"Gaslighting": Manipuliert dich dein Partner? An diesen Sätzen erkennst du es!

"Du reagierst über", "Sei nicht so" oder "Entspann' dich mal!" Wenn du diese Sätze öfter hörst, könnte dein Partner "Gaslighting" betreiben. Wir erklären dir, was dahinter steckt.

Was hinter Gaslighting steckt
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Klassiker! Seine nassen Sportklamotten lässt er ständig im Bad liegen. Beim ersten Mal räumst du sie noch kommentarlos weg, das zweite Mal auch. Aber beim dritten Mal reicht's dir und du sagst: "Es stört mich, wenn du deine Sportklamotten nicht aufhebst!" Er dreht sich um, schaut vorwurfsvoll und zischt: "Jetzt bleib mal locker! Du übertreibst mal wieder!" Ui, das hat gesessen.

Jetzt geht bei dir das Gedankenkarussel los. War ich zu zickig? Hätte ich nichts sagen sollen? So schlimm ist das mit den Sportsachen ja auch nicht ... Die Gefühle, die den eben noch da gewesenen Ärger ablösen, sind jetzt Schuld und Scham. Das nächste Mal überlegst du dir zweimal, ob du seine Schluderei ansprichst.

Wie die Manipulation funktioniert

Weißt du, was da eben passiert ist? Obwohl ER derjenige war, der diese Emotionen erzeugt hat, suggeriert dir der Partner mit Sprüchen wie "Du übertreibst", "Mann, bist du empfindlich!" oder "Du immer mit deinem Kontrollzwang", dass deine Emotionen total unangebracht und nicht normal sind. Das ist nichts anderes als Manipulation! Denn dadurch fühlst du dich unsicher oder bereust deine Reaktion sogar.

Für diese Art von emotionaler Manipulation gibt es sogar einen Fachbegriff: Gaslighting. Der Begriff stammt aus dem Film "Gaslight" mit Ingrid Bergmann. Darin will ein Mann seine Ehefrau geisteskrank erscheinen lassen, um sich ihre Juwelen unter den Nagel zu reißen. Er verstellt zum Beispiel das Gaslicht im Haus ("Gaslighting"), das sich immer wieder verdunkelt - sodass die Frau glaubt, sie sei verrückt.

Den Männern ist oft nicht bewusst, was sie tun

Diplom-Psychologin Elke Aliatakis von der Plattform "Psychologen-Online" kennt dieses Phänomen und weiß: "Dem 'Täter' muss gar nicht unbedingt bewusst sein, dass er den Partner manipuliert. Gerade am Anfang passiert das oft unbewusst." Wenn er Kritik mit einem plumpen "Jetzt hör mal auf zu spinnen" abtut, steckt vielleicht gar keine böse Absicht dahinter. Solche und andere Phrasen hat er vielleicht längst verinnerlicht, um einer echten Diskussion aus dem Weg zu gehen.

Doch ob das Manipulieren bewusst oder unbewusst geschieht - Gaslighting kann gravierende Folgen für die Psyche und die Beziehung haben. "Im Grunde ist Gaslighting psychischer Missbrauch", sagt die Expertin. "In den Anfängen verwirrt einen die Aussage des Anderen erst mal und man nimmt eine Abwehrhaltung ein. Irgendwann beginnt man aber zu zweifeln - gerade Frauen lassen sich schnell verunsichern. Man fragt sich dann: Ist da was dran?" Das Problem: Merkt der "Täter", dass er sein "Opfer" verunsichert, kann er das in Zukunft gezielt ausnutzen. Oft - aber nicht immer - sind es Narzissten, die Gaslighting betreiben.

Hilfe, ich will keine Zicke sein!

Wirst du bei jeder kleinen Kritik vom Partner zurechtgewiesen, nimmst du mit der Zeit eine unterwürfige Haltung ein. "Man versucht sich dann automatisch anzupassen", sagt Aliatakis, "das führt dazu, dass die eigene Urteilsfähigkeit immer mehr abnimmt." Kritik äußerst du dann nur noch selten. Zu groß ist die Angst, wieder als überempfindliche Emotionsschleuder oder Zicke bezeichnet zu werden. So kann Gaslighting als eine Form des Missbrauchs dazu führen, dass dein Selbstwertgefühl sinkt und du dich nicht mehr traust, deine Gefühle auszudrücken. Die Balance in der Beziehung beginnt zu bröckeln.

Wann müssen die Alarmglocken angehen?

Mal einen blöden Spruch vom Partner zu bekommen, das kennt jeder - und das muss auch nicht gleich Gaslighting sein. Aliatakis aber rät: "Wenn es immer wieder vorkommt und man ein ungutes Gefühl dabei hat, sollte man mal Freunde oder Familie um Rat bitten. Vielleicht haben sie auch bemerkt, dass der Partner sich merkwürdig verhält."

Wie reagiere ich als Opfer auf Gaslighting?

Egal, ob die Manipulationen vom Partner bewusst gesteuert werden. Das Wichtigste ist, sich bewusst zu machen: Es ist völlig normal, dass ich mich aufrege. ICH bin im RECHT! Und wenn nicht, möchte ich vernünftig mit meinem Partner darüber diskutieren. "Es ist wichtig, ein klares Stopp-Signal zu senden", sagt die Expertin. "Hat der Partner eine andere Wahrnehmung und verwendet immer die gleichen manipulierenden Phrasen, dann sollte man ihn fragen: Warum wiederholst du das immer wieder?" Der Partner wiegelt ab? "Dann am besten klarmachen: Ich möchte nicht, dass du so mit mir redest!"

Wenn nötig, erkläre ihm genauer, warum du reagierst, wie du reagierst. So simpel es klingen mag: Oft ist es hilfreich, ihn einfach mal darauf hinzuweisen, was er mit seinen Sätzen anrichtet. "Ich fühle mich schlecht, wenn du mich als Zicke darstellst. Das ist nicht fair." oder "Das Thema ist ein wunder Punkt bei mir." Vielleicht merkt er erst danach, wie entscheidend die richtige Wortwahl ist. 

Laut Aliatakis kann es auch helfen, sich Hilfe von außen zu holen. "Wissen Freunde und Familie keinen Rat, kann vielleicht ein Paarberater oder ein Psychologe weiterhelfen." Wichtig ist, die Scham zu überwinden und sich einzugestehen: Ja, jetzt brauche ich Hilfe!

Unter Psychologen-Online könnt ihr euch übrigens auch von Experten und Psychologen online beraten lassen.

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