Alternative Kinderbetreuung: Wohin mit Anna und Fynn?

Kinder sind toll, außer: man muss zum Arzt, zum Frisör oder Einkäufe erledigen. Wohin mit den Kleinen, wenn die Kita Feierabend hat, und Oma und Opa weit weg wohnen?

In Fitnessstudios ist es schon lange Trend: Schwitzen junge Eltern im Step- oder Kickboxing-Kurs, können sie den Nachwuchs in der hauseigenen Kinderbetreuung abgeben, meist kostenlos. Das geht zumindest bei einigen der größeren und teureren Studios, beispielsweise bei Elixia oder Fitness Company. Auch bei Reiseveranstaltern hat sich längst herumgesprochen, dass Kinderbetreuung ein Muss ist: Familienhotels, "Kids Clubs" oder Center Parks nehmen den Eltern die Kinder ab, wenn sie es denn wünschen.

Im ganz normalen Alltag sieht es allerdings anders aus. Ein Arztbesuch wird zur Herausforderung, wenn das Baby im Wagen schreit, das Einkaufen zum Nervenkrieg, wenn der Kleine die Regale leer fegt, und der Frisörbesuch endet schneller als geplant, weil Töchterchen sich nun doch nicht mit einem Eis bestechen lässt, eine halbe Stunde still zu sitzen. Nicht alle Eltern haben Oma oder Opa in der Nähe, um ihre Kinder dort unterzubringen, wenn sie etwas Dringendes erledigen müssen.

In der Vorweihnachtszeit besonders ärgerlich: Auch in den Innenstädten gibt es so gut wie keine Kinderbetreuung. "Seit Marlies' Geburt vor einem Jahr war ich nicht mehr in Ruhe einkaufen, sie fängt immer schnell an zu quengeln", sagt Petra (33). "Ich weiß gar nicht, wie ich auch noch Weihnachtsgeschenke besorgen soll." Es ist nicht nur ärgerlich, es ist auch unverständlich, dass der Einzelhandel nicht auf die Bedürfnisse von Eltern reagiert: Viele Mütter und Väter würden gerne Geld ausgeben, wenn sie das denn in aller Ruhe könnten.

Schnarch-Rache: Frau remixt Aufnahmen ihres Mannes zu Sommerhit!

Einkaufen

Mancherorts bieten Kommunen, Einkaufszentren oder private Anbieter wenigstens samstags eine günstige "Shoppingbetreuung" an. In Hanau etwa können Eltern ihre Kinder von 11 bis 16 Uhr im Rathaus in qualifizierte Hände abgeben, in Berlin Spandau beim Kinderbetreuungsservice. Das ist zwar besser als nichts, doch samstags sind die meisten Eltern ohnehin zu zweit, so dass ein Elternteil auf die Kinder aufpassen kann, während der andere einkauft. Außerdem lässt sich vieles am Samstag gar nicht erledigen: Arztbesuche etwa.

Noch schwieriger wird es unter der Woche. Lediglich größere Schuhläden richten Spielecken für die Kleinen ein, allerdings ohne die nötige Betreuung. Die findet man höchstens in den ganz großen Geschäften: Bei IKEA etwa, oder in Europas größtem Einkaufszentrum CentrO in Oberhausen können Eltern ihre Kinder betreuen lassen, während sie einkaufen. Auch im Hamburger Elbe Einkaufszentrum gibt es einen Hort für Kinder ab drei Jahren. Der kann auch von Eltern in Anspruch genommen werden, die einen Arzt im Zentrum aufsuchen.

Arztbesuche

Die Münchner Zahnärztin Dr. Clara Toll ist eine der wenigen Ärzt/innen, die den Bedarf erkannt hat. Sie bietet einen unbürokratischen Betreuungsservice an. Wer bei der Anmeldung sagt, dass er ein kleines Kind mitbringt, kann sicher sein, dass eine Helferin das Kleine übernimmt, während Mama oder Papa auf dem Stuhl schmort. In Hamburg engagiert Zahnärztin Dr. Heike Meynberg auf Wunsch sogar eine professionelle Kinderpflegerin.

Haare schneiden

Ähnlich rar gesät ist die Kinderbetreuung beim Frisör. In Hamburg kommt eine Frisörin an festen Tagen ins Café Diva Babylounge. Die Kinder können im Spielraum toben, während Mama eine neue Frisur bekommt. In den meisten anderen Städten können Eltern lediglich auf Frisöre in den Einkaufszentren zurückgreifen, die Kinderbetreuung anbieten - das Berliner KaDeWe etwa kümmert sich um Kinder ab zwei Jahre, derweil können Mama oder Papa sich bei Frisör "Tröndle" verschönern lassen. Oder man greift auf einen der mobilen Frisöre zurück, die ins Haus kommen - zum Beispiel, wenn das Baby seinen Mittagsschlaf hält.

Die Alternative: Offene Betreuung, Leih-Oma, Babysitter, Spielplätze

Die meisten Einrichtungen nehmen nur Kinder im Kindergartenalter auf. Wer ein Baby hat, muss sich meist selbst helfen: Mit Babysittern, Leih-Omas, Freunden oder Verwandten. Oder man nutzt eine "offene Kinderbetreuung", die auch Säuglinge miteinschließt. Immer mehr Einrichtungen reagieren auf die Bedürfnisse junger Eltern und bieten diesen flexiblen Service an: Dort kann man seinen Nachwuchs kurzfristig für ein paar Stunden abgeben, wenn man etwas erledigen muss (Adressen auf der nächsten Seite).

In Deutschland gibt es auch mehr als 500 pädagogisch betreute Spielplätze, wo man seine Kinder ebenfalls guten Gewissens lassen kann - manchmal kostenlos, manchmal für weniger als ein Euro pro Stunde. Neben den Abenteuer- und Aktivspielplätzen, die für größere Kinder konzipiert sind, gibt es auch kleine Vereine und Initiativen, die jüngere Kinder auf einem Spielplatz betreuen. Voraussetzung ist jedoch meistens, dass sie laufen können.

Tipps und Links

Hören Sie sich in der Nachbarschaft und bei anderen Eltern nach Betreuungsmöglichkeiten um, hier gibt es oft die besten Tipps. Doch auch im Internet werden Sie fündig:

  • Eine Fundgrube für regionale Tipps ist die tolle Website www.kinder-stadt.de, die aus einer Privatinitiative entstanden ist
  • Bei www.qype.com kann jeder Adressen vorstellen und bewerten. Wer den Namen seiner Stadt plus "Kinderbetreuung" eingibt, kann mit etwas Glück hilfreiche Tipps finden
  • Auch beim Portal www.meinestadt.de findet man viele Adressen zum Thema Kinderbetreuung am eigenen Wohnort
  • "Leihomas und -opas" findet man zum Beispiel bei www.leihomas-leihopas.de
  • Babysitter in Ihrer Nähe gibt's bei www.babysitter.de
  • Einige Beispiele für offene Kinderbetreuung: Münster, Dortmund, Kaufbeuren, Ravensburg, Stuttgart, Trier, Hamburg, Berlin

Wichtig: Prüfen Sie einen Anbieter sorgfältig, bevor Sie Ihr Kind in Obhut geben: Gehen die Mitarbeiter/innen einfühlsam auf mich und mein Kind zu? Finde ich sie sympathisch? Gewährt man mir und meinem Kind Einblick in die Einrichtung? Fühlt mein Kind sich dort wohl? Passen mir Erzieherschlüssel und pädagogisches Konzept? Sprechen mich die Räumlichkeiten an? Gibt es Ruhezonen für die Kinder? Können Sie alle Fragen mit Ja beantworten, haben Sie die richtige Wahl getroffen.

Mitmachen: Haben Sie gute Tipps und Adressen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion!

Text: Susanne Arndt

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel