlich Menschen, mit denen objektiv schwer klarzukommen ist. Doch die meisten Schwierigkeiten im Miteinander ergeben sich eher aus der Beziehungsdynamik. "Denken Sie einfach an jemanden, den Sie schwierig finden, und eine typische Situation mit dieser Person", sagt die Kommunikationsexpertin Karen Zoller. "Das Kernproblem ist meistens gleich: Sie fühlen sich im Umgang mit der Person genötigt oder beschnitten, und das löst ein Gefühl von Bedrängnis aus. Und weil wir das nicht mögen, ordnen wir den anderen schnell als schwierig ein."

Deswegen macht es Sinn, erst einmal zu schauen, an welchen Stellen seiner Persönlichkeit man sich mit dem anderen verhakt. "Meist geht es um dieselben vier Grundbedürfnisse, die Menschen steuern: nämlich die Pole Nähe und Distanz sowie Struktur und Veränderung", so Zoller. "Und wenn Menschen mit unterschiedlich ausgeprägten Bedürfnissen aufeinandertreffen, wird es schnell schwierig." Es entlastet zu wissen, dass andere eben anders sind und ihr Verhalten nicht immer persönliche Ablehnung bedeutet. So fällt es leichter, Rücksicht zu nehmen. "Wer sich selbst besser kennt und weiß, wie der andere tickt, vermag zudem seine persönliche Schmerzgrenze mutiger zu vertreten. Denn auch dazu kann die neue Klarheit führen: Dass ich ganz bewusst entscheide, zu dieser Person auf Abstand zu gehen."

Übung: BEDÜRFNIS-CHECK


Mit den folgenden Fragen kommst du deinen eigenen Bedürfnissen auf die Spur und kannst einschätzen, ob Personen, die du als schwierig empfindest, vielleicht am entgegengesetzten Pol zu Hause ist. Wähle jeweils zunächst spontan die Antwort, die für dich selbst am ehesten zutrifft. 

Du erbst etwas Geld. Was wirst du mit dieser Summe tun?

A: Das zahle ich in meine Rentenversicherung ein. Für später.


B: Als Erstes leiste ich mir einen spontanen Urlaub oder etwas richtig Hübsches.

C: Davon kaufe ich etwas für die ganze Familie. Ein neues, gemütliches Sofa wäre zum Beispiel schön für alle.


D: Weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall rede ich nicht groß darüber, damit mir bloß keiner reinquatscht.

Stress zehrt an deinen Nerven. Wie findest du wieder zur Ruhe?

A: Ich räume meine Wohnung auf. Äußere Ordnung sortiert mich auch innerlich.


B: Ich lenke mich ab! Wenn ich tanze oder im Kino sitze, kann ich herrlich von allem abschalten.

C: Ich suche mir einen lieben Menschen, um mich richtig auszusprechen. Danach geht es mir schon besser.


D: Ich laufe eine Runde im Wald. Wenn ich allein bin, kann ich Gedanken und Gefühle am besten sortieren.

Wie sollte für dich ein richtig erholsamer Urlaub aussehen?

A: Wandern oder eine Radtour! Natürlich am liebsten mit einem Menschen, den ich schon sehr gut kenne.


B: Ich mag es, wenn eine Reise möglichst vielfältig ist. So etwas wie zwei Tage Strand, ein Tag Sightseeing in der Stadt und dann noch eine Safari.

C: Eine schöne Ferienwohnung, in der man gemeinsam mit Freunden oder der Familie die Ferienwochen verbringt und viel Zeit füreinander hat. Das ist super.

D: Ich mag ruhige Orte. Segeln oder auch Reisen in der Nebensaison. Erholsam ist es für mich, wenn ich niemanden um mich habe.

Welche Art von Freundschaften ist dir besonders wichtig?

A: Meine langjährigen Freundinnen zu treffen. Das ist ein Fest! Ich organisiere das regelmäßig.


B: Ich liebe es, immer wieder auch neue Leute kennenzulernen. Auf Partys oder einfach, weil man auf den gleichen Bus wartet. So manche Zufallsbekanntschaft wurde schließlich ein Freund.

C: Vieles, was ich tue, mache ich am liebsten mit Freunden. Die helfen beim Umzug, wir gehen gemeinsam zum Sport.


D: Ich finde es toll, dass ich ein, zwei Freundinnen habe, auf die ich mich wirklich verlassen kann. Auch wenn wir uns nicht so oft sehen, sind sie mir sehr nah.

AUSWERTUNG:

Je öfter du einen bestimmten Buchstaben angekreuzt hast, desto näher bist du einem dieser vier Bedürfnis-Pole:

A: Struktur
Du liebst Stabilität, Planung und eine gewisse Ordnung in den Dingen und Gefühlen. Anderen giltst du als verlässlich, loyal und gründlich. Nervig findest du dagegen alles, was uneindeutig ist, oberflächlich oder aber unvorhergesehen.

B: Veränderung
Bunt, neu, aufregend - diese Dinge magst du. Du blühst auf, wenn Tempo und Leben den Tag bestimmen. Empfindlich reagierst du dagegen, wenn jemand von dir Routine oder Gründlichkeit verlangt.

C: Nähe
Dir ist das Miteinander sehr wichtig. Freunde, Familie, ein gutes Team. Du bist hilfsbereit, gefühlvoll und interessiert an anderen. Schwierig findest du es, wenn andere sich vor dir zurückziehen oder auf deine Beziehungsangebote gar nicht eingehen.

D: Distanz
Du magst innere Unabhängigkeit genauso wie Zeit mit dir allein. Und du schätzt Ehrlichkeit. Allergisch reagierst du dagegen, wenn du dich respektlos behandelt fühlst und Menschen dir ständig Nähe- und Beziehungsgesten abverlangen.

Denke nun an eine Person, die du als schwierig empfindest, und beantworte die Fragen noch einmal so, wie diese es deiner Meinung nach tun würde.

Vermutlich ergibt sich in der Auswertung eine ganz andere Bedürfnisstruktur. Gehe mit diesem Wissen noch einmal deine letzten Konflikte durch. Könnte es sein, dass dein Gegenüber dich gar nicht ärgern oder verletzen wollte, sondern nur den eigenen Bedürfnissen entsprechend gehandelt hat? Nutze diese neue Sichtweise, um für dich zu klären, wie du das Miteinander zukünftig gestalten willst.

Dafür hast du drei Möglichkeiten:

Brücke:
Wenn dir die Beziehung wichtig ist, solltest du versuchen, die tieferen Beweggründe des anderen zu verstehen. Dafür muss man sich intensiv mit 
dem anderen beschäftigten. Das möchte man eigentlich nur bei Menschen, die
 einem wirklich nahestehen. Und: Verschwende keine Energie darauf, den anderen ändern zu wollen. Es ist vergebens. Andere haben genauso wie du 
ihre Gründe, so zu sein, wie sie sind.

Käseglocke:
Versuche, nur noch auf der Sachebene zu kommunizieren. Allerdings musst du es dann auch aushalten, auf spitze Bemerkungen oder Annäherungsversuche der anderen Person nicht einzugehen. Die Käseglocke ist oft eine gute Lösung für den Umgang mit nervigen Kollegen, Vermietern oder Nachbarn. Wenn du möchtest, dass der andere eine Handlung unterlässt - zum Beispiel lautes Telefonieren im Büro -, kannst du das natürlich einfordern. Aber erwarte nicht, dass der andere dir recht gibt und einsieht, dass er "objektiv" zu laut telefoniert.

Schranke:
Wer sich für den Kontaktabbruch entscheidet, muss konsequent sein und auch andere informieren, etwa:
 "Wenn mein Exmann kommt, bin ich nicht dabei." Gehe auch emotional auf Distanz, denn je mehr du dich über den anderen ärgerst, desto mehr landet deine Aufmerksamkeit da, wo du nichts ändern kannst - eine stete und wachsende
 Quelle für Frustration. 


Karen Zoller ist Diplompsychologin und Expertin für Kommunikation. Sie ist Autorin des Ratgebers "Schwierige Menschen. So gehen Sie souverän mit ihnen um" (304 S.,12,99 Euro, rororo).

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Karen Zoller
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