Bedürfnisse in einer Beziehung: "Langzeitpaare werden sich immer ähnlicher"

Die Bedürfnisse, die wir in einer Beziehung offenbaren, können ganz andere sei, als unsere alltägliche Persönlichkeit vermuten lässt - das sagt zumindest der Psychologe Burghard Andresen. Brigitte.de hat sich mit ihm unterhalten.

BRIGITTE.de: Herr Professor Andresen, Sie sagen, dass unsere „Beziehungspersönlickeit” nicht unbedingt identisch ist mit unserer allgemeinen Persönlichkeit. Wie kommen Sie darauf?

Burghard Andresen: Zum einen hat die Persönlichkeitsforschung und -diagnostik den Bereich intimer Beziehungen bisher weitgehend „ausgespart” - man könnte fast meinen: tabuisiert, so dass die üblichen wissenschaftlich fundierten Persönlichkeitstest keinen ausreichenden Aufschluss über unsere Beziehungspersönlichkeit geben. Zum anderen muss nach vielen eigenen Erfahrungen angenommen werden, dass die Beziehungspersönlichkeit sich tatsächlich recht eigenständig gegenüber den nicht beziehungsgebundenen Persönlichkeitsanteilen entwickelt. So kann es durchaus passieren, dass der dominante führungsstarke Manager im intimen Liebesleben lieber das "masochistische Häschen" gibt.

BRIGITTE.de: Können zwei Menschen miteinander glücklich werden, obwohl sie ganz verschiedene Beziehungspersönlichkeiten haben?

Burghard Andresen: Natürlich, grundsätzlich ja, aber es kommt im Detail darauf an, in welchen Bereichen die Gegensätze sich ausbilden. Manche Gegensätze sind reizvoll und anziehend, andere mögen funktionell passen im Sinne einer guten Arbeitsteilung ungleicher Partner. Bestimmte Gegensätze stiften jedoch eher schon massives Konfliktpotenzial und sollten möglichst bei der Partnerwahl berücksichtigt werden. Aber auch an ungünstigen Konstellationen kann man beratend und therapeutisch arbeiten. Die Beziehungspersönlichkeit entwickelt sich weiter, ist nicht ein für alle mal „in Stein gemeißelt”. Langzeitpaare werden sich auch zunehmend ähnlicher, im günstigen Falle werden die ungünstigen Gegensätze „abgeschliffen” und erträglicher.

BRIGITTE.de: Man kann die Beziehungspersönlichkeit also willentlich verändern.

Burghard Andresen: Ich denke, dass bewusste Willensakte allein nicht ausreichen, um die Beziehungspersönlichkeit zu ändern, jedenfalls nicht im Hauruck-Verfahren. Aber an der eigenen Persönlichkeit kontinuierlich zu arbeiten - vielleicht unterstützt durch verständnisvolle Mitmenschen unseres Vertrauens - ist immer möglich und nicht selten erfolgreich. Den wichtigsten Einfluss auf die Beziehungspersönlichkeit haben - natürlich - die Beziehungen selber. Wir wachsen mit ihnen, im positiven Falle, oder kümmern vor uns hin im negativen Falle. Vor allem eine gute Beziehung kann viel bewirken, auch manche nicht geheilte Wunden aus älteren Beziehungserfahrungen schließen.

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