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Beziehung 5 versteckte Anzeichen für emotionalen Missbrauch

Beziehung: Eine junge Frau sitzt am See
© JIRAWAN MA-YOUH / Shutterstock
Emotionaler Missbrauch kann unterschiedlich aussehen und ist nicht immer offensichtlich. Umso besser, wenn wir lernen, auch subtile Signale als Warnzeichen zu erkennen. 

Emotionaler Missbrauch kann in allen möglichen Beziehungen auftreten und sehr viele unterschiedliche Gestalten annehmen. Meist geschieht er unbewusst, das heißt, die Person, die einen anderen Menschen auf dessen Kosten und zu ihren Gunsten unangemessen behandelt, weiß und merkt gar nicht, dass sie es tut. Typischerweise versucht die missbrauchende Person mit ihrem Verhalten etwas zu kompensieren, mit dem umzugehen ihr gesunde Strategien fehlen.

Wer selbst emotionalen Missbrauch erfährt, mag ihn vielleicht auch nicht immer als solchen erkennen und einzuordnen wissen – doch in der Regel spürt der:die Betroffene, dass etwas nicht stimmt, nicht so ist, wie es sein sollte, weil sie:er sich durch die Beziehung, in der der Missbrauch stattfindet, schlecht und unwohl fühlt.

Folgende Verhaltensweisen können Signale für emotionalen Missbrauch sein.

5 versteckte Anzeichen für emotionalen Missbrauch

1. Immer auf der Stelle eine Antwort verlangen

Sofort eine Reaktion zu erwarten, zum Beispiel auf eine Textnachricht oder einen Anruf oder auch zu einem Thema in einem Gespräch, ist ein kontrollierendes Verhalten, das meist aus Unsicherheit resultiert und die andere Person in der Regel erheblich unter Druck setzt und stresst. Wenn dir zum Beispiel jemand schreibt wie war's gestern beim Pilates? und zehn Minuten später hinterherschickt wieso antwortest du nicht, was ist los? kann das ein Hinweis auf emotionalen Missbrauch sein. Ebenso ist es bedenklich, wenn dir eine Person, während ihr euch unterhaltet, nicht die Zeit gibt, die du brauchst, um dich zu äußern. Meist führt ein solches Verhalten dazu, dass wir uns in einer Beziehung gestresst und unwohl fühlen und beispielsweise Angst haben, Nachrichten zu lesen, weil die andere Person dann sieht, dass wir sie gelesen haben und wir glauben, antworten zu müssen.

2. Aus Trotz oder Rache Zuneigung verweigern

Gibt sich eine Person kalt und distanziert, nachdem in der Beziehung etwas vorgefallen ist, das ihr nicht passte – der:die andere hat abgesagt, weil sie:er Zeit für sich brauchte zum Beispiel –, ist das oft eine Form von passiv-aggressiver Bestrafung und Auflehnung gegen die Grenzen, die andere Menschen setzen. Mit einem solchen Verhalten konfrontiert, fühlen wir uns oft verunsichert und denken, etwas falsch gemacht zu haben oder falsch zu sein, weil es uns signalisiert, dass die betreffende Person uns offenbar weniger liebt oder mag als zuvor.

3. Nicht erklären, warum man wütend/ verletzt ist – aber Wiedergutmachung erwarten

Offensichtlich wütend oder beleidigt sein, aber die andere Person im Dunkeln darüber lassen, warum, spricht oft für ein überhöhtes Bedürfnis nach Kontrolle und einen gewissen Grad von Egomanie: Der:die andere soll über mich nachdenken, sich in meine Lage versetzen und sich überlegen, wie er mich dazu bringen kann, ihm:ihr zu verzeihen. Meist klappt das ziemlich gut: Wenn wir ein solches Verhalten erfahren, entwickeln wir typischerweise Schuldgefühle und beschäftigen uns tatsächlich viel mit dem Menschen, von dem wir das Signal empfangen.

4. Herunterspielen, was der anderen Person wichtig ist

Dinge abwerten, die dem anderen Menschen etwas bedeuten, zum Beispiel durch ein offensichtlich geringes Interesse, ist eine typische Strategie, um jemanden klein zu halten und das Selbstwert- und Unabhängigkeitsgefühl dieser Person zu torpedieren. Wenn unser Gegenüber uns vermittelt, dass das, wofür wir uns begeistern und womit wir uns beschäftigen, keine Relevanz für ihn oder andere hat, löst das meist Zweifel in uns aus und wir beginnen, in Frage zu stellen, was wir tun und was uns wichtig ist.

5. Die andere Person vorführen

Etwas zu sagen oder zu tun, das das Schamgefühl eines Menschen triggert, kann ebenfalls ein Hinweis auf emotionalen Missbrauch sein – insbesondere wenn es in einer Beziehung häufiger passiert. Beispiele wären hier etwa Aussagen wie das ist mir aber neu, dass du so zu diesem Thema stehst in einem Gespräch mit mehreren Personen oder ein Outing durch die vermeintliche Vertrauensperson in einer situativ sensiblen Angelegenheit: Meine Freundin schaut ja auch immer Trash TV, nachdem gerade alle Anwesenden bekundet haben, dass sie das niveaulos finden oder Ähnliches. Wenn wir uns schämen, fühlen wir uns klein und verunsichert und entwickeln Hemmungen, uns anderen Menschen zu öffnen und anzuvertrauen.

Egal ob es sich um eine Freundschaft, Partnerschaft oder eine andere Art einer sozialen Verbindung handelt: Eine Beziehung, in der wir immer wieder Verhaltensweisen wie diese erfahren, ist nicht gesund und erfüllt nicht den Sinn, den unsere Beziehungen haben – uns Kraft zu geben und gut zu tun. So schwer es in Einzelfällen auch sein mag, wäre es besser, uns von Menschen, die diese und ähnliche Signale an uns senden, zu distanzieren und stattdessen mehr Zeit mit Leuten zu verbringen, die das nicht tun – und mit denen wir uns wohlfühlen.

Verwendete Quellen: beziehungsweise-magazin.de, netdoktor.de

sus Brigitte

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