Trennung ohne Drama! So trennt ihr euch ohne Streit

Wie eine Trennung nicht zum Rosenkrieg ausartet und ohne Drama auskommt, erklärt die Paartherapeutin und Scheidungsmediatorin Nadja von Saldern.

BRIGITTE.de: Ihr Buch heißt "Glücklich getrennt" - geht das überhaupt?

NADJA VON SALDERN: Glücklich ist die Trennung ja schon, wenn sie geglückt ist. Und geglückt heißt für mich: Wir sind gute Eltern, wir können uns noch in die Augen gucken, wir haben nicht Tausende von Euro für den Scheidungskrieg ausgegeben. Und wir schauen wieder positiv in die Zukunft.

Wie kann das klappen?

Die sachliche Klärung ist der entscheidende Faktor für eine friedliche Trennung: Wer wohnt wo? Wann sind die Kinder bei wem? Wenn diese sachliche Klärung nicht allein gelingt, muss man in die Beziehung einsteigen, weil oft noch alte Muster ablaufen. Dabei kann ein neutraler Trennungsmediator helfen. Zum Glück wächst heute der Wunsch, eine Trennung gut hinzubekommen. Das liegt auch daran, dass die Frage, wie es den Kindern geht, mehr Eltern beschäftigt.

Es darf keine Verlierer geben

Entstehen Konflikte eigentlich eher, wenn sich nur einer trennen will?

Auf jeden Fall. Dann wird der andere den Rosenkrieg vielleicht als Strategie wählen, seinen Frust abzuarbeiten. Deshalb ist ganz wichtig: Es darf keine Verlierer geben. Verlierer wollen Ausgleich.

Wie kann man Streit vermeiden?

Wenn man gehen will, sollte man vorher angedeutet haben, dass die Beziehung problematisch ist, um den anderen nicht unvorbereitet zu treffen. Man sollte dem Partner die Gründe erklären und ihn nicht belügen, sondern mit Respekt behandeln. Und sich bewusst sein, dass Anwälte den Konflikt anheizen können.

Nadja von Saldern hat Rechtswissenschaften studiert, bevor sie sich als Paartherapeutin und Mediatorin ausbilden ließ. Sie praktiziert in Berlin und Potsdam: www.paartherapie-mediation-berlin-potsdam.de ("Glücklich getrennt", 256 S., 15 Euro, Ullstein leben)

Was mache ich, wenn mein Partner trotzdem den Rosenkrieg will?

Ich sollte mich fragen, ob ich selber etwas dazu beigetragen habe, dass der andere sich als Verlierer fühlt. Vielleicht kann ich ihm signalisieren, dass es mir leidtut, dass ich ihn verstehe, dass auch ich Fehler gemacht habe. Wenn das nichts bringt, sollte man zur Scheidungsmediation gehen. Und wissen: Irgendwann darf und muss man seine Interessen vertreten.

Was raten Sie, wenn niemand aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen will?

Eine typische Mediationssituation. Sind die Fronten verhärtet, könnte man sich zum Beispiel einigen, dass jeder für sechs Monate auszieht. Am Anfang wollen oft beide in der Wohnung bleiben, weil es sich dann nur nach kleiner Trennung anfühlt, nach wenig Veränderung. Aber nach ein paar Monaten sagt vielleicht der, der in der Wohnung geblieben ist: Ich kann ja gar keinen Neuanfang machen. Es kommt zu Perspektivenwechseln, die man vorher nicht absehen konnte. Deswegen ist es gut, temporäre Lösungen zu vereinbaren. Geht es nur darum, wer gewinnt oder verliert, kann man klarmachen, dass der, der auszieht, Frieden stiftet. Und ihm vielleicht mehr Umgang gewähren. Beide müssen ihr Gesicht wahren können.

Stabilität ist für die Kinder am wichtigsten

Was kann man tun, um den Kindern möglichst wenig zu schaden?

Kinder brauchen einen festen Rahmen, in dem sie sich frei bewegen dürfen. Wenn eine Beziehung scheitert, dann fängt der Rahmen an zu bröckeln, und die Kinder merken, dass er sie nicht mehr hält. Dann ist es wichtig, dass sie zwei neue stabile Rahmen bekommen. Eltern sollten sich so gut verstehen, dass zwischen den beiden Rahmen eine gute Verbindung besteht und die Kinder problemlos wechseln können. Und sie sollten den anderen Rahmen nicht schlecht machen.

Und was würden Sie einem Paar raten, das heiraten will?

Dass es die Beziehung nicht auf die leichte Schulter nimmt, sondern immer daran arbeitet. Vorher sollte zusammen überlegt werden: Was wünschen wir uns voneinander? Wie stellen wir uns das gemeinsame Leben vor? Wer sorgt für das Familieneinkommen? Es ist sinnvoll, das auszusprechen und immer wieder anzupassen.

Fazit: Ein Ratgeber für Menschen, die überlegen, sich zu trennen, oder den Entschluss schon gefasst haben - mit hilfreichen psychologischen Tipps und juristischen Ratschlägen für die Zeit danach.

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Wer hier schreibt:

Daniela Stohn
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